Stimmt es, dass Fliegen schneller ist als die Bahn? Der Tür-zu-Tür-Vergleich – warum der Vorsprung oft schrumpft

STIMMT ES, DASS …?

„Nächster Halt: das Ziel. Von Innenstadt zu Innenstadt, ohne Umweg über den Flughafen.“

Stimmt es, dass Fliegen schneller ist als die Bahn? Der Tür-zu-Tür-Vergleich – warum der Vorsprung oft schrumpft

→ Kurz gesagt: In der Luft ja – von Tür zu Tür oft nicht

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Kurz gesagt

Ein Flugzeug ist schneller als jeder Zug – in der Luft. Doch die Reise beginnt nicht am Gate und endet nicht an der Landebahn. Rechnet man von Tür zu Tür, schmilzt der Vorsprung des Fliegers auf vielen Strecken dahin. Warum der ehrliche Vergleich anders ausfällt als gedacht.

Bahnhof Schwäbisch Hall-Hessental
Foto: MHM55, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die kurze Antwort

Reine Reisegeschwindigkeit? Da gewinnt das Flugzeug haushoch.

Ein Jet fliegt gut 800 Stundenkilometer, ein ICE fährt höchstens 300. Doch diese Zahl führt in die Irre, denn kaum jemand wohnt am Flughafen und arbeitet an der Landebahn.

Was zählt, ist die Zeit von Tür zu Tür – und die sieht ganz anders aus.

Rechnet man alles mit, was eine Flugreise drumherum kostet, liegt die Bahn auf mittleren Distanzen oft gleichauf oder sogar vorn.

Der scheinbar klare Vorsprung des Fliegers ist in Wahrheit eine Frage der Buchhaltung.

Der Vergleich in Zahlen

≈800 km/h

Flugzeug in der Luft

reine Reisegeschwindigkeit

bis 300 km/h

ICE auf der Schiene

Spitze im Regelbetrieb

Tür zu Tür

die ehrliche Größe

inklusive aller Wege

Auf Strecken bis etwa 500 bis 700 Kilometer ist die Bahn oft konkurrenzfähig.

Je weiter die Distanz, desto stärker spielt das Flugzeug seinen Vorteil aus.

Der Tür-zu-Tür-Vergleich

Eine Flugreise besteht aus weit mehr als dem Flug.

Zuerst der Weg zum Flughafen, der oft weit außerhalb der Stadt liegt.

Dann das rechtzeitige Erscheinen, der Check-in, die Sicherheitskontrolle, das Warten am Gate, das Boarding.

Nach der Landung Ausstieg, Warten auf das Gepäck und schließlich der Weg vom Zielflughafen in die Innenstadt.

All das kostet leicht drei zusätzliche Stunden oder mehr.

Die Bahn dagegen fährt mitten in der Stadt ab und kommt mitten in der Stadt an.

Man steigt wenige Minuten vor Abfahrt ein, ohne Kontrolle, ohne Gepäckband.

Diese schlanke Reisekette ist der eigentliche Trumpf der Schiene – und der Grund, warum der Zeitvorsprung des Fliegers oft nur auf dem Papier existiert.

Wo die Bahn gewinnt

Auf kurzen und mittleren Distanzen ist die Bahn häufig schneller, wenn man ehrlich rechnet.

Zwischen Städten, die nur wenige hundert Kilometer auseinanderliegen, ist der ICE oft am Ziel, während der Fluggast noch in der Sicherheitsschlange steht.

Hier hat das Flugzeug schlicht keine Chance, seinen Geschwindigkeitsvorteil auszuspielen, weil der Flug selbst nur kurz ist, das Drumherum aber gleich lang bleibt.

Genau deshalb sind viele innerdeutsche Kurzflüge auf dem Rückzug: Wo die Bahn eine schnelle Verbindung bietet, verlieren sie ihren Sinn.

Von Innenstadt zu Innenstadt schlägt die Schiene das Flugzeug auf diesen Strecken oft klar.

Wo das Flugzeug vorn bleibt

Mit wachsender Entfernung dreht sich das Bild.

Je länger die Strecke, desto mehr Zeit verbringt der Flieger auf seinem schnellen Reiseflug – und desto stärker fällt der feste Zeitblock am Boden ins Gewicht des Zuges.

Über große Distanzen, quer über den Kontinent oder über Meere, ist das Flugzeug uneinholbar.

Für die typische Fernreise bleibt der Flieger deshalb konkurrenzlos.

Die Bahn spielt ihre Stärke dort aus, wo Städte dicht genug beieinanderliegen, dass ihr durchgehender, umstiegsfreier Weg den reinen Tempovorteil des Flugzeugs aufwiegt.

Baureihe 423 auf der Main-Weser-Bahn
Foto: MdE, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons

Die Klimafrage

Zur Geschwindigkeit kommt ein zweiter Maßstab: die Umwelt.

Pro Reisenden und Kilometer verursacht die Bahn nur einen Bruchteil des Ausstoßes eines Flugzeugs.

Wer also auf einer mittleren Strecke ohnehin kaum Zeit verliert, spart mit dem Zug obendrein einen großen Teil der Klimabelastung.

Für viele Reisende ist das der entscheidende Punkt: Wenn die Bahn gleich schnell oder nur wenig langsamer ist, aber deutlich sauberer, fällt die Wahl leicht.

Schnelligkeit ist eben nicht das einzige, was zählt.

Häufige Fragen

Nicht nur die Uhr zählt

Zeit ist beim Reisen nicht gleich Zeit.

Drei Stunden im ICE, in denen man arbeiten, lesen oder schlafen kann, fühlen sich anders an als drei Stunden aus Anfahrt, Schlange und Wartehalle.

Im Zug ist die Reisezeit weitgehend nutzbare Zeit; rund um den Flug zerfällt sie in viele unproduktive Häppchen.

Auch der Stressfaktor gehört in die Rechnung.

Kein Auspacken am Sicherheitscheck, kein Bangen um das Gepäck, kein enges Zeitfenster für das Boarding: Wer Bahn fährt, reist entspannter.

Für viele wiegt dieser Unterschied schwerer als ein paar gesparte Minuten.

Warum der Vorsprung der Bahn wächst

Mit jedem neuen Schnellfahrabschnitt verschiebt sich die Grenze zugunsten der Schiene.

Wird eine Strecke ausgebaut und die Fahrzeit sinkt, kippen weitere Verbindungen vom Flieger zum Zug.

Deshalb ist der Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes zugleich das wirksamste Mittel gegen den innerdeutschen Kurzstreckenflug.

Umgekehrt gilt: Wo die Bahn langsam ist, bleibt das Flugzeug attraktiv – nicht, weil Fliegen so schnell wäre, sondern weil die Alternative auf der Schiene fehlt.

Der Wettlauf entscheidet sich also weniger in der Luft als am Ausbaustand der Gleise.

Ab welcher Entfernung lohnt sich das Fliegen zeitlich?
Als grobe Faustregel gilt: Bis etwa 500 bis 700 Kilometer ist die Bahn von Tür zu Tür oft gleich schnell oder schneller. Darüber hinaus zieht das Flugzeug davon.
Warum werben Airlines dann mit kurzen Flugzeiten?
Weil sie nur die reine Flugzeit nennen. Der Weg zum Flughafen, Check-in, Kontrolle und Wartezeit tauchen in dieser Zahl nicht auf – im Alltag kosten sie aber die meiste Zeit.
Ist die Bahn auch pünktlicher als das Flugzeug?
Beide kämpfen mit Verspätungen. Der Vorteil der Bahn liegt weniger in der Pünktlichkeit als darin, dass sie ohne den großen Zeitpuffer für Anfahrt und Kontrolle auskommt.

Weiterfahrt

→ Wie viele Menschen passen in einen ICE? – 444 bis 918 Sitzplätze

→ Fährt ein Zug nie über Rot? – Hp0, PZB und die geregelten Ausnahmen

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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