Leipzig Hauptbahnhof: größter Kopfbahnhof Europas – Ortstermin in der Riesenhalle

Bahn-Slam · Ortstermin

„Sehr geehrte Fahrgäste, Sie erreichen den größten Kopfbahnhof Europas. Bitte nehmen Sie sich Zeit, es gibt viel zu sehen.“

Leipzig Hauptbahnhof: Der größte Kopfbahnhof Europas, gebaut von zwei Königreichen

→ Ein Bahnhof so breit wie drei Fußballfelder – weil Sachsen und Preußen sich nicht einigen konnten, wem er gehört.

Lesezeit: 9 Minuten · Ortstermin · Leipzig

Kurz gesagt

Der Leipziger Hauptbahnhof ist mit rund 83.640 Quadratmetern der größte Kopfbahnhof Europas nach Grundfläche. Eröffnet 1915, hat er eine 298 Meter breite Fassade, 23 Bahnsteiggleise und einen 270 Meter langen Querbahnsteig. Weil ihn das Königreich Sachsen und Preußen gemeinsam nutzten, wurde er streng symmetrisch in zwei Hälften gebaut – jeder sein eigenes Reich. Seit 1997 stecken drei Etagen Geschäfte darin, seit 2013 hält im City-Tunnel tief unter der Halle die S-Bahn. Täglich sind rund 135.000 Menschen hier unterwegs.

Man tritt durch die Tür und bleibt erst mal stehen.

Die Halle ist so groß, dass die Menschen darin wie Spielfiguren wirken, und die Decke so hoch, dass die Geräusche verschwimmen.

Rechts eine Rundbogenhalle, links eine baugleiche – als hätte jemand denselben Bahnhof zweimal nebeneinandergesetzt.

Hat er auch, in gewisser Weise.

Der Leipziger Hauptbahnhof ist ein Bahnhof so breit wie drei Fußballfelder, gebaut, weil zwei Königreiche sich nicht einigen konnten, wem er gehört.

Also bekam jeder seine Hälfte.

Bahnsteighalle im Leipziger Hauptbahnhof
Unter dem Hallendach: Der Leipziger Hauptbahnhof überdeckt rund 83.640 Quadratmeter. Foto: Falk2, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Zwei Königreiche, ein Bahnhof

Als der Bahnhof ab 1909 gebaut wurde, war Leipzig ein Eisenbahnknoten ersten Ranges – aber die Strecken gehörten verschiedenen Herren.

Das Königreich Sachsen und der preußische Staat betrieben eigene Bahnen und wollten beide im neuen Bahnhof residieren.

Die Lösung war diplomatisch: ein streng symmetrisches Gebäude, in der Mitte geteilt, links Preußen, rechts Sachsen.

Jeder hatte seinen eigenen Eingang, seine eigene Halle, seine eigene Verwaltung.

Die Architekten William Lossow und Max Hans Kühne gossen den Kompromiss in Stein – zwei Hälften, die so tun, als wären sie ein Ganzes.

Querbahnsteig im Leipziger Hauptbahnhof
Der 270 Meter lange Querbahnsteig verbindet beide Hälften – von hier gehen alle Gleise ab. Foto: Falk2, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Der Bahnhof in Zahlen

83.640 m²

Grundfläche

größter Kopfbahnhof Europas

298 m

Fassade

Breite zur Innenstadt hin

23

Bahnsteiggleise

22 im Reiseverkehr genutzt

270 m

Querbahnsteig

verbindet die beiden Hallenhälften

1915

Eröffnung

am 4. Dezember, Bau ab 1909

≈ 135.000

Menschen am Tag

Reisende und Besucher

Quelle: Wikipedia („Leipzig Hauptbahnhof“). Grundfläche = überdachte Fläche. Baukosten des Gebäudes 1915: rund 60,75 Millionen Mark.

Ein Kopfbahnhof – und was das heißt

Leipzig ist ein Kopfbahnhof: Die Gleise enden hier, sie führen nicht hindurch.

Jeder Zug fährt vorn hinein und muss vorn wieder hinaus – wie in einer Sackgasse mit 23 Spuren.

Das kostet Zeit und Platz, sieht aber grandios aus: Alle Bahnsteige laufen auf einen einzigen, 270 Meter langen Querbahnsteig zu.

Von dort überblickt man den ganzen Bahnhof, von der sächsischen bis zur preußischen Seite.

Es ist einer der wenigen Orte, an denen man 23 Gleise auf einen Blick sieht.

Bahnsteighalle 2 bis 5 im Leipziger Hauptbahnhof
Rundbogen an Rundbogen: Die Hallen tragen die Gleise unter einem Dach aus Stahl und Glas. Foto: Falk2, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Krieg, Wiederaufbau, Einkaufszentrum

Am 7. Juli 1944 fielen 46 Tonnen Bomben auf den Bahnhof; die Hallen brannten aus.

Der Wiederaufbau zog sich bis in die 1960er-Jahre.

Den größten Umbau seiner Geschichte erlebte der Bahnhof aber erst 1997: Drei Etagen mit rund 140 Geschäften wurden in den Bauch der Halle gesetzt, die „Promenaden“.

Rund 250 Millionen Euro kostete das – seitdem ist der Bahnhof auch ein Einkaufszentrum, in dem manche Leipziger sonntags bummeln, ohne je einen Zug zu nehmen.

Regionalzüge in den Bahnsteighallen des Leipziger Hauptbahnhofs
Alltag unter dem Denkmal: Regionalzüge warten an den Bahnsteigen der Ostseite. Foto: Falk2, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Tunnel unter der Halle

Seit dem 15. Dezember 2013 hat der Kopfbahnhof ein zweites Gesicht.

Tief unter der Halle, rund 20 Meter unter der Straße, fährt die S-Bahn durch den City-Tunnel – und macht aus der Sackgasse eine Durchfahrt.

Wer von Halle nach Leipzig-Süd will, hält nicht mehr oben am Prellbock, sondern rauscht unten durch.

So hat Leipzig beides: den größten Kopfbahnhof Europas oben – und einen Durchgangsbahnhof darunter.

Hallengleise 2 und 3 im Leipziger Hauptbahnhof
Blick in die Tiefe der Halle: Die Gleise enden am Querbahnsteig, der Zug muss vorwärts wieder hinaus. Foto: Falk2, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was man beim Ortstermin sieht

Am besten stellt man sich in die Mitte des Querbahnsteigs und dreht sich einmal um die eigene Achse.

Nach links die eine Halle, nach rechts die andere, dazwischen 23 Gleise – der ganze Bahnhof auf einen Blick.

Dann eine Etage tiefer in die Promenaden, wo unter historischen Bögen Läden stehen.

Und ganz nach unten in den City-Tunnel, wo alle vier Minuten eine S-Bahn hält, als wäre der riesige Kopfbahnhof über ihr nur Kulisse.

Häufige Fragen zum Leipziger Hauptbahnhof

Ist Leipzig wirklich der größte Bahnhof Europas?
Der größte Kopfbahnhof nach Grundfläche: rund 83.640 überdachte Quadratmeter. Bahnhöfe mit mehr Gleisen oder Reisenden gibt es, aber keinen flächengrößeren Kopfbahnhof.
Warum ist der Bahnhof in zwei symmetrische Hälften geteilt?
Weil ihn das Königreich Sachsen und der preußische Staat gemeinsam nutzten. Jeder bekam eine eigene, baugleiche Hälfte mit eigenem Eingang und eigener Verwaltung.
Wann wurde er eröffnet?
Am 4. Dezember 1915, nach sechs Jahren Bauzeit ab 1909. Architekten waren William Lossow und Max Hans Kühne.
Wie viele Gleise hat er?
23 Bahnsteiggleise oben im Kopfbahnhof, davon 22 im Reiseverkehr, dazu die Tunnelstation der S-Bahn unten.
Was ist der Querbahnsteig?
Der 270 Meter lange Quergang, auf den alle Bahnsteige zulaufen. Von ihm gehen die Gleise ab; er verbindet die sächsische und die preußische Halle.
Was sind die Promenaden?
Ein Einkaufszentrum mit rund 140 Geschäften auf drei Etagen, 1997 in den Bahnhof gebaut. Rund 250 Millionen Euro kostete der Umbau.
Was ist der City-Tunnel?
Ein 2013 eröffneter Eisenbahntunnel rund 20 Meter unter der Halle, durch den die S-Bahn fährt. Er macht aus dem Kopfbahnhof für die S-Bahn einen Durchgangsbahnhof.
Kann man den Bahnhof auch ohne Zugfahrt besuchen?
Ja. Halle, Querbahnsteig und Promenaden sind frei zugänglich; viele Leipziger nutzen den Bahnhof als Einkaufs- und Treffpunkt.

Quellen

Wikipedia: „Leipzig Hauptbahnhof“ (Abruf September 2026); Deutsche Bahn / Bahnhofsinformationen; Leipziger Promenaden Hauptbahnhof.

Alle Fotos stehen unter freien Lizenzen und stammen von Wikimedia Commons; die Urheber sind unter jedem Bild genannt. Die Bilder wurden nur verkleinert, nicht beschnitten oder verändert.

Weiterfahrt

Berlin Hauptbahnhof – der größte Kreuzungsbahnhof Europas

Warum Bahnhöfe wirre Gleisnummern haben – 23 Gleise wollen sortiert sein

Göltzschtalbrücke – noch ein sächsischer Rekord

Zurück zum Finder

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →