Bahn-Slam · Standpunkt
„Sehr geehrte Fahrgäste, die Toilette finden Sie links. Der Euro dafür leider nicht.“
Bahnhofstoiletten kostenlos machen?
→ Ein dringendes Bedürfnis kostet am Bahnhof bis zu 1,50 Euro. Sollte das Klo gratis sein?
Lesezeit: 6 Minuten · Bahnhof & Service
Worum es geht
Die Toilette an großen Bahnhöfen kostet meist 1 bis 1,50 Euro, betrieben von privaten Firmen wie Sanifair. Ein Teil des Geldes kommt als Wertbon zurück, den man im Bahnhofsladen einlösen kann. Die Betreiber sagen: Sauberkeit, Personal und Wartung kosten nun mal Geld. Kritiker halten dagegen: Ein Klo ist ein Grundbedürfnis, kein Geschäft – und wer dringend muss, hat nicht immer das passende Kleingeld dabei.
Es ist eine der kleinen Demütigungen des Reisens: Man muss dringend – und steht vor einem Drehkreuz, das erst einen Euro will.
Wer kein Kleingeld hat, hat ein Problem.
Am Bahnhof ist die Toilette fast überall kostenpflichtig geworden.
Muss das sein, oder gehört das stille Örtchen zur Grundversorgung?

Warum das Klo Geld kostet
Die Toiletten an großen Bahnhöfen betreiben private Firmen, am bekanntesten Sanifair. Sie finanzieren sich über die Gebühr von meist 1 bis 1,50 Euro.
Dahinter steckt ein Argument: Eine saubere, betreute Toilette kostet Personal, Reinigungsmittel und Wartung. In eine einzige Anlage werden schon mal über eine Million Euro investiert.
Einen Teil der Gebühr bekommt man als Wertbon zurück, einlösbar in den Läden am Bahnhof.
Warum das viele empört
Für die Gegner ist eine Toilette kein Geschäftsmodell, sondern ein Grundbedürfnis.
Wer dringend muss – ein Kind, ein kranker Mensch, jemand ohne Geld – soll nicht vor einer Schranke stehen.
Und wo das Klo Geld kostet, weichen manche in Ecken und Treppenhäuser aus. Sauberer wird der Bahnhof dadurch auch nicht.
Die Argumente
Dafür
+ Grundbedürfnis: Auf die Toilette zu müssen ist keine Wahl. Ein Bahnhof für alle sollte das gratis ermöglichen.
+ Keine Hürde: Ohne Gebühr scheitert niemand am fehlenden Kleingeld – gerade Kinder, Kranke und Arme.
+ Weniger Ausweichen: Kostenlose, gut erreichbare Toiletten verringern das Problem, dass Menschen in Ecken pinkeln.
+ Würde: Ein sauberes, freies Klo ist ein Zeichen, dass ein Bahnhof ein Ort für Menschen ist, nicht nur für Kundschaft.
Dagegen
− Sauberkeit kostet: Betreute, saubere Toiletten brauchen Personal und Geld. Ohne Gebühr fehlt die Finanzierung.
− Die Erfahrung: Viele kostenlose Bahnhofstoiletten früher verkamen und verdreckten – die Gebühr hat das gebessert.
− Vandalismus: Freie Anlagen werden häufiger beschädigt und zweckentfremdet, was die Kosten weiter treibt.
− Teil-Rückgabe: Über den Wertbon bekommt man ohnehin einen Teil des Geldes zurück – die echte Belastung ist klein.
Was kostet es, und was ist der Wertbon?
An großen Bahnhöfen zahlt man meist 1 bis 1,50 Euro. Einen Teil davon erhält man als Wertbon zurück, den man in vielen Geschäften am Bahnhof einlösen kann. An kleineren Stationen gibt es oft gar keine Toilette – hier hilft ein Blick in die Bahnhofs-App. Mehr dazu im Wörterbuch-Eintrag zur Bahnhofstoilette.
Und nun?
Der Streit ums Bahnhofsklo ist kleiner, als er tönt – und doch verrät er viel.
Eine gute, saubere Toilette muss bezahlt werden, da haben die Betreiber recht. Aber ein Bahnhof ist auch ein öffentlicher Ort, kein reines Einkaufszentrum.
Ein fairer Mittelweg wäre: wenigstens eine kostenlose, barrierefreie Toilette pro großem Bahnhof – und die Komfort-Anlage daneben gegen Gebühr. So bleibt die Würde gewahrt, ohne dass die Sauberkeit leidet.
Weiterfahrt
→ Bahnhofstoilette – warum sie Geld kostet
→ Bahnhöfe nachts schließen? – noch ein Bahnhof-Standpunkt
→ Wie barrierefrei ist die Bahn? – Zugang für alle
