ORTSTERMIN
„Nächster Halt: der Schwarzwald am Stück – 149 Kilometer, 39 Tunnel, ein Berg.“
Ortstermin Schwarzwaldbahn: 149 km, 39 Tunnel, 650 Höhenmeter – die Gebirgsbahn von Offenburg nach Konstanz
→ Ein Meisterwerk aus dem 19. Jahrhundert, noch heute Alltag
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Kurz gesagt
Die Schwarzwaldbahn zwängt sich auf 149 Kilometern von Offenburg über den Kamm des Schwarzwalds bis an den Bodensee. 39 Tunnel und kunstvolle Kehrschleifen überwinden rund 650 Höhenmeter – geplant von einem Ingenieur, der ohne Computer auskam.



Die Strecke in Zahlen
Die Schwarzwaldbahn gehört zu den großen Gebirgsbahnen Deutschlands. Auf 149 Kilometern verbindet sie Offenburg in der Rheinebene mit Konstanz am Bodensee – und quert dabei den kompletten Höhenzug des mittleren Schwarzwalds. Der schwierigste Teil liegt zwischen Hausach und St. Georgen: Hier überwindet die Bahn auf engstem Raum rund 650 Höhenmeter.
Schwarzwaldbahn in Zahlen
149 km
Offenburg – Konstanz
Gesamtlänge
39
Tunnel
im Gebirgsabschnitt
≈650 m
Höhenunterschied
auf wenigen Kilometern
1873
durchgehend eröffnet
nach zehn Jahren Bau
Elektrifiziert seit 1977. Bis dahin fuhren hier Dampf- und Dieselloks.
Scheitelpunkt nahe der Sommerau, dem höchsten Punkt der Strecke.



Von Offenburg in den Schwarzwald
Los geht es flach. In Offenburg, am Rand der Rheinebene, trennt sich die Schwarzwaldbahn von der großen Rheintalbahn und biegt nach Osten ins Kinzigtal ab. Über Gengenbach, Haslach und Hausach folgt sie zunächst gemächlich dem Fluss – der Berg kommt erst später.
Hinter Hausach beginnt der Ernst. Das Tal wird enger, die Steigung steiler, und die Bahn muss zu tricksen anfangen, um überhaupt nach oben zu kommen. Was folgt, ist einer der spektakulärsten Streckenabschnitte im deutschen Netz.
Bis heute verkehren auf der Strecke sowohl Regionalexpresse als auch Doppelstockzüge im dichten Takt. Die Schwarzwaldbahn ist eben nicht nur ein technisches Denkmal, sondern eine Alltagsstrecke für Pendler, Schüler und Ausflügler. Genau das unterscheidet sie von reinen Museumsbahnen: Sie wird jeden Tag ganz normal gebraucht.



Robert Gerwig und die Kehren
Der Kopf hinter der Strecke war der Ingenieur Robert Gerwig. Seine Aufgabe klang unlösbar: mit den Loks des 19. Jahrhunderts einen Berg bezwingen, ohne dass die Steigung zu steil wird. Seine Lösung war so einfach wie genial – er verlängerte die Strecke künstlich, indem er sie in Schleifen und Kehren durch die Berghänge legte.
So gewinnt die Bahn Höhe, ohne die Grenzen der Reibung zu überschreiten. An manchen Stellen sieht man die Gleise gleich mehrfach übereinander am Hang kleben. Der bekannteste Aussichtspunkt dafür ist der Dreibahnenblick bei Triberg – ein Wallfahrtsort für Eisenbahnfreunde. Was Gerwig hier ohne Computer und Statiksoftware plante, trägt bis heute jeden Zug sicher über den Berg.



39 Tunnel und der Scheitel
Wo der Hang zu steil oder der Fels zu massiv war, blieb nur der Weg hindurch. 39 Tunnel durchbohren den Gebirgsabschnitt, aneinandergereiht wie Perlen auf einer Schnur. Manche sind nur wenige Dutzend Meter lang, andere ziehen sich über mehr als einen Kilometer.
Der wichtigste ist der Scheiteltunnel nahe der Sommerau. Hier erreicht die Bahn ihren höchsten Punkt, bevor es auf der anderen Seite wieder bergab Richtung Villingen und Donaueschingen geht. Wer im Zug sitzt, verliert bei dem ständigen Wechsel aus Licht und Dunkel schnell das Gefühl dafür, wie oft man den Berg schon durchquert hat.



Weiter bis zum Bodensee
Ist der Kamm überwunden, wird die Landschaft weiter und ruhiger. Über die Baar-Hochebene rollt die Bahn durch Villingen und Donaueschingen, streift die junge Donau und erreicht schließlich über Engen und Singen den Bodensee. Am Ende steht Konstanz, das milde Klima des Sees als Kontrast zum kühlen Schwarzwald.
Diese Bandbreite macht die Fahrt so reizvoll: In gut zwei Stunden erlebt man Rheinebene, Mittelgebirge, Hochebene und Seeufer nacheinander. Kaum eine andere deutsche Strecke packt so viele Landschaften in eine einzige Zugfahrt.
Reisetipp
Für die beste Aussicht auf die Kehren empfiehlt sich ein Fensterplatz – auf der Bergfahrt Richtung Triberg lohnt der Blick nach draußen.
Der Bahnerlebnispfad bei Triberg macht die Kehrschleifen zu Fuß erlebbar.
Zwischen Hausach und St. Georgen liegt der landschaftlich stärkste Abschnitt.
Häufige Fragen
Warum fährt die Bahn nicht einfach geradeaus über den Berg?
Kann man die Strecke mit dem Nahverkehr fahren?
Weiterfahrt
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→ Wie viel Strom verbraucht die Bahn? – Über 10 Terawattstunden im Jahr
