Stimmt es, dass der letzte Wagen am gefährlichsten ist? Der Mythos vom sichersten Sitzplatz

Bahn-Slam · Stimmt es, dass …?

„Sehr geehrte Fahrgäste, der sicherste Wagen ist … eigentlich egal. Sie sitzen im sichersten Verkehrsmittel des Landes.“

Stimmt es, dass der letzte Wagen am gefährlichsten ist?

→ Der Mythos sucht den gefährlichsten Sitzplatz. Die Statistik antwortet: Der ist im Auto – nicht im Zug.

Lesezeit: 6 Minuten · Mythen-Check · Sicherheit

Kurz gesagt

Nein, dafür gibt es keine belastbaren Belege. Die Vorstellung, der letzte Wagen sei besonders gefährlich, stammt aus dem Auto-Denken – hinten wird man aufgefahren. Bei der Bahn stimmt das so nicht: Wo bei einem Unfall die größte Kraft wirkt, hängt vom Unfalltyp ab, nicht von einem festen Platz. Viel wichtiger ist die große Zahl: Bahnfahren ist rund 52-mal sicherer als Autofahren, und in Deutschland sterben pro Jahr nur einstellig viele Reisende – 2023 kein einziger. Der sicherste Platz ist schlicht: irgendwo im Zug.

Manche Menschen suchen sich im Zug bewusst einen Platz in der Mitte.

Nicht vorn, wo bei einem Zusammenstoß die Lok ist, und nicht hinten, wo einen jemand auffahren könnte.

Die Idee klingt vernünftig – und stammt aus dem Auto.

Dort wird man am Heck aufgefahren, dort knautscht die Front.

Aber ein Zug ist kein großes Auto, und der Mythos vom gefährlichen letzten Wagen hält der Wirklichkeit nicht stand.

Doppelstock-Steuerwagen am Ende eines Zuges
Der letzte Wagen ist oft ein Steuerwagen – voll ausgestattet, mit Führerstand, von dem aus der Zug gelenkt wird. Foto: Falk2, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Warum es keinen festen gefährlichsten Platz gibt

Ob ein Platz im Zug gefährlicher ist, hinge davon ab, was passiert – und das ist bei jedem Unfall anders.

Bei einem Auffahrunfall trifft es eher das Ende, bei einem Frontalzusammenstoß eher die Spitze, bei einer Entgleisung irgendeinen Teil, je nach Kurve und Tempo.

Es gibt keinen Wagen, der bei allen Unfalltypen der schlechteste wäre.

Dazu kommt: Viele Züge fahren als Wendezüge, bei denen der „letzte“ Wagen ein voll ausgestatteter Steuerwagen mit Führerstand ist – mal vorne, mal hinten, je nach Fahrtrichtung.

Der „letzte Wagen“ ist also nicht mal ein fester Ort.

Die Zahl, die wirklich zählt

Statt nach dem gefährlichsten Sitzplatz zu suchen, lohnt der Blick auf die große Statistik.

Und die ist eindeutig: Bahnfahren ist rund 52-mal sicherer als Autofahren, bezogen auf dieselbe Strecke.

Das Risiko, sich schwer zu verletzen, ist im Auto etwa 140-mal höher.

In Deutschland liegt die Zahl der tödlich verunglückten Bahnreisenden seit Jahren im einstelligen Bereich – 2023 kam kein einziger Reisender ums Leben.

Sicherheit in Zahlen

52-mal

sicherer als Auto

Risiko eines tödlichen Unfalls pro Strecke

140-mal

geringeres Verletzungsrisiko

Bahn gegenüber Auto

einstellig

tödlich verletzte Reisende/Jahr

in Deutschland, seit Jahren

0

im Jahr 2023

kein tödlich verunglückter Reisender

≥ 2

Fehler nötig

für einen schweren Unfall müssen meist mehrere Sicherungen versagen

Quellen: Allianz pro Schiene (Verkehrssicherheit), quarks.de, taz. Die Bahn gilt als sicherstes Landverkehrsmittel Deutschlands.

Warum die Bahn so sicher ist

Sicherheit bei der Bahn entsteht nicht durch einen guten Sitzplatz, sondern durch viele unabhängige Sicherungen.

Signale, Zugbeeinflussung, Stellwerke und feste Abstände greifen ineinander.

Damit ein schwerer Unfall passiert, müssen meist mehrere davon gleichzeitig versagen oder mehrere Menschen zugleich Fehler machen.

Genau deshalb sind schwere Zugunglücke so selten – und deshalb ist die Frage nach dem gefährlichsten Wagen die falsche Frage.

Das Urteil

Stimmt nicht. Es gibt keinen Beleg, dass der letzte Wagen gefährlicher ist – wo bei einem Unfall die größte Kraft wirkt, hängt vom Unfalltyp ab.

Oft ist der letzte Wagen ohnehin ein Steuerwagen und wechselt je nach Fahrtrichtung die Seite.

Die einzige Zahl, die zählt: Bahnfahren ist rund 52-mal sicherer als Autofahren. Der sicherste Platz ist irgendwo im Zug.

Häufige Fragen zum sichersten Platz im Zug

Ist der letzte Wagen wirklich gefährlicher?
Nein, dafür gibt es keine belastbaren Daten. Wo bei einem Unfall die größte Kraft wirkt, hängt vom Unfalltyp ab – es gibt keinen dauerhaft gefährlichsten Wagen.
Wo sitzt man im Zug am sichersten?
Es gibt keinen statistisch sichersten Platz. Wichtiger ist: Der Zug als Ganzes ist extrem sicher.
Woher kommt der Mythos?
Aus dem Auto-Denken: Dort wird man am Heck aufgefahren und die Front knautscht. Ein Zug verhält sich bei Unfällen aber anders.
Wie sicher ist Bahnfahren im Vergleich zum Auto?
Rund 52-mal sicherer, bezogen auf die gleiche Strecke. Das Risiko schwerer Verletzungen ist im Auto etwa 140-mal höher.
Wie viele Reisende sterben in Deutschland im Bahnverkehr?
Seit Jahren nur einstellig viele pro Jahr. 2023 kam kein einziger Reisender ums Leben.
Warum ist die Bahn so sicher?
Weil viele unabhängige Sicherungen zusammenwirken – Signale, Zugbeeinflussung, Stellwerke. Für einen schweren Unfall müssen meist mehrere gleichzeitig versagen.
Was ist ein Steuerwagen?
Ein Wagen mit Führerstand am Zugende. Bei Wendezügen steuert der Lokführer von dort, ohne dass die Lok umsetzen muss – der „letzte“ Wagen ist dann vorne.

Quellen

Allianz pro Schiene: Verkehrssicherheit im Vergleich; quarks.de: „So sicher sind unsere Verkehrsmittel wirklich“; taz: „Zug fahren ist deutlich sicherer als Auto fahren“.

Die Vergleichszahlen beziehen sich auf das Risiko pro zurückgelegter Strecke. Stand: September 2026.

Weiterfahrt

Kann ein ICE dich ansaugen? – die echte Gefahr am Bahnsteig

Notbremse – wann sie hilft und wann nicht

Darf der Schaffner dich rauswerfen? – was im Zug erlaubt ist

Zurück zum Finder

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →