Stimmt es, dass ein ICE in beide Richtungen gleich schnell fährt?

Stimmt es, dass …?

„Vorne wird hinten und hinten wird vorne – und trotzdem ändert sich am Tempo nichts.“

Stimmt es, dass ein ICE in beide Richtungen gleich schnell fährt?

→ Wir prüfen den Mythos – und erklären, warum ein ICE symmetrisch gebaut ist.

Lesezeit: 6 Minuten · Schalter: Mythen

Kurz gesagt

Ein ICE muss am Ende der Strecke nicht umdrehen. Er fährt einfach in die andere Richtung los. Aber ist er dann genauso schnell? Wir haben nachgesehen.

Doppelstockzug am Bahnhof Alexanderplatz in Berlin
Foto: Jivee Blau, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Wie der Lokführer die Seite wechselt

Am Zielbahnhof bleibt der Zug einfach stehen.

Der Lokführer steigt aus, geht ans andere Ende des Zuges und nimmt dort im zweiten Führerstand Platz.

Nach wenigen Minuten kann es zurückgehen.

Der Zug selbst dreht sich dabei nicht.

Was eben noch das Ende war, ist nun die Spitze.

Für die Fahrgäste ändert sich nichts – höchstens, dass sie plötzlich in die andere Richtung schauen.

Warum das früher anders war

Zu Zeiten der Dampfloks war das Wenden aufwendig.

Eine Dampflok fährt am besten vorwärts, mit dem Schornstein voran.

Am Ziel musste sie deshalb oft auf einer Drehscheibe umgedreht werden.

Moderne Triebzüge haben dieses Problem nicht mehr.

Sie sind von vornherein für beide Richtungen gebaut.

Das spart Zeit, Platz und aufwendige Technik in den Bahnhöfen.

Wo die Bauform Feinheiten kennt

Nicht jeder ICE ist gleich aufgebaut.

Die ältesten Modelle haben nur an einem Ende einen kräftigen Triebkopf und am anderen einen Steuerwagen.

Neuere Züge verteilen den Antrieb über den ganzen Zug.

Für die Höchstgeschwindigkeit macht das keinen Unterschied: Ob geschoben oder gezogen, ob verteilt angetrieben – der Zug fährt in beide Richtungen gleich schnell.

Die Bauform ist immer auf Symmetrie ausgelegt.

Der Vorteil für den Fahrplan

Dass ein ICE nicht wenden muss, ist ein großer Gewinn für den Fahrplan.

Die Züge können am Ziel schnell wieder losfahren und sind so öfter im Einsatz.

Genau das macht einen dichten Takt erst möglich.

Auch andere Züge können wenden

Nicht nur der ICE ist für beide Richtungen gebaut.

Auch S-Bahnen, viele Regionalzüge und moderne Straßenbahnen haben an beiden Enden einen Führerstand oder fahren als Wendezug.

Bei einem Wendezug schiebt die Lok den Zug in die eine Richtung und zieht ihn in die andere.

Vorne sitzt dann ein Steuerwagen mit Führerstand.

Auch so muss am Ziel nichts gedreht werden.

Warum Symmetrie so praktisch ist

Die symmetrische Bauweise ist einer der stillen Fortschritte der modernen Bahn.

Sie macht enge Wendezeiten möglich und spart Drehscheiben, lange Umfahrten und wertvolle Minuten.

Für die Fahrgäste bleibt das meist unsichtbar.

Sie merken nur, dass ihr Zug pünktlich und ohne langes Rangieren wieder losfährt – ein kleiner, aber wichtiger Baustein für einen zuverlässigen Fahrplan.

Alstom Coradia Continental in Karlsruhe
Foto: JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein Mythos, der stimmt

Am Ende bestätigt sich die Vermutung vollständig: Ein ICE fährt in beide Richtungen gleich schnell.

Seine ganze Bauweise ist darauf ausgelegt, keine bevorzugte Richtung zu kennen.

Das ist kein technischer Trick, sondern gesunder Menschenverstand auf Schienen.

Ein Zug, der ständig zwischen zwei Orten pendelt, muss in beide Richtungen gleich gut fahren – und genau das tut er.

Das Urteil vorweg

Stimmt – ein ICE fährt in beide Richtungen gleich schnell.

Er hat an beiden Enden einen Führerstand und muss nie wenden.

Das Tempo hängt nicht von der Fahrtrichtung ab, sondern von der Strecke.

Die Antwort lautet: Ja.

Ein ICE fährt vorwärts wie rückwärts gleich schnell.

Anders als ein Auto hat er keine bevorzugte Richtung.

Das liegt an seiner Bauweise.

Ein Führerstand an jedem Ende

Ein ICE ist ein sogenannter Triebzug oder Wendezug.

Das heißt: An beiden Enden gibt es einen Führerstand.

Der Lokführer wechselt am Zielbahnhof einfach ans andere Ende – und schon geht es zurück.

Ein Wenden auf einer Drehscheibe, wie früher bei Dampfloks, ist nicht nötig.

Das spart Zeit und Platz und ist einer der großen Vorteile moderner Züge.

Symmetrisch gebaut

Weil ein ICE in beide Richtungen fahren muss, ist er symmetrisch konstruiert.

Die Technik ist so ausgelegt, dass es keine „starke“ und keine „schwache“ Richtung gibt.

Ob das eine oder das andere Ende vorn ist, spielt für den Antrieb keine Rolle.

Bei vielen ICE sind die Antriebe zudem über den ganzen Zug verteilt.

Dann ziehen und schieben mehrere Wagen gleichzeitig – in jede Richtung mit derselben Kraft.

Was das Tempo wirklich bestimmt

Die Höchstgeschwindigkeit hängt also nicht von der Fahrtrichtung ab, sondern von der Strecke.

Auf einer Schnellfahrstrecke darf der ICE schnell fahren, auf einer alten Nebenstrecke langsam – in beide Richtungen gleichermaßen.

Auch die Signale und die zulässige Geschwindigkeit gelten für beide Richtungen.

Ein Gefälle oder eine Steigung kann die tatsächliche Fahrt zwar leicht beeinflussen, an der erlaubten Geschwindigkeit ändert das aber nichts.

Fazit

Der Mythos stimmt: Ein ICE fährt in beide Richtungen gleich schnell.

Er hat an beiden Enden einen Führerstand und ist symmetrisch gebaut.

Das Tempo bestimmt die Strecke, nicht die Fahrtrichtung.

Häufige Fragen

Muss ein ICE am Ziel wenden?
Nein. Er hat an beiden Enden einen Führerstand. Der Lokführer wechselt einfach die Seite, und der Zug fährt zurück.
Ist der ICE rückwärts langsamer?
Nein. Durch die symmetrische Bauweise ist er in beide Richtungen gleich schnell. Es gibt keine bevorzugte Fahrtrichtung.
Wovon hängt die Höchstgeschwindigkeit ab?
Von der Strecke und den Signalen, nicht von der Richtung. Auf einer Schnellfahrstrecke ist der ICE schnell, auf einer alten Strecke langsamer – in beide Richtungen gleich.

Weiterfahrt

→ Hat ein Zug immer Vorfahrt? – noch ein Mythos

→ Ortstermin: Karlsruhe Hauptbahnhof – wo ICE wenden

→ Wie viele Kilometer fährt ein ICE? – die Zahlen dazu

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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