Bebitz–Alsleben: Die Kleinbahn an der Saale und ihre Nachbarhalte

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Bebitz–Alsleben: Die Kleinbahn an der Saale und ihre Nachbarhalte

Von 1905 bis 1995 verband eine Kleinbahn Bebitz mit Alsleben an der Saale. Zusammen mit den Halten Trebitz, Rothenburg und Bernburg-Friedenshall zeigt sie, wie kleine Stationen im Saaletal ihren Personenverkehr verloren.

Das denkmalgeschützte Empfangsgebäude des Bahnhofs Bebitz, Straßenseite, 2020.
Das denkmalgeschützte Empfangsgebäude des Bahnhofs Bebitz, Straßenseite, 2020. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1905
Kleinbahn Bebitz–Beesenlaublingen eröffnet
1908
Verlängerung nach Alsleben
1966
Personenverkehr endet
1995
Stilllegung am 15. August

Strecke: Bebitz–Alsleben, rund 8 Kilometer. Status: Personenverkehr 1966 eingestellt, Strecke 1995 stillgelegt. Gebäude: Die Empfangsgebäude in Bebitz, Beesenlaublingen und Alsleben stehen unter Denkmalschutz.

Die Bahnstrecke Bebitz–Alsleben war eine rund 8 Kilometer lange Kleinbahn, die Bebitz an der Strecke Könnern–Baalberge mit Alsleben an der Saale verband.

Der Personenverkehr endete 1966, 1995 folgte die Stilllegung.

Dieser Beitrag stellt ihre Halte und die stillen Nachbarhalte Trebitz, Rothenburg und Bernburg-Friedenshall vor, außerdem die frühere Kohlebahn Biendorf–Gerlebogk.

Alte freie Fotos der Strecken sind nicht belegt, die Bilder zeigen den Zustand um 2020.

Der Ausgangspunkt Könnern ist ein aktiver Bahnhof, zu ihm gibt es den Beitrag Der Bahnhof Könnern.

Entstehung: Von der Pferdebahn zur Kleinbahn

Die Gegend um Alsleben lebte im 19. Jahrhundert von Landwirtschaft, Fischerei und Schifffahrt, dazu kamen Gipsbruch, Ziegelei, Zuckerfabrik und mehrere Braunkohlegruben.

Die Zeche „Wilhelm“ bei Lebendorf baute eine eigene Bahn bis zur Saale, die am 20. Juli 1858 eröffnete Pferdebahn mit der ungewöhnlichen Spurweite von 733 Millimetern.

Die „Lebendorfer Kohlenbahn“ wurde 1875 bis Trebitz verlängert.

Als die Preußische Staatsbahn am 1. November 1889 die 11,3 Kilometer lange Strecke Könnern–Baalberge eröffnete, führte sie über Bebitz, wo Anschluss an die Kohlenbahn bestand.

Alsleben blieb zunächst ohne Anschluss, weil die dafür nötige Trassenführung als zu kompliziert galt.

Die Kleinbahn-AG Bebitz–Alsleben mit Sitz in Beesenlaublingen wurde am 11. Juli 1905 gegründet.

Der 5,5 Kilometer lange Abschnitt Bebitz–Beesenlaublingen wurde am 15. Dezember 1905 offiziell eröffnet, die Verlängerung bis Alsleben am 13. Mai 1908.

So sah es vorher aus: Die lukrative Kleinbahn

Die Kleinbahn gehörte zu den lukrativsten Kleinbahnen in der Provinz Sachsen, jedes Jahr wurde eine Dividende gezahlt, im zweiten Betriebsjahr lag sie bei über 9 Prozent.

Am 1. Januar 1923 übernahm die Kleinbahnabteilung des Provinzialverbandes Sachsen die Betriebsführung.

1926 ging ein rund 900 Meter langes Anschlussgleis zu einer Mühle in Alsleben in Betrieb, im selben Jahr entstand eine Betriebsgemeinschaft mit der Kleinbahn-AG Könnern–Rothenburg.

1934 wurde an diesem Gleis der neue, stadtnahe Haltepunkt Alsleben (Saale) Stadtmühle eingerichtet, weil Omnibuslinien bis ins Stadtzentrum fuhren.

Die Höchstgeschwindigkeit stieg nach der Sanierung des Oberbaus von 30 auf 40 Kilometer pro Stunde.

1939 besaß die Bahn zwei Dampflokomotiven, einen Triebwagen, zwei Personenwagen, einen Packwagen und neunzehn Güterwagen.

Trebitz: Ein Bedarfshalt

Der Haltepunkt Trebitz lag bei Kilometer 3,9 der Strecke Könnern–Baalberge.

Trebitz war nur ein Bedarfshalt.

Im Dezember 2018 bestellte der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt die Stationen Trebitz und Bebitz ab, weil sie zuletzt nur noch von jeweils rund 10 Fahrgästen am Tag genutzt wurden.

Die Fahrzeit verkürzte sich dadurch um vier Minuten.

Bebitz: Der Abzweigbahnhof

Bebitz bei Kilometer 6,2 war Haltepunkt und Anschlussstelle, hier zweigte die Strecke nach Alsleben ab.

Das Empfangsgebäude steht unter Denkmalschutz, im Dezember 2018 wurden die Empfangsgebäude in Baalberge und Bebitz versteigert.

Im Güterverkehr werden auf der Strecke noch das Flanschenwerk Bebitz und die Zuckerfabrik in Könnern bedient.

Das denkmalgeschützte Empfangsgebäude des Bahnhofs Bebitz, Gleisseite, 2020.
Das denkmalgeschützte Empfangsgebäude des Bahnhofs Bebitz, Gleisseite, 2020. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Gleis Richtung Könnern am Bahnhof Bebitz, rechts zweigte die Strecke nach Alsleben ab, 2020.
Das Gleis Richtung Könnern am Bahnhof Bebitz, rechts zweigte die Strecke nach Alsleben ab, 2020. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Empfangsgebäude Bebitz mit Vorplatz, Blick von Nordwesten, 2020.
Das Empfangsgebäude Bebitz mit Vorplatz, Blick von Nordwesten, 2020. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Beesedau und Beesenlaublingen

Beesedau lag bei Kilometer 3,65 der Strecke nach Alsleben.

Beesenlaublingen bei Kilometer 5,14 war Sitz der Kleinbahngesellschaft.

Das Empfangsgebäude steht unter Denkmalschutz, leer und verfällt (Stand 2020).

Der Bahnhof Beesenlaublingen, frühere Gleisseite, 2020.
Der Bahnhof Beesenlaublingen, frühere Gleisseite, 2020. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnhof Beesenlaublingen, Blick von Südosten, 2020.
Der Bahnhof Beesenlaublingen, Blick von Südosten, 2020. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnhof Beesenlaublingen, frühere Straßenseite, 2020.
Der Bahnhof Beesenlaublingen, frühere Straßenseite, 2020. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Schwellenreste am Bahnhof Beesenlaublingen, 2020.
Schwellenreste am Bahnhof Beesenlaublingen, 2020. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Alsleben: Die Brücke über die Saale

Alsleben (Saale) lag bei Kilometer 7,63, die Station Stadtmühle bei 8,35.

Größtes Problem beim Bau war die Saalebrücke, die Gesellschaft erhöhte deshalb ihr Kapital von 333.000 auf 800.000 Mark.

Im April 1945 wurde der Bahnhof Alsleben bombardiert und die Saalebrücke von der Wehrmacht teilweise gesprengt.

Die Schäden blieben gering, im Juni 1945 wurde nach Reparatur der Brücke der Güterverkehr wieder aufgenommen.

Im alten Alslebener Bahnhof befindet sich ein Kindergarten (Stand 2020), das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Das denkmalgeschützte ehemalige Bahnhofsgebäude Alsleben, heute ein Kindergarten, 2020.
Das denkmalgeschützte ehemalige Bahnhofsgebäude Alsleben, heute ein Kindergarten, 2020. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Rothenburg, Wietschke und Georgsburg

Die 5,4 Kilometer lange Stichstrecke von Könnern nach Rothenburg wurde als Kleinbahn gebaut.

Die Kleinbahn-AG Könnern–Rothenburg wurde 1915 gegründet, der Güterverkehr begann am 28. November, der Personenverkehr am 24. Dezember 1916.

1918 waren täglich drei Zugpaare unterwegs, 1939/40 beförderte die Bahn 242.851 Fahrgäste und 41.481 Tonnen Güter.

Die Halte Wietschke bei Kilometer 1,3 und Georgsburg bei 2,5 lagen zwischen Könnern und Rothenburg.

Am 25. Mai 1963 stellte die Reichsbahn den Personenverkehr ein, als Streckenrangierbezirk wird die Strecke bis heute im Güterverkehr bedient.

Das lange leer stehende Empfangsgebäude des Bahnhofs Rothenburg wurde 2021 abgerissen.

Bernburg-Friedenshall: Der Haltepunkt am Solvay-Werk

Der Haltepunkt Bernburg-Friedenshall lag bei Kilometer 17,6 der Strecke Köthen–Aschersleben.

Er ging am 1. Oktober 1897 als „Solvayhall“ auf Kosten des Solvay-Werks in Betrieb und durfte zunächst nur von Werksangehörigen genutzt werden.

Nach Beschwerden der Bevölkerung wandelten die Preußischen Staatseisenbahnen ihn in eine Eisenbahndienststelle um, am 1. Mai 1911 wurden Abfertigungsgebäude, Expressgutabfertigung und Wartehalle der Öffentlichkeit übergeben.

Die Expressgutabfertigung schloss am 1. Februar 1963, der Fahrkartenverkauf endete 1968.

Bis 1951 hieß der Halt Solvayhall, dann Friedenshall, seit dem 26. September 1958 Bernburg-Friedenshall.

Der Haltepunkt wurde im August 2019 aufgelassen, die Bahnsteiganlagen wurden zurückgebaut.

Im März 2020 ersetzte ihn der neue Haltepunkt Bernburg-Roschwitz.

Der Haltepunkt Bernburg-Friedenshall an der Strecke Köthen–Aschersleben im Jahr 2001.
Der Haltepunkt Bernburg-Friedenshall an der Strecke Köthen–Aschersleben im Jahr 2001. Foto: Axel.Mauruszat, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Biendorf, Preußlitz und Gerlebogk: Die Kohlebahn

Die Bahnstrecke Biendorf–Gerlebogk wurde auch Preußlitzer Kohlebahn genannt.

1853 entstand eine zunächst 7,1 Kilometer lange normalspurige Strecke bis Gerlebogk, die von den Braunkohlegruben finanziert wurde.

Dem öffentlichen Güterverkehr stand sie ab dem 2. April 1857 zur Verfügung.

Der Bahnhof Preußlitz bei Kilometer 4,2 ging erst am 1. September 1910 in Betrieb.

Zum Winterfahrplan am 6. Oktober 1941 wurde der Personenverkehr endgültig eingestellt.

Bis 1950 wurden mit Schutt aus Halle und Magdeburg ausgekohlte Braunkohlefelder verfüllt, der gesamte Schutt kam mit der Bahn.

Bis 1964 gab es noch Güterverkehr, danach wurden die Gleise abgebaut.

Niedergang: Vom Reichsbahnbetrieb zur Stilllegung

Am 1. April 1949 gingen die Kleinbahnen auf die Deutsche Reichsbahn über.

Diese stellte auf der Strecke Bebitz–Alsleben den Personenverkehr am 21. Mai 1966 ein.

Der Güterverkehr endete am 31. Dezember 1994, stillgelegt wurde die Strecke am 15. August 1995.

Die Gleise der Strecke wurden nach der Stilllegung abgebaut.

1853: Die Bahn nach Gerlebogk entsteht, dem öffentlichen Güterverkehr steht sie ab 2. April 1857 zur Verfügung.

1858: Am 20. Juli wird die Lebendorfer Kohlenbahn als Pferdebahn eröffnet.

1889: Am 1. November eröffnet die Staatsbahn Könnern–Baalberge.

1897: Am 1. Oktober geht der Haltepunkt Solvayhall in Betrieb.

1905: Am 15. Dezember wird der Abschnitt Bebitz–Beesenlaublingen eröffnet.

1908: Am 13. Mai wird die Verlängerung bis Alsleben eröffnet.

1911: Am 1. Mai wird der Haltepunkt in Friedenshall der Öffentlichkeit übergeben.

1916: Am 28. November beginnt der Güterverkehr auf der Strecke Könnern–Rothenburg, am 24. Dezember der Personenverkehr.

1941: Am 6. Oktober endet der Personenverkehr nach Gerlebogk.

1963: Am 25. Mai endet der Personenverkehr nach Rothenburg.

1966: Am 21. Mai endet der Personenverkehr nach Alsleben.

1995: Am 15. August wird die Strecke Bebitz–Alsleben stillgelegt.

2018: Im Dezember werden die Stationen Trebitz und Bebitz abbestellt.

2019: Im August wird der Haltepunkt Bernburg-Friedenshall aufgelassen.

2021: Das Empfangsgebäude Rothenburg wird abgerissen.

Wann wurde die Strecke Bebitz–Alsleben eröffnet?
Der erste Abschnitt bis Beesenlaublingen am 15. Dezember 1905, die Verlängerung bis Alsleben am 13. Mai 1908.
Wann fuhr der letzte Personenzug nach Alsleben?
Die Reichsbahn stellte den Personenverkehr am 21. Mai 1966 ein.
Wann wurde die Strecke stillgelegt?
Am 15. August 1995, nachdem der Güterverkehr am 31. Dezember 1994 geendet hatte.
Was geschah mit den Stationen Trebitz und Bebitz?
Sie wurden im Dezember 2018 abbestellt, weil sie nur noch von rund 10 Fahrgästen am Tag genutzt wurden.
Wodurch wurde der Haltepunkt Bernburg-Friedenshall ersetzt?
Durch den im März 2020 eröffneten Haltepunkt Bernburg-Roschwitz.

Die Gebäude in Bebitz, Beesenlaublingen und Alsleben stehen unter Denkmalschutz, die Gleise der Kleinbahn sind abgebaut.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Bebitz–Alsleben · Wikipedia: Bahnstrecke Könnern–Baalberge · Wikipedia: Bahnstrecke Könnern–Rothenburg · Wikipedia: Haltepunkt Bernburg-Friedenshall · Wikipedia: Bahnstrecke Biendorf–Gerlebogk

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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