Zahlen, bitte
„Ein Land, ein Ticket? Von wegen – zwischen Flensburg und Füssen gilt ein Flickenteppich aus rund 60 Tarifen.“
Wie viele Verkehrsverbünde gibt es in Deutschland?
→ Zahlen zum deutschen Tarifdschungel.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Zahlen, bitte
Kurz gesagt
In Deutschland gibt es rund 60 Verkehrsverbünde. Jeder legt für seine Region eigene Preise und Tarifzonen fest. Für Reisende ist das mal praktisch, mal ein einziges Rätsel.
Wer nur in seiner Heimatstadt Bus und Bahn fährt, kennt meist genau einen Tarif und findet ihn selbstverständlich.
Sobald man aber quer durchs Land reist, merkt man schnell: Fast jede Region rechnet nach ihren eigenen Regeln ab.
Der Grund dafür sind die vielen Verkehrsverbünde, die Deutschland wie ein Flickenteppich überziehen.

Der Tarifdschungel in Zahlen
~60
Verkehrsverbünde
in ganz Deutschland
1965
erster Verbund
der HVV in Hamburg
1
Deutschlandticket
gilt seit 2023 überall
Quelle: Verband Deutscher Verkehrsunternehmen. Zahl der Verbünde je nach Zählweise leicht unterschiedlich.
Was ein Verkehrsverbund überhaupt ist
Ein Verkehrsverbund ist ein Zusammenschluss mehrerer Verkehrsunternehmen in einer Region.
Sie einigen sich auf gemeinsame Fahrkarten, gemeinsame Preise und einen gemeinsamen Fahrplan.
So kann man mit einem einzigen Ticket vom Bus in die Straßenbahn und weiter in die S-Bahn umsteigen.
Ohne diesen Zusammenschluss bräuchte man für jede Fahrt und jedes Unternehmen ein eigenes Ticket.

Wie viele es genau sind
In Deutschland gibt es je nach Zählweise rund 60 solcher Verbünde.
Manche decken eine ganze Region ab, wie der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr im dicht besiedelten Westen.
Andere sind auf eine einzige Stadt und ihr Umland beschränkt.
Zusammen sorgen sie dafür, dass fast überall im Land ein Nahverkehrstarif gilt.
Gut zu wissen
Wer nur eine einzelne Fahrt macht, ist mit dem Verbundticket oft günstiger als mit einem bundesweiten Angebot.
Für Vielfahrer und Pendler lohnt sich dagegen fast immer das Deutschlandticket, weil es die Zonenfrage komplett aushebelt.
Wie alles begann
Der erste Verkehrsverbund Deutschlands entstand 1965 in Hamburg.
Vorher musste man für Bus, U-Bahn und S-Bahn oft getrennte Fahrscheine lösen.
Die Idee, alles unter einem Dach und einem Preis zu bündeln, war damals neu und wegweisend.
Nach und nach übernahmen andere Städte und Regionen das Hamburger Vorbild.
Warum es so viele sind
Der Nahverkehr ist in Deutschland Sache der Länder und Kommunen, nicht des Bundes.
Jede Region hat deshalb ihren eigenen Verbund mit eigenen Zonen und Preisen aufgebaut.
Das führt zu großer Vielfalt, aber eben auch zu Unübersichtlichkeit an den Rändern der Verbünde.
Wer über eine Verbundgrenze fährt, tappt schnell in die Falle des falschen Tickets.
Der Tarifdschungel als Ärgernis
Für Ortskundige ist der eigene Verbund kein Problem, weil sie die Zonen kennen.
Für Gäste dagegen ist die Frage, welche Zone denn nun gilt, oft ein echtes Rätsel.
Zwei Nachbarstädte können völlig unterschiedliche Systeme haben, mit Waben, Ringen oder Zahlenzonen.
Genau diese Unterschiede sorgen bei Reisenden regelmäßig für Frust und teure Fehlkäufe.
Das Deutschlandticket als Gegenmittel
Seit 2023 gibt es das Deutschlandticket, das quer durch alle Verbünde gilt.
Mit ihm kann man im gesamten Nahverkehr fahren, ohne sich um Zonen zu kümmern.
Für viele Vielfahrer war das die erste echte Vereinfachung seit Jahrzehnten.
Die einzelnen Verbünde gibt es aber weiterhin, denn ihre Einzeltickets bleiben bestehen.
Was der Verbund für die Region tut
Ein Verbund bestellt und bezahlt die Bus- und Bahnlinien, die in seinem Gebiet fahren.
Er entscheidet mit, wie oft ein Bus fährt und ob eine Linie überhaupt bestehen bleibt.
Damit ist der Verbund weit mehr als nur eine Tarifstelle, er formt den Alltag ganzer Regionen.
Gerade auf dem Land hängt viel davon ab, wie gut ein Verbund seinen Nahverkehr organisiert.
Ein Ticket für ganz Europa?
Was national das Deutschlandticket schafft, ist über Grenzen hinweg noch Zukunftsmusik.
Zwar gibt es Ideen für einfachere Tarife in ganz Europa, doch die Umsetzung ist schwierig.
Jedes Land bringt seine eigenen Verbünde, Preise und Regeln mit.
Bis zum durchgehenden Ticket von Kiel bis Neapel ist es deshalb noch ein weiter Weg.
Wie man den richtigen Tarif findet
Wer sich im fremden Verbund nicht sicher ist, fragt am besten direkt am Automaten nach der passenden Zone für die geplante Fahrt.
Fast alle Verbünde bieten außerdem eine eigene App an, in der man einfach Start und Ziel eingibt und den korrekten Preis angezeigt bekommt.
Im Zweifel hilft der günstige Grundsatz, lieber eine Zone zu viel als eine zu wenig zu lösen, denn ein zu knappes Ticket gilt schnell als Fahren ohne gültige Fahrkarte.
Und wer regelmäßig über Verbundgrenzen pendelt, fährt mit dem bundesweit gültigen Deutschlandticket in aller Regel am entspanntesten.
Ein Blick über die Landesgrenze
Interessant wird der Vergleich, wenn man in ein Nachbarland fährt, denn dort ist die Aufteilung des Nahverkehrs oft ganz anders geregelt als in Deutschland.
In der Schweiz etwa greifen die Tarife viel enger ineinander, sodass ein durchgehendes Ticket über weite Strecken zur Selbstverständlichkeit geworden ist.
In anderen Ländern wiederum gibt es kaum Verbünde, und man kauft für jeden Bus und jede Bahn ein eigenes Ticket beim jeweiligen Unternehmen.
Der deutsche Weg mit seinen rund sechzig Verbünden liegt damit irgendwo zwischen strenger Zersplitterung und großer Einheitlichkeit – mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt.
Häufige Fragen
Wie viele Verkehrsverbünde gibt es?
Welcher war der erste?
Wozu das Deutschlandticket?
Warum sind die Tarife so verschieden?
Gilt mein Verbundticket auch im ICE?
Weiterfahrt
→ Wie viele Fahrkartenautomaten gibt es? – wo man die Tickets kauft
→ Wie viele Aufzüge hat die Bahn? – Barrierefreiheit in Zahlen
