Trusebahn und Liebensteiner Bahn: Zwei Strecken am Thüringer Wald
Die Trusebahn führte als Schmalspurbahn von Wernshausen nach Trusetal, die Strecke Immelborn–Steinbach als Normalspurbahn nach Bad Liebenstein. Beide sind seit 1968 bis 1973 Geschichte.


Strecken: Wernshausen–Trusetal (750 mm, 9,0 Kilometer) und Immelborn–Steinbach (8,4 Kilometer). Status: beide stillgelegt und abgebaut. Heute: Das Bahnhofsgelände Bad Liebenstein ist Busbahnhof, der Lokschuppen dient der Feuerwehr.
Am westlichen Thüringer Wald lagen zwei Bahnen nebeneinander: die schmalspurige Trusebahn von Wernshausen nach Trusetal und die normalspurige Strecke von Immelborn nach Steinbach über Bad Liebenstein.
Die Trusebahn war 9,0 Kilometer lang, ihre Spurweite betrug 750 Millimeter.
Die Strecke Immelborn–Steinbach war eine Nebenbahn, sie zweigte in Immelborn von der Bahnstrecke Eisenach–Lichtenfels ab.
Beide Bahnen wurden zwischen 1968 und 1973 stillgelegt.
Freie Fotos aus der Betriebszeit liegen nicht vor, das älteste Bild dieses Beitrags ist ein Foto einer Lokomotive, gebaut 1908.
So sah es vorher aus: Brotterode und die Feldbahn
Im Sommer 1896 und 1897 verkehrte auf der späteren Trasse der Trusebahn eine Feldbahn mit 600 Millimetern Spurweite.
Sie war zur Unterstützung der Gemeinde Brotterode gebaut worden, die 1895 fast vollständig niedergebrannt war.
Am 2. November 1898 gründeten das Königreich Preußen, der Kreis Herrschaft Schmalkalden sowie die Gemeinden Auwallenburg, Herges-Vogtei und Trusen die Trusebahn AG.
Die Trusebahn: Bau und Betrieb
Nach kurzer Bauzeit wurde die Kleinbahn am 25. Juli 1899 eröffnet.
Sie führte ausgehend vom Bahnhof Wernshausen im Werratal durch das Trusetal am Westrand des Thüringer Waldes.
Auf 9 Kilometern stieg sie mit höchstens 1:30 aufwärts nach Herges-Vogtei.
Die Betriebsleitung hatte ihren Sitz in Herges-Vogtei, das ab 1936 Herges-Auwallenburg und ab 1951 Trusetal hieß.
1938 beschloss die Hauptversammlung, die AG in einen Eigenbetrieb des Kreises Herrschaft Schmalkalden umzuwandeln.
Am 1. April 1949 wurde die Kreisbahn der Deutschen Reichsbahn unterstellt.
Im April 1946 begann auf Befehl der SMAD der Abbau der Strecke, er wurde kurz darauf beendet und die schon entfernten Schienen wurden wieder aufgebaut.
Der Personenverkehr endete mit dem Winterfahrplan 1966/1967.
Der Güterverkehr folgte am 31. Dezember 1968, nachdem der Abtransport von Eisenerz und Schwerspat auf den Kraftverkehr verlagert worden war.
Danach wurde die Strecke abgebrochen.

Fambach und Oelmühle: Die ersten Halte
Hinter Wernshausen überquerte die Bahn die Werra und erreichte bei Kilometer 2,1 den Haltepunkt Fambach.
Bei Kilometer 2,8 folgte der Haltepunkt Oelmühle.
Danach überquerte die Strecke bei Kilometer 3,0 die Truse.
Winne und Wahles
Der Haltepunkt Winne lag bei Kilometer 4,5.
Bei Kilometer 6,2 folgte der Haltepunkt Wahles.
Weiteres ist zu diesen Halten nicht belegt.
Trusen und Trusetal: Endpunkt der Strecke
Der Haltepunkt Trusetal Süd, früher Trusen, lag bei Kilometer 8,3.
Bei Kilometer 7,8 zweigte ein Anschluss zur Reum AG ab, bei Kilometer 8,9 einer zur Grube Mommel, dem späteren Trusetalwerk.
Endpunkt war bei Kilometer 9,0 der Bahnhof Trusetal, früher Herges-Vogtei.
Als Bauzuglokomotiven wurden zwei zweiachsige Dampfloks eingesetzt, Wallenburg und Mommel.
1901 kam mit der Henneberg eine vierachsige Maschine dazu, die bis 1935 im Einsatz stand.
Zwei weitere Maschinen, Glückauf und Trusetal, erhielten bei der Reichsbahn die Nummern 99 4531 und 99 4532.
Die 99 4532 war nach 1958 bis 1989 als Rangierlokomotive im Bahnhof Zittau im Einsatz und ist heute im Bahnhof Bertsdorf abgestellt, die 99 4531 diente als Ersatzteilspender und wurde verschrottet.

Immelborn–Steinbach: Pläne seit 1848
Schon 1848 sprach der Lexikonverfasser Joseph Meyer von einer Thüringer Werrabahn mit einer Zweigstrecke nach Liebenstein.
1885 begann die Werra-Eisenbahn-Gesellschaft mit den Vorarbeiten.
Am 28. Juni 1887 genehmigte die Generalversammlung den Bau und Betrieb einer normalspurigen Eisenbahn von Immelborn nach Liebenstein.
Zum 1. August 1889 konnte die Strecke mit eigenem Lokbahnhof feierlich eröffnet werden.
1911 plante die Kommanditgesellschaft Lübbecke & Kehl aus Eisenach die Erweiterung der Strecke nach Brotterode und Waltershausen unter Einbeziehung der Trusebahn, was scheiterte.
Per Erlass des Reichsverkehrsministeriums vom 29. April 1922 durfte die Verlängerung bis Steinbach gebaut werden, am 29. Mai 1927 ging das Teilstück in Betrieb.
Immelborn: Der Beginn und das Ende der Gleise
Der Bahnhof Immelborn ist ein Keilbahnhof an der Werrabahn, der 1859 eröffnet wurde.
1889 erfolgte eine Erweiterung der Anlagen mit der Inbetriebnahme der Zweigstrecke nach Bad Liebenstein.
Von 1997 bis 2005 war am Bahnübergang Immelborn ein Gleis zerstört, 2006 wurde es wieder in Betrieb genommen.
Die letzten Meter Gleis bis kurz vor die Werrabrücke nutzt die Kieswerk Immelborn GmbH als Anschlussbahn, das frühere Streckengleis endet unmittelbar hinter der Werrabrücke.
Seit 2013 wird der Anschluss des Kieswerks nicht nur von DB Cargo, sondern auch von der Havelländischen Eisenbahn bedient.


Barchfeld und Marienthal
Barchfeld lag bei Kilometer 1,7, Marienthal bei Kilometer 5,1 auf 317 Metern Höhe.
Marienthal hatte vom 1. August 1889 bis zur Stilllegung am 4. August 1968 einen Bahnanschluss im Personen- und Güterverkehr.
Bei Kilometer 5,8 zweigte 1944 und 1945 ein Anschluss der Wehrmacht ab.
Bad Liebenstein: Bahnhof ohne Gleise
Der Bahnhof Bad Liebenstein lag bei Kilometer 6,6 auf 342 Metern Höhe und wurde 1889 noch als Liebenstein-Schweina eröffnet.
Ein Weiterbau nach Waltershausen oder Friedrichroda kam nicht zustande, deshalb erhielt der Bahnhof kein Kreuzungsgleis.
1924 wurde er in Bad Liebenstein-Schweina umbenannt, nach dem Zweiten Weltkrieg in Bad Liebenstein.
Zwischen 1916 und 1927 bestand im Bahnhof ein Anschluss an die Steinbacher Bergwerksbahn.
In seiner größten Ausdehnung besaß er neben dem durchgehenden Hauptgleis sieben weitere Gleise, davon drei Ladegleise und zwei als Zufahrt zum Lokschuppen.
Das mechanische Stellwerk der Bauart Jüdel befand sich im Bahnhofsgebäude.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es eine Eilzugverbindung nach Leipzig und Zwickau, 1960 bedienten täglich etwa 20 Züge den Bahnhof.
Ab dem 26. Mai 1968 wurde im Schienenersatzverkehr gefahren, ab dem 4. August 1968 übernahm der VEB Kraftverkehr Bad Salzungen die Leistungen.
Noch bis 1970 gab es Güterverkehr.
Die Stilllegung und der Abbau des Streckenabschnittes Immelborn–Steinbach sowie die Schließung der Gütertarifbahnhöfe erfolgten am 13. Januar 1973.
Der Bahnhof blieb nach der Stilllegung noch bis in die 1990er Jahre ohne Gleisanschluss in Betrieb, mit Fahrkartenverkauf bis 1993 und einer Mitropa-Gaststätte bis 1990.
Das Bahnhofsgebäude wurde 2002 abgerissen, obwohl es unter Denkmalschutz stand und private Interessenten ein Museum einrichten wollten.
Auf dem Gelände errichtete die Stadt einen Busbahnhof.
Erhalten sind der zweiständige Lokschuppen, der seit 2006 als Feuerwehrhaus dient, und eine zugeschüttete Kopframpe.
Eine Umgehungsstraße verläuft auf der ehemaligen Bahnstrecke.

Steinbach: Der Endpunkt am Kamm
Der Bahnhof Steinbach lag bei Kilometer 8,4 auf 368 Metern Höhe.
Er hieß bis 1950 Steinbach (Kreis Meiningen) und danach Steinbach (Kreis Bad Salzungen).
Er lag am unteren Ortseingang.
Bei Kilometer 8,6 zweigte der Anschluss zur Bergwerksverwaltung und zur Steinbacher Bergwerksbahn mit 600 Millimetern Spurweite ab.
Die letzten Jahre der Liebensteiner Bahn
In den 1950er Jahren blühte die Bahn wegen des starken Kur- und Fremdenverkehrs noch einmal auf, es verkehrte ein direkter Eilzug nach Leipzig.
Gelegentlich fuhr auch der Theaterzug, ein Sonderzug von Bad Liebenstein nach Meiningen zu Vorstellungen im Meininger Theater.
Der Niedergang begann in den 1960er Jahren mit dem zunehmenden Kraftverkehr.
Im November 2007 wurden bei Bauarbeiten am Ortsausgang von Bad Liebenstein in Richtung Steinbach am ehemaligen Bahnübergang Gleisreste sichtbar, weil beim Rückbau die Gleisjoche an Straßenübergängen oft liegenblieben und nur überteert wurden.
1885: Die Werra-Eisenbahn-Gesellschaft beginnt die Vorarbeiten für die Strecke nach Liebenstein.
28. Juni 1887: Die Generalversammlung genehmigt den Bau.
1. August 1889: Die Strecke Immelborn–Liebenstein wird eröffnet.
Sommer 1896 und 1897: Eine Feldbahn verkehrt auf der späteren Trasse der Trusebahn.
2. November 1898: Die Trusebahn AG wird gegründet.
25. Juli 1899: Die Trusebahn wird eröffnet.
1911: Eine Erweiterung nach Brotterode und Waltershausen scheitert.
29. April 1922: Der Erlass erlaubt die Verlängerung bis Steinbach.
29. Mai 1927: Die Strecke Bad Liebenstein–Steinbach geht in Betrieb.
April 1946: Der Abbau der Trusebahn beginnt, wird aber abgebrochen.
1. April 1949: Die Trusebahn kommt zur Reichsbahn.
Winter 1966/67: Der Personenverkehr der Trusebahn endet.
26. Mai 1968: Auf der Strecke nach Bad Liebenstein beginnt der Schienenersatzverkehr.
4. August 1968: Der VEB Kraftverkehr Bad Salzungen übernimmt die Leistungen.
31. Dezember 1968: Der Güterverkehr der Trusebahn endet.
13. Januar 1973: Immelborn–Steinbach wird stillgelegt und abgebaut.
2002: Das Bahnhofsgebäude in Bad Liebenstein wird abgerissen.
2006: Der Lokschuppen wird zum Feuerwehrhaus.
Wann wurde die Trusebahn eröffnet?
Welche Spurweite hatte die Trusebahn?
Wann endete der Verkehr auf der Trusebahn?
Wann wurde die Strecke Immelborn–Steinbach stillgelegt?
Was ist vom Bahnhof Bad Liebenstein erhalten?
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