Die Vennbahn zwischen Aachen und Walheim: Halte entlang des Radwegs
Die Vennbahn verband Aachen mit Luxemburg, ihr Personenverkehr im Aachener Raum endete um 1960. Der Beitrag geht die Halte von Philipswerk bis Schmithof durch und sagt, was zum belgischen Abschnitt belegt ist.


Lage: Von Aachen-Rothe Erde über Brand, Kornelimünster und Walheim in Richtung Luxemburg. Status: Im Aachener Raum stillgelegt, Personenverkehr um 1960 beendet, Gesamtstilllegung der Vennbahn bis 1989. Heute: Auf der Trasse verläuft ein Fern-Radweg, der 2013 offiziell eröffnet wurde.
Die Vennbahn war eine Eisenbahnstrecke des Personen- und Güterverkehrs zwischen Aachen und Ulflingen in Luxemburg über Monschau und Sankt Vith.
Sie verband die Industriezentren von Aachen-Rothe Erde auf dem kürzesten Weg mit Luxemburg.
Nach dem Ersten Weltkrieg wechselte die Trasse in einigen Abschnitten von deutschem auf belgisches Staatsgebiet.
Der Gleiskörper ist größtenteils entfernt, auf und neben der Trasse verläuft ein Fernradweg.
Dieser Beitrag geht die Halte Philipswerk, Brand, Niederforstbach, Kornelimünster, Hahn, Walheim und Schmithof im deutschen Abschnitt durch.
Zu Roetgen, Lammersdorf und Kalterherberg ist nur die Lage der Strecke im belgischen Hoheitsgebiet belegt, zu einzelnen Halten dort nicht.
Aus der Betriebszeit sind nur wenige freie Fotos vorhanden, das älteste zeigt Lammersdorf 1981.
Entstehung: Von Aachen nach Luxemburg
Seit 1873 forderten die Städte und Kreise Malmedy, Monschau, Eupen und Stolberg der Rheinprovinz eine Bahnstrecke, die ihre Industrieorte verbinden und bis nach Luxemburg führen sollte.
Ab 1882 wurde an der Strecke gebaut, 1885 ging die Teilstrecke von Aachen-Rothe Erde nach Walheim in Betrieb.
Der Abschnitt Hahn–Monschau folgte am 30. Juni 1885, der Abschnitt bis Sankt Vith am 20. November 1887.
Die Strecke diente zunächst dem Transport von Steinkohle aus dem Wurmrevier und dem Inderevier nach Luxemburg und von Eisenerz in der Gegenrichtung zum Thomasstahlwerk in Aachen Rothe Erde und zur Konkordia-Hütte in Eschweiler.
Außerdem erschloss sie die strukturschwachen Wirtschaftsräume von Westeifel und Hohem Venn, weil sie Arbeitsplätze in der Aachener Industrie erreichbar machte.
Ab 1893 begann der zweigleisige Ausbau von Stolberg über Hahn bis Walheim, er wurde am 8. Mai 1909 mit dem Abschnitt zwischen Walheim und Lommersweiler beendet.
Der Ausbau erfolgte in engen Kurven mit Radien ab 300 Metern und mit Steigungen bis 1,7 Prozent.
Das Teilstück Aachen–Hahn blieb eingleisig.
So sah es vorher aus: Aufmarschstrecke und Grenzbahn
Im Ersten Weltkrieg kam der Vennbahn durch ihre Nähe zur Westfront eine Bedeutung als Aufmarsch- und Nachschubstrecke zu.
Ab dem 2. August 1914 wurden entlang der Strecke Truppen für den Angriff auf den Festungsring Lüttich ausgeladen.
Aufgrund des Versailler Vertrags musste das Deutsche Reich am 10. Januar 1920 die Kreise Eupen und Malmedy an Belgien abtreten.
Am 27. März 1920 legte eine Grenzfeststellungskommission fest, dass der belgische Staat Eigentümer der Strecke samt Bahnhöfen zwischen Raeren und Kalterherberg sein sollte.
Seit dem 1. November 1921 führte die belgische Staatsbahn den Betrieb, 1924 wurde das zweite Gleis auf Veranlassung der alliierten Besatzer zurückgebaut.
Weil die Trasse belgisches Staatsgebiet wurde, entstanden fünf deutsche Exklaven: Ruitzhof, Mützenich, das Gehöft Rückschlag, der westliche Teil von Lammersdorf und Teile von Roetgen.
Das Bahngelände war und ist ohne belgische Zoll- oder Polizeikontrolle zugänglich.
Der Korridor mit belgischen Hoheitsrechten beginnt etwa bei Roetgen und endet bei Monschau-Kalterherberg.
Ehemalige Bahnhofsgebäude und Wohnhäuser an der Strecke haben dort zwei unterschiedliche Adressen, eine belgische und eine deutsche.

Philipswerk: Ein Haltepunkt für Beschäftigte
Beim Kilometerpunkt 1,8 befand sich früher der Haltepunkt Philipswerk.
Von dort verzweigten sich Gleise über das gesamte Areal der Philipswerke.
Der Haltepunkt war nur zeitweise in Betrieb, vermutlich für das Personal des Philipswerks und anderer Industriebetriebe.
Er wurde Anfang der 1950er Jahre gebaut und durch die Einstellung des Personenverkehrs 1960 überflüssig.
Brand: Vom Bahnhof zum Restaurant
Der Bahnhof Brand lag bei Kilometerpunkt 5,2 zwischen Trierer Straße und Eckenerstraße.
Er wurde am 1. Dezember 1885 eröffnet und in den 1950er Jahren in Brand (Rheinland) umbenannt.
Der Personenverkehr endete nach einer Darstellung am 29. Mai 1960, nach einer anderen bereits am 22. November 1959 zwischen Aachen und Brand.
Am 1. April 1980 folgte das Ende des Güterverkehrs.
Neben zwei Gleisen für den Personenverkehr gab es ein Stumpfgleis für den angebauten Güterschuppen und die Ladestraße.
Zwischen 1913 und 1928 lag im Bahnhof ein Anschlussgleis der Waggonfabrik Goosens.
Hinter dem Bahnhofsareal befand sich beim Kilometerpunkt 7,0 ein Anschlussgleis für die Tuchfabrik Becker.
1982 wurden die Gleise zunächst von Brand bis Kornelimünster abgebaut.
Nach der Streckenstilllegung am 31. August 1984 folgte 1985 der Abbau des Reststücks nach Aachen-Rothe Erde.
Das Empfangsgebäude kaufte die Stadt Aachen und stellte es Vereinen aus Brand zur Verfügung.
2006 wurde das Bahnhofsgebäude wieder verkauft und zu einem Restaurant umgebaut.
Die Nutzungsmöglichkeiten für die Vereine bestehen weiterhin.
Niederforstbach: Ein Haltepunkt ohne Reste
Der Haltepunkt bei Kilometerpunkt 7,4 wurde 1949 an der Beckerstraße gebaut und hatte eine einfache Ausstattung.
Mit der Einstellung des Personenverkehrs 1960 wurde er wieder abgerissen.
Reste sind keine mehr zu finden.
Kornelimünster: Ein Bahnhof als Denkmal
Der Bahnhof Kornelimünster wurde 1885 gebaut, im selben Jahr wie Brand.
Er stand bei Kilometerpunkt 9,3 und hatte für den Personenverkehr drei Gleise und zwei Bahnsteige.
Für den Güterverkehr gab es zwei Gleise und ein Stichgleis mit Kopframpe und Ladestraße sowie ein Anschlussgleis für die nahegelegenen Kalkwerke.
Nach dem Ende des Personenverkehrs 1960 wurde die Güterabfertigung 1980 eingestellt.
Das Empfangsgebäude samt Güterschuppen ist erhalten, wurde renoviert und steht unter Denkmalschutz.
Es wurde als Restaurant mit der Bezeichnung Bahnhofsvision umgenutzt.
Zwischen Brand und Kornelimünster liegt das Rollefbachtalviadukt bei Kilometerpunkt 7,7, es ist 128 Meter lang und bis zu 24 Meter hoch.
Es war das einzige Bauwerk der Strecke in der Gegend, das den Rückzug der Wehrmacht 1944 unzerstört überstand.
Hinter Kornelimünster liegt das denkmalgeschützte Iterbachviadukt bei Kilometerpunkt 9,8, es ist 130 Meter lang und bis zu 22 Meter hoch.



Hahn: Der Abzweig von Stolberg
Bis 1895 mündete bei Kilometer 11,2 die Strecke von Stolberg in die Strecke Aachen-Rothe Erde–Walheim.
1895 wurde wegen des hohen Verkehrsaufkommens ein eigenes Gleis von Stolberg parallel zum Gleis von Aachen bis zum Bahnhof Walheim verlegt.
1951 wurde an der Strecke von Aachen der Haltepunkt Hahn eingerichtet.
Erst ab 1955 wurde der Haltepunkt bei Streckenkilometer 11,7 auch von Zügen von und nach Stolberg bedient, bereits 1961 wurde er wieder aufgegeben.
Das Stellwerk am Abzweig Hahn und der Haltepunkt sind abgerissen.
Walheim: Ein Bahnhof für Eisenbahnfreunde
Seit Oktober 2008 setzt sich der Verein Eisenbahnfreunde Grenzland für den Erhalt der Bahnanlagen im Bahnhof Walheim ein.
Restauriert wurden bereits das Stellwerk Auf der Kier und der Schrankenposten am Bahnübergang Schleidener Straße.
Im Bahnhof arbeiten Vereinsmitglieder historische Lokomotiven und Eisenbahnwagen auf, mit dem Ziel, eines Tages wieder den Abschnitt Stolberg–Raeren zu befahren.
Die Strecke bis zur deutsch-belgischen Grenze wird deshalb regelmäßig vom Verein freigeschnitten.
Seit 2009 finden im Bahnhof Walheim jährlich Bahnhofsfeste statt, um den Erhalt zu finanzieren.
Als Schienenstrecke verblieben die Gleise zwischen Stolberg, Walheim und Raeren, die Strecke Stolberg–Raeren ist gesperrt, aber noch befahrbar.



Schmithof: Der Grenzhaltepunkt
Der Haltepunkt Schmithof wurde zwischen 1927 und dem 2. Oktober 1932 wegen der Folgen des Ersten Weltkriegs als Grenzhaltepunkt Deutschlands gebaut.
Er lag bei Kilometerpunkt 15,1 und hatte einen Seitenbahnsteig und ein kleines Stationsgebäude.
Vom Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 bis zum 29. Mai 1960 war Schmithof die Endstation im Personenverkehr auf der deutschen Seite der Vennbahn.
Danach überquert die Trasse die Frennetstraße und verläuft in südwestlicher Richtung durch den Münsterwald.
Bei Kilometer 17,3 passiert sie die deutsch-belgische Grenze.
Hemmeres: Ein Stück Trasse kehrt zurück
Bei Hemmeres zwischen Lommersweiler und Auel verlief die Vennbahn auf einer Länge von 1.134 Metern auf der Ostseite der Our.
Am 1. April 1949 kam dieses Gebiet als belgisches Annexionsgebiet unter belgische Verwaltung und wurde am 28. August 1958 samt Eisenbahntrasse nach Deutschland rückgegliedert.
Die Strecke ist dort heute ein Fahrradwanderweg.

Niedergang: Vom Güterzug zum Radweg
Als sich die Wehrmacht 1944 hinter den Westwall zurückziehen musste, sprengten Pioniere Brücken und Tunnel der Vennbahn.
Während der Ardennenoffensive bombardierten britische und amerikanische Bomber die Strecke.
Bereits im Februar 1945 wurde der Abschnitt Stolberg–Raeren wieder befahren, die Lokomotiven kamen aus den USA.
Zwischen Lommersweiler und Burg-Reuland unterblieb der Wiederaufbau ganz.
Der Güterverkehr zwischen Aachen-Rothe Erde und Brand endete am 31. August 1984.
Zwischen Stolberg-Mühle und Walheim-Schmithof folgte das Ende des Güterverkehrs am 1. Juni 1991.
Zwischen Raeren und Sourbrodt endete der Güterverkehr am 30. Juni 1989.
Zwischen Raeren und Bütgenbach gab es bis Ende 2001 in der Sommersaison Museumszüge, dann war der Oberbau zu stark abgenutzt.
Die gesamte Vennbahn war bis 1989 vollständig stillgelegt und teilweise zurückgebaut, bis Anfang 2004 fuhren noch Holztransporte zum Sägewerk in Büllingen.
So sieht es jetzt aus: Der Vennbahn-Radweg
Auf und neben der Vennbahntrasse wurde ein Fernradweg gebaut, der 2013 offiziell eröffnet wurde.
Er ist 125 Kilometer lang und Teil des belgischen RAVeL-Netzes.
Zwischen Kalterherberg und Sourbrodt bietet seit 2004 ein belgischer Unternehmer Fahrten mit Fahrraddraisinen an.
Auf der Teilstrecke von Kornelimünster bis kurz hinter der Autobahn bei Aachen-Brand entstand als Projekt des Inda-Gymnasiums ein sechs Kilometer langer Planetenlehrpfad.

Die Geschichte in Daten
1873: Die Städte und Kreise fordern eine Bahnstrecke bis Luxemburg.
1885: Aachen-Rothe Erde–Walheim in Betrieb, Brand und Kornelimünster entstehen.
20. November 1887: Der Abschnitt bis Sankt Vith in Betrieb.
8. Mai 1909: Zweigleisiger Ausbau abgeschlossen.
2. August 1914: Truppen werden entlang der Strecke ausgeladen.
10. Januar 1920: Eupen und Malmedy kommen an Belgien.
1. November 1921: Die belgische Staatsbahn übernimmt den Betrieb.
1. April 1949: Hemmeres wird belgisch verwaltet.
1951: Der Haltepunkt Hahn entsteht.
28. August 1958: Hemmeres kommt zurück an Deutschland.
1960: Der Personenverkehr endet.
1. April 1980: Das Ende des Güterverkehrs in Brand.
31. August 1984: Güterverkehr Rothe Erde–Brand endet.
30. Juni 1989: Güterverkehr Raeren–Sourbrodt endet.
1. Juni 1991: Güterverkehr Stolberg-Mühle–Walheim-Schmithof endet.
Ende 2001: Die Museumszüge werden eingestellt.
2006: Der Bahnhof Brand wird zum Restaurant.
Oktober 2008: Die Eisenbahnfreunde Grenzland setzen sich für Walheim ein.
2013: Der Vennbahn-Radweg wird eröffnet.
Häufige Fragen
Wie lang ist der Vennbahn-Radweg?
Wann endete der Personenverkehr im Aachener Raum?
Was ist aus dem Bahnhof Brand geworden?
Was ist aus dem Bahnhof Kornelimünster geworden?
Gibt es noch Gleise?
Die Vennbahn ist damit im Aachener Raum eine Strecke, von der Radweg, Bahnhofsgebäude und der Bahnhof Walheim geblieben sind.
Wikipedia: Vennbahn · Wikimedia Commons: Bilder zur Vennbahn
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