Bahn-Slam · Ortstermin
„Wir fahren gleich durch den Berg. Für gut zwei Minuten wird es dunkel.“
Der Brandleitetunnel: 3 Kilometer durch den Thüringer Wald
→ Wo die Berge zu hoch werden, geht die Bahn hindurch statt hinüber. Der längste Tunnel Thüringens bohrt sich seit 1884 durch den Kamm — direkt neben dem stillen Bahnhof Oberhof. Ein Ortstermin.
Lesezeit: 6 Minuten · Ortstermin · Thüringen
Kurz gesagt
Der Brandleitetunnel ist mit rund 3.000 Metern der längste Eisenbahntunnel Thüringens.
Er durchsticht seit 1884 den Kamm des Thüringer Waldes und verbindet den Norden mit dem Süden des Landes.
Sein Ostportal liegt direkt am hochgelegenen — und heute nur noch selten genutzten — Bahnhof Oberhof.
Ein Ortstermin am dunklen Herzstück einer Gebirgsbahn.
Der Thüringer Wald ist schön, aber im Weg.
Ein langer, hoher Bergkamm, der den Norden vom Süden des Landes trennt.
Eine Bahn kann steile Berge nicht einfach erklimmen.
Sie braucht flache Wege.
Also blieb im 19. Jahrhundert nur eine Lösung: hindurch.
So entstand der Brandleitetunnel.
Rund drei Kilometer schnurgerade Dunkelheit, mitten durch den Fels des Gebirgskamms.
Sein östliches Ende mündet fast direkt in den Bahnhof Oberhof — jenen hochgelegenen Bahnhof, der heute kaum noch Reisende sieht.

Foto: Harald Knauer, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons.
Ein Loch für die Verbindung zweier Landeshälften
Eröffnet wurde der Tunnel 1884, als Teil der Bahn über den Thüringer Wald zwischen Neudietendorf und Ritschenhausen.
Vorher war der Kamm eine echte Barriere.
Wer von Erfurt in den Süden Thüringens wollte, musste weite Umwege fahren.
Der Tunnel machte aus einer Reise über den Berg eine Fahrt durch den Berg — zwei Minuten Dunkelheit statt einer langen Bergstrecke.
Für die Region war das ein Sprung in die Moderne.
Kohle, Waren und Menschen konnten nun quer durchs Land rollen.
Der Brandleitetunnel in Zahlen
~3.000 m
Länge
längster Tunnel Thüringens
1884
Eröffnet
zweigleisig durch den Fels
~639 m
Höhe am Ostportal
am Bahnhof Oberhof
Nord–Süd
Verbindung
unter dem Rennsteig-Kamm
Der Tunnel unterquert den Kamm des Thüringer Waldes nahe dem bekannten Wanderweg Rennsteig.
Am Ostportal liegt der Bahnhof Oberhof — heute nur noch Betriebsbahnhof.
Der Tunnel und der stille Bahnhof
Gleich hinter dem östlichen Tunnelmund liegt der Bahnhof Oberhof.
Einst ein wichtiger Halt, heute weitgehend verwaist.
Züge fahren zwar noch durch den Tunnel, doch am Bahnhof selbst halten kaum welche.
Die Geschichte dieses Widerspruchs steht im Beitrag über stillgelegte Bahnhöfe.
So bilden Tunnel und Bahnhof ein seltsames Paar: das eine unverzichtbar, weil jeder Zug hindurch muss.
Das andere fast vergessen, weil kaum jemand aussteigt.
Der Tunnel arbeitet weiter, der Bahnhof wartet.
Beide erzählen dieselbe Geschichte einer Gebirgsbahn, nur von zwei Seiten.

Foto: Kassandro, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.
Warum alte Tunnel so viel Arbeit machen
Ein Tunnel aus dem 19. Jahrhundert ist ein Dauerpatient.
Wasser sickert durch den Fels, im Winter bildet sich Eis, das Mauerwerk altert.
Solche Röhren müssen regelmäßig geprüft, abgedichtet und saniert werden.
Ein alter Tunnel ist nie ganz fertig.
Und weil hier oft nur diese eine Röhre existiert, trifft jede Sperrung gleich die ganze Strecke.
Fällt der Tunnel aus, fällt die Verbindung aus.
Das ist der Preis der Gebirgsbahn: Ein einziges Loch im Berg trägt den ganzen Verkehr — und will dafür beständig umsorgt werden.
Häufige Fragen zum Brandleitetunnel
Ist es wirklich der längste Tunnel Thüringens?
Fahren dort noch Züge?
Warum baute man einen Tunnel statt einer Strecke über den Berg?
Was hat der Tunnel mit dem Bahnhof Oberhof zu tun?
Wie kalt und feucht ist es im Tunnel?
Wird der Tunnel noch gebraucht?
Das Fazit in einem Satz
Der Brandleitetunnel ist das dunkle, unverzichtbare Herzstück einer Gebirgsbahn — drei Kilometer Fels, durch die seit fast 140 Jahren der ganze Verkehr passt, während der Bahnhof nebenan langsam verstummt.
Weiterfahrt
→ Stillgelegte Bahnhöfe – warum Oberhof verstummte
→ Die Müngstener Brücke – die Bahn über dem Tal
→ Der Hindenburgdamm – die Bahn übers Meer
→ Was kostet ein Kilometer Bahn? – warum Tunnel so teuer sind
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