Stimmt es, dass Züge in Deutschland links fahren? Rechtsverkehr, Ausnahmen und Gleiswechsel erklärt

Bahn-Slam · Stimmt es, dass …?

„Sehr geehrte Fahrgäste, wir fahren auf dem rechten Gleis. In der Schweiz wäre das falsch.“

Stimmt es, dass Züge in Deutschland links fahren?

→ Auf der Straße rechts, auf der Schiene auch – aber ein paar Kilometer weiter, hinter der Grenze, plötzlich links.

Lesezeit: 6 Minuten · Mythen-Check · Betrieb

Kurz gesagt

Nein. In Deutschland gilt auf der Schiene Rechtsverkehr, genau wie auf der Straße: Auf zweigleisigen Strecken fährt der Zug in der Regel auf dem rechten Gleis. Das Gerücht vom Linksverkehr stammt aus der Frühzeit der Eisenbahn, als das Vorbild England mit seinem Linksverkehr ganz Europa prägte – und es stimmt für einige Nachbarn bis heute: Die Schweiz, Frankreich und Belgien fahren auf der Schiene links. Moderne Technik macht die Seite ohnehin flexibel: Im Gleiswechselbetrieb kann jedes Gleis in beide Richtungen genutzt werden.

Es hält sich hartnäckig: Auf der Straße fahren wir rechts, aber die Bahn, heißt es, fahre links.

Wer aus dem Fenster schaut und den Gegenzug erwartet, ist sich plötzlich nicht mehr sicher.

Kommt er links vorbei oder rechts?

Die Antwort ist eindeutig – und wird nur deshalb angezweifelt, weil es ein paar Kilometer weiter tatsächlich anders ist.

In Deutschland fährt der Zug rechts. In der Schweiz links. Und das hat einen sehr britischen Grund.

Zug auf einer zweigleisigen Strecke
Zweigleisige Strecke: In Deutschland nimmt der Zug in der Regel das rechte Gleis. Foto: Falk2, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Stimmt es? Nein – Deutschland fährt rechts

Auf einer normalen zweigleisigen Strecke in Deutschland fährt jeder Zug auf dem rechten der beiden Gleise, aus seiner Sicht.

Der Gegenzug kommt also links an einem vorbei – genau wie das entgegenkommende Auto.

Rechtsverkehr auf Straße und Schiene, das passt zusammen und ist kein Zufall.

Wer in Deutschland aus dem Zugfenster schaut, sieht den überholenden oder entgegenkommenden Zug also normalerweise auf der linken Seite.

Woher der Irrtum kommt

Die Eisenbahn ist eine britische Erfindung, und England fährt links – auf der Straße wie auf der Schiene.

In der Frühzeit exportierte Großbritannien nicht nur Lokomotiven, sondern das ganze System, samt Linksverkehr.

Viele frühe Bahnen auf dem europäischen Festland fuhren deshalb links.

In Deutschland stellten die einzelnen Länderbahnen später überwiegend auf Rechtsverkehr um – die Leipzig-Dresdner Bahn, die badische und die hannoversche Staatsbahn zum Beispiel.

Das Gerücht vom Linksverkehr ist also ein Nachhall aus der Gründerzeit der Eisenbahn.

Wo Züge wirklich links fahren

In der Schweiz gilt auf der Schiene Linksverkehr – wie im Mutterland der Eisenbahn, England.

Auch Frankreich und Belgien fahren auf der Bahn links, obwohl auf ihren Straßen Rechtsverkehr herrscht.

An den Grenzen muss der Verkehr deshalb die Seite wechseln – dafür gibt es eigene Überleitstellen, an denen sich die Gleise kreuzen.

Warum die Seite heute weniger wichtig ist

Früher war das Gleis fest einer Richtung zugeordnet: rechtes Gleis hin, linkes Gleis zurück.

Moderne Strecken sind flexibler.

Im sogenannten Gleiswechselbetrieb sind beide Gleise mit voller Signaltechnik für beide Richtungen ausgerüstet.

So kann bei einer Baustelle oder Störung der Verkehr auf ein Gleis zusammengelegt werden, ohne dass die Sicherheit leidet.

Der erste solche Abschnitt in Deutschland ging schon 1951 zwischen Bebra und Cornberg in Betrieb – heute ist es Standard.

Das Urteil

Stimmt nicht. In Deutschland fahren Züge rechts, wie die Autos.

Der Mythos stammt aus der britisch geprägten Frühzeit der Eisenbahn – und trifft heute noch auf die Schweiz, Frankreich und Belgien zu.

Dank Gleiswechselbetrieb kann bei Bedarf ohnehin jedes Gleis in beide Richtungen befahren werden.

Häufige Fragen zur Fahrtseite

Fahren Züge in Deutschland rechts oder links?
Rechts. Auf zweigleisigen Strecken nimmt der Zug in der Regel das rechte Gleis, genau wie der Straßenverkehr.
Warum glauben viele, die Bahn fahre links?
Weil die Eisenbahn aus England kommt, wo links gefahren wird, und viele frühe Bahnen auf dem Festland dieses System übernahmen. In Deutschland wurde später auf rechts umgestellt.
In welchen Ländern fahren Züge links?
Unter anderem in der Schweiz, Frankreich und Belgien – dort gilt auf der Schiene Linksverkehr, in Frankreich und Belgien sogar entgegen dem Rechtsverkehr auf der Straße.
Was passiert an der Grenze?
Der Verkehr muss die Seite wechseln. Dafür gibt es Überleitstellen, an denen sich die beiden Gleise kreuzen.
Was ist Gleiswechselbetrieb?
Beide Gleise einer Strecke sind für beide Richtungen voll signalisiert. So kann der Verkehr bei Baustellen oder Störungen auf ein Gleis zusammengelegt werden.
Gibt es in Deutschland Strecken mit Linksverkehr?
Einzelne historische Abschnitte fuhren früher links, und in Bahnhofsbereichen kann von der Regel abgewichen werden. Grundsätzlich gilt aber Rechtsverkehr.
Merke ich als Fahrgast, auf welcher Seite ich fahre?
Ja: Der entgegenkommende Zug taucht in Deutschland normalerweise links vom eigenen Fenster auf.

Quellen

Wikipedia: „Gleiswechselbetrieb“, „Mehrgleisigkeit“; fachliche Foren und Darstellungen zur Geschichte von Rechts- und Linksverkehr auf der Schiene.

Stand: September 2026.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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