Hundertwasser-Bahnhof Uelzen: der bunteste Bahnhof Deutschlands – Ortstermin

Bahn-Slam · Ortstermin

„Sehr geehrte Fahrgäste, Sie erreichen einen Bahnhof ohne gerade Linie. Der Künstler wollte das so.“

Der Hundertwasser-Bahnhof Uelzen: Wo kein Fenster dem anderen gleicht

→ Ein Bahnhof von 1885, den ein Künstler bunt gemacht hat, bis keine Linie mehr gerade und kein Fenster mehr wie das andere ist.

Lesezeit: 8 Minuten · Ortstermin · Niedersachsen

Kurz gesagt

Der Bahnhof Uelzen in Niedersachsen ist ein ganz normaler Bahnknoten – und zugleich ein Kunstwerk. Zur Weltausstellung Expo 2000 gestaltete der österreichische Künstler Friedensreich Hundertwasser das Empfangsgebäude von 1885 um: bunte Keramiksäulen, goldene Kuppeln, begrünte Dächer, unregelmäßige Fliesen und kein einziger gerader Strich. Eröffnet wurde der „Umwelt- und Kulturbahnhof“ im November 2000. Über 450.000 Menschen kommen jedes Jahr nicht zum Umsteigen, sondern zum Staunen.

Wer in Uelzen aussteigt, bleibt erst mal stehen und schaut.

Die Säulen sind bunt und krumm, die Fliesen laufen in Wellen, über dem Dach glänzen goldene Kugeln, und Bäume wachsen aus dem Gebäude.

Nichts hier ist gerade, nichts symmetrisch, nichts langweilig.

Man sucht unwillkürlich nach dem Fahrplan, um sich zu vergewissern, dass man wirklich an einem Bahnhof ist.

Man ist – nur an einem, den ein Künstler bunt gemacht hat, bis keine Linie mehr gerade und kein Fenster mehr wie das andere ist.

Hundertwasser-Bahnhof Uelzen im Abendlicht
Der Hundertwasser-Bahnhof Uelzen am Abend – ein Empfangsgebäude von 1885, verwandelt in ein Kunstwerk. Foto: QCA7, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein Künstler, der gerade Linien hasste

Friedensreich Hundertwasser war einer der bekanntesten Künstler Österreichs – und berühmt für seine Abneigung gegen die gerade Linie.

Für ihn war sie „gottlos“, ein Zeichen der seelenlosen Massenarchitektur.

Also baute er Häuser mit welligen Böden, bunten Säulen, unregelmäßigen Fenstern und Bäumen, die aus den Fassaden wachsen – „Baummieter“ nannte er sie.

Den Bahnhof Uelzen gestaltete er zur Weltausstellung Expo 2000 um, gemeinsam mit den Architekten Peter Pelikan und Heinz M. Springmann.

Hundertwasser erlebte die Eröffnung nicht mehr: Er starb im Februar 2000, wenige Monate vor der Einweihung im November.

Empfangsgebäude des Bahnhofs Uelzen
Das Empfangsgebäude von 1885 – Grundlage für Hundertwassers bunte Verwandlung. Foto: Liberaler Humanist, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Der Bahnhof in Zahlen

2000

Einweihung

am 25. November, als Expo-2000-Projekt

1885

Ursprungsbau

das historische Empfangsgebäude

7

Bahnsteiggleise

an Strecke Hamburg–Hannover und Amerikalinie

≈ 220

Züge am Tag

Fern- und Nahverkehr

≈ 15.000

Menschen am Tag

Reisende und Besucher

> 450.000

Besucher im Jahr

viele kommen nur wegen der Kunst

Quelle: Wikipedia (Bahnhof Uelzen). 2009 als „Bahnhof des Jahres“ in der Kategorie Kleinstadtbahnhof ausgezeichnet.

Was Uelzen so besonders macht

Der Bahnhof ist kein Museum, sondern ein Arbeitsplatz aus Kunst.

Zwischen den bunten Säulen warten Pendler auf den Metronom nach Hamburg, unter den goldenen Kuppeln rollen Koffer.

Die Dächer sind begrünt, im Boden liegen unregelmäßige Fliesen, und selbst die Toiletten und der Wartebereich folgen Hundertwassers verspielter Formensprache.

Es ist ein Ort, an dem man auf den Zug wartet und dabei den Kopf in den Nacken legt.

Hundertwasser-Gestaltung im Inneren des Bahnhofs Uelzen
Im Inneren: bunte Säulen, runde Fenster, keine gerade Kante – Hundertwassers Handschrift bis ins Detail. Foto: QCA7, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Kunst, die man täglich benutzt

Uelzen liegt an der wichtigen Strecke Hamburg–Hannover und an der historischen Amerikalinie von 1873.

Rund 220 Züge halten hier täglich, etwa 15.000 Menschen sind unterwegs.

Ein Teil davon steigt gar nicht ein, sondern kommt nur, um den Bahnhof zu sehen – über 450.000 Besucher im Jahr.

2009 wurde Uelzen zum „Bahnhof des Jahres“ gekürt.

Er zeigt, was ein Bahnhof sein kann, wenn er nicht nur zweckmäßig ist: ein Wahrzeichen, für das Menschen extra anreisen.

Metronom-Regionalzug am Bahnsteig in Uelzen
Alltag zwischen Kunst: Ein Metronom-Regionalzug hält am bunten Bahnsteig. Foto: JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was man beim Ortstermin sieht

Am besten kommt man mit dem Zug und lässt einen fahren aus.

Zeit nehmen für die Halle, die Säulen, den Blick nach oben zu den goldenen Kuppeln.

Draußen der Friedensreich-Hundertwasser-Platz, von dem aus man die ganze bunte Fassade sieht.

Und dann, wenn der nächste Metronom kommt, einfach weiterfahren – mit dem seltenen Gefühl, an einem Bahnhof gewesen zu sein, den man nicht so schnell vergisst.

Bahnhof Uelzen am Friedensreich-Hundertwasser-Platz
Vom Friedensreich-Hundertwasser-Platz aus zeigt sich die ganze bunte Fassade. Foto: JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen zum Bahnhof Uelzen

Wer hat den Bahnhof Uelzen gestaltet?
Der österreichische Künstler Friedensreich Hundertwasser, gemeinsam mit den Architekten Peter Pelikan und Heinz M. Springmann. Grundlage war das Empfangsgebäude von 1885.
Wann wurde er eröffnet?
Am 25. November 2000, als Projekt der Weltausstellung Expo 2000. Hundertwasser selbst starb im Februar 2000, vor der Einweihung.
Was ist das Besondere an dem Bahnhof?
Bunte Keramiksäulen, goldene Kuppeln, begrünte Dächer, unregelmäßige Fliesen und keine gerade Linie – Hundertwassers unverkennbarer Stil, angewendet auf einen ganzen Bahnhof.
Ist das nur Kunst oder ein echter Bahnhof?
Ein echter, viel genutzter Bahnhof: rund 220 Züge und 15.000 Menschen am Tag an der Strecke Hamburg–Hannover.
Warum heißt er „Umwelt- und Kulturbahnhof“?
Weil er zur Expo 2000 unter diesem Leitbild umgestaltet wurde – mit begrünten Dächern, Kunst und dem Anspruch, Ökologie und Gestaltung zu verbinden.
Kann man den Bahnhof besichtigen?
Ja, jederzeit. Halle und Bahnsteige sind frei zugänglich; über 450.000 Menschen kommen jährlich, viele nur wegen der Architektur.
Wurde der Bahnhof ausgezeichnet?
2009 wurde er zum „Bahnhof des Jahres“ in der Kategorie Kleinstadtbahnhof gewählt.
Gibt es weitere Hundertwasser-Bauten?
Ja, etwa das Hundertwasserhaus in Wien oder die Grüne Zitadelle in Magdeburg. Uelzen ist aber sein einziger großer Bahnhof.

Quellen

Wikipedia: „Bahnhof Uelzen“ (Abruf September 2026); Hundertwasser-Bahnhof Uelzen / Expo-2000-Dokumentation.

Alle Fotos stehen unter freien Lizenzen und stammen von Wikimedia Commons; die Urheber sind unter jedem Bild genannt. Die Bilder wurden nur verkleinert, nicht beschnitten oder verändert.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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