Bahn-Slam · Ortstermin
„Sehr geehrte Fahrgäste, unter Ihnen fließt die Wupper. Bitte lehnen Sie sich nicht hinaus, das hat schon ein Elefant bereut.“
Wuppertaler Schwebebahn: Die Bahn, die seit 1901 kopfüber fährt
→ Eine Schwebebahn ist eine umgedrehte Eisenbahn: Die Schiene hängt oben, der Zug darunter – und der Fluss ist der Bahndamm.
Lesezeit: 9 Minuten · Ortstermin · Wuppertal
Kurz gesagt
Die Wuppertaler Schwebebahn fährt seit dem 1. März 1901 – 13,3 Kilometer, 20 Stationen, zwölf Meter über der Wupper. Sie ist das älteste Hängebahn-System der Welt, das noch im Alltag fährt: 82.000 Fahrgäste am Tag, rund 25 Millionen im Jahr. Berühmt wurde sie 1950, als die Elefantenkuh Tuffi aus dem fahrenden Wagen in den Fluss sprang. 1999 stürzte ein Zug ab, fünf Menschen starben. Seit 2016 fahren 31 neue Wagen für 122 Millionen Euro – die Bahn selbst ist geblieben, was sie war: eine Stadt, die an ihrem Fluss entlangschwebt.
Der Wagen ruckt an, und die Straße unter einem kippt weg.
Erst Dächer, dann Baumkronen, dann Wasser: Die Wupper schäumt zwölf Meter tiefer über Steine, und der Zug hängt darüber wie ein Vogel an einem Draht.
In der Kurve schwingt der Wagen nach außen, jemand greift nach der Stange, ein Kind lacht.
Wer zum ersten Mal mitfährt, hält sich fest; wer aus Wuppertal ist, liest Zeitung.
Die Schwebebahn ist eine umgedrehte Eisenbahn: Die Schiene liegt oben auf einem Stahlgerüst, der Zug hängt darunter – und statt eines Bahndamms hat sie einen Fluss.
Seit 1901 geht das so, jeden Tag, und niemand hat es je nachgebaut.

Warum eine Bahn über einem Fluss hängt
Wuppertal ist ein langes, enges Tal, in dem im 19. Jahrhundert Fabriken, Straßen und Häuser dicht an dicht standen.
Für eine Straßenbahn war kein Platz, für eine U-Bahn kein Geld und kein passender Boden.
Der Kölner Unternehmer Eugen Langen hatte eine Hängebahn entwickelt – und die Stadt hatte etwas, das niemand sonst brauchte: einen Fluss, über dem Platz war.
So kam die Bahn über die Wupper: 10,6 Kilometer folgt sie dem Fluss, die restlichen 2,7 Kilometer hängt sie über Straßen.
Am 24. Oktober 1900 fuhr Kaiser Wilhelm II. zur Probe; am 1. März 1901 begann der Betrieb.

Die Schwebebahn in Zahlen
13,3 km
Strecke
10,6 Kilometer über der Wupper, 2,7 über Straßen
20
Stationen
von Vohwinkel bis Oberbarmen, rund 30 Minuten Fahrt
12 m
über dem Fluss
acht Meter über der Straße, getragen von 486 Stützen
82.000
Fahrgäste am Tag
rund 25 Millionen im Jahr
60 km/h
Höchsttempo
im Schnitt 25,6 Kilometer pro Stunde
1901
Eröffnung
erster Abschnitt am 1. März, Kaiserfahrt am 24. Oktober 1900
Quellen: Wikipedia (deutsch und englisch), WSW Wuppertaler Stadtwerke, Westdeutsche Zeitung.
Der Tag, an dem ein Elefant sprang
Am 21. Juli 1950 wollte ein Zirkus Werbung machen und setzte die junge Elefantenkuh Tuffi in einen Wagen.
Tuffi geriet in Panik, trompetete, drängte – und sprang durch die Wand in die Wupper.
Sie landete auf einer Sandbank, kam mit Schrammen davon und wurde über Nacht berühmter als die Bahn selbst.
Bis heute steht ihr Name auf Milchtüten, Wandbildern und einem Denkmal am Fluss.
Die Bahn hat aus dem Tag gelernt: Elefanten fahren seither nicht mehr mit.

12. April 1999: der Absturz
Fast hundert Jahre lang galt die Schwebebahn als das sicherste Verkehrsmittel der Welt.
Am 12. April 1999 hatten Bauarbeiter nachts an der Strecke gearbeitet und eine Metallkralle auf der Schiene vergessen.
Der erste Zug des Morgens fuhr dagegen, entgleiste und stürzte in die Wupper.
Fünf Menschen starben, 47 wurden verletzt.
Es ist bis heute der einzige tödliche Unfall in der Geschichte der Bahn – und der Grund, warum seither jede Baustelle vor der ersten Fahrt abgefahren wird.
Neun Monate Stillstand
Am 18. November 2018 riss zwischen Varresbeck und Zoo ein Stück der Stromschiene ab und stürzte auf die Straße; verletzt wurde niemand.
Die Untersuchung zeigte eine Kettenreaktion an den Halterungen. Die Bahn stand fast neun Monate still, bis zum 1. August 2019.
Für Wuppertal war das, als hätte eine Stadt ihre Hauptstraße verloren: Busse übernahmen, und alle merkten, wie sehr die Stadt an ihrem Gerüst hängt.
Neue Wagen, altes Gerüst
Seit dem 18. Dezember 2016 fahren neue Wagen: 31 blaue Gelenkzüge der Generation 15, gebaut von Vossloh Kiepe, endmontiert in Valencia.
Der Auftrag von 2011 kostete 122 Millionen Euro.
Sie lösten die orange-weißen Wagen von 1972 ab, die viele Wuppertaler noch heute vermissen.
Das Gerüst selbst ist über zwei Jahrzehnte fast komplett erneuert worden; kalkuliert waren einst 500 Millionen D-Mark, gekostet hat es am Ende rund 500 Millionen Euro.
Der Kaiserwagen von 1900 fährt noch – für Hochzeiten, Feste und alle, die es einmal so erleben wollen wie Wilhelm II.

Was man beim Ortstermin sieht
Am besten steigt man in Vohwinkel ein und fährt die ganze Strecke bis Oberbarmen: 30 Minuten, in denen sich die Stadt einmal komplett vorstellt.
Wer einen Fensterplatz vorn erwischt, sieht, wie sich das Gerüst um die Kurven windet und die Stationen wie Glaskästen über dem Wasser hängen.
Unten am Fluss, etwa an der Station Landgericht, versteht man, warum das Bauwerk als Ganzes unter Denkmalschutz steht.
Und wer Glück hat, sieht den Kaiserwagen vorbeischweben – mit Holzbänken, Messing und einem Schaffner in Uniform.

Häufige Fragen zur Schwebebahn
Wie lang ist die Wuppertaler Schwebebahn?
Seit wann fährt sie?
Wie viele Menschen fahren mit?
Was ist mit Tuffi passiert?
Gab es Unfälle?
Warum stand die Bahn 2018 still?
Wie alt sind die Wagen?
Wie schnell fährt sie?
Quellen
Wikipedia: „Wuppertaler Schwebebahn“ (deutsch), „Wuppertal Schwebebahn“ (englisch), „Schwebebahnunfall in Wuppertal 1999″; WSW Wuppertaler Stadtwerke; schwebebahn.de („Vossloh Kiepe baut neue Schwebebahn-Generation“, „75 Jahre Tuffi-Sprung“); Westdeutsche Zeitung und Wuppertaler Rundschau zum Stromschienen-Unfall 2018.
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