Bahn-Slam · Ortstermin
„Sehr geehrte Fahrgäste, Sie erreichen Berlin Hauptbahnhof auf Ebene minus zwei. Die Sonne finden Sie 25 Meter weiter oben.“
Berlin Hauptbahnhof: Ein Kreuz aus Glas, fünf Stockwerke tief
→ Der Hauptbahnhof ist ein Kreuzworträtsel aus Zügen: Ein Wort waagerecht oben, eines senkrecht unten – und dazwischen 25 Meter Rolltreppe.
Lesezeit: 9 Minuten · Ortstermin · Berlin
Kurz gesagt
Berlin Hauptbahnhof wurde am 26. Mai 2006 eröffnet, nach elf Jahren Bauzeit und rund 700 Millionen Euro Kosten allein für den Bahnhof. Er ist Europas größter Kreuzungsbahnhof: Oben fahren die Züge der Stadtbahn von West nach Ost, 25 Meter tiefer die Fernzüge von Nord nach Süd. 14 Bahnsteiggleise, 54 Rolltreppen, rund 329.000 Menschen und 1.300 Züge am Tag. Das Glasdach wurde kürzer gebaut als geplant – der Architekt Meinhard von Gerkan zog deswegen vor Gericht und gewann.
Der ICE aus München bremst in einer Röhre, und die Anzeige sagt: Berlin Hauptbahnhof, Gleis 8, tief.
Tief heißt: Man steigt aus, sieht nach oben – und über einem hängen Rolltreppen, Glasbrücken, ein Regionalzug, noch ein Stockwerk, noch eines, und ganz oben ein Himmel aus Glas, unter dem eine S-Bahn vorbeizieht.
Fünf Ebenen, 25 Meter, und alles fährt gleichzeitig.
Wer hier zum ersten Mal umsteigt, fühlt sich wie in einem Kreuzworträtsel: ein Wort waagerecht oben, eines senkrecht unten, und man selbst sucht das Kästchen dazwischen.
Berlin Hauptbahnhof ist genau das – ein Kreuz aus zwei Bahnen, das man in Beton und Glas gegossen hat.

Das Kreuz
Oben, auf Ebene plus zwei, liegt die Stadtbahn: vier Gleise für Fern- und Regionalzüge von West nach Ost, dazu zwei für die S-Bahn.
Unten, auf Ebene minus zwei, liegt die Nord-Süd-Fernbahn: acht Gleise im Tunnel, der unter Spree und Tiergarten hindurchführt.
Dazwischen liegen drei Ebenen mit Läden, Treppen und Aufzügen – 25 Meter Höhenunterschied von ganz oben nach ganz unten.
Deshalb hat der Bahnhof 54 Rolltreppen, sechs gläserne Panoramaaufzüge und zehn weitere Aufzüge.
Wer von der S-Bahn oben in den ICE unten will, braucht fünf Minuten – und einen guten Orientierungssinn.

Der Hauptbahnhof in Zahlen
2006
Eröffnung
am 26. Mai, nach elf Jahren Bauzeit
14
Bahnsteiggleise
sechs oben auf der Stadtbahn, acht unten im Tunnel
25 m
Höhenunterschied
von der obersten zur untersten Ebene, fünf Stockwerke
329.000
Menschen am Tag
bei rund 1.300 Zügen täglich
321 m
Glashalle
geplant waren 454 Meter
≈ 700 Mio. €
Baukosten
für den Bahnhof; mit Zulaufstrecken rund eine Milliarde
Quelle: Wikipedia („Berlin Hauptbahnhof“), Deutsche Bahn. Kosten laut Finanzierungsvereinbarung von 1997 und späteren Angaben.
Ein Bahnhof, der einen Bahnhof ersetzt
Hier stand seit 1871 der Lehrter Bahnhof, ein Kopfbahnhof für Züge nach Hamburg und Hannover.
1951 wurde er geschlossen, die Ruine später abgerissen; nur der kleine Lehrter Stadtbahnhof der S-Bahn blieb bis 2002.
Nach der Wiedervereinigung entwarf die Stadt das „Pilzkonzept“: ein Nord-Süd-Tunnel durch die Mitte, gekreuzt von der alten Stadtbahn – und am Kreuzungspunkt der neue Hauptbahnhof.
Meinhard von Gerkan vom Hamburger Büro gmp gewann 1993 den Wettbewerb.
1995 begann der Bau, am 26. Mai 2006 feierte Berlin die Eröffnung, zwei Tage später hielt der erste planmäßige Zug.

Das Dach, das zu kurz geriet
Die Glashalle über der Stadtbahn sollte 454 Meter lang werden.
Um bis zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 fertig zu werden, ließ die Bahn sie auf 321 Meter kürzen – die Bahnsteige ragen seither an beiden Enden ins Freie.
Auch die Decke der unteren Halle wurde geändert: Statt der geplanten Gewölbe kam eine flache Decke.
Der Architekt klagte wegen Verletzung seines Urheberrechts – und gewann im November 2006 vor dem Landgericht Berlin.
Umgebaut wurde trotzdem nicht; man einigte sich 2008 auf eine Zahlung an eine Stiftung für junge Architekten.
Der Sturm Kyrill
In der Nacht zum 19. Januar 2007, acht Monate nach der Eröffnung, riss der Orkan Kyrill einen 8,4 Meter langen und 1,35 Tonnen schweren Stahlträger aus 40 Metern Höhe von der Fassade.
Er stürzte auf die Freitreppe; verletzt wurde niemand, weil der Bahnhof wegen des Sturms geräumt war.
Seither sind die Träger anders befestigt – und der Bahnhof hat einen Ruf als Bauwerk, das schöner ist, als es fertig war.
Die Stadt im Bahnhof
Rund 80 Geschäfte auf 15.000 Quadratmetern machen den Bahnhof zu einem Einkaufszentrum mit Gleisanschluss.
800 Menschen arbeiten hier, 375 davon bei der Bahn.
Auf dem Glasdach liegt eine Solaranlage mit 330 Kilowatt Leistung.
Und mit 329.000 Menschen am Tag ist er nach Hamburg, Frankfurt und München der viertgrößte Fernbahnhof des Landes – und der größte, an dem sich zwei Fernbahnen kreuzen.

Was man beim Ortstermin sieht
Der beste Platz ist die Glasbrücke auf Ebene plus eins: Von dort sieht man oben die S-Bahn, unten den ICE und dazwischen die Rolltreppen wie in einem Ameisenhaufen aus Glas.
Von außen lohnt der Blick über den Humboldthafen, wo sich Halle und Bügelbauten im Wasser spiegeln.
Und wer Zeit hat, geht die Washingtonplatz-Seite entlang bis zur Spree und schaut, wie die Züge in die Glashalle einfahren – oder aus ihr herausragen, weil das Dach zu kurz ist.

Häufige Fragen zum Berliner Hauptbahnhof
Wann wurde der Berliner Hauptbahnhof eröffnet?
Wie viele Gleise hat er?
Wie viele Menschen sind täglich dort?
Warum ist das Dach so kurz?
Was hat der Bahnhof gekostet?
Was stand vorher dort?
Was passierte beim Sturm Kyrill?
Warum heißt es „Gleis 8 tief“?
Quellen
Wikipedia: „Berlin Hauptbahnhof“ (Abruf September 2026); Deutsche Bahn, Bahnhofsinformationen; gmp Architekten zum Entwurf; Berichte des Tagesspiegels und der Berliner Zeitung zu Eröffnung, Kyrill und Gerkan-Urteil.
Alle Fotos stehen unter freien Lizenzen und stammen von Wikimedia Commons; die Urheber sind unter jedem Bild genannt. Die Bilder wurden nur verkleinert, nicht beschnitten oder verändert.
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