Die Heidebahn von Wittenberg nach Eilenburg: Halte ohne Regelverkehr

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Heidebahn von Wittenberg nach Eilenburg: Halte ohne Regelverkehr

Auf der Strecke von Lutherstadt Wittenberg über Pretzsch und Bad Schmiedeberg nach Eilenburg endete der Personenverkehr zuletzt am 19. Dezember 2014. Der Beitrag geht die Halte von Pretzsch bis Laußig durch.

VORHER · 2007

Der Bahnhof Bad Schmiedeberg an der Dübener-Heide-Bahn.

Der Bahnhof Bad Schmiedeberg an der Dübener-Heide-Bahn. Foto: self made, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2014

Der Bahnhof Bad Schmiedeberg.

Der Bahnhof Bad Schmiedeberg. Foto: Jwaller, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1890
Pratau–Pretzsch eröffnet
1895
Pretzsch–Eilenburg eröffnet
2014
Personenverkehr eingestellt
2023
Abschnitt zur Abgabe ausgeschrieben

Lage: Lutherstadt Wittenberg über Pretzsch und Bad Schmiedeberg nach Eilenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Status: Der Personenverkehr zwischen Wittenberg und Bad Schmiedeberg endete am 19. Dezember 2014, zwischen Bad Schmiedeberg und Bad Düben schon 2002. Heute: Zwischen Laußig und Eilenburg Ost fahren Güterzüge, Sonderfahrten fallen seit 2020 aus.

Die Bahnstrecke Pretzsch–Eilenburg ist eine Nebenbahn in Sachsen-Anhalt und Sachsen.

Sie zweigt in Pretzsch von der Bahnstrecke Pratau–Torgau ab und führt über Bad Schmiedeberg und Bad Düben nach Eilenburg.

Von Lutherstadt Wittenberg bis Eilenburg ergibt sich eine durchgehende Verbindung, die als Dübener-Heide-Bahn oder Heidebahn bekannt wurde.

Regelmäßiger Personenverkehr findet auf der Strecke nicht mehr statt, die Strecke selbst ist aber nicht stillgelegt.

Zwischen Laußig und Eilenburg Ost fahren Güterzüge, Sonderfahrten fallen seit 2020 aus.

Die Eröffnung

Die Strecke Pratau–Pretzsch–Torgau wurde am 13. Juli 1890 durch die Preußische Staatsbahn eröffnet.

Die Strecke Bad Düben–Eilenburg Ost folgte am 20. Februar 1895.

Am 1. Oktober 1895 ging auch der Abschnitt Pretzsch–Bad Düben in Betrieb.

1924 übernahm die Deutsche Reichsbahn die Strecke.

Zur DDR-Zeit war sie Teil der 60,5 Kilometer langen Kursbuchstrecke 215 Eilenburg Hbf–Bad Düben–Pretzsch–Lutherstadt Wittenberg.

1988 wurde das Teilstück Eilenburg Ost bis zum Kieswerk für den Güterverkehr elektrifiziert.

Pretzsch

Der Bahnhof Pretzsch an der Dübener-Heide-Bahn im Jahr 2007.
Der Bahnhof Pretzsch an der Dübener-Heide-Bahn im Jahr 2007. Foto: self made, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons, verkleinert.

In Pretzsch zweigt die Strecke nach Eilenburg von der Strecke nach Torgau ab.

Der Ort ist heute ein Ortsteil von Bad Schmiedeberg.

Der Bahnhof Pretzsch ist seit dem 10. Dezember 2006 Sitz der Zentralen Zugleitstelle und des Bezirksbetriebes der Deutschen Regionaleisenbahn, die die Strecke seit April 2005 von DB Netz gepachtet hat.

Der Streckenteil Pretzsch–Torgau ist seit 2000 stillgelegt, die Stilllegung wurde am 15. Dezember 2000 juristisch vollzogen.

Der Verein Elblandbahn pachtete ihn mit Wirkung zum Oktober 2016.

Der Lokschuppen am Bahnhof Pretzsch, Dübener-Heide-Bahn.
Der Lokschuppen am Bahnhof Pretzsch, Dübener-Heide-Bahn. Foto: self made, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnhof Pretzsch im Jahr 2014.
Der Bahnhof Pretzsch im Jahr 2014. Foto: Jwaller, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Bad Schmiedeberg Nord und Süd

Bad Schmiedeberg Nord, früher Splau, lag bei Kilometer 3,0.

Bad Schmiedeberg Süd, früher Moschwig, lag bei Kilometer 7,41.

Beide sind ehemalige Haltepunkte, weitere Angaben zu ihnen sind nicht belegt.

Bad Schmiedeberg

Der Bahnhof Bad Schmiedeberg liegt bei Kilometer 4,91.

Im Mai 2007 gab das Land Sachsen-Anhalt bekannt, dass die verbliebenen Regionalbahnen von Lutherstadt Wittenberg nach Bad Schmiedeberg ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2007 nicht mehr bestellt würden.

Einen Monat später entfernte die DRE einzelne Weichen aus dem Bahnhof, um Kosten zu sparen.

Ab dem 10. Dezember 2007 betrieb der DBV-Förderverein Niederlausitzer Eisenbahn den Reiseverkehr weiter, werktags fuhren fünf Zugpaare zwischen Lutherstadt Wittenberg und Bad Schmiedeberg.

Dieser Verkehr war zunächst bis zum 22. August 2008 befristet.

Nachdem der Probebetrieb zu steigenden Fahrgastzahlen führte, sagte das Land zu, den bedarfsorientierten Verkehr mindestens bis Ende 2010 weiter zu finanzieren.

Dieser Ersatzverkehr für Busleistungen auf der Schiene wird als Schmiedeberger Modell bezeichnet.

Am 7. Januar 2009 kam ein Wochenendverkehr hinzu, mit dem man einen Anstieg der Fahrgastzahl von 150 auf 250 erhoffte.

Zum Beginn des Fahrplans 2009/10 führte die DRE die geplante Streckenertüchtigung durch, die die Fahrzeit um 15 Minuten verkürzte.

Der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt bestellte den Verkehr zum Jahresende 2014 ab, trotz 5.000 Protestunterschriften.

Der Betreiber Vetter stellte den Verkehr bereits am 19. Dezember 2014 ein und ersetzte ihn durch Busse.

Die Strecke Eilenburg–Wittenberg zwischen den Haltepunkten Mörtitz und Rotes Haus.
Die Strecke Eilenburg–Wittenberg zwischen den Haltepunkten Mörtitz und Rotes Haus. Foto: Joeb07, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Bad Schmiedeberg Kurzentrum

Der Haltepunkt Bad Schmiedeberg Kurzentrum liegt bei Kilometer 5,9.

Er wurde am 19. Juli 2010 als Haltepunkt Bad Schmiedeberg Kurkliniken vom Verkehrsminister von Sachsen-Anhalt, Karl-Heinz Daehre, eingeweiht.

Er ist für die Gäste des Kurortes günstig erreichbar.

Der Verkehr zwischen Lutherstadt Wittenberg und Bad Schmiedeberg Kurzentrum wurde Ende Dezember 2014 abbestellt.

Von Ende April bis Ende Oktober 2016 fuhren an den Wochenenden in Kooperation von DB Regio, dem Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt und dem Förderverein Berlin-Anhaltische-Eisenbahn wieder Reisezüge zwischen Lutherstadt Wittenberg und Bad Schmiedeberg Kurzentrum.

Söllichau

Bahnhof Söllichau, Kulturdenkmal, Bahnsteig und Empfangsgebäude von Süden.
Bahnhof Söllichau, Kulturdenkmal, Bahnsteig und Empfangsgebäude von Süden. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Söllichau liegt bei Kilometer 14,27, vor der Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Sachsen.

Zwischen Söllichau und Bad Schmiedeberg zweigte ein Anschluss zum Bunker Kossa ab.

Ab dem 12. Dezember 2010 fuhr täglich der letzte Zug des Tages bis Söllichau und am Folgetag als erster Zug zurück nach Lutherstadt Wittenberg.

Mit dem Fahrplanwechsel am 25. August 2011 wurde die Verlängerung bis Söllichau wieder aufgegeben, weil die schlechte Fahrplanlage und das geringe Angebot die erwartete Nachfrage nicht auslösten.

Stattdessen wurde am Wochenende die Zahl der Fahrtenpaare auf drei erhöht.

Bahnhof Söllichau, Empfangsgebäude, Gleisseite.
Bahnhof Söllichau, Empfangsgebäude, Gleisseite. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Bad Düben

Der Bahnhof Bad Düben.
Der Bahnhof Bad Düben. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Bad Düben liegt bei Kilometer 20,81 in Sachsen.

Zum 18. April 1998 bestellte die Landesverkehrsgesellschaft Sachsen den Reiseverkehr zwischen Bad Düben und Eilenburg ab, den Verkehr übernahm eine Überlandbuslinie.

Am 28. September 2002 bestellte das Land Sachsen-Anhalt auch die Personenzüge zwischen Bad Schmiedeberg und Bad Düben ab, sodass nur noch der Verkehr von Lutherstadt Wittenberg bis Bad Schmiedeberg blieb.

Die Stadt Bad Düben strebt einen Anschluss an das Netz der S-Bahn Mitteldeutschland über Eilenburg an.

Im September 2020 unterzeichneten anliegende Gemeinden und Unternehmen sowie Vertreter der Deutschen Bahn und beteiligter Verkehrsverbünde in Bad Düben eine Absichtserklärung, die den regelmäßigen Personenzugbetrieb zwischen Wittenberg und Eilenburg zum Ziel hat.

Im Mai 2023 erklärte die DRE, sie sehe unter anderem wegen mangelhafter Betonschwellen keine wirtschaftliche Grundlage mehr für Sanierung und Betrieb des Abschnitts zwischen Pretzsch und Bad Düben, und schrieb ihn bis Ende August 2023 zur Abgabe aus.

Der Wasserturm am Bahnhof Bad Düben.
Der Wasserturm am Bahnhof Bad Düben. Foto: Heidebiber, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Pristäblich, Laußig, Rotes Haus und Mörtitz

Die Strecke Eilenburg–Wittenberg bei Laußig.
Die Strecke Eilenburg–Wittenberg bei Laußig. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Pristäblich (Kilometer 22,7), Rotes Haus (Kilometer 29,3) und Mörtitz (Kilometer 31,71) sind ehemalige Haltepunkte, Mörtitz war früher ein Bahnhof.

Laußig liegt bei Kilometer 26,84.

Der Güterverkehr zwischen Bad Schmiedeberg und Laußig endete am 31. Dezember 2001.

In Laußig werden ein Betonschwellenwerk und ein weiteres Kieswerk bedarfsweise bedient, bei dem die Verladung auf dem Streckengleis erfolgt.

Zwischen Laußig und Eilenburg Ost wird regelmäßiger Güterverkehr durchgeführt, wichtigster Güterkunde ist das Kieswerk Sprotta, wo täglich mehrere Ganzzüge mit Kies zum Versand kommen.

Der ehemalige Haltepunkt Rotes Haus in der Dübener Heide nördlich von Eilenburg.
Der ehemalige Haltepunkt Rotes Haus in der Dübener Heide nördlich von Eilenburg. Foto: Joeb07, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Beladener Güterzug vom Kieswerk Laußig auf der Strecke Lutherstadt Wittenberg–Eilenburg im Jahr 2011.
Beladener Güterzug vom Kieswerk Laußig auf der Strecke Lutherstadt Wittenberg–Eilenburg im Jahr 2011. Foto: Joeb07, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Heidebahn im Sonderverkehr

Im Sommerfahrplan 2017 gab es erstmals seit 1998 wieder durchgehende Verbindungen von Wittenberg nach Eilenburg.

Drei Zugpaare fuhren samstags, sonntags und an Feiertagen als RB 55 und hielten in Eilenburg Ost, Laußig, Bad Düben, Söllichau, Bad Schmiedeberg Kurzentrum und Bad Schmiedeberg.

In der ersten Saison nutzten 10.000 Fahrgäste das Angebot.

In den Jahren 2018 und 2019 wurden die Sonderfahrten bis Leipzig verlängert.

Ende 2019 wurde wegen Streckenmängeln ein behördliches Betriebsverbot verhängt, die geplanten Sonderverkehre im Advent 2019 und im Jahr 2020 wurden abgesagt.

Sonderfahrten zwischen Lutherstadt Wittenberg und Eilenburg gab es regelmäßig zum Wittenberger Stadtfest und zum Leipziger Weihnachtsmarkt.

Die Geschichte in Daten

1890: Am 13. Juli wird die Strecke Pratau–Pretzsch–Torgau eröffnet.

1895: Am 20. Februar eröffnet der Abschnitt Bad Düben–Eilenburg Ost, am 1. Oktober der Abschnitt Pretzsch–Bad Düben.

1924: Die Deutsche Reichsbahn übernimmt die Strecke.

1988: Das Teilstück Eilenburg Ost–Kieswerk wird für den Güterverkehr elektrifiziert.

1998: Zum 18. April wird der Reiseverkehr zwischen Bad Düben und Eilenburg abbestellt.

2000: Der Abschnitt Pretzsch–Torgau wird stillgelegt.

2001: Am 31. Dezember endet der Güterverkehr zwischen Bad Schmiedeberg und Laußig.

2002: Am 28. September werden die Personenzüge zwischen Bad Schmiedeberg und Bad Düben abbestellt.

2005: Im April pachtet die Deutsche Regionaleisenbahn die Strecken Pratau–Torgau und Pretzsch–Eilenburg.

2007: Am 10. Dezember übernimmt der DBV-Förderverein den Reiseverkehr nach Bad Schmiedeberg.

2010: Am 19. Juli wird der Haltepunkt Bad Schmiedeberg Kurkliniken eingeweiht.

2011: Am 25. August wird die Verlängerung bis Söllichau aufgegeben.

2014: Am 19. Dezember stellt Vetter den Verkehr ein.

2017: Als RB 55 fahren erstmals seit 1998 wieder durchgehende Züge nach Eilenburg.

2019: Ende des Jahres wird ein behördliches Betriebsverbot verhängt.

2023: Im Mai erklärt die DRE den Abschnitt Pretzsch–Bad Düben für nicht mehr wirtschaftlich und schreibt ihn zur Abgabe aus.

Häufige Fragen

Wann fuhr der letzte reguläre Personenzug nach Bad Schmiedeberg?
Der Betreiber Vetter stellte den Verkehr am 19. Dezember 2014 ein.
Ist die Strecke stillgelegt?
Nein, zwischen Laußig und Eilenburg Ost fahren Güterzüge, der Abschnitt Pretzsch–Torgau ist dagegen seit 2000 stillgelegt.
Was war das Schmiedeberger Modell?
Ein bedarfsorientierter Ersatzverkehr für Busleistungen auf der Schiene, der ab dem 10. Dezember 2007 zwischen Lutherstadt Wittenberg und Bad Schmiedeberg fuhr.
Fuhren später noch Züge nach Eilenburg?
Im Sommer 2017 fuhren samstags, sonntags und an Feiertagen drei Zugpaare als RB 55 bis Eilenburg, Ende 2019 wurde ein Betriebsverbot verhängt.
Was erklärte die DRE 2023?
Sie sah für den Abschnitt zwischen Pretzsch und Bad Düben keine wirtschaftliche Grundlage mehr für Sanierung und Betrieb und schrieb ihn zur Abgabe aus.

Die Heidebahn hat seit 2014 keinen regulären Personenverkehr mehr, in Laußig und Sprotta rollt weiter der Güterverkehr.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Pretzsch–Eilenburg · Wikipedia: Bahnstrecke Pratau–Torgau

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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