Die Wiehltalbahn von Osberghausen nach Waldbröl: Museumsbahn auf der Steinbruchstrecke
Die Wiehltalbahn wurde 1897 für den Transport von Grauwacke eröffnet, 1965 endete der reguläre Personenverkehr. Seit 1999 fahren auf ihr touristische Züge.

Lage: Oberbergischer Kreis, Strecke von Osberghausen nach Waldbröl. Status: Regelmäßiger Personenverkehr seit 1965 eingestellt, offizielle Stilllegung 1997. Heute: Der Förderkreis betreibt touristische Fahrten mit Schienenbus und Dampfzug, das Bahnhofsgebäude Waldbröl steht unter Denkmalschutz.
Die Wiehltalbahn ist eine 23,6 Kilometer lange, eingleisige und nicht elektrifizierte Nebenbahn.
Sie führt entlang der Wiehl von Osberghausen an der Aggertalbahn nach Waldbröl im Oberbergischen Kreis.
Der reguläre Personenverkehr endete 1965, die offizielle Stilllegung folgte 1997.
Seit 1999 findet auf der Strecke touristischer Personenverkehr statt, die Wiehltalbahn ist damit eine Museumsbahn.
Dieser Beitrag begleitet die Betriebsstellen Osberghausen, Bielstein, Wiehl, Oberwiehl, Brüchermühle, Denklingen, Hermesdorf und Waldbröl.
Freie Fotos aus der Zeit des Regelverkehrs liegen nicht vor, die Bilder zeigen den Zustand seit 2004.
Wie die Wiehltalbahn entstand
Nachdem die Aggertalbahn den Oberbergischen Kreis erschlossen hatte, kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung.
Davon profitierte auch das Wiehltal, wo mehrere Steinbrüche gegründet wurden.
Diese forderten eine Bahnanbindung, um die langen Transportwege zu verkürzen.
Die Strecke wurde deshalb in erster Linie für den Transport von Grauwacke gebaut.
Das zeigt sich an der Streckenführung, die schon vor der Einstellung des Personenverkehrs teilweise an den Ortskernen vorbeilief.
Die Wiehltalbahn wurde am 21. April 1897 bis Wiehl eröffnet und am 15. Dezember 1906 bis Waldbröl.
1908 folgte das Teilstück der Wissertalbahn nach Morsbach, die in Hermesdorf abzweigte.
Von Brüchermühle zweigte 1910 die Bahnstrecke nach Wildbergerhütte ab, die bis in die 1960er Jahre bestand.
Die Kleinbahn Bielstein–Waldbröl, 1915 eröffnet, verband Bielstein und Waldbröl auf einer eigenen Trasse.
Hinzu kam die schmalspurige Bröltalbahn von Waldbröl nach Hennef, die 1870 eröffnet wurde.
So sah es vorher aus: Pendler und Steinbrüche
Durch die Wirtschaftsbetriebe kam es auf den Strecken zu einem hohen Personenverkehrsaufkommen durch Pendler.
Über 70 Jahre bestand planmäßig eine Verbindung von Wuppertal über die Wuppertalbahn, die Volmetalbahn und die Aggertalbahn auf die Wiehltalbahn nach Waldbröl.
Die Leistung erbrachte lange Zeit eine Lokomotive der preußischen Baureihe P 8.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Steinbruchindustrie zurück.
Durch das Auto sank außerdem das Personenaufkommen auf den oberbergischen Strecken.
1953 wurde die Bröltalbahn stillgelegt, 1960 die Stichstrecke nach Wildbergerhütte und der Personenverkehr nach Morsbach.
Auf der Wiehltalbahn endete der Personenverkehr 1965.
Ende der 1960er Jahre fuhren auf der Strecke keine Dampflokomotiven mehr, es kamen ausschließlich Diesellokomotiven zum Einsatz.
Osberghausen: der Umsteigebahnhof an der Aggertalbahn
Der Bahnhof Osberghausen wurde 1887 eröffnet und hieß bis 1897 Wiehlbrück.
Mit der Eröffnung der Wiehltalbahn wurde er nach einem großen Ausbau mit wesentlich mehr Gleisen umbenannt.
Zeitweise gab es dort eine Lehrlingswerkstatt des Bahnbetriebswerks Dieringhausen.
Im März 1945 wurde der Bahnhof bei einem Bombenangriff schwer beschädigt.
Nach der Stilllegung des Personenverkehrs auf der Wiehltalbahn verlor er seine Bedeutung als Umsteigebahnhof.
Das Fahrdienstleiterstellwerk wurde 1985 abgerissen, ab der gleichen Zeit war der Bahnhof unbesetzt.
Das kleinere Stellwerk steht noch und ist in Privatbesitz.
Seit dem 23. Mai 1982 hielt hier kein Personenzug mehr, bis die Wiehltalbahn 1997 einen nur von ihr genutzten Bahnsteig errichtete.
Der Bahnhof besteht heute aus den zwei Gleisen der Wiehltalbahn und deren Bahnsteig, der Lokschuppen der alten Werkstatt gehört einem ansässigen Unternehmen.

Bielstein: vom größeren Bahnhof zum Durchfahrgleis
In Bielstein befand sich früher ein größerer Bahnhof.
Hier lag die Anschlussweiche zur Kleinbahn Bielstein–Waldbröl, deren Personenverkehr 1957 und deren Restgüterverkehr 1966 endete.
Das Empfangsgebäude wurde 1978 wegen des Baus der Umgehungsstraße abgetragen und eingelagert.
Es sollte angeblich im Freilichtmuseum Lindlar wieder aufgebaut werden, das Museum erklärte aber, solche Pläne habe es nie gegeben.
Der Verbleib des Empfangsgebäudes ist ungeklärt.
Es ist nur noch das Durchfahrgleis vorhanden.
Wiehl: Bahnhof mit Gaststättenterrasse
In Wiehl existieren nicht mehr alle Gleise, der Bahnhof ist aber noch zum Rangieren geeignet.
Auf dem alten Hausbahnsteig befindet sich heute die Terrasse der Bahnhofsgaststätte.
Am Standort des nach der Jahrtausendwende abgerissenen Güterschuppens wurde ein Kreisverkehr errichtet.
Am 8. April 2013 fand der erste Spatenstich zum Umbau statt.
Dabei entstanden zwei neue Bahnsteige, die den alten Hausbahnsteig und den schmalen provisorischen Bahnsteig der Wiehltalbahn ablösten.
Am 23. September 2013 wurden die neuen Bahnsteige, der neue Busbahnhof und der Bahnübergang fertiggestellt.


Mitte der 1930er Jahre wurde ein privater Gleisanschluss für den Steinbruch Harschlenke geschaffen, der aber nur zehn Jahre in Betrieb blieb.
Bis zur Fertigstellung eines eigenen Anschlusses 1949 nutzte ihn die Achsenfabrik weiter.
1994 wurde der private Gleisanschluss der Achsenfabrik stillgelegt, der Transport wurde vollständig auf die Straße verlegt.
Die Deutsche Bahn AG kündigte den Anschluss, um die Stilllegung einzuleiten.
Zuvor war die Achsenfabrik der wichtigste und umsatzträchtigste Kunde der Wiehltalbahn gewesen.


Oberwiehl: Holzverladung nach dem Orkan
Der Bahnhof Oberwiehl ist ein ehemaliger Bahnhof im Wiehler Ortsteil Oberwiehl.
Von März 2007 bis 2010 wurde dort nach dem Orkan Kyrill werktäglich Holz verladen.
Das Holz wurde dreimal wöchentlich Richtung Österreich abtransportiert.

Brüchermühle: Bahnhof mit fünf Gleisen
In Brüchermühle gab es früher einen Bahnhof mit mindestens fünf Gleisen und zeitweise einem Lokschuppen.
Hier zweigte die Bahn nach Wildbergerhütte ab.
Heute ist das Empfangsgebäude restauriert, das Wohnhaus ist noch vorhanden.
Der Lokschuppen, der Wasserturm und andere Betriebseinrichtungen sind seit Langem beseitigt.
Nach der Reaktivierung der Strecke bis Waldbröl im April 2010 wurde der Haltepunkt zunächst noch nicht wieder betrieben.

Denklingen: die Brücke
Nach Abschluss der Sanierung der Denklinger Brücke soll die Güterladestelle in Waldbröl wieder eingebunden werden.
Die Wiehltalbahn plant für den Fall einer Reaktivierung des regelmäßigen Personenverkehrs neue Haltestellen, darunter eine bei Denklingen.
Bisher sind diese Vorhaben nicht umgesetzt.
Weitere Angaben zu einem Halt in Denklingen sind nicht belegt.
Hermesdorf: der Abzweig der Wissertalbahn
In Hermesdorf zweigte 1908 die Wissertalbahn nach Morsbach ab, deren Personenverkehr 1960 endete.
Wegen Straßenbauarbeiten in Waldbröl endete der gesamte Schienenverkehr bis zum 8. September 2017 in Hermesdorf.
An diesem Tag wurde der Boxbergkreisel eröffnet, die Lok Waldbröl des Eisenbahnmuseums Dieringhausen war dabei Ehrengast.
Geplant sind neue Haltestellen zwischen Waldbröl und Hermesdorf.
Waldbröl: der größte Bahnhof der Strecke
Der Bahnhof Waldbröl ist der größte Bahnhof entlang der Wiehltalbahn.
Er hatte ein Empfangsgebäude, einen Güterschuppen und zeitweise einen Lokschuppen.
Seit der Stilllegung der Kleinbahn Bielstein–Waldbröl ist er nur noch ein Kopfbahnhof, früher gingen die Gleise in westlicher Richtung weiter nach Bielstein.
1936 wurde an das Empfangsgebäude ein Stellwerk angebaut, bis zur Zerstörung des Stellwerks an der östlichen Bahnhofseinfahrt im Zweiten Weltkrieg gab es zwei Stellwerke.
Nach der Einstellung des Personenverkehrs 1965 wurde die Stellwerkstechnik ausgebaut und der Bahnhof auf Handbetrieb umgestellt.
In den 1990er Jahren wurden die Räume im Empfangsgebäude zur Wohnung umgebaut.
Heute nutzt die Wiehltalbahn das Empfangsgebäude wieder für Diensträume, an Fahrtagen sitzt im Stellwerksanbau der Zugleiter.


Neben zwei Bahnsteiggleisen gibt es verschiedene Abstellgleise und einige Ladegleise.
Im Bahnhofsbereich stehen die Arbeitsfahrzeuge der Wiehltalbahn.
Die Projahn-Werke in Waldbröl, einst der größte Industriearbeitgeber der Stadt mit 800 Mitarbeitern im Jahr 1965, hatten einen eigenen Gleisanschluss.
In den 1970er Jahren wurde der Standort geschlossen, damit endete der Betrieb des Anschlusses.
Stilllegung und Rettung
Der Güterverkehr fand noch bis zum 5. Oktober 1994 statt.
Die offizielle Stilllegung der Strecke erfolgte am 24. Dezember 1997.
Seit dem 16. November 1998 hat der Förderkreis zur Rettung der Wiehltalbahn die Strecke gepachtet und betreibt sie mit der WB WiehltalBahn GmbH.
Viele Jahre, vor allem von 2006 bis 2010, wurde zwischen den Kommunen entlang der Strecke und dem Förderkreis um den Bestand gestritten, auch vor Gericht.
Das führte zu deutschlandweiter Beachtung.
Wegen ihrer eisenbahngeschichtlichen Bedeutung steht die Wiehltalbahn unter Denkmalschutz.
So sieht es jetzt aus
Seit 1999 findet auf der Strecke touristischer Personenverkehr statt, zunächst mit einem MAN-Schienenbus.
Seit 2004 werden in Zusammenarbeit mit dem Eisenbahnmuseum Dieringhausen auch Dampfzüge eingesetzt.
Seit dem 18. April 2010 zieht die 1914 von Jung gebaute und restaurierte Lok Waldbröl die Züge, sie fuhr in ihrer historischen Einsatzzeit auf der Kleinbahn Bielstein–Waldbröl.
Zugleich wurde der touristische Verkehr auf die Gesamtstrecke bis Waldbröl ausgeweitet.
Am 6. und 7. Dezember 2014 pendelte ein Triebzug der DB Regio zwischen den Weihnachtsmärkten in Wiehl und Gummersbach.
Das war der erste Verkehr mit Fahrzeugen der DB seit dem Ende des Güterverkehrs 1994.
Im März 2021 wurde das Lade- und Rangiergleis im Bahnhof Osberghausen saniert, damit dort wieder Güterverkehr stattfinden kann.
Am 27. April 2021 startete der erste Zug mit Holz aus dem Oberbergischen über Köln Richtung Passau.
Vorher und nachher: Waldbröl
Bis 1965 war Waldbröl ein Endbahnhof mit Reisezügen, in den 1990er Jahren wurden Räume des Empfangsgebäudes zur Wohnung umgebaut.
Heute nutzt die Wiehltalbahn das denkmalgeschützte Gebäude wieder für Diensträume.
Die Fotos zeigen den Bahnhof mit seinen Denkmalgleisen und der Einfahrt.
Die Geschichte in Daten
1870: Die schmalspurige Bröltalbahn von Waldbröl nach Hennef wird eröffnet.
1897: Die Wiehltalbahn wird am 21. April bis Wiehl eröffnet.
1906: Die Strecke wird am 15. Dezember bis Waldbröl eröffnet.
1908: Das Teilstück der Wissertalbahn nach Morsbach geht in Betrieb.
1910: Die Bahnstrecke Brüchermühle–Wildbergerhütte wird eröffnet.
1915: Die Kleinbahn Bielstein–Waldbröl wird eröffnet.
1953: Die Bröltalbahn wird stillgelegt.
1960: Die Stichstrecke nach Wildbergerhütte und der Personenverkehr nach Morsbach enden.
1965: Der Personenverkehr auf der Wiehltalbahn endet.
1978: Das Empfangsgebäude Bielstein wird abgetragen.
1982: In Osberghausen hält seit dem 23. Mai kein Personenzug mehr.
1994: Am 5. Oktober endet der Güterverkehr.
1997: Die offizielle Stilllegung erfolgt am 24. Dezember.
1998: Der Förderkreis pachtet die Strecke am 16. November.
1999: Der touristische Personenverkehr beginnt.
2004: Dampfzüge fahren in Zusammenarbeit mit dem Eisenbahnmuseum Dieringhausen.
2010: Der touristische Verkehr wird am 18. April bis Waldbröl ausgeweitet.
2013: Umbau des Bahnhofs Wiehl, fertiggestellt am 23. September.
2021: In Osberghausen wird wieder Holz verladen.
Häufige Fragen
Wie lang ist die Wiehltalbahn?
Wann endete der Personenverkehr?
Wofür wurde die Wiehltalbahn gebaut?
Wer betreibt die Strecke heute?
Steht die Wiehltalbahn unter Denkmalschutz?
Die Wiehltalbahn ist die Strecke im Oberbergischen, die als Museumsbahn weiterlebt.
Ihre Halte zeigen, wie unterschiedlich die Bahnhöfe nach dem Ende des Regelverkehrs genutzt werden.
Wikipedia: Wiehltalbahn · Wikipedia: Bahnstrecke Siegburg–Olpe
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