Stimmt es, dass Züge im Herbst wegen Laub rutschen? Schmierfilm, Sand und Schienenreinigung erklärt

STIMMT ES, DASS …?

„Nächster Halt: der Herbst. Vorsicht, es wird glatt.“

Stimmt es, dass Züge im Herbst wegen Laub rutschen? Schmierfilm, Sand und Schienenreinigung erklärt

→ Kurz gesagt: Ja – heruntergefallenes Laub macht die Schiene zur Rutschbahn

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Kurz gesagt

Es klingt kurios, ist aber ein ernstes Problem: Jeden Herbst sorgt herabfallendes Laub dafür, dass Züge auf den Schienen rutschen. Wie aus bunten Blättern ein glatter Schmierfilm wird, warum das gefährlich ist und was die Bahn mit Sand und Spezialzügen dagegen tut.

U-Bahn-Station Landungsbrücken in Hamburg
Foto: Jivee Blau, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die kurze Antwort

Ja, das stimmt tatsächlich.

Herabgefallenes Laub ist für die Eisenbahn im Herbst ein echtes Ärgernis.

Wenn die Räder die Blätter auf der Schiene zermalmen, entsteht ein glatter, festsitzender Film – eine Art Schmierschicht, die die ohnehin geringe Reibung zwischen Rad und Schiene weiter herabsetzt.

Der Zug rutscht.

Was harmlos klingt, hat handfeste Folgen.

Denn eine Bahn steht und fällt mit der Reibung zwischen Stahlrad und Stahlschiene.

Wird die auch nur ein wenig schlechter, verlängert sich der Bremsweg, und das Anfahren gerät ins Stocken.

Laub auf der Schiene

Herbst

die kritische Zeit

wenn das Laub fällt

Schmierfilm

das Problem

glatt wie dünnes Eis

Sand

das Gegenmittel

für mehr Grip

Züge tragen Sandstreuanlagen, um die Reibung zu erhöhen.

Spezielle Reinigungszüge befreien die Schienen vom Schmierfilm.

Wie der Schmierfilm entsteht

Der Übeltäter ist die Kombination aus Laub, Feuchtigkeit und dem Gewicht der Züge.

Fallen die Blätter auf die Gleise und wird darüber gefahren, presst das enorme Gewicht der Räder sie zu einer hauchdünnen, aber extrem festen Schicht zusammen.

Aus vielen Blättern wird so ein glatter, dunkler Belag, der fest an der Schiene klebt.

Dieser Film wirkt wie eine Seifenschicht.

Er verwandelt die blanke Stahloberfläche in eine rutschige Bahn – besonders tückisch, wenn es zusätzlich feucht ist.

Was im Kleinen wie ein bisschen Blattmatsch aussieht, wird für einen tonnenschweren Zug zur echten Gefahr.

Warum das gefährlich ist

Die geringere Reibung macht sich in zwei Richtungen bemerkbar.

Beim Bremsen kann der Zug nicht mehr richtig greifen; sein ohnehin langer Bremsweg wird noch länger, im schlimmsten Fall gleitet das Rad blockiert über die Schiene.

Beim Anfahren wiederum drehen die Räder durch, der Zug kommt kaum vom Fleck.

Beides ist ein Sicherheitsthema.

Ein verlängerter Bremsweg kann bedeuten, dass ein Zug ein Signal überfährt oder erst spät zum Stehen kommt.

Deshalb nimmt die Bahn den herbstlichen Schmierfilm sehr ernst und fährt auf betroffenen Strecken vorsichtiger.

Warum Reibung so wichtig ist

Stahl auf Stahl hat von Natur aus wenig Grip – das macht die Bahn sparsam, aber empfindlich.

Ein dünner Schmierfilm genügt, um diese ohnehin geringe Reibung stark zu senken.

Weniger Reibung heißt: längerer Bremsweg und schlechteres Anfahren.

Sand als Gegenmittel

Das wichtigste Werkzeug gegen die Rutschgefahr ist verblüffend einfach: Sand.

Viele Züge tragen kleine Sandstreuanlagen, die bei Bedarf feinen Sand direkt vor die Räder streuen.

Der Sand durchdringt den Schmierfilm und stellt den Grip zwischen Rad und Schiene wieder her – ein uralter Trick, der bis heute funktioniert.

Der Triebfahrzeugführer kann das Sanden gezielt auslösen, moderne Fahrzeuge tun es teils automatisch, sobald die Räder zu rutschen beginnen.

So bekommt der Zug auch auf glatter Schiene wieder Halt.

Baureihe 422 im Düsseldorfer Hauptbahnhof
Foto: Clic, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Reinigungszüge

Gegen die Ursache selbst rücken im Herbst spezielle Schienenreinigungszüge aus.

Sie befreien die Gleise mit Hochdruck-Wasserstrahlen und Bürsten vom festgebackenen Schmierfilm und tragen teils ein Haftmittel auf, das den Grip verbessert.

Nachts und auf besonders betroffenen Strecken sind sie regelmäßig unterwegs.

So bekämpft die Bahn das Laubproblem an zwei Fronten: Der Sand hilft dem einzelnen Zug im Moment des Rutschens, die Reinigungszüge halten die Schienen grundsätzlich sauber.

Der Herbst bleibt trotzdem jedes Jahr eine Herausforderung – bunt für die Augen, tückisch für die Schiene.

Häufige Fragen

Ein altbekanntes Herbstphänomen

So kurios das Laubproblem klingt, neu ist es nicht.

Seit es Eisenbahnen gibt, kämpfen sie im Herbst mit rutschigen Schienen.

In Ländern mit vielen Laubbäumen entlang der Strecken ist „Laub auf den Gleisen“ ein fester Begriff, über den mancherorts sogar gespottet wird – zu Unrecht, denn dahinter steckt handfeste Physik.

Für die Bahnen ist der Herbst deshalb eine planbare, aber unvermeidliche Belastungsprobe.

Man weiß, wann die Blätter fallen, und rüstet sich – ganz verhindern lässt sich der Schmierfilm jedoch nicht, solange Bäume neben den Gleisen stehen.

Bäume schneiden, aber mit Maß

Ein naheliegender Gedanke wäre, einfach alle Bäume entlang der Strecken zu fällen.

Genau das tut die Bahn in Maßen auch: Sie pflegt die Vegetation, schneidet überhängende Äste zurück und entfernt besonders laubreiche Gehölze direkt am Gleis.

Das verringert die Menge an Blättern, die überhaupt auf die Schiene gelangen.

Doch ein Kahlschlag verbietet sich.

Die Bäume entlang der Strecken sind Lebensraum, Lärmschutz und Landschaft zugleich.

Die Bahn muss deshalb abwägen zwischen freier Schiene und grünem Streckenrand – und den Rest mit Sand und Reinigungszügen auffangen.

Warum räumt man das Laub nicht einfach weg?
Weil es ständig nachfällt und der gefährliche Film erst durch das Überfahren entsteht. Man kann nicht jeden Meter Gleis laufend blattfrei halten; deshalb bekämpft man den festgebackenen Film mit Reinigungszügen und den Rutscheffekt mit Sand.
Fahren Züge im Herbst deshalb langsamer?
Auf besonders betroffenen Abschnitten kann das vorkommen. Wo mit Schmierfilm zu rechnen ist, fährt der Zug vorsichtiger, um den längeren Bremsweg auszugleichen.
Ist das nur in Deutschland ein Problem?
Nein, das Laubproblem kennt jede Bahn in gemäßigten Klimazonen. Auch in anderen Ländern sind im Herbst Sandstreuanlagen und Reinigungszüge im Einsatz.

Weiterfahrt

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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