Kurzstreckenflüge abschaffen?

Standpunkt

„Für die kurze Strecke ins Flugzeug – oder doch lieber gleich in den ICE?“

Kurzstreckenflüge abschaffen?

→ Das Vorbild Frankreich und der wahre Klimaeffekt – zwei Seiten einer Klimafrage.

Lesezeit: 7 Minuten · Schalter: Standpunkt

Worum es geht

Der Wegfall von Kurzstreckenflügen spart CO2 und stärkt die Bahn – doch der Effekt ist kleiner, als viele denken. Ein Blick auf beide Seiten.

Von Köln nach Berlin fliegen, obwohl der ICE fast genauso schnell ist? Für viele ist das ein Sinnbild der Klimasünde.

Kurzstreckenflüge gelten als überflüssig, wo die Bahn eine gute Alternative bietet.

Deshalb wird gefordert, sie abzuschaffen.

Frankreich hat einzelne Inlandsflüge bereits verboten.

Doch wie groß ist der Klimaeffekt wirklich, und was spricht dagegen? Wir schauen auf beide Seiten.

Intercity im Hauptbahnhof Osnabrück
Foto: Ramsch, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Warum Kurzstreckenflüge in der Kritik stehen

Fliegen ist besonders klimaschädlich.

Gerade auf kurzen Strecken fällt viel CO2 an, weil Start und Landung am meisten Sprit fressen.

Wer eine Stunde fliegt, belastet das Klima weit mehr als mit der Bahn.

Und oft ist der Flug nicht einmal schneller.

Rechnet man Anfahrt zum Flughafen, Sicherheitskontrolle und Wartezeit hinzu, ist man mit dem ICE zwischen vielen Städten genauso schnell am Ziel.

Das Vorbild Frankreich

Frankreich ist vorgeprescht.

Dort wurden einzelne Inlandsflüge verboten, für die es eine schnelle Bahnverbindung gibt.

Wo der Zug in unter zweieinhalb Stunden fährt, darf nicht mehr geflogen werden.

Das klingt konsequent, betrifft aber nur wenige Strecken.

Kritiker sagen, der Effekt sei vor allem symbolisch.

Trotzdem ist es ein deutliches Signal: Fliegen, wo die Bahn reicht, ist aus der Zeit gefallen.

Der Klimaeffekt im Detail

Fliegen ist pro Kilometer besonders klimaschädlich, vor allem auf kurzen Strecken.

Start und Landung verbrauchen den meisten Treibstoff.

Wer eine Stunde fliegt, verursacht ein Vielfaches der Emissionen einer Bahnfahrt.

Trotzdem ist die ehrliche Zahl ernüchternd: Innerdeutsche Flüge machen nur einen kleinen Teil des gesamten Flugverkehrs aus.

Sie ganz zu streichen, bringt fürs Weltklima weniger, als die hitzige Debatte vermuten lässt.

Warum es trotzdem wichtig ist

Ein Verbot hätte dennoch eine große symbolische Wirkung.

Es würde deutlich machen, dass Fliegen dort, wo die Bahn reicht, aus der Zeit gefallen ist.

Symbole prägen das Verhalten der Menschen.

Zudem geht es um Glaubwürdigkeit.

Wer Klimaschutz ernst meint, kann schwer erklären, warum man kurze Strecken fliegt, die der Zug fast genauso schnell schafft.

Die Rolle der Zubringerflüge

Viele innerdeutsche Flüge sind Zubringer.

Wer von einer kleineren Stadt zu einem großen Flughafen fliegt, steigt dort in einen Langstreckenflug um.

Streicht man den Zubringer, muss die Bahn diese Aufgabe übernehmen.

Das kann sie durchaus, wenn sie gut mit dem Flughafen verbunden ist.

In Frankfurt etwa hält der Fernzug direkt am Flughafen.

Wo das funktioniert, ist der Zubringerflug überflüssig.

Das Beispiel Frankreich genauer

Frankreich hat Inlandsflüge verboten, für die es eine Bahnverbindung unter zweieinhalb Stunden gibt.

Das betrifft aber nur eine Handvoll Strecken, weil die Bedingung streng ist.

Der Effekt ist deshalb überschaubar, das Signal aber stark.

Frankreich zeigt, dass ein solches Verbot machbar ist – als erster Schritt, nicht als Allheilmittel.

Baureihe 147 mit Intercity im Bahnhof Böblingen
Foto: Giftzwerg 88, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was am Ende zählt

Wo die Bahn eine schnelle Alternative bietet, ist der Kurzstreckenflug schwer zu rechtfertigen.

Dort sollte man ihn zurückdrängen, ob durch Verbot oder durch eine überzeugend bessere Bahn.

Wichtiger als jedes Verbot ist aber, die Bahn attraktiv zu machen.

Wenn der Zug schnell, günstig und zuverlässig ist, verschwindet der Flug von selbst.

Ein Wort zum Schluss

Am Ende ist der Kurzstreckenflug oft ein Symbol für alte Gewohnheiten.

Wo die Bahn längst die bessere Wahl ist, hält sich das Fliegen nur aus Trägheit.

Diese Gewohnheit zu ändern, gelingt am besten mit einer starken Bahn – und, wo nötig, mit einem klaren Verbot der überflüssigsten Flüge.

Ein Gedanke zum Mitnehmen

Ob mit oder ohne Verbot: Der Kurzstreckenflug hat dort keine Zukunft, wo die Bahn schnell und zuverlässig fährt.

Die Richtung ist klar.

Statt lange über Verbote zu streiten, sollte man vor allem die Bahn stärken.

Dann erledigt sich die Frage von selbst.

Die Abwägung

Dafür

+  Klima: Der Zug ist auf kurzen Strecken viel klimafreundlicher.

+  Zeit: Mit An- und Abreise ist die Bahn oft genauso schnell.

+  Signal: Ein Verbot macht klimabewusstes Reisen selbstverständlich.

+  Auslastung: Weniger Flüge entlasten überfüllte Flughäfen.

Dagegen

−  Effekt: Innerdeutsche Flüge sind nur ein kleiner Teil des CO2.

−  Anbindung: Für Umsteiger sind Zubringerflüge oft wichtig.

−  Wahlfreiheit: Ein Verbot schränkt die Reisenden ein.

−  Voraussetzung: Die Bahn muss erst schnell und zuverlässig genug sein.

Zum Einordnen

Innerdeutsche Flüge machen nur einen kleinen Teil des gesamten Flugverkehrs und des CO2-Ausstoßes aus. Viele dieser Flüge sind Zubringer zu Langstreckenflügen. Ein Verbot wirkt daher vor allem dort, wo die Bahn eine echte, schnelle Alternative bietet.

Unser Standpunkt

Wo die Bahn eine schnelle, gute Verbindung bietet, ist ein Kurzstreckenflug schwer zu rechtfertigen.

Er schadet dem Klima und spart oft nicht einmal Zeit.

Hier ist der Verzicht sinnvoll und überfällig.

Doch ein pauschales Verbot greift zu kurz.

Viele Flüge sind Zubringer zu Fernreisen, und der reine Klimaeffekt innerdeutscher Flüge ist kleiner, als die Debatte vermuten lässt.

Der kluge Weg ist, die Bahn so attraktiv zu machen, dass sich der Flug von selbst erübrigt.

Wo der ICE schnell und zuverlässig fährt, steigen die Menschen ohnehin um – ganz ohne Verbot.

Verbieten sollte man höchstens dort, wo die Alternative längst besteht.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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