Standpunkt
„Sehr geehrte Fahrgäste, ein Teil Ihres Ticketpreises ist Steuer. Sollte das so bleiben?“
Bahntickets ohne Mehrwertsteuer?
→ Seit 2020 sind Ferntickets steuerlich begünstigt. Sollte die Steuer ganz fallen?
Lesezeit: 6 Minuten · Schalter: Standpunkt
Worum es geht
Weniger Steuer macht Bahnfahren günstiger und klimafreundlicher – kostet den Staat aber Einnahmen. Ein Blick auf beide Seiten.
Auf Fernverkehrstickets wurde die Mehrwertsteuer 2020 von 19 auf 7 Prozent gesenkt, damit Bahnfahren günstiger und klimafreundlicher wird als Fliegen.
Manche fordern den nächsten Schritt: gar keine Mehrwertsteuer mehr auf Bahntickets.
In jedem Bahnticket steckt ein Stück Steuer.
Seit 2020 ist es im Fernverkehr weniger geworden.
Die Idee dahinter: Bahnfahren soll billiger und damit attraktiver werden – gerade gegenüber dem Flugzeug.
Manche wollen noch weiter gehen.

Was schon passiert ist
2020 senkte der Staat die Mehrwertsteuer auf Fernverkehrstickets von 19 auf 7 Prozent.
Die Bahn gab die Ersparnis an die Kunden weiter, die Tickets wurden spürbar günstiger – ein klarer Anreiz, den Zug statt das Flugzeug zu nehmen.
Der Nahverkehr war schon länger begünstigt.
Nun fordern manche den letzten Schritt: die Mehrwertsteuer auf Bahntickets ganz zu streichen, um das Bahnfahren noch billiger und klimafreundlicher zu machen.
Steuer gegen Klima
Das Kernargument der Befürworter: Bahnfahren ist klimafreundlich und soll deshalb steuerlich bevorzugt werden.
Jeder Euro weniger auf dem Ticket holt Menschen vom Auto und aus dem Flugzeug auf die Schiene.
Kritiker halten dagegen: Steuerbefreiungen kosten den Staat Einnahmen, die anderswo fehlen.
Und es ist nicht gesagt, dass die Ersparnis wirklich beim Kunden ankommt – sie könnte auch in höheren Preisen verpuffen.
Der Vergleich mit dem Flugzeug
Ein häufiges Argument dreht sich um die Fairness gegenüber dem Flugzeug.
International zahlen Fluglinien oft keine Steuer auf Kerosin, und Auslandsflüge sind vielfach von der Mehrwertsteuer befreit.
Die Bahn wird dagegen voll besteuert.
Aus dieser Sicht wäre eine Steuerbefreiung nur gerecht: Warum sollte das klimafreundliche Verkehrsmittel schlechter gestellt sein als das klimaschädliche? Wer das Klima ernst nimmt, müsste die Bahn bevorzugen, nicht benachteiligen.
Wem die Entlastung nützt
Eine Steuersenkung wirkt wie eine Gießkanne: Sie entlastet alle Bahnreisenden gleichermaßen – auch jene, die es sich leisten könnten.
Zielgenauer wären Vergünstigungen für Pendler, Familien oder Menschen mit wenig Geld.
Andererseits ist die einfache, breite Entlastung auch ein Vorteil.
Sie ist leicht verständlich, gilt für alle und macht die Bahn insgesamt attraktiver.
Manchmal ist die Gießkanne das ehrlichere Mittel als ein Dickicht aus Sonderregeln.
Preis ist nicht alles
So wichtig der Preis ist – er entscheidet nicht allein.
Umfragen zeigen: Was Kunden am meisten abschreckt, sind Verspätungen, Zugausfälle und volle Züge.
Ein billiges Ticket nützt wenig, wenn der Zug nicht kommt.
Deshalb ist die Steuerfrage nur ein Teil des Bildes.
Genauso wichtig sind Investitionen in Netz, Fahrzeuge und Personal.
Eine niedrige Steuer und ein verlässlicher Betrieb zusammen machen die Bahn wirklich attraktiv.
Was 2020 gebracht hat
Die Senkung der Mehrwertsteuer 2020 gilt als Erfolg.
Die Ticketpreise sanken, und die Bahn verzeichnete mehr Fahrgäste im Fernverkehr.
Der Staat verzichtete zwar auf Einnahmen, förderte damit aber gezielt das klimafreundliche Reisen.
Dieser Schritt zeigte, dass Steuerpolitik das Verhalten lenken kann.
Wird das gewünschte Verkehrsmittel günstiger, steigen mehr Menschen um.
Genau das ist das Ziel – und die Erfahrung von 2020 spricht dafür, dass es funktioniert.

Die Grenzen der Steuerpolitik
Doch Steuersenkungen haben Grenzen.
Der Staat kann sein Geld nur einmal ausgeben.
Was er über eine Steuerbefreiung verschenkt, fehlt womöglich beim Ausbau des Netzes – dabei wäre gerade der so dringend nötig.
Es ist deshalb eine Abwägung: günstige Tickets heute gegen bessere Infrastruktur morgen.
Beides zugleich ist teuer.
Kluge Politik muss entscheiden, wo jeder Euro den größten Nutzen für die Bahn und ihre Fahrgäste bringt.
Ein Baustein von vielen
Die Mehrwertsteuer ist am Ende nur ein Baustein.
Für ein attraktives Bahnangebot braucht es viele Zutaten: faire Preise, verlässliche Züge, dichte Takte und ein gutes Netz.
Keine davon wirkt allein.
Eine niedrige oder gar keine Steuer kann Teil dieses Pakets sein – ein sinnvoller, aber eben nur ein Teil.
Wer die Bahn wirklich voranbringen will, muss an allen Stellschrauben zugleich drehen, nicht nur an der Steuer.
Die Abwägung
Dafür
+ Günstiger: Ohne Steuer werden Tickets billiger und die Bahn attraktiver.
+ Klimaschutz: Ein Anreiz, vom Auto und Flugzeug auf die Schiene zu wechseln.
+ Fairness: Das klimaschädliche Fliegen ist international oft steuerlich begünstigt.
+ Einfach: Eine klare, spürbare Entlastung für alle Bahnreisenden.
Dagegen
− Einnahmeverlust: Dem Staat entgehen erhebliche Steuereinnahmen.
− Unsicher: Kommt die Ersparnis wirklich beim Kunden an?
− Gießkanne: Auch wer es sich leisten kann, wird entlastet.
− Bessere Hebel: Pünktlichkeit und Kapazität ziehen mehr Kunden als der Preis allein.
Zum Einordnen
Seit 2020 gilt für Fernverkehrstickets der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 statt 19 Prozent; im Nahverkehr galt er schon länger. Eine vollständige Steuerbefreiung gibt es nicht. Fluglinien zahlen international oft keine Steuer auf Kerosin – ein häufig genannter Vergleich.
Unser Standpunkt
Die Senkung von 2020 war richtig und hat gewirkt.
Bahnfahren wurde günstiger, und der Vergleich mit dem oft steuerbefreiten Fliegen macht eine weitere Entlastung nachvollziehbar.
Klimafreundliches Reisen zu belohnen, ist sinnvoll.
Doch die Steuer ganz zu streichen, ist nicht der stärkste Hebel.
Was Kunden am meisten abschreckt, sind volle, unpünktliche Züge – nicht die letzten Prozentpunkte Steuer.
Das Geld wäre womöglich im Netzausbau besser angelegt.
Am Ende zählt das Gesamtpaket: fairer Preis, verlässlicher Betrieb, gutes Angebot.
Eine niedrige Steuer gehört dazu, ersetzt aber nicht die Investitionen, die die Bahn wirklich attraktiv machen.
Weiterfahrt
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