Die Feldabahn: Von Dorndorf nach Kaltennordheim

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Feldabahn: Von Dorndorf nach Kaltennordheim

Die Feldabahn war die erste Meterspurstrecke für den öffentlichen Verkehr in Deutschland. Der Abschnitt Dorndorf–Kaltennordheim wurde 2003 stillgelegt und später abgebaut.

Werkfoto der Lokomotive Dermbach der Feldabahn.
Werkfoto der Lokomotive Dermbach der Feldabahn. Foto: unbekannter Autor, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1879
Erste Meterspurbahn im öffentlichen Verkehr
1934
Umspurung auf Regelspur
1997
Personenverkehr endet
2003
Stilllegung

Strecke: Dorndorf–Kaltennordheim, knapp 28 Kilometer. Status: stillgelegt, Gleise 2008 und 2016 abgebaut. Heute: Auf einem großen Teil der Trasse entstand ein Radweg.

Die Feldabahn war ursprünglich Teil einer Schmalspurbahn von Bad Salzungen nach Kaltennordheim mit einem Abzweig von Dorndorf nach Vacha.

Gebaut hat sie die Lokomotivfabrik Krauss & Comp., ab dem 1. Juli 1880 war sie in ihrer gesamten Länge befahrbar.

Nach dem Umbau der Strecke Bad Salzungen–Vacha 1906 bezeichnete der Name nur noch den Abschnitt Dorndorf–Kaltennordheim im Tal der Felda.

Er war knapp 28 Kilometer lang und wurde 2003 stillgelegt.

Freie Fotos aus der Schmalspurzeit liegen nicht vor, das älteste Bild dieses Beitrags ist ein Werkfoto einer Lokomotive von 1899.

So sah es vorher aus: Das Feldatal ohne Schiene

Als die Feldabahn gebaut wurde, war sie die erste Meterspurstrecke für den öffentlichen Verkehr in Deutschland.

Sie ähnelte weitgehend einer Straßenbahn: Etwa 60 Prozent der Gleise wurden auf die bereits vorhandene Chaussee gelegt, nur Schienenstöße und Schwellen wurden befestigt.

Das senkte die Baukosten erheblich.

Die Strecke hatte 175 Krümmungen und Kurven und 18 Haltepunkte, Bahnhöfe baute man nur in den größeren Orten.

Im Feldatal betrug die Steigung bis zu 1:25.

Die Eröffnung 1879 und 1880

Die Betriebsaufnahme erfolgte in mehreren Schritten.

Am 1. Juni 1879 begann der Güterverkehr zwischen Salzungen und Stadtlengsfeld, am 22. Juni 1879 folgte der Personenverkehr.

Am 10. August 1879 wurde die Strecke Dorndorf–Vacha eröffnet, am 6. Oktober 1879 der Abschnitt Lengsfeld–Dermbach.

Der Abschnitt Dermbach–Kaltennordheim ging am 22. Juni 1880 für den Güterverkehr in Betrieb, am 1. Juli 1880 für den Personenverkehr.

Kaltennordheim begann schon 1878 mit dem Bau der Bahn und erwartete viel von dem neuen Transportmittel.

Am 1. Januar 1891 übernahm die Localbahn Actiengesellschaft mit Sitz in München die Betriebsführung, die Gesellschaft bestand seit dem 9. Februar 1887.

1880 standen drei Tenderlokomotiven, 19 Güterwagen und sieben Personenwagen zur Verfügung.

1899 wurde mit der Dermbach eine weitere Lokomotive gekauft.

Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Werra- und Feldatal umfangreiche Kalivorkommen entdeckt wurden, half die Bahn beim Aufbau der Schachtanlagen und beim Abtransport der Produkte.

Sie stieß dabei schnell an ihre Leistungsgrenzen.

Dorndorf: Der Beginn der Strecke

Die Feldabahn begann in Dorndorf an der Bahnstrecke Bad Salzungen–Unterbreizbach.

Bei Kilometer 0,5 lag ein Anschluss zur Chemischen Fabrik Ost.

Von 1906 bis 1934 war Dorndorf als Spurwechselbahnhof angelegt, weil hier die regelspurige Strecke Salzungen–Vacha auf die schmalspurige Feldabahn traf.

Dietlas: Anschluss für das Maschinenwerk

Der Haltepunkt Dietlas lag bei Kilometer 3,0.

Bei Kilometer 2,9 zweigte ein Anschluss zu den Bergwerksmaschinen Dietlas ab.

Das Werk hatte einen Gleisanschluss an die Feldabahn.

Die Feldabahn in Dietlas, 2009.
Die Feldabahn in Dietlas, 2009. Foto: Metilsteiner, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Im Frühjahr 2009 noch vorhandener Gleisabschnitt südlich von Dietlas.
Im Frühjahr 2009 noch vorhandener Gleisabschnitt südlich von Dietlas. Foto: Metilsteiner, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Noch vorhandener unbeschrankter Bahnübergang südlich von Dietlas, 2009.
Noch vorhandener unbeschrankter Bahnübergang südlich von Dietlas, 2009. Foto: Metilsteiner, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Menzengraben: Haltepunkt der Kalischächte

Der Haltepunkt Menzengraben lag bei Kilometer 5,9.

Die Bergarbeitersiedlung Menzengraben wurde erst 1911 gegründet, Anlass war der Aufbau der Schachtanlagen Großherzog von Sachsen II und III.

Die Schächte besaßen einen eigenen Haltepunkt an der Feldabahn sowie Gleisanlagen für Material und Kalisalztransport.

Der Haltepunkt wurde in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg eingerichtet und diente vorrangig dem Berufsverkehr.

Die Feldabrücke etwa einen Kilometer nördlich von Stadtlengsfeld.
Die Feldabrücke etwa einen Kilometer nördlich von Stadtlengsfeld. Foto: Metilsteiner, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Stadtlengsfeld: Anschluss ab 1879

Stadtlengsfeld erhielt durch den Bau der Feldabahn 1879 einen Bahnanschluss.

Der Bahnhof lag bei Kilometer 7,1.

1946 wurden auf den Bahnhöfen Stadtlengsfeld und Dermbach einige Nebengleise ausgebaut.

Das Viadukt südlich von Stadtlengsfeld in der Feldatalaue.
Das Viadukt südlich von Stadtlengsfeld in der Feldatalaue. Foto: Metilsteiner, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Weilar und Hartschwinden

Der Bahnhof Weilar-Urnshausen lag bei Kilometer 11,5, der Haltepunkt Hartschwinden bei Kilometer 13,9.

Hartschwinden wurde seit dem Zweiten Weltkrieg bedient.

Für das etwa zehn Kilometer lange Reststück Dorndorf–Weilar gab es später das Projekt einer Draisinenbahn, das sich jedoch zerschlug.

Feldabahn, Personenzug in Weilar, 1994.
Feldabahn, Personenzug in Weilar, 1994. Foto: Gunnar1m, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Dermbach: Der Bahnhof am Busbahnhof

Der Bahnhof Dermbach lag bei Kilometer 17,3.

Seit 1879 reichte die Strecke von Lengsfeld bis hierher, der Abschnitt nach Kaltennordheim folgte 1880.

Die Gleisanlagen wurden 2008 demontiert.

Im Bereich des ehemaligen Dermbacher Bahnhofs liegt heute das Gewerbegebiet Untere Röde, dort befindet sich auch der Busbahnhof.

Zella (Rhön)

Zella hatte einen eigenen Bahnhof bei Kilometer 21,7.

Der Betrieb wurde 2003 eingestellt, 2008 wurde die Gleisanlage zurückgebaut.

Die nächsten Bahnhöfe liegen seitdem in Bad Salzungen und in Wasungen.

Diedorf-Fischbach: Haltepunkt im Feldatal

Der Halt Diedorf-Fischbach lag bei Kilometer 24,1.

Der Personenverkehr wurde zum 31. Mai 1997 eingestellt.

Bei Kilometer 25,3 bis 25,9 zweigte ein Anschluss zu einem Basaltwerk ab.

Der ehemalige Haltepunkt ist heute ein Wohnhaus, durch den Ort verläuft der Feldatalradweg.

Der ehemalige Haltepunkt Diedorf-Fischbach.
Der ehemalige Haltepunkt Diedorf-Fischbach. Foto: Metilsteiner, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Bahndamm und Feldweg-Überführung in Diedorf im Feldatal.
Bahndamm und Feldweg-Überführung in Diedorf im Feldatal. Foto: Metilsteiner, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Kaltennordheim: Endpunkt auf 436 Metern

Der Bahnhof Kaltennordheim lag bei Kilometer 27,7 auf 436 Metern Höhe.

Bis 1997 war die Stadt der Endpunkt der Feldabahn, die den Ort mit Bad Salzungen verband.

Ein mehrfach geforderter Ausbau der Strecke mit Anschluss an die Bahnstrecke Mellrichstadt–Fladungen und an die Exklave Ostheim vor der Rhön wurde von der großherzoglichen Verwaltung als unwirtschaftlich bewertet.

2008 wurden die Gleisanlagen zurückgebaut und der Bahnhof des Ortes abgerissen.

Seitdem sichern Linienbusse den öffentlichen Verkehr.

Der Umbau auf Regelspur

1906 wurde der Abschnitt zwischen Vacha und Salzungen im Zuge des Baues der Werratalbahn Gerstungen–Salzungen auf Regelspur umgebaut.

Zuvor hatte der preußische Staat die nicht auf seinem Territorium liegende Bahn gekauft und 1904 die Betriebsführung übernommen.

Der Abschnitt Dorndorf–Kaltennordheim blieb zunächst schmalspurig.

Pläne zum Umbau wurden immer wieder verworfen oder durch den Ersten Weltkrieg und seine Folgen zunichtegemacht.

1928 begannen die Bauarbeiten als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, sie dauerten sechs Jahre, dabei waren auch 30 Brücken zu errichten.

Der Eröffnungszug fuhr am 7. Oktober 1934, tags zuvor ging die Schmalspurbahn nach 54 Betriebsjahren außer Dienst.

Das Ende: Wende, Stilllegung 2003 und Abbau

Bis 1990 herrschte auf der Strecke starker Berufs- und Güterverkehr, bedingt durch die Kaliwerke im Werratal und viele kleinere Industriebetriebe.

Nach der deutschen Wiedervereinigung brach er fast vollständig zusammen.

Der Güterverkehr nach Kaltennordheim endete offiziell zum 31. Dezember 1994, der Personenverkehr am 31. Mai 1997.

In den Folgejahren verkehrten noch einige dampflokbespannte Sonderzüge, letztmals an Christi Himmelfahrt 2002.

Am 31. August 2003 wurde die Feldabahn endgültig stillgelegt.

Von Ende Januar bis Juli 2008 wurden die Gleise zwischen dem Ortseingang Weilar und Kaltennordheim abgebaut.

2011 stellte sich ein Investor vor, der alte Dampfloks in England restaurieren lässt und eine Strecke suchte, auf der er sie fahren lassen kann.

Die Gemeinden Dorndorf, Stadtlengsfeld und Weilar arbeiteten dafür gemeinsam einen Nutzungsvertrag für die Bahntrasse aus, das Vorhaben wurde nicht umgesetzt.

Im Herbst 2016 erfolgte der Abbau der restlichen Gleise.

Auf einem großen Teil der Trasse entstand ein Radweg.

1878: In Kaltennordheim beginnt der Bau der Bahn.

1. Juni 1879: Salzungen–Stadtlengsfeld geht im Güterverkehr in Betrieb.

22. Juni 1879: Der Personenverkehr Salzungen–Stadtlengsfeld beginnt.

10. August 1879: Dorndorf–Vacha wird eröffnet.

6. Oktober 1879: Lengsfeld–Dermbach wird eröffnet.

22. Juni 1880: Dermbach–Kaltennordheim geht im Güterverkehr in Betrieb.

1. Juli 1880: Der Personenverkehr nach Kaltennordheim beginnt.

1. Januar 1891: Die Localbahn Actiengesellschaft übernimmt die Betriebsführung.

1904: Der preußische Staat übernimmt die Betriebsführung.

1906: Vacha–Salzungen wird auf Regelspur umgebaut.

1928: Die Umspurung von Dorndorf–Kaltennordheim beginnt.

7. Oktober 1934: Der Eröffnungszug fährt auf Regelspur, die Schmalspurbahn endet am Vortag.

31. Dezember 1994: Der Güterverkehr nach Kaltennordheim endet offiziell.

31. Mai 1997: Der Personenverkehr endet.

31. August 2003: Die Feldabahn wird endgültig stillgelegt.

Januar bis Juli 2008: Die Gleise zwischen Weilar und Kaltennordheim werden abgebaut.

Herbst 2016: Die restlichen Gleise werden abgebaut.

Was war das Besondere an der Feldabahn?
Sie war die erste Meterspurstrecke für den öffentlichen Verkehr in Deutschland.
Wie lang war die Strecke?
Der Abschnitt Dorndorf–Kaltennordheim war knapp 28 Kilometer lang.
Wann wurde sie auf Regelspur umgebaut?
Der Eröffnungszug fuhr am 7. Oktober 1934, die Bauarbeiten hatten 1928 begonnen.
Wann endete der Personenverkehr?
Am 31. Mai 1997, die Feldabahn wurde am 31. August 2003 stillgelegt.
Was ist aus der Trasse geworden?
Die Gleise wurden 2008 und 2016 abgebaut, auf einem großen Teil der Trasse entstand ein Radweg.
Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Dorndorf–Kaltennordheim · Wikipedia: Bahnhof Dorndorf (Rhön) · Wikipedia: Dietlas · Wikipedia: Menzengraben · Wikipedia: Stadtlengsfeld · Wikipedia: Weilar · Wikipedia: Hartschwinden · Wikipedia: Dermbach · Wikipedia: Zella/Rhön · Wikipedia: Diedorf (Dermbach) · Wikipedia: Kaltennordheim

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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