Fahrradmitnahme im Fernverkehr – Pflicht? Pro und Contra

Bahn-Slam · Standpunkt

„Sehr geehrte Fahrgäste, die Fahrradstellplätze in diesem Zug sind leider schon alle belegt.“

Fahrradmitnahme im Fernverkehr – Pflicht?

→ Rad und Bahn sind ein Traumpaar. Nur: Im ICE ist für das Rad fast nie Platz.

Lesezeit: 7 Minuten · Rad & Schiene

Worum es geht

Wer sein Fahrrad im Fernverkehr mitnehmen will, braucht einen reservierten Stellplatz – und die sind knapp. Viele ältere ICE haben gar keine, die neuen Modelle (ICE 4 und ICE 3neo) jeweils nur acht. Seit Juni 2025 schreibt die EU bei neuen und modernisierten Fernzügen immerhin mindestens vier Fahrradplätze vor. Die Frage ist: Soll die Bahn verpflichtet werden, auf allen Fernzügen genügend Platz fürs Rad zu schaffen?

Mit dem Zug in den Urlaub und dann per Rad weiter – das ist die Idee einer klimafreundlichen Reise.

In der Praxis scheitert sie oft an einem simplen Problem: Im ICE ist für das Fahrrad schlicht kein Platz.

Die EU zwingt die Bahnen inzwischen zu einem Minimum. Reicht das – oder braucht es mehr?

Mehrzweckraum mit Fahrradstellplätzen im Zug
Foto: Falk2, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wie es heute ist

Im Fernverkehr ist die Fahrradmitnahme reservierungspflichtig: ohne gebuchten Stellplatz kein Rad an Bord.

Viele ältere ICE haben überhaupt keine Fahrradplätze. Erst die neueren Modelle ICE 4 und ICE 3neo bieten je acht Stellplätze.

Eine Fahrradkarte kostet je nach Strecke und Auslastung zwischen rund 8 und 15 Euro, buchbar bis zu zwölf Monate im Voraus.

Was die EU verlangt

Seit dem 7. Juni 2025 müssen neue oder modernisierte Fernzüge mindestens vier Fahrradstellplätze haben.

Das ist ein Fortschritt – aber vier Plätze sind bei einem vollen Zug mit hunderten Sitzen schnell vergeben.

Die Argumente

Dafür

+  Verkehrswende: Rad plus Bahn ersetzt viele Autofahrten – wenn das Rad denn mitkann.

+  Tourismus: Radreisende bringen Geld in die Regionen; sichere Mitnahme macht die Bahn erst attraktiv.

+  Planbarkeit: Wer eine Mitnahme-Garantie hat, steigt eher um – heute ist sie ein Glücksspiel.

+  Gerechtigkeit: Gepäck, Kinderwagen, Rollstuhl – der Fernverkehr soll alle mitnehmen, auch das Rad.

Dagegen

  Platz ist endlich: Jeder Fahrradstellplatz kostet Sitzplätze – und die sind in vollen Zügen knapp.

  Nachrüstung ist teuer: Alte ICE lassen sich nicht einfach umbauen; neue Plätze gibt es erst mit neuen Zügen.

  Das System funktioniert: Mit Reservierung ist die Mitnahme heute schon möglich und planbar.

  Faltrad als Lösung: Ein zusammengeklapptes Rad gilt als Gepäck und darf ohne Stellplatz mit.

So klappt die Mitnahme heute

Im Fernverkehr (ICE mit Stellplätzen, IC, EC) immer vorab eine Fahrradkarte mit Stellplatzreservierung buchen – am besten früh, denn die Plätze sind schnell weg. Im Nahverkehr geht es meist ohne Reservierung, oft ist aber tagsüber mehr los. Ein Faltrad zählt zusammengeklappt als Gepäck und darf ohne eigenen Stellplatz mit.

Und nun?

Eine echte Mitnahme-Garantie wäre der richtige Weg – aber sie lässt sich nicht per Federstrich erzwingen.

Solange alte Züge fahren, fehlt schlicht der Platz; vier EU-Pflichtplätze sind ein Anfang, kein Ziel.

Sinnvoll ist, bei jedem neuen Zug großzügig Stellplätze einzuplanen und flexible Flächen zu schaffen, die mal Rad, mal Gepäck, mal Kinderwagen aufnehmen. Dann wird aus dem Traumpaar Rad und Bahn auch im Fernverkehr Alltag.

Weiterfahrt

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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