STIMMT ES, DASS …?
„Nächster Halt: die Statistik. Bitte nicht erschrecken – sie ist auf Ihrer Seite.“
Stimmt es, dass Bahnfahren sicherer ist als Autofahren? Die Zahlen: 0,03 gegen 1,55 Tote je Milliarde Kilometer
→ Kurz gesagt: Ja – und der Abstand ist gewaltig
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Kurz gesagt
Gefühlt ist ein Zugunglück eine Katastrophe und ein Autounfall Alltag. Die Statistik dreht dieses Bauchgefühl um: Pro gefahrenem Kilometer ist die Bahn um ein Vielfaches sicherer als das Auto. Warum das so ist – und wo die Restgefahr steckt.

Die kurze Antwort
Ja, und zwar deutlich.
Wer eine Strecke mit der Bahn statt mit dem Auto zurücklegt, hat ein um ein Vielfaches geringeres Risiko, dabei tödlich zu verunglücken.
Das gilt nicht für den Einzelfall – Unfälle gibt es hier wie dort – sondern über die riesige Masse aller gefahrenen Kilometer gemittelt.
Und dort ist der Unterschied eindeutig.
Todesrisiko im Vergleich
0,03
Getötete je Mrd. Personenkilometer
Eisenbahn
1,55
Getötete je Mrd. Personenkilometer
Pkw
≈ 50×
sicherer
rechnerisch, pro Kilometer
Bezugsgröße: Getötete je Milliarde Personenkilometer, langjähriger Durchschnitt.
Quellen: Allianz pro Schiene / Statistisches Bundesamt.
Was die Zahlen bedeuten
Die Bezugsgröße heißt Personenkilometer – ein Mensch, einen Kilometer weit befördert.
Rechnet man alle Fahrten zusammen, kommt man auf Milliarden solcher Kilometer im Jahr.
Setzt man die Zahl der dabei Getöteten ins Verhältnis, entsteht ein fairer Vergleich zwischen den Verkehrsmitteln, unabhängig davon, wie viel jeder Einzelne fährt.
Das Ergebnis: Auf der Schiene sterben, bezogen auf die gleiche Fahrleistung, etwa fünfzigmal weniger Menschen als im Auto.
Auch Bus und Bahn liegen eng beieinander an der Spitze der sicheren Verkehrsmittel, während Pkw, Motorrad und Fahrrad deutlich höhere Werte aufweisen.
Warum die Bahn so sicher ist
Der wichtigste Grund liegt im Fahrweg selbst.
Ein Zug fährt auf einem eigenen, abgeschlossenen Gleis – ohne Gegenverkehr auf derselben Spur, ohne kreuzende Fußgänger, ohne einen Betrunkenen, der ihm entgegenkommt.
Der häufigste tödliche Autounfall, der Frontalzusammenstoß, ist auf der Schiene baulich fast ausgeschlossen.
Dazu kommt die Technik.
Signale werden zentral gestellt und gegeneinander verriegelt, sodass zwei Züge nicht auf denselben Abschnitt geschickt werden können.
Fährt ein Zug an einem Halt zeigenden Signal vorbei, greift die Zugbeeinflussung ein und bremst automatisch.
Und am Steuer sitzt kein Gelegenheitsfahrer, sondern ausgebildetes Personal.
Hinzu kommt die ständige Wartung: Gleise, Weichen und Fahrzeuge werden regelmäßig geprüft, lange bevor etwas bricht.
Sicherheit ist bei der Bahn kein Zufall, sondern das Ergebnis eines dichten Netzes aus Vorschriften, Kontrollen und redundanter Technik.
Die Technik, die mitfährt
PZB (Punktförmige Zugbeeinflussung): überwacht Signale und erzwingt notfalls eine Zwangsbremsung.
LZB und ETCS: führen den Zug auf schnellen Strecken kontinuierlich und überwachen laufend die Geschwindigkeit.
Stellwerke verriegeln Weichen und Signale so, dass sich Fahrwege nicht gefährlich kreuzen.
Der Faktor Mensch
Ein großer Teil des Unterschieds erklärt sich mit dem, was am Steuer passiert.
Im Auto entscheidet ein einzelner Mensch über Tempo, Abstand und Aufmerksamkeit – und macht Fehler: Ablenkung, Müdigkeit, Selbstüberschätzung, hin und wieder Alkohol.
Auf der Schiene ist der Fahrweg dagegen technisch überwacht, und die entscheidenden Sicherheitsfunktionen laufen auch dann weiter, wenn der Mensch einmal aussetzt.
Genau hier wirkt die Zugbeeinflussung wie ein zweites Paar Augen, das niemals blinzelt.
Übersieht ein Triebfahrzeugführer ein Signal, bremst die Technik von selbst.
Ein Autofahrer, der ein Stoppschild übersieht, hat diesen automatischen Schutz nicht – er ist allein auf seine Reaktion angewiesen.

Wo die Restgefahr steckt
Ganz ohne Risiko ist auch die Bahn nicht.
Die meisten schweren Unfälle passieren dort, wo die Schiene auf die Außenwelt trifft: an Bahnübergängen, wo Autos trotz aller Sicherung auf das Gleis geraten, und an der Bahnsteigkante.
Der geschützte Fahrweg endet dort, wo Straße und Schiene sich doch begegnen.
Hinzu kommen die seltenen, aber schweren Zugunglücke, die sich ins Gedächtnis brennen.
Genau weil sie so selten sind, wirken sie umso dramatischer – und verzerren die Wahrnehmung.
Ein einzelnes großes Unglück prägt das Bild einer ganzen Verkehrsart stärker als tausende unauffällige, sichere Fahrten am selben Tag.
Gefühlte gegen reale Sicherheit
Unser Bauchgefühl misst Risiko nicht in Statistik, sondern in Bildern.
Ein entgleister Zug ist tagelang in den Nachrichten; die vielen einzelnen Autounfälle desselben Tages tauchen dort nie gebündelt auf.
So entsteht der Eindruck, die Bahn sei gefährlich, obwohl das Gegenteil stimmt.
Wer die Zahlen kennt, kann gelassener einsteigen: Die Fahrt zum Bahnhof im Auto ist statistisch der riskanteste Teil der ganzen Reise – nicht der Zug danach.
Das gilt besonders für lange Strecken, auf denen Müdigkeit am Steuer zum Faktor wird, und für Fahrten bei Nacht, Nebel oder Glätte.
Das soll das Auto nicht verteufeln – es bleibt für viele Wege unverzichtbar.
Aber es rückt die verbreitete Angst vor der Bahn zurecht: Das gefährlichste Fahrzeug im Leben der meisten Menschen steht in der eigenen Garage, nicht am Bahnsteig.
Häufige Fragen
Gilt das auch im Vergleich zum Flugzeug?
Sind ältere Züge unsicherer?
Warum fühlt sich Autofahren sicherer an?
Weiterfahrt
→ Ist die Bahn immer unpünktlich? – Die Pünktlichkeitszahlen von Fern und Nah
→ Wie viele Bahnübergänge gibt es? – Rund 16.000 – und es werden weniger
