Zahlen, bitte
„Ein ganzer Bahnhof zieht in den Untergrund um – und die Rechnung dafür ist über die Jahre auf schwindelerregende Höhen geklettert.“
Wie viel kostet Stuttgart 21?
→ Zahlen zum wohl umstrittensten Bahnprojekt des Landes.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Zahlen, bitte
Kurz gesagt
Das Projekt Stuttgart 21 verwandelt den Stuttgarter Kopfbahnhof in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof. Die Kosten sind von einst geplanten rund viereinhalb auf inzwischen etwa zehn Milliarden Euro gestiegen und machen es zu einem der teuersten Bahnprojekte des Landes.
Kaum ein Bahnprojekt in Deutschland hat so viel Streit, so viele Schlagzeilen und so viele Zahlen hervorgebracht wie Stuttgart 21.
Im Kern geht es darum, den alten Kopfbahnhof, an dem die Züge wenden müssen, durch einen modernen unterirdischen Durchgangsbahnhof zu ersetzen.
Was einst mit einer überschaubaren Summe geplant war, ist über die Jahre zu einer der größten Rechnungen der deutschen Bahngeschichte angewachsen.

Stuttgart 21 in Zahlen
~10 Mrd. €
Kosten heute
einst rund 4,5 Mrd. geplant
~60 km
neue Tunnel
unter der Stadt
8
Gleise unten
statt 16 im alten Kopfbahnhof
Angaben gerundet nach Deutscher Bahn und Projektangaben; die Kosten sind über die Jahre mehrfach gestiegen.
Worum es überhaupt geht
Der bisherige Stuttgarter Hauptbahnhof ist ein klassischer Kopfbahnhof, bei dem die Gleise an einem Ende einfach enden.
Jeder Zug muss dort einfahren, halten und anschließend in dieselbe Richtung wieder hinausfahren, was Zeit kostet.
Stuttgart 21 dreht diesen Bahnhof um neunzig Grad und verlegt ihn tief unter die Erde als Durchgangsbahnhof.
Dort können die Züge künftig einfach durchfahren, ohne umständlich wenden zu müssen.

Die explodierten Kosten
Am Anfang der Planungen stand eine Summe von rund viereinhalb Milliarden Euro, die schon damals gewaltig wirkte.
Über die Jahre kletterten die geschätzten Kosten jedoch immer weiter und liegen inzwischen bei etwa zehn Milliarden Euro.
Damit hat sich der Preis gegenüber den ersten Plänen mehr als verdoppelt.
Diese Kostensteigerung ist einer der Hauptgründe für den anhaltenden Streit um das Projekt.
Gut zu wissen
Aus dem alten Kopfbahnhof, an dem Züge wenden müssen, wird ein unterirdischer Durchgangsbahnhof, den sie einfach durchfahren.
Der frei werdende Platz an der Oberfläche soll zu einem völlig neuen Stadtviertel werden.
Ein Bahnhof im Untergrund
Der neue Durchgangsbahnhof entsteht tief unter dem alten und ist mit acht Gleisen deutlich kleiner als der bisherige.
Der alte Kopfbahnhof hatte an der Oberfläche sechzehn Gleise, von denen künftig nur die Hälfte im Untergrund bleibt.
Kritiker fürchten, dass diese acht Gleise für den erwarteten Verkehr zu knapp bemessen sein könnten.
Die Befürworter halten dagegen, dass Durchgangsgleise viel mehr Züge bewältigen als wendende Kopfgleise.
Kilometerlange Tunnel
Damit die Züge den unterirdischen Bahnhof erreichen, wird die ganze Stadt von einem Netz neuer Tunnel durchzogen.
Insgesamt entstehen rund sechzig Kilometer solcher Tunnelröhren unter Stuttgart und seiner hügeligen Umgebung.
Der Bau durch den schwierigen Untergrund mit seinem quellfähigen Gestein ist besonders aufwendig und teuer.
Ein großer Teil der gewaltigen Kosten steckt genau in diesen kilometerlangen Röhren.
Der jahrelange Streit
Kaum ein Projekt hat die Menschen so gespalten wie Stuttgart 21, das über Jahre für heftige Proteste sorgte.
Gegner wandten sich gegen die Kosten, gegen gefällte Bäume im Schlossgarten und gegen den Abriss von Teilen des alten Bahnhofs.
Befürworter sahen in dem Projekt dagegen die überfällige Modernisierung eines veralteten Kopfbahnhofs.
In einer Volksabstimmung sprach sich schließlich eine Mehrheit für die Fortführung des Baus aus.
Warum es so lange dauert
Neben den Kosten ist auch die Bauzeit von Stuttgart 21 immer wieder länger geworden als ursprünglich geplant.
Der schwierige Untergrund, unerwartete Hindernisse und die Größe des Projekts sorgten für Verzögerung um Verzögerung.
Aus einem Vorhaben, das in wenigen Jahren fertig sein sollte, wurde ein Bau über mehr als ein Jahrzehnt.
Solche Verzögerungen treiben bei einem Großprojekt die Kosten zusätzlich in die Höhe.
Was am Ende herauskommt
Trotz allen Streits soll am Ende ein moderner Bahnknoten stehen, der den Verkehr in der Region beschleunigt.
Der frei werdende Platz über dem alten Kopfbahnhof soll zu einem ganz neuen Stadtviertel werden.
Ob der hohe Preis diesen Nutzen am Ende rechtfertigt, darüber wird wohl noch lange gestritten werden.
Sicher ist nur, dass Stuttgart 21 als eines der teuersten und umstrittensten Bahnprojekte in die Geschichte eingeht.
Was die Zahl bedeutet
Die rund zehn Milliarden Euro für Stuttgart 21 sind eine Summe, die kaum noch jemand greifen kann.
Sie steht sinnbildlich für die enormen Kosten, die der Bau moderner Infrastruktur mitten in einer Großstadt verursacht.
Zugleich mahnt sie, wie schnell ein Großprojekt die einst geplanten Kosten weit hinter sich lassen kann.
Für die Bahn ist Stuttgart 21 damit ebenso ein Prestigeprojekt wie eine dauerhafte Lehre in Sachen Kostenkontrolle.
Häufige Fragen
Wie viel kostet Stuttgart 21?
Was wird gebaut?
Wie viele Tunnel entstehen?
Warum ist es so umstritten?
Wie viele Gleise hat der neue Bahnhof?
Weiterfahrt
→ Wie viele Verkehrsverbünde gibt es? – der Tarifdschungel
→ Wie viele Aufzüge hat die Bahn? – Bau und Barrierefreiheit
