Stimmt es, dass die Bahn im Winter wegen Schnee ausfällt? Weichen, Oberleitung und Schneebruch erklärt

Bahn-Slam · Stimmt es, dass …?

„Sehr geehrte Fahrgäste, wegen des Wintereinbruchs kommt es zu Verspätungen. Schuld ist nicht der Schnee. Schuld ist, was er anrichtet.“

Stimmt es, dass die Bahn im Winter wegen Schnee ausfällt?

→ Nicht der Schnee stoppt den Zug – sondern das, was er mit Weichen, Draht und Bäumen macht.

Lesezeit: 7 Minuten · Mythen-Check · Technik

Kurz gesagt

Nicht ganz. Der Schnee selbst ist selten das Problem – ein Zug pflügt durch eine dünne Schneedecke ohne Mühe. Was den Verkehr lahmlegt, ist, was der Winter mit den beweglichen und empfindlichen Teilen macht: Weichen frieren ein, Oberleitungen vereisen, und unter der Schneelast brechen Äste und Bäume auf Gleise und Draht. Die Bahn heizt deshalb rund 50.000 Weichen, hält Räumzüge bereit und schickt im Winter fast 18.000 Menschen in den Einsatz. Ganz verhindern lässt sich der Winter trotzdem nicht.

Es schneit seit dem Morgen, und die Anzeige füllt sich mit roten Zeilen.

„Verspätung wegen Wintereinbruch“, steht da, und im Wartebereich sagt jemand den Satz, den alle denken: „Ein bisschen Schnee, und nichts geht mehr.“

Der Satz ist verständlich – und trifft doch nicht den Kern.

Denn ein Zug pflügt durch eine Handbreit Schnee, ohne mit der Wimper zu zucken.

Was ihn stoppt, ist nicht der Schnee auf der geraden Strecke, sondern das, was der Winter mit den empfindlichen Teilen macht.

Verschneiter Bahnsteig in Berlin-Gesundbrunnen
Schnee auf dem Bahnsteig sieht dramatisch aus – dem Zug macht die Decke selbst wenig aus. Foto: Lukas Beck, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Das eigentliche Problem: die Weichen

Eine Weiche ist der bewegliche Teil des Gleises – zwei Schienen, die sich verschieben, um den Zug auf ein anderes Gleis zu lenken.

Zwischen diesen Schienen muss ein schmaler Spalt frei bleiben, sonst klemmt sie.

Genau dort setzen sich Schnee und Eis fest.

Eine eingefrorene Weiche lässt sich nicht mehr stellen – und schon steht der Verkehr auf einem ganzen Knoten.

Deshalb hat die Bahn rund 50.000 ihrer Weichen mit einer Heizung ausgestattet, die meisten davon elektrisch.

Allein diese Weichenheizungen kosten jeden Winter rund 44 Millionen Euro Strom.

Die Bahn im Winter, in Zahlen

≈ 50.000

beheizte Weichen

die meisten elektrisch beheizt

44 Mio. €

Strom pro Winter

nur für die Weichenheizungen

≈ 18.000

Menschen im Wintereinsatz

räumen Bahnsteige, Gleise und Weichen

0 °C

ab hier vereist die Weiche

wenn Nässe im Spalt gefriert

Räumzüge

stehen bereit

schwere Loks und Schneepflüge an Knotenpunkten

Quellen: Bundeswirtschaftsministerium (Weichenheizungen), Handelsblatt, ingenieur.de, Deutsche Bahn (Wintervorbereitung). Zahlen gerundet.

Draht, Äste und festgefrorene Türen

Die Weiche ist nicht der einzige Schwachpunkt.

Die Oberleitung kann vereisen; dann bekommt der Stromabnehmer keinen sauberen Kontakt, und der Zug bleibt ohne Saft stehen.

Noch gefährlicher ist der Schneebruch: Unter der Last nassen Schnees brechen Äste und ganze Bäume und stürzen auf Gleise und Draht.

Ein einziger Baum kann eine Strecke stundenlang sperren.

Dazu kommen Kleinigkeiten mit großer Wirkung: festgefrorene Türen, vereiste Bremsen, Eisbrocken, die von Zügen abfallen und Weichen blockieren.

Warum die Bahn manchmal vorsorglich ausdünnt

Bei angekündigten schweren Wintereinbrüchen streicht die Bahn im Fernverkehr manchmal vorsorglich Züge aus dem Fahrplan.

Das klingt paradox, hat aber einen Grund: Ein bewusst leichterer Fahrplan lässt sich auch bei Störungen halten, statt dass alles nach und nach zusammenbricht.

Weniger Züge, die dafür fahren, sind für die Fahrgäste besser planbar als ein voller Fahrplan, der reihenweise ausfällt.

Warum es andere Länder scheinbar besser können

In der Schweiz oder in Skandinavien fährt die Bahn auch bei viel Schnee erstaunlich zuverlässig.

Das liegt nicht an besserem Wetter, sondern an besserer Vorbereitung: mehr beheizte und abgedeckte Weichen, robustere Technik, konsequenter Rückschnitt der Bäume am Gleis.

Wo Winter jedes Jahr sicher kommt, lohnt sich diese Ausrüstung – in Deutschland ist starker Schnee vielerorts die Ausnahme.

Und wo gespart wird, rächt sich der erste harte Frost.

Das Urteil

Halb wahr. Die Bahn fällt im Winter aus – aber fast nie wegen des Schnees selbst.

Schuld sind vereiste Weichen, vereiste Oberleitungen und Bäume, die unter der Schneelast brechen.

Dagegen hilft heizen, räumen und zurückschneiden. Ganz verhindern lässt sich der Winter nicht – aber vieles davon ist eine Frage der Vorbereitung, nicht des Wetters.

Häufige Fragen zur Bahn im Winter

Fällt die Bahn wirklich wegen Schnee aus?
Selten wegen des Schnees selbst. Ein Zug fährt durch eine dünne Schneedecke problemlos. Ausfälle entstehen durch vereiste Weichen, vereiste Oberleitungen und Schneebruch.
Warum sind Weichen im Winter so ein Problem?
Zwischen ihren beweglichen Schienen muss ein Spalt frei bleiben. Friert dort Schnee oder Eis fest, lässt sich die Weiche nicht mehr stellen – und der Verkehr steht.
Was tut die Bahn dagegen?
Sie heizt rund 50.000 Weichen, deckt sie ab, hält Räumzüge und schwere Loks bereit und schickt im Winter fast 18.000 Menschen zum Räumen. Die Weichenheizung kostet rund 44 Millionen Euro Strom pro Winter.
Was ist Schneebruch?
Wenn nasser Schnee auf Ästen und Bäumen liegt, brechen sie unter der Last und stürzen auf Gleise oder Oberleitung. Ein einziger Baum kann eine Strecke stundenlang sperren.
Warum fährt der ICE bei Schnee manchmal gar nicht?
Bei angekündigten schweren Wintereinbrüchen dünnt die Bahn den Fernverkehr vorsorglich aus. Ein bewusst leichterer Fahrplan lässt sich zuverlässiger halten als ein voller, der reihenweise ausfällt.
Warum kann die Schweiz das besser?
Nicht wegen des Wetters, sondern wegen der Vorbereitung: mehr beheizte und abgedeckte Weichen, robustere Technik, konsequenter Baumrückschnitt. Wo Winter sicher kommt, lohnt sich die Ausrüstung.
Kann Eis die Oberleitung lahmlegen?
Ja. Vereist der Draht, bekommt der Stromabnehmer keinen sauberen Kontakt, und der Zug bleibt ohne Strom stehen.

Quellen

Bundeswirtschaftsministerium: „Pünktlich trotz Schnee und Eis: Weichenheizungen“; Handelsblatt: „Eingeschneite und vereiste Weichen behindern Bahnverkehr“; ingenieur.de zur Weichenheizung; Deutsche Bahn: Wintervorbereitung.

Zahlen gerundet. Stand: September 2026.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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