Mehr Nachtzüge – mit Steuergeld fördern? Pro und Contra zur Renaissance der Schlafwagen

Bahn-Slam · Standpunkt

„Gute Nacht. Wenn Sie aufwachen, sind Sie in Wien – oder in Paris, solange es die Verbindung noch gibt.“

Mehr Nachtzüge – mit Steuergeld fördern?

→ Einschlafen in Hamburg, aufwachen in den Alpen: Der Nachtzug ist zurück – aber er trägt sich kaum von allein.

Lesezeit: 7 Minuten · Verkehr & Klima

Worum es geht

Die Deutsche Bahn hat ihre Nachtzüge 2016 als zu teuer aufgegeben. Seither ist vor allem die österreichische ÖBB mit ihrem Nightjet eingesprungen und will die Fahrgastzahlen bis 2030 verdoppeln. Nachtzüge gelten als klimafreundliche Alternative zum Kurzstreckenflug – aber sie sind teuer im Betrieb. Wie fragil das Geschäft ist, zeigt die Linie Berlin–Paris: Sie wird Ende 2025 eingestellt, weil eine Subvention wegfällt.

Es gibt eine Art zu reisen, die sich anfühlt wie ein kleines Abenteuer: abends einsteigen, schlafen, morgens in einer anderen Stadt aufwachen.

Lange schien der Nachtzug ein Auslaufmodell. Dann kam er zurück – als grüne Alternative zum Fliegen.

Doch das Comeback steht auf wackligen Beinen.

Denn Nachtzüge sind schön, beliebt – und teuer.

Liegewagen in einem Nachtzug
Foto: 1971markus, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Von der Aufgabe zur Renaissance

Die Deutsche Bahn stellte ihre eigenen Nachtzüge 2016 ein. Die Begründung: zu wenig Nachfrage, zu hohe Kosten.

In die Lücke sprang die österreichische Staatsbahn ÖBB mit der Marke Nightjet. Heute verbindet sie über 20 Linien von, nach und durch Deutschland.

Seit Dezember 2023 gibt es sogar wieder Nachtzüge von Berlin nach Paris und Brüssel – ein Symbol für das europäische Comeback der Schlafwagen.

Warum es ohne Zuschuss schwer wird

Ein Nachtzug ist teuer: Er braucht eigenes Wagenmaterial, das tagsüber oft ungenutzt steht, dazu Personal für die ganze Nacht.

Zugleich sind die Trassen nachts knapp – dann fahren Güterzüge und es wird gebaut.

Wie schnell das kippen kann, zeigt die Linie Berlin–Paris: Sie wird Ende 2025 wieder eingestellt, weil auf französischer Seite eine Förderung ausläuft.

Die Argumente

Dafür

+  Klima: Eine Nachtzugfahrt statt eines Kurzstreckenflugs spart ein Vielfaches an Treibhausgasen – bei vergleichbarer Reisezeit über Nacht.

+  Zeitgewinn: Die Reise fällt in die Schlafzeit. Man kommt morgens ausgeruht an, statt einen Reisetag zu verlieren.

+  Europa verbinden: Nachtzüge schließen Lücken zwischen den Metropolen, die tagsüber nur der Flieger bedient.

+  Nachfrage ist da: Die ÖBB will die Fahrgastzahlen bis 2030 verdoppeln – das Interesse wächst spürbar.

Dagegen

  Teuer im Betrieb: Wagen, die tagsüber stehen, und Personal für die Nacht machen Nachtzüge zu einem Zuschussgeschäft.

  Fragil: Fällt eine Förderung weg, verschwindet die Linie – siehe Berlin–Paris ab Ende 2025.

  Trassen knapp: Nachts braucht das Netz Platz für Güterverkehr und Bauarbeiten. Mehr Nachtzüge heißt mehr Konkurrenz um die Gleise.

  Kleiner Markt: Gemessen am gesamten Verkehr bewegen Nachtzüge wenige Menschen – viel Geld für eine Nische.

Wie fahre ich mit dem Nachtzug?

Die meisten Nachtzüge in Deutschland betreibt die ÖBB unter dem Namen Nightjet; buchen kann man sie über die ÖBB und teils über die Deutsche Bahn. Es gibt Sitzplätze, Liegewagen mit vier bis sechs Plätzen und private Schlafwagen. Wer günstig fahren will, bucht früh – gute Betten sind schnell weg.

Und nun?

Nachtzüge sind ein echter Gewinn fürs Klima und fürs Reisegefühl – aber sie rechnen sich selten allein.

Wer sie will, muss ehrlich sagen: Ohne verlässliche Förderung fahren sie nicht.

Die Frage ist also nicht, ob Nachtzüge schön sind, sondern ob uns die grüne Nachtverbindung das Geld wert ist. Frankreichs Rückzug bei Berlin–Paris zeigt, wie schnell die Antwort „nein“ lauten kann.

Weiterfahrt

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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