Wie viele Zugklassen gibt es?

Zahlen, bitte

„Erste oder zweite Klasse? Diese Wahl ist der Rest eines Systems, das einmal viel strenger nach Geldbeutel trennte.“

Wie viele Zugklassen gibt es?

→ Zahlen zur Klassengesellschaft auf Rädern.

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Kurz gesagt

Heute gibt es im deutschen Zug nur noch zwei Klassen: die 1. und die 2. Klasse. Früher waren es bis zu vier. Die dritte Klasse verschwand in Westdeutschland erst 1956.

Wer heute einen Zug besteigt, hat die Wahl zwischen genau zwei Wagenklassen.

In der zweiten reist die große Mehrheit, in der ersten sitzt man etwas breiter und ruhiger.

Dass es nur noch zwei Klassen gibt, ist historisch gesehen aber eine ziemlich junge Entwicklung.

Deutsche Bahn ()
Foto: Tobias Nordhausen, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Die Klassen in Zahlen

2

Klassen heute

1. und 2. Klasse

4

Klassen früher

im 19. Jahrhundert üblich

1956

Aus für Klasse 3

in Westdeutschland

Quelle: Eisenbahngeschichte. Die genaue Zahl der Klassen war je nach Bahn und Epoche verschieden.

Zwei Klassen, ein Zug

Die erste Klasse erkennt man am breiten gelben oder roten Streifen über den Fenstern und der Ziffer 1 am Wagen.

Dort sind die Sitze breiter, es gibt mehr Beinfreiheit und meist ist es ruhiger.

In der zweiten Klasse reist die große Mehrheit der Fahrgäste zu einem deutlich niedrigeren Preis.

Der Unterschied ist heute vor allem Komfort, nicht mehr eine Frage des gesellschaftlichen Rangs.

Deutsche Bahn ()
Foto: Tobias Nordhausen, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Als es vier Klassen gab

In den Anfangsjahren der Eisenbahn im 19. Jahrhundert war die Trennung viel strenger.

Es gab bis zu vier Klassen, von gepolsterten Abteilen bis zu offenen Wagen mit harten Holzbänken.

Die vierte Klasse hatte oft nicht einmal Sitzplätze, die Menschen standen oder saßen auf dem Boden.

Wie man reiste, sagte damals viel über Herkunft und Geldbeutel aus.

Gut zu wissen

Ein Ticket der ersten Klasse gilt immer auch in der zweiten – umgekehrt nicht.

Wer in der zweiten Klasse gebucht hat und in die erste wechselt, muss den Aufpreis nachzahlen, sonst gilt das als Fahren ohne gültige Fahrkarte.

Das Ende der dritten Klasse

Lange galt die dritte Klasse als das Verkehrsmittel der einfachen Leute.

In Westdeutschland wurde sie erst 1956 abgeschafft, danach blieben nur noch erste und zweite Klasse übrig.

Aus der alten dritten Klasse wurde dabei die heutige zweite.

Damit endete auf der Schiene ein Stück sichtbarer Klassengesellschaft.

Warum überhaupt zwei Klassen?

Man könnte fragen, warum es die Trennung heute überhaupt noch gibt.

Die Antwort ist einfach: Die erste Klasse bringt der Bahn zusätzliche Einnahmen von Reisenden, die für mehr Ruhe zahlen.

Zugleich lässt sich so bei starker Nachfrage der Platz besser verteilen.

Für die Bahn ist die erste Klasse deshalb ein festes Geschäftsmodell und kein Auslaufmodell.

Was die erste Klasse heute bietet

Im Fernverkehr gehört zur ersten Klasse oft ein Service am Platz und kostenloses Wasser.

Die Sitze stehen weiter auseinander, und in vielen Zügen sind die Abteile kleiner und ruhiger.

Auch die Chance auf einen freien Sitzplatz ohne Reservierung ist meist größer.

Ob sich der Aufpreis lohnt, muss aber jeder für sich selbst entscheiden.

Klassen im Nahverkehr

Auch in vielen Regionalzügen und S-Bahnen gibt es eine kleine erste Klasse.

Sie ist oft nur ein abgetrennter Bereich mit etwas bequemeren Sitzen.

Manche Verkehrsverbünde diskutieren, ob sich diese erste Klasse im Nahverkehr überhaupt lohnt.

Denn der Komfortunterschied ist auf kurzen Strecken deutlich kleiner als im Fernverkehr.

Sonderfall Schlafwagen

Im Nachtzug verschwimmt die klassische Einteilung in erste und zweite Klasse.

Dort zählt eher, ob man im Sitzwagen, im Liegewagen oder im echten Schlafwagen reist.

Der Schlafwagen mit eigenem Bett und Waschbecken ist dabei die komfortabelste und teuerste Variante.

Er ist gewissermaßen die erste Klasse der Nacht.

Eine Klasse für alle?

Immer wieder wird gefordert, im Nahverkehr ganz auf die erste Klasse zu verzichten.

Das Argument: mehr Platz für alle, statt reservierter Bereiche für wenige.

Dagegen steht, dass die erste Klasse Geld einbringt, das der Bahn sonst fehlen würde.

Ein Zug ohne Klassen bleibt deshalb vorerst die Ausnahme, etwa bei einzelnen Privatbahnen.

Woran man die Klasse erkennt

Von außen verrät ein breiter farbiger Streifen über den Fenstern und eine große Ziffer 1 am Wagen die erste Klasse.

Im Inneren fällt der Unterschied sofort auf, weil die Sitze weiter auseinanderstehen und die Abteile oft kleiner und ruhiger geschnitten sind.

Auf den Anzeigen am Bahnsteig steht zudem, an welcher Stelle des Zuges die erste Klasse hält, damit man sich rechtzeitig richtig aufstellen kann.

Wer versehentlich in der falschen Klasse landet, sollte beim Zugbegleiter nachfragen, bevor die Kontrolle kommt und ein Aufpreis fällig wird.

Klassen bei Bus und Flugzeug

Die Idee, Reisende nach Komfort und Preis zu trennen, kennt nicht nur die Eisenbahn, sondern findet sich auch bei anderen Verkehrsmitteln wieder.

Im Flugzeug reicht die Spanne von der engen Economy bis zur teuren Business Class mit flach ausklappbaren Sitzen und eigenem Service.

Der Fernbus dagegen kennt meist gar keine Klassen, dort sitzt vom Studenten bis zum Geschäftsreisenden jeder im selben Wagen auf demselben Sitz.

Die Bahn liegt mit ihren zwei Klassen also in der Mitte, bietet etwas Auswahl, ohne die strenge Trennung früherer Zeiten oder des Luftverkehrs zu übernehmen.

Häufige Fragen

Wie viele Zugklassen gibt es heute?
Zwei: die erste und die zweite Klasse. Früher waren es bis zu vier.
Wann verschwand die dritte Klasse?
In Westdeutschland 1956. Aus ihr wurde die heutige zweite Klasse.
Was bringt die erste Klasse?
Mehr Platz, oft ruhigere Abteile und im Fernverkehr einen Service am Platz. Dafür ist sie deutlich teurer.
Gibt es im Regionalzug eine erste Klasse?
Häufig ja, meist als kleiner abgetrennter Bereich mit bequemeren Sitzen.
Gilt mein Ticket der 1. Klasse auch in der 2.?
Ja, ein Ticket der ersten Klasse gilt immer auch in der zweiten. Umgekehrt braucht man einen Aufpreis.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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