ORTSTERMIN
„Nächster Halt: über dem Göltzschtal. Bitte die 26 Millionen Ziegel bewundern.“
Göltzschtalbrücke: die größte Ziegelbrücke der Welt – Ortstermin im Vogtland
→ Ein Gebirge aus Backstein, über das seit 1851 die Züge rollen
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Kurz gesagt
574 Meter lang, 78 Meter hoch, aus rund 26 Millionen Ziegeln: Die Göltzschtalbrücke im sächsischen Vogtland ist die größte Ziegelbrücke der Welt. Seit 1851 trägt der gewaltige Backsteinbogen die Eisenbahn übers Tal. Ein Ortstermin bei einem Wunderwerk aus dem 19. Jahrhundert.
Die größte Ziegelbrücke der Welt
Wer zum ersten Mal vor der Göltzschtalbrücke steht, unterschätzt zunächst ihre Größe – bis ein Zug oben über sie rollt und winzig wirkt. 574 Meter zieht sich das Bauwerk übers Tal, 78 Meter hoch türmen sich seine Bögen auf. Und all das besteht nicht aus Stahl oder Beton, sondern aus rund 26 Millionen gebrannten Ziegeln. Kein anderes Ziegelbauwerk dieser Art ist größer.
Göltzschtalbrücke in Zahlen
574 m
Länge
über das Göltzschtal
78 m
Höhe
über dem Talgrund
≈26 Mio
Ziegel
von Hand vermauert
1851
eröffnet
nach fünf Jahren Bau
Die Brücke liegt an der Bahnstrecke Leipzig–Nürnberg.
Sie besteht aus vier Etagen übereinandergestapelter Bögen.

Ein Viadukt aus 26 Millionen Ziegeln
Das Erstaunlichste an der Brücke ist ihr Baustoff. Weil in der Gegend guter Naturstein fehlte, entschied man sich für Ziegel – und brannte sie in eigens errichteten Ziegeleien gleich vor Ort. Rund 26 Millionen Stück wurden von Hand vermauert, Etage um Etage, bis sich vier Reihen von Bögen übereinandertürmten.
Diese gestaffelte Bauweise gibt der Brücke ihr unverwechselbares Aussehen. Sie wirkt wie ein römisches Aquädukt, nur größer und in Backstein – ein ganzes Gebirge aus gebrannter Erde, das seit über 170 Jahren dem Wetter und der Last der Züge trotzt.


Steht man unten im Tal und schaut hinauf, verliert sich der Blick in einem Gewirr aus Pfeilern und Bögen. Erst aus dieser Perspektive begreift man, welche Menge an Material und Arbeit in dem Bauwerk steckt.

Gebaut mit einem Preisausschreiben
Als die Brücke geplant wurde, betrat man technisches Neuland. Niemand hatte je ein Ziegelbauwerk dieser Größe errichtet, und die Ingenieure wussten schlicht nicht, wie man es sicher berechnet. Also schrieb man einen Wettbewerb aus: Wer den besten, statisch tragfähigen Entwurf liefere, sollte den Zuschlag bekommen.
Keiner der eingereichten Entwürfe überzeugte zunächst vollständig. Am Ende entstand die Lösung aus den Berechnungen eines findigen Ingenieurs, der die Kräfte im Bauwerk erstmals verlässlich bestimmte. So wurde die Göltzschtalbrücke nicht nur ein Bau-, sondern auch ein Rechenwunder ihrer Zeit.


Züge über dem Tal
Bei aller Geschichte ist die Göltzschtalbrücke kein Museumsstück. Bis heute rollen hier täglich Züge über das Tal, Regionalbahnen ebenso wie Fernverkehr auf der Strecke zwischen Sachsen und Bayern. Was vor über 170 Jahren gebaut wurde, trägt den modernen Bahnbetrieb noch immer.
Für Reisende ist die Überfahrt fast unspektakulär – ein kurzer Blick aus dem Fenster ins tiefe Tal, dann ist man schon hinüber. Erst von unten oder aus der Ferne offenbart sich, über welch gewaltiges Bauwerk der Zug gerade gerollt ist.



Wahrzeichen des Vogtlands
Für die Region ist die Brücke weit mehr als ein Verkehrsbauwerk. Sie ist das Wahrzeichen des Vogtlands, ein Ausflugsziel und ein Stolz der Menschen vor Ort. Wanderwege führen durch das Tal, und von mehreren Aussichtspunkten lässt sich der Koloss aus Backstein in ganzer Pracht bestaunen.
So verbindet die Göltzschtalbrücke, was selten zusammenkommt: ein funktionierendes Stück Eisenbahn und ein Denkmal von Weltrang. Wer sie besucht, sieht dem 19. Jahrhundert bei der Arbeit zu – und einem Zug, der genau darüber hinwegfährt.

Beeindruckend ist auch, wie selbstverständlich dieses Weltwunder im Alltag steht. Kein Eintrittsgeld, kein Zaun, kein großes Aufheben – nur eine gewaltige Brücke, über die ganz normale Züge fahren, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.
Reisetipp
Von den Aussichtspunkten im Tal wirkt die Brücke am eindrucksvollsten – ein kurzer Fußweg lohnt sich.
Regional- und Fernzüge queren die Brücke im Alltag; ein Fensterplatz bietet den Blick ins Tal.
Wanderwege führen direkt unter die Bögen und machen die Größe erlebbar.
Häufige Fragen
Warum wurde die Brücke aus Ziegeln gebaut?
Fahren heute noch Züge über die Göltzschtalbrücke?
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