Die Genthiner Kleinbahn: Strecken nach Jerichow, Ziesar und Milow

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Genthiner Kleinbahn: Strecken nach Jerichow, Ziesar und Milow

Die Genthiner Kleinbahn betrieb ein Netz von 210 Kilometern. Drei seiner Strecken, Güsen–Jerichow, Güsen–Ziesar und Genthin–Milow, haben keinen Personenverkehr mehr.

Ein Verbrennungstriebwagen der Baureihe VT 2.09 der Deutschen Reichsbahn im Bahnhof Tucheim.
Ein Verbrennungstriebwagen der Baureihe VT 2.09 der Deutschen Reichsbahn im Bahnhof Tucheim. Foto: Mef.ellingen, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1899
Genthin–Milow eröffnet
1917
Güsen–Ziesar komplett befahren
1924
Güsen–Jerichow eröffnet
1999
Personenverkehr abbestellt

Strecken: Güsen–Jerichow (21 Kilometer), Güsen–Ziesar und Genthin–Milow (20,7). Status: Personenverkehr auf den Strecken nach Jerichow und Ziesar am 29. Mai 1999 beendet, Stilllegung zum 1. Januar 2005. Rest: Der Abschnitt Güsen–Zerben dient dem Güterverkehr.

Die Genthiner Eisenbahn AG bestand vom Oktober 1942 bis zur Verstaatlichung am 1. Januar 1947 und betrieb ein normalspuriges Netz mit 210 Kilometern Länge in der damaligen Provinz Sachsen.

Dieser Beitrag stellt drei ihrer Strecken vor, nämlich Güsen–Jerichow, Güsen–Ziesar und Genthin–Milow.

Auf allen drei ist der Personenverkehr beendet, die Halte dazwischen sind ehemalige Bahnhöfe.

Der Ausgangspunkt Genthin ist dagegen ein aktiver Bahnhof, zu ihm gibt es einen eigenen Beitrag mit dem Titel Der Bahnhof Genthin.

Entstehung: Zwei Kleinbahnen, ein Netz

Die Genthiner Kleinbahn AG wurde am 22. Juli 1898 gegründet, Hauptaktionäre waren das Königreich Preußen, die Provinz Sachsen und der Kreis Jerichow II.

Am 25. Oktober 1899 wurde die Strecke Genthin–Schönhausen über Jerichow eröffnet, einen Monat später, am 27. November, die Verbindung von Genthin nach Milow an der Havel.

Am 21. Mai 1901 wurde die Ziesarer Kleinbahn AG gegründet.

Sie eröffnete 1916 und 1917 die Strecke von Ziesar über Tucheim nach Güsen, zwischen Ziesar und Tucheim begann der Güterverkehr am 15. September 1916 und der Personenverkehr am 21. Oktober 1916.

Die ganze Strecke wurde ab dem 2. April 1917 befahren, zugleich wurde der Knotenpunkt aller Bahnen in Ziesar zum neuen Hauptbahnhof verlegt.

1923 schlossen sich beide Gesellschaften zur Kleinbahn AG Genthin-Ziesar zusammen, ab 1930 hieß sie Kleinbahn-AG in Genthin und ab Oktober 1942 Genthiner Eisenbahn AG.

Der Bahnhof Ziesar mit einem Triebwagen.
Der Bahnhof Ziesar mit einem Triebwagen. Foto: Mef.ellingen, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sah es vorher aus: Bus und Schienenbus

Schon 1932 ergänzte die Kleinbahngesellschaft ihr Schienennetz durch Omnibuslinien, die 1939 rund 90 Kilometer lang waren.

Die fünf Omnibusse fuhren von Genthin nach Sandau und von Jerichow nach Güsen parallel zur Bahn.

Auf der Strecke Güsen–Jerichow übernahmen die Busse von 1935 bis 1939 den gesamten Personenverkehr, erst nach Kriegsausbruch verkehrten wieder Züge.

Auf der Strecke Güsen–Ziesar fuhren von den 1960er Jahren bis Anfang der 1990er Jahre etwa sechs Reisezugpaare am Tag, in der Regel mit Triebwagen.

Nach der Wiederaufnahme des Verkehrs zwischen Güsen und Neuderben 1952 verkehrten zunächst sieben Zugpaare täglich auf der Strecke nach Jerichow.

Ende der 1970er Jahre waren es werktags noch bis zu elf Züge pro Richtung, in den 1980er Jahren etwa sieben Zugpaare.

Güsen: Der gemeinsame Kleinbahnhof

In Güsen begann die Strecke im südlich der Anlagen der Strecke Berlin–Magdeburg gelegenen Kleinbahnhof, der auch Ausgangspunkt der Strecke nach Ziesar war.

Die Strecke nach Jerichow kreuzte östlich des Bahnhofs die Gleise in Richtung Berlin mit einer Überführung.

Am Kleinbahnhof besitzt ein Denkmal die Erinnerung an die ehemalige Genthiner Kleinbahn.

Der Bahnhof Güsen (Kr Genthin) selbst ist weiterhin eine Dienststelle, von hier wird der Abschnitt bis Zerben im Güterverkehr bedient.

Das Empfangsgebäude des Kleinbahnhofs Güsen, Seite zu den Gleisen, 2022.
Das Empfangsgebäude des Kleinbahnhofs Güsen, Seite zu den Gleisen, 2022. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Kleinbahnhof Güsen, Straßenseite, 2019.
Der ehemalige Kleinbahnhof Güsen, Straßenseite, 2019. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Güsen Dorf: Der ortsnahe Haltepunkt

Güsen Dorf bei Kilometer 2,3 war ein ortsnaher Haltepunkt östlich der Ortslage von Güsen.

Weitere Einzelheiten zum Halt sind nicht belegt.

Der ehemalige Haltepunkt Güsen Dorf, Blick zur Straße, 2025.
Der ehemalige Haltepunkt Güsen Dorf, Blick zur Straße, 2025. Foto: Georgfotoart, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Zerben und Parey

Südlich von Zerben, bei Kilometer 3,9, kreuzte die Strecke den Elbe-Havel-Kanal.

Der Abschnitt bis Zerben wird weiterhin im Güterverkehr bedient, er blieb 2005 als Bahnhofsnebengleis des Bahnhofs Güsen in Betrieb.

Nördlich von Zerben ist die Strecke abgebaut.

Parey bei Kilometer 6,2 lag hinter dem Kanal, die Brücke über den Pareyer Verbindungskanal wurde 2015 abgerissen.

In Parey bediente die Bahn zuvor ein Metallbetrieb, der große Bedeutung bei der Herstellung von Gittermasten hatte.

Neuderben, Derben, Ferchland und Klietznick

Bei Kilometer 8,3 lag Neuderben, bis dorthin gab es 1952 nach der Wiederherstellung der zerstörten Kanalbrücke zunächst Verkehr zwischen Jerichow und Neuderben.

Derben bei 10,6 ist Standort eines Bahnhofs, der zur Strecke gehörte, die 1924 den Betrieb aufnahm.

Ferchland bei 13,6 wurde mit der 1925 fertiggestellten Strecke eingerichtet, der Bahnhof liegt in einiger Entfernung vom Ort.

Klietznick bei Kilometer 17,3 war der letzte Halt vor Jerichow.

Der ehemalige Bahnhof Ferchland, 2017.
Der ehemalige Bahnhof Ferchland, 2017. Foto: Kirchenfan, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Der ehemalige Bahnhof Klietznick, 2021.
Der ehemalige Bahnhof Klietznick, 2021. Foto: Georgfotoart, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Jerichow: Der Bahnhof am Stadtrand

Südlich von Jerichow traf die Strecke aus Güsen bei Kilometer 21,1 auf die Strecke Genthin–Schönhausen und führte mit ihr gemeinsam in die Stadt.

Der Bahnhof lag östlich des Stadtkerns.

Am 25. Oktober 1924 verkehrten hier erstmals Züge von Güsen, offiziell waren die Bauarbeiten am 23. März 1925 beendet.

Die Schienenbusse der Baureihen 771 und 772 wurden im Bahnbetriebswerk Jerichow unterhalten.

Der Güterverkehr zwischen Zerben und Jerichow wurde zum 1. Januar 1994 eingestellt, am 29. Mai 1999 bestellte das Land Sachsen-Anhalt den Personenverkehr ab.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Jerichow von Süden, 2020.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Jerichow von Süden, 2020. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnhof Jerichow mit Gleisresten und Vorplatz, 2020.
Der Bahnhof Jerichow mit Gleisresten und Vorplatz, 2020. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Güsen–Ziesar: Hohenseeden und Schattberge

Die Strecke Güsen–Ziesar führte von Güsen zunächst durch einen Tunnel unter der Bundesstraße 1.

Hohenseeden lag bei Kilometer 4,1, Schattberge bei 6,1.

Weitere Einzelheiten zu beiden Halten sind nicht belegt.

Gladau, Dretzel und Tucheim

Gladau bei Kilometer 9,3 ist ein ehemaliger Bahnhof an der Strecke Ziesar–Güsen, dort wurde der Personenverkehr am 29. Mai 1999 stillgelegt.

Dretzel lag bei Kilometer 11,0, die Strecke führte ab 1917 durch den Ort.

Tucheim bei Kilometer 15,9 erhielt 1917 mit der Strecke einen Bahnhof, daneben gab es den Haltepunkt Tucheim Schule bei 16,8.

Der Bahnverkehr zwischen Güsen und Ziesar wurde am 29. Mai 1999 eingestellt.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Gladau, 2019.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Gladau, 2019. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Haltepunkt Tucheim Schule, 2019.
Der ehemalige Haltepunkt Tucheim Schule, 2019. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Ziesar: Zwei Bahnhöfe in einer Stadt

Ziesar liegt in Brandenburg, die Strecke von Güsen erreichte den Ort bei Kilometer 25,6.

Mit der Eröffnung der Strecke wurde der zuvor weiter nördlich gelegene Bahnhof durch einen Neubau östlich der Altstadt ersetzt.

Hier endete auch die Schmalspurstrecke der Kleinbahnen des Kreises Jerichow I von Burg her.

Der Güterverkehr zwischen Güsen und Ziesar wurde zum 1. Januar 1998 eingestellt, der Personenverkehr hielt sich bis zum 29. Mai 1999.

Das Bahnhofsgebäude in Ziesar im Jahr 2014, die Bahnstrecke ist stillgelegt.
Das Bahnhofsgebäude in Ziesar im Jahr 2014, die Bahnstrecke ist stillgelegt. Foto: Clemensfranz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Strecke von Güsen am Bahnhof Ziesar im Jahr 2012.
Die Strecke von Güsen am Bahnhof Ziesar im Jahr 2012. Foto: Global Fish, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Genthin–Milow: Die Stremmebahn

Die 20,7 Kilometer lange Strecke wird Stremmebahn genannt und wurde auf Betreiben von Henning von Armin gebaut.

Hinter dem Abzweig bei Genthin lagen Brettin (4,3), Annenhof (6,3), Zabakuck (8,6), Kleinwusterwitz (9,7), Schlagenthin (12,3), Kuxwinkel (14,5), Neu Dessau (17,0) und Milow Süd (19,4), Endpunkt war Milow bei 20,7.

Am 23. September 1967 wurde der Personenverkehr zwischen Genthin und Milow eingestellt.

Am 25. September 1971 endete der Güterverkehr, übrig blieb ein vier Kilometer langes Gleis, das noch bis etwa 2010 als Anschlussgleis betrieben wurde.

Niedergang: Abbestellt und stillgelegt

1995 wurde auf der Strecke Güsen–Ziesar der Verkehr vertaktet, die Züge fuhren alle zwei Stunden mit einer Taktlücke am Vormittag.

Am 29. Mai 1999 wurde der Verkehr auf den Strecken von Güsen nach Jerichow und nach Ziesar abbestellt.

Das Eisenbahn-Bundesamt genehmigte am 13. Dezember 2004 die dauerhafte Stilllegung der Strecke Güsen–Ziesar, vollzogen wurde sie zum 1. Januar 2005.

Die Strecke Güsen–Jerichow wurde ebenfalls am 1. Januar 2005 stillgelegt.

So sieht es jetzt aus: Gleise abgerissen

Von September 2017 bis Januar 2018 wurden die Gleise der Strecke Güsen–Ziesar abgerissen.

Die Industrieanschlüsse auf der Strecke Güsen–Jerichow in Parey und Ferchland wurden vor 2017 abgebaut, am Betonschwellenwerk bei Güsen findet weiterhin Güterverkehr statt.

1898: Am 22. Juli wird die Genthiner Kleinbahn AG gegründet.

1899: Am 25. Oktober wird Genthin–Schönhausen eröffnet, am 27. November Genthin–Milow.

1901: Am 21. Mai wird die Ziesarer Kleinbahn AG gegründet.

1916: Am 15. September beginnt der Güterverkehr, am 21. Oktober der Personenverkehr zwischen Ziesar und Tucheim.

1917: Am 2. April wird die ganze Strecke Güsen–Ziesar befahren.

1924: Am 25. Oktober fahren erstmals Züge von Güsen nach Jerichow.

1952: Die zerstörte Kanalbrücke ist wiederaufgebaut, der Verkehr zwischen Güsen und Neuderben läuft wieder.

1967: Am 23. September endet der Personenverkehr zwischen Genthin und Milow.

1971: Am 25. September endet der Güterverkehr nach Milow.

1994: Zum 1. Januar endet der Güterverkehr zwischen Zerben und Jerichow.

1998: Zum 1. Januar endet der Güterverkehr zwischen Güsen und Ziesar.

1999: Am 29. Mai wird der Personenverkehr nach Jerichow und Ziesar abbestellt.

2005: Zum 1. Januar werden die Strecken Güsen–Ziesar und Güsen–Jerichow stillgelegt.

2018: Bis Januar sind die Gleise Güsen–Ziesar abgerissen.

Wann endete der Personenverkehr nach Jerichow und Ziesar?
Am 29. Mai 1999.
Wann endete der Personenverkehr nach Milow?
Am 23. September 1967.
Fährt auf der Strecke Güsen–Jerichow noch ein Zug?
Auf dem vier Kilometer langen Abschnitt von Güsen bis Zerben findet Güterverkehr zu einem Betonschwellenwerk statt.
Wer hat die Strecken gebaut?
Die Genthiner Kleinbahn AG und die Ziesarer Kleinbahn AG, die 1923 zur Kleinbahn AG Genthin-Ziesar fusionierten.
Wann wurde die Strecke Güsen–Ziesar stillgelegt?
Das Eisenbahn-Bundesamt genehmigte am 13. Dezember 2004 die Stilllegung, vollzogen wurde sie zum 1. Januar 2005.

Von den drei Strecken ist heute nur der Abschnitt Güsen–Zerben noch in Betrieb, alle übrigen Halte sind ehemalige Bahnhöfe und Haltepunkte.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Kleinbahn-AG in Genthin · Wikipedia: Bahnstrecke Güsen–Jerichow · Wikipedia: Bahnstrecke Güsen–Ziesar · Wikipedia: Bahnstrecke Genthin–Milow · Wikipedia: Gladau · Wikipedia: Tucheim

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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