Stimmt es, dass Züge bei Hitze langsamer fahren müssen?

Stimmt es, dass…?

„Wenn im Hochsommer die Schienen flimmern, drosselt die Bahn mancherorts das Tempo – aus gutem Grund.“

Stimmt es, dass Züge bei Hitze langsamer fahren müssen?

→ Ein Mythos über Hitze, Stahl und langsamere Züge auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Das stimmt. Bei sehr hohen Temperaturen kann sich der Stahl der Gleise so stark ausdehnen, dass die Schienen sich verbiegen. Um das zu verhindern, ordnet die Bahn auf gefährdeten Abschnitten langsamere Fahrt an, denn ein langsamer Zug belastet ein verformtes Gleis weniger.

An heißen Sommertagen kommt es immer wieder vor, dass Züge ohne erkennbaren Grund plötzlich langsamer werden.

Viele Reisende vermuten dahinter eine Störung oder eine überlastete Strecke und ärgern sich über die Verspätung.

Tatsächlich aber steckt hinter dem gedrosselten Tempo oft ein rein physikalischer Grund, der mit der Hitze selbst zu tun hat.

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Foto: Clic, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Warum sich Schienen ausdehnen

Stahl ist ein Werkstoff, der sich bei Wärme ausdehnt und bei Kälte wieder zusammenzieht, das gilt auch für die Schiene.

An einem heißen Sommertag kann eine Schiene deutlich wärmer werden als die Luft, weil die Sonne direkt auf den dunklen Stahl brennt.

Bei über fünfzig Grad Schienentemperatur will sich der Stahl in die Länge ausdehnen, findet aber kaum Platz dafür.

Da die Schiene fest im Gleisbett verankert ist, baut sich in ihr eine gewaltige innere Spannung auf.

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Foto: Clic, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wenn das Gleis sich verbiegt

Wird die Spannung zu groß, kann die Schiene der Enge nicht mehr standhalten und weicht seitlich aus.

Fachleute sprechen dann von einem Gleisverwerfung, bei der sich die einst gerade Schiene zu einer Welle verformt.

Ein solches verworfenes Gleis ist gefährlich, weil ein darüberfahrender Zug im schlimmsten Fall entgleisen könnte.

Genau diese seltene, aber ernste Gefahr will die Bahn mit ihren Maßnahmen von vornherein verhindern.

Gut zu wissen

Nicht die Lufttemperatur zählt, sondern die der Schiene. Dunkler Stahl in der Sonne wird deutlich heißer als die Luft.

Auch die Oberleitung dehnt sich bei Hitze und hängt tiefer durch – auch das kann zu langsamerer Fahrt führen.

Warum langsamer sicherer ist

Ein langsam fahrender Zug übt deutlich geringere Kräfte auf das Gleis aus als ein schneller.

Rollt der Zug behutsam über einen gefährdeten Abschnitt, kann ein leicht verformtes Gleis diese geringere Last besser aushalten.

Zudem hat das Zugpersonal bei langsamer Fahrt mehr Zeit, eine sichtbare Verformung rechtzeitig zu bemerken.

Die angeordnete Langsamfahrt ist also kein bürokratischer Übereifer, sondern eine handfeste Sicherheitsmaßnahme.

Wie die Bahn die Gefahr erkennt

An besonders heißen Tagen überwacht die Bahn die Temperatur ihrer Gleise auf gefährdeten Strecken besonders genau.

Fahrbahnkontrolleure und Messgeräte melden, wenn der Stahl kritische Werte erreicht.

Überschreitet die Schienentemperatur eine festgelegte Grenze, wird für den betroffenen Abschnitt ein Tempolimit angeordnet.

So lässt sich das Risiko gezielt dort senken, wo die Hitze tatsächlich gefährlich wird.

Der Trick mit der Vorspannung

Moderne Gleise sind so gebaut, dass sie einen weiten Temperaturbereich ohne Probleme aushalten.

Beim Verlegen wird die lange, lückenlos verschweißte Schiene auf eine mittlere Temperatur vorgespannt.

So bleibt sowohl bei großer Hitze als auch bei strengem Frost genug Spielraum, bevor gefährliche Spannungen entstehen.

Nur bei außergewöhnlichen Hitzewellen reicht dieser eingebaute Puffer nicht mehr aus.

Nicht nur die Schienen leiden

Neben den Gleisen macht die Hitze auch anderen Teilen der Bahn zu schaffen.

Die Oberleitung aus Kupfer dehnt sich ebenfalls aus und hängt an heißen Tagen ein Stück tiefer durch.

Damit der Stromabnehmer des Zuges den Draht sicher berührt, muss auch hier manchmal das Tempo gedrosselt werden.

Selbst die Technik in den Zügen und Stellwerken kann bei extremer Hitze empfindlicher reagieren.

Warum Hitze zunehmend zum Thema wird

Mit dem Klimawandel häufen sich die Tage mit extremer Hitze, an denen solche Maßnahmen nötig werden.

Die Bahn reagiert darauf, indem sie besonders gefährdete Abschnitte gezielt ertüchtigt und widerstandsfähiger baut.

Hellere Schienen, robustere Verankerung und bessere Überwachung sollen die Zahl der Langsamfahrstellen verringern.

Trotzdem wird die Hitze im Sommer wohl ein wiederkehrendes Thema für den Bahnbetrieb bleiben.

Was von dem Mythos übrig bleibt

Am Ende bestätigt sich, was viele Reisende vermuten, aber selten genau erklärt bekommen.

Züge fahren bei großer Hitze tatsächlich langsamer, und das aus einem sehr guten physikalischen Grund.

Hinter der ärgerlichen Verspätung steckt keine Schlamperei, sondern der vernünftige Schutz vor entgleisenden Zügen.

Wer das weiß, sieht die langsame Fahrt an einem glühend heißen Tag mit etwas mehr Verständnis.

Was Reisende selbst tun können

Wer an einem glühend heißen Tag reist, kann mit ein wenig Wissen gelassener auf eine langsame Fahrt reagieren.

Es lohnt sich, an Hitzetagen etwas mehr Zeit für Anschlüsse einzuplanen, weil einzelne Abschnitte langsamer befahren werden.

Auch reichlich Wasser im Gepäck hilft, denn in einem stehenden Zug ohne Klimaanlage kann es rasch unangenehm warm werden.

So wird aus der ärgerlichen Verzögerung wenigstens keine unnötig beschwerliche Reise.

Häufige Fragen

Fahren Züge bei Hitze wirklich langsamer?
Ja. Auf gefährdeten Abschnitten ordnet die Bahn bei sehr hoher Schienentemperatur ein Tempolimit an, um Gleisverwerfungen vorzubeugen.
Was ist eine Gleisverwerfung?
Wenn sich der ausgedehnte Stahl der Schiene seitlich verbiegt und aus der geraden Linie eine Welle wird. Darüber könnte ein Zug entgleisen.
Ab welcher Temperatur wird es kritisch?
Nicht die Luft, sondern die Schiene zählt. Sie kann in der Sonne über fünfzig Grad heiß werden, deutlich mehr als die Umgebungsluft.
Warum hilft langsameres Fahren?
Ein langsamer Zug belastet das Gleis weniger, und das Personal kann eine Verformung eher bemerken.
Wird das Problem größer?
Mit häufigeren Hitzewellen ja. Die Bahn rüstet gefährdete Strecken deshalb widerstandsfähiger aus.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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