Bahn-Slam · Standpunkt
„Ihr Sitzplatz ist reserviert. Das kostet 5,50 Euro extra – muss das eigentlich sein?“
Sitzplatzreservierung kostenlos machen?
→ Der Sitz kostet extra, obwohl das Ticket schon teuer ist. Gehört die Reservierung ins Ticket – oder bleibt sie ein Aufpreis?
Lesezeit: 7 Minuten · Service & Fahrpreis
Worum es geht
Im Fernverkehr der Bahn kostet die Sitzplatzreservierung 5,50 Euro in der zweiten und 6,90 Euro in der ersten Klasse. Inklusive ist sie nur bei bestimmten teuren Tickets und Vielfahrern. Manche europäischen Bahnen dagegen reservieren automatisch mit – dort ist der Sitz garantiert, aber man muss den passenden Zug nehmen. Die Frage ist: Sollte der Sitzplatz im Preis stecken, oder ist der Aufpreis der Preis der Freiheit?
Man hat schon ein teures Ticket gekauft – und soll für den Sitzplatz noch einmal zahlen.
Für viele Fahrgäste fühlt sich das falsch an: Ein Platz im Zug, den man bezahlt hat, sollte doch sicher sein.
Andererseits: Wer flexibel bleiben will, springt gern in irgendeinen Zug – und braucht keine feste Reservierung.
Zwei Wünsche, die sich schwer zugleich erfüllen lassen.

Was heute gilt
Eine Reservierung im Fernverkehr kostet 5,50 Euro in der zweiten Klasse, 6,90 Euro in der ersten.
Kostenlos ist sie nur in Sonderfällen: beim teuren Flexpreis der ersten Klasse, bei Gruppentickets und für Vielfahrer mit BahnCard 100 in der ersten Klasse.
Der normale Sparpreis-Reisende zahlt den Aufpreis – oder fährt ohne festen Platz und hofft auf eine freie Bank.
Wie es andere machen
Viele Hochgeschwindigkeitsbahnen im Ausland kennen den Aufpreis gar nicht: Dort ist die Reservierung im Ticket enthalten – oder sogar Pflicht.
Der Vorteil: Jeder hat garantiert einen Platz, kein Gedränge, kein Sitzplatz-Poker.
Der Preis dafür: Man ist an den gebuchten Zug gebunden und kann nicht einfach einen früheren nehmen.
Die Argumente
Dafür
+ Fairness: Wer ein teures Ticket zahlt, sollte einen Sitzplatz erwarten dürfen – ohne zweite Kasse.
+ Weniger Chaos: Mehr Reservierungen bedeuten weniger Gedränge, weniger Streit um Plätze, ruhigere Züge.
+ Einfacher: Ein Preis, ein Platz. Das nimmt Reisenden das Rechnen und das Risiko ab.
+ Erwartung erfüllt: In vielen Ländern ist der garantierte Sitz längst selbstverständlich.
Dagegen
− Es zahlt trotzdem jemand: Ist die Reservierung „gratis“, steckt sie im höheren Ticketpreis – auch für die, die sie nicht brauchen.
− Weg mit der Flexibilität: Wer heute spontan einen früheren Zug nimmt, schätzt gerade, nicht gebunden zu sein.
− Gefahr der Pflicht: „Kostenlos“ kippt schnell in „verpflichtend“ – dann ist spontanes Bahnfahren vorbei.
− Kleiner Betrag: 5,50 Euro sind verkraftbar; wer sichergehen will, zahlt sie gern und gezielt.
Wann ist die Reservierung schon inklusive?
Kostenlos reservieren können Sie beim Flexpreis in der ersten Klasse, bei Gruppentickets (Sparpreis Gruppe) und mit der BahnCard 100 in der ersten Klasse (bis zu 100-mal im Jahr). Sonst kostet die Reservierung im Fernverkehr 5,50 Euro (2. Klasse) bzw. 6,90 Euro (1. Klasse). Im Nahverkehr gibt es meist gar keine Reservierung.
Und nun?
Der Streit um 5,50 Euro ist in Wahrheit ein Streit um zwei Reisetypen.
Der eine will Sicherheit und einen garantierten Platz, der andere Freiheit und Spontaneität.
Ein Mittelweg wäre denkbar: die Reservierung im teuren Flexpreis inklusive, im günstigen Sparpreis freiwillig. So bekäme jeder das, wofür er zahlt – ohne dass der spontane Sprung in den nächsten Zug verloren geht.
Weiterfahrt
→ Reservierungspflicht im Fernverkehr? – der verwandte Standpunkt
→ Erste Klasse – was der Aufpreis dort bringt
→ Ist ein Sparpreis an einen Zug gebunden? – der Mythen-Check
