Stimmt es, dass Züge keine steilen Berge hochkommen?

Stimmt es, dass …?

„Es geht bergauf – und der Zug muss zeigen, was er kann.“

Stimmt es, dass Züge keine steilen Berge hochkommen?

→ Wir prüfen den Mythos – und erklären, warum es die Zahnradbahn gibt.

Lesezeit: 6 Minuten · Schalter: Mythen

Kurz gesagt

Räder aus Stahl auf Schienen aus Stahl – viel Grip ist das nicht. Kein Wunder, dass Züge als schwach am Berg gelten. Aber stimmt das wirklich? Wir haben nachgesehen.

S-Bahnhof Brandenburger Tor, Zwischenebene
Foto: Geoprofi Lars, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wie eine Zahnradbahn funktioniert

Bei einer Zahnradbahn liegt zwischen den normalen Schienen eine dritte, gezahnte Schiene.

In sie greift ein angetriebenes Zahnrad unter der Lok.

So entsteht ein fester Formschluss, der nicht durchrutschen kann.

Das ist, als würde man sich an einer Leiter hochziehen, statt eine glatte Rampe hinaufzugehen.

Mit dieser Technik sind Steigungen möglich, die für eine normale Bahn undenkbar wären.

Wo Zahnradbahnen fahren

Zahnradbahnen findet man vor allem in den Bergen.

Sie bringen Ausflügler auf Gipfel und Aussichtsberge, die sonst nur zu Fuß erreichbar wären.

In den Alpen und Mittelgebirgen gibt es zahlreiche solcher Bahnen.

Auch in Deutschland gibt es berühmte Beispiele, etwa die Zugspitzbahn oder die Drachenfelsbahn.

Sie alle nutzen die Zahnstange, um ihre steilen Strecken zu bewältigen.

Tricks für die normale Bahn

Auch ohne Zahnstange gibt es Kniffe, um mit Steigungen umzugehen.

Man kann die Strecke in langen Schleifen oder Kehren anlegen, sodass sie nur sanft ansteigt.

Berühmt sind Kehrtunnel, die sich im Berg im Kreis drehen.

So gewinnt der Zug allmählich an Höhe, ohne dass die Steigung zu groß wird.

Diese Bauweise ist aufwendig, macht aber steile Regionen auch für die normale Bahn erreichbar.

Sand für mehr Grip

Ein weiterer Trick: Viele Loks haben Sandstreuer.

Bei Bedarf streuen sie feinen Sand vor die Räder.

Das erhöht die Reibung und hilft, an einer Steigung nicht durchzudrehen.

Gerade bei Nässe oder Laub auf den Schienen ist das wichtig.

Der Sand verschafft dem Zug den nötigen Halt, damit er auch an einer Steigung sicher anfahren und bremsen kann.

Ein alter Traum der Ingenieure

Schon die frühen Bahnbauer stießen an das Problem der Steigung.

Sie ersannen Rampen, Kehren und Zahnstangen, um die Berge zu bezwingen.

Jede steile Strecke war ein kleiner Triumph über die Schwerkraft.

Diese Erfindungen machten es möglich, auch abgelegene Bergregionen an die Bahn anzuschließen.

Ohne sie wären viele Täler und Gipfel bis heute nur schwer erreichbar.

Warum sanfte Steigungen besser sind

Wo es geht, bevorzugt man dennoch sanfte Steigungen.

Sie sparen Energie, schonen die Technik und erlauben höheres Tempo.

Eine flache, gut trassierte Strecke ist einer steilen Rampe fast immer überlegen.

Deshalb nehmen Planer oft lieber einen kleinen Umweg in Kauf, als eine zu steile Strecke zu bauen.

Die Zahnradbahn bleibt die Ausnahme für die wirklich steilen Berge.

Baureihe 430 im Stuttgarter Hauptbahnhof
Foto: JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein Mythos mit wahrem Kern

Der Mythos stimmt also nur zur Hälfte.

Normale Züge kommen sehr wohl bergauf, aber eben nur bis zu einer bestimmten Grenze.

Erst darüber hinaus braucht es die Zahnstange.

Wer das weiß, versteht auch, warum manche Bergbahnen anders aussehen als die Bahn im Tal.

Es ist die Antwort der Ingenieure auf die einfache Frage: Wie kommt ein Zug den steilen Berg hinauf?

Das Urteil vorweg

Teils, teils – normale Züge schaffen nur begrenzte Steigungen.

Der Grund ist die geringe Reibung zwischen Stahlrad und Stahlschiene.

Für richtig steile Berge braucht es deshalb eine Zahnradbahn.

Die Antwort ist ein klares Jein.

Normale Züge kommen sehr wohl bergauf – aber nur bis zu einer bestimmten Steigung.

Wird es zu steil, ist Schluss.

Dann hilft nur noch besondere Technik.

Das Problem mit der Reibung

Eine Eisenbahn rollt mit Stahlrädern auf Stahlschienen.

Das macht sie besonders leichtgängig und sparsam – aber es gibt wenig Grip.

Bei zu großer Steigung drehen die Räder einfach durch.

Ein Auto mit Gummireifen hat viel mehr Haftung und schafft steilere Straßen.

Der Zug dagegen ist auf sanfte Steigungen angewiesen.

Genau das ist der Kern des Mythos.

Wo die Grenze liegt

Normale Bahnstrecken haben meist nur wenige Promille Steigung.

Als besonders steil gelten schon Rampen um 25 Promille – also 25 Meter Höhe auf einen Kilometer.

Steilstrecken erreichen bis etwa 40 Promille.

Darüber hinaus wird es für die reine Reibung zu viel.

Ohne Hilfsmittel käme ein normaler Zug eine wirklich steile Bergflanke nicht hinauf – hier endet die Kraft der Haftung.

Die Lösung: die Zahnradbahn

Für steile Berge gibt es deshalb die Zahnradbahn.

Zwischen den Schienen liegt eine gezahnte Stange, in die ein Zahnrad des Zuges greift.

So zieht sich die Bahn den Berg hinauf, ohne durchzudrehen.

Mit dieser Technik sind selbst extreme Steigungen möglich, an denen jede normale Bahn scheitern würde.

Bergbahnen in den Alpen überwinden so Steigungen von weit über hundert Promille.

Fazit

Der Mythos stimmt zur Hälfte: Normale Züge schaffen nur begrenzte Steigungen.

Grund ist die geringe Reibung zwischen Stahlrad und Stahlschiene.

Für steile Berge gibt es die Zahnradbahn, die sich an einer Zahnstange hochzieht.

Häufige Fragen

Wie steil darf eine normale Bahnstrecke sein?
Meist nur wenige Promille. Als sehr steil gelten schon Rampen um 25 Promille; Steilstrecken erreichen bis etwa 40 Promille. Darüber reicht die Reibung nicht mehr.
Warum kommen Züge nicht jeden Berg hoch?
Weil Stahlrad und Stahlschiene wenig Grip bieten. Bei zu großer Steigung drehen die Räder durch. Deshalb sind normale Bahnen auf sanfte Steigungen angewiesen.
Wie schaffen Zahnradbahnen steile Berge?
Ein Zahnrad des Zuges greift in eine gezahnte Stange zwischen den Schienen. So zieht sich die Bahn hinauf, ohne durchzurutschen – auch bei sehr großer Steigung.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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