Sollte die Bahn ein Bonusprogramm für Vielfahrer einführen?

Standpunkt

„Wer oft fliegt, sammelt Meilen und darf irgendwann gratis abheben. Wer oft Bahn fährt, geht bislang weitgehend leer aus.“

Sollte die Bahn ein Bonusprogramm für Vielfahrer einführen?

→ Ein Standpunkt zwischen Kundenbindung und Preisgerechtigkeit.

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Worum es geht

Fluggesellschaften binden ihre Stammkunden seit Jahrzehnten mit Meilenprogrammen. Die Bahn kennt bislang nur Rabattkarten wie die BahnCard, aber kein echtes Sammelprogramm mit Prämien. Ob sie eines einführen sollte, ist eine Frage von Kundenbindung, Kosten und Fairness.

Wer regelmäßig mit dem Flugzeug unterwegs ist, kennt das gute Gefühl, mit jedem Flug ein kleines Guthaben aufzubauen, das sich irgendwann in einen Freiflug oder ein Upgrade verwandelt.

Bei der Bahn dagegen bringt der hundertste Kilometer im Grunde denselben Preis wie der erste, und wer täglich pendelt, wird für seine Treue kaum spürbar belohnt.

Immer wieder kommt deshalb die Idee auf, die Bahn solle ein echtes Bonusprogramm für ihre Vielfahrer einführen, ähnlich den Meilenprogrammen der Luftfahrt.

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Foto: Radosław Drożdżewski, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was ein Bonusprogramm bedeuten würde

Ein solches Programm würde für jede gefahrene Strecke oder jeden ausgegebenen Euro Punkte gutschreiben, die man später gegen Freifahrten, Reservierungen oder kleine Extras eintauschen kann.

Für die Bahn wäre das ein Werkzeug, um Kunden dauerhaft an sich zu binden, statt sie bei jeder Reise neu vom Fernbus oder vom eigenen Auto zurückgewinnen zu müssen.

Technisch wäre das kein Hexenwerk, denn über die App und das Kundenkonto ließen sich Fahrten und Punkte längst automatisch erfassen.

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Foto: Radosław Drożdżewski, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Blick zur Konkurrenz

Die Luftfahrt macht seit Jahrzehnten vor, wie stark ein gut gemachtes Meilenprogramm Kunden an eine Marke fesseln kann.

Manche Reisende wählen bewusst eine bestimmte Fluglinie, nur um ihren Status und ihre Meilen nicht zu verlieren, selbst wenn ein anderer Anbieter günstiger wäre.

Genau diese Sogwirkung fehlt der Bahn bisher fast völlig, obwohl sie mit ihren Pendlern und Geschäftsreisenden treue Stammkunden hätte.

Was die BahnCard schon leistet

Ganz ohne Kundenbindung ist die Bahn allerdings nicht, denn die BahnCard gewährt Vielfahrern seit Langem spürbare Rabatte auf fast jede Fahrt.

Wer eine BahnCard besitzt, zahlt bei jeder Reise weniger und hat damit schon heute einen finanziellen Grund, der Bahn treu zu bleiben.

Ein Bonusprogramm wäre also keine völlig neue Idee, sondern eine Ergänzung, die den Rabatt um das Sammeln von Prämien erweitert.

Die Kostenfrage

Jedes Prämienprogramm kostet Geld, denn die verschenkten Freifahrten und Extras muss am Ende irgendjemand bezahlen.

Kritiker warnen, dass diese Kosten am Ende auf alle Fahrgäste umgelegt werden und damit die Tickets für alle ein Stück teurer machen könnten.

Die Bahn müsste also genau abwägen, ob die gewonnene Treue der Vielfahrer die zusätzlichen Ausgaben tatsächlich wieder hereinholt.

Die Frage der Gerechtigkeit

Ein Bonusprogramm belohnt vor allem jene, die ohnehin schon viel fahren und sich das leisten können, während Gelegenheitsfahrer weitgehend leer ausgehen.

Manche halten das für ungerecht, weil öffentlicher Verkehr eigentlich allen gleichermaßen dienen und nicht wie ein Klub für Vielnutzer funktionieren sollte.

Andere entgegnen, dass gerade die treuesten Kunden es verdienen, für ihre Entscheidung gegen das Auto ausdrücklich belohnt zu werden.

Ein Hebel für den Klimaschutz?

Interessant wird die Idee, wenn man sie mit dem Umstieg vom Auto oder vom Flugzeug auf die Schiene verbindet.

Ein Bonusprogramm könnte gezielt jene belohnen, die kurze Flüge oder lange Autofahrten durch die klimafreundlichere Bahnfahrt ersetzen.

So würde aus der reinen Kundenbindung ein sanfter Anreiz, sich im Alltag häufiger für den umweltschonenden Weg zu entscheiden.

Pro und Contra

Dafür

+  Vielfahrer und Pendler würden endlich sichtbar für ihre Treue belohnt, statt jede Fahrt zum vollen Preis zu bezahlen.

+  Ein Bonusprogramm bindet Kunden dauerhaft an die Bahn und macht den Umstieg zum Fernbus oder Auto unattraktiver.

+  Über die App ließe sich das Sammeln von Punkten bequem und ohne zusätzlichen Papierkram abwickeln.

+  Gezielte Prämien könnten den Umstieg vom Flugzeug und vom Auto auf die klimafreundliche Schiene fördern.

+  Die Bahn würde damit endlich ein Werkzeug bekommen, das die Luftfahrt längst erfolgreich einsetzt.

+  Kleine Extras wie kostenlose Reservierungen wären ein günstiger Weg, um viel Wohlwollen zu erzeugen.

Dagegen

  Die verschenkten Prämien kosten Geld, das am Ende womöglich über höhere Ticketpreise alle Fahrgäste zahlen.

  Ein Programm belohnt vor allem jene, die ohnehin viel fahren, und übergeht die Gelegenheitskunden.

  Mit der BahnCard gibt es bereits ein bewährtes System der Kundenbindung über Rabatte.

  Öffentlicher Verkehr sollte allen gleich dienen und nicht wie ein Bonusklub für Vielnutzer wirken.

  Der Verwaltungsaufwand für Punkte, Stufen und Prämien könnte den erhofften Nutzen schnell auffressen.

  Bei überfüllten Zügen nützt eine Freifahrt wenig, wenn ohnehin schon kaum Plätze frei sind.

Zum Einordnen

Andere Bahnen in Europa experimentieren bereits mit Punkte- und Prämiensystemen. Ein Patentrezept gibt es nicht, denn der Erfolg hängt stark davon ab, ob die Prämien attraktiv genug sind, ohne die Kasse zu sprengen.

Unterm Strich

Ein Bonusprogramm für Vielfahrer wäre ein starkes Signal an all jene, die sich Tag für Tag bewusst für die Bahn und gegen das Auto entscheiden.

Zugleich darf es nicht dazu führen, dass am Ende die Gelegenheitskunden die Prämien der Vielfahrer über teurere Tickets mitfinanzieren.

Am überzeugendsten wäre die Idee wohl dann, wenn sie gezielt den Umstieg vom Flugzeug und vom Auto auf die klimafreundliche Schiene belohnt.

Wie andere Bahnen es handhaben

Ein Blick über die Grenze zeigt, dass einzelne Bahnen in Europa bereits mit Punkte- und Prämiensystemen experimentieren, mit sehr unterschiedlichem Erfolg.

Mal werden treue Kunden mit Freifahrten belohnt, mal mit kleinen Vergünstigungen wie kostenlosen Reservierungen oder einem bevorzugten Zugang zu knappen Sparpreisen.

Die Erfahrung lehrt dabei, dass ein solches Programm nur dann trägt, wenn die Prämien attraktiv genug sind und die Bahn zugleich die Kosten fest im Griff behält.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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