Das Gründerla: Die Schmalspurbahn von Eisfeld nach Schönbrunn

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Das Gründerla: Die Schmalspurbahn von Eisfeld nach Schönbrunn

Das Gründerla führte als Meterspurbahn knapp 18 Kilometer von Eisfeld ins Schleusetal. 1967 endete der Personenverkehr, 1973 der Güterverkehr, 1974 war die Strecke abgebaut.

Die Lokomotive 99 223, Foto etwa zwischen 1930 und 1940.
Die Lokomotive 99 223, Foto etwa zwischen 1930 und 1940. Foto: Unknown author Unknown author, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1890
Eröffnung
1967
Personenverkehr endet
1973
Güterverkehr endet
1974
Rückbau abgeschlossen

Strecke: Eisfeld–Schönbrunn, 17,8 Kilometer, Spurweite 1.000 Millimeter. Status: stillgelegt und abgebaut. Heute: Auf Teilen der Trasse verlaufen Rad- und Wanderwege.

Die Schmalspurbahn Eisfeld–Schönbrunn war eine knapp 18 Kilometer lange Strecke, die Eisfeld mit dem mittleren Schleusetal verband.

Weil die Endstation im Schleusegrund lag, nannte die Bevölkerung die Bahn „Gründerla“.

Die Spurweite betrug 1.000 Millimeter.

Der Personenverkehr endete am 23. September 1967, der Güterverkehr 1973, im April 1974 war der Rückbau abgeschlossen.

Freie Fotos aus der Betriebszeit sind selten, das älteste Bild dieses Beitrags zeigt eine Lokomotive aus den Jahren 1930 bis 1940.

So sah es vorher aus: Eisfeld und das Schleusetal

Die Lokalbahn war eine Meiningsche Staatsbahn, weil das Herzogtum Sachsen-Meiningen die Baukosten von 625.000 Mark zum größten Teil trug.

Bau und Betrieb übernahm nach einem Vertrag vom 16. Juni 1886 die Lokalbahnbau- und Betriebs-Gesellschaft der Baufirma Hostmann & Co. aus Hannover.

Die Gesamtstrecke bis zum damaligen Unterneubrunn ging am 1. Mai 1890 in Betrieb.

Wohl im Winter 1890/91 übernahm Vering & Waechter die Betriebsführung.

Am 27. Mai 1895 ging die Bahn durch Kauf in preußisches Staatseigentum über.

Ab 1920 gehörte sie zum Netz der Deutschen Reichsbahn und zur Reichsbahndirektion Erfurt.

Der Verlauf: Von Eisfeld ins Schleusetal

Die Endstation lag auf der nördlichen Seite des Bahnhofes der Werrabahn in Eisfeld, im Bereich des heutigen Vorplatzes.

Anfangs verlief die Strecke parallel zur Hauptbahn und überquerte mit ihr die Werra auf einer verbreiterten Brücke.

Dann knickte sie nach Norden ab und umfuhr Eisfeld im Westen parallel zur Hildburghäuser Straße.

Die Schleusinger Straße kreuzte sie auf dem Weg nach Schönbrunn insgesamt fünfmal.

Vor Brünn, das nördlich umfahren wurde, folgte die Bahn dem Waisagrund.

Bis Schönbrunn folgte sie der Schleuse nur auf deren linker Seite, obwohl das technisch aufwendiger war, da das rechte Ufer zum preußischen Landkreis Schleusingen gehörte.

Eisfeld Stadt: Haltepunkt im Fachwerkhaus

Der Haltepunkt Eisfeld Stadt lag bei Kilometer 1,78 auf 456,5 Metern Höhe.

Sein Empfangsgebäude ist erhalten.

Im Westen Eisfelds verläuft die Straße Am Thomasberg auf der Trasse der Bahn.

Einige Kilometersteine und die Stahlträgerbrücke über die Bergstraße sind erhalten, die meisten anderen Reste wurden durch den Neubau der Bundesstraße B 89 und den Abriss der Bahnanlagen am Bahnhof Eisfeld beseitigt.

Das Fachwerkhaus an der Straße Am Thomasberg war früher das Empfangsgebäude des Haltepunkts Eisfeld Stadt.
Das Fachwerkhaus an der Straße Am Thomasberg war früher das Empfangsgebäude des Haltepunkts Eisfeld Stadt. Foto: Bohemiaworks, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Brücke über die Bergstraße, letzte Spuren der Schmalspurbahn in Eisfeld.
Die Brücke über die Bergstraße, letzte Spuren der Schmalspurbahn in Eisfeld. Foto: Bohemiaworks, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Brünn: Bahnhof am Ortseingang

Der Bahnhof Brünn lag bei Kilometer 5,81 auf 437 Metern Höhe.

Ab dem am Ortseingang gelegenen, inzwischen bewohnten Bahnhof ist die Trasse noch vorhanden und dient als Radweg bis Brattendorf.

Eine kleinere Brücke blieb stehen.

Zu den Güterkunden der Bahn gehörte eine Metallweberei in Brünn.

Die Schmalspurbahn wurde 1973 stillgelegt und abgebaut.

Brattendorf: Bahnhof, Haltepunkt und Porzellanfabrik

Der Bahnhof Brattendorf lag bei Kilometer 8,13 auf 443 Metern Höhe.

Von 1890 bis 1967 hielten dort Personenzüge der Strecke.

Erhalten blieben der Bahnhof, einige Prellsteine, Kilometersteine und ein Geschwindigkeitsvoranzeiger.

Am Haltepunkt Brattendorf-Porzellanfabrik bei Kilometer 8,95 ist die Bahnsteigkante erkennbar.

Die Porzellanfabrik in Brattendorf gehörte zu den Güterkunden.

Bei Kilometer 9,60 lag bis 1922 der Haltepunkt Roter Haag, dort gab es eine Ziegelei.

Ehemaliger Bahnhof Brattendorf, Gemeinde Auengrund.
Ehemaliger Bahnhof Brattendorf, Gemeinde Auengrund. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Schwarzbach: Der höchste Punkt

Der Bahnhof Schwarzbach lag bei Kilometer 11,0 auf 494,71 Metern Höhe und war die höchste Station der Strecke.

Er lag am östlichen Rand der Gemeinde.

Im Waldgebiet vom Haltepunkt Roter Haag bis nach Schwarzbach ist der Bahndamm erhalten geblieben.

Das Bahnhofsgebäude in der Bahnhofstraße 40 ist heute ein Wohngebäude, nach anderer Darstellung wird es als Gasthaus und Pension genutzt.

Bahndamm im Waldgebiet zwischen Waldau und Schwarzbach.
Bahndamm im Waldgebiet zwischen Waldau und Schwarzbach. Foto: Bohemiaworks, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ehemaliges Bahnhofsgebäude, Bahnhofstraße 40 in Schwarzbach.
Ehemaliges Bahnhofsgebäude, Bahnhofstraße 40 in Schwarzbach. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Biberau: Der Abstieg ins Tal

Der Bahnhof Biberau lag bei Kilometer 14,41 auf 422 Metern Höhe und hieß bis 1950 Lichtenau.

Die Strecke verlief dort größtenteils im Bereich der Straße.

Bahngebäude und Bahnsteige wurden beim Umbau der Kreuzung komplett entfernt, erhalten blieb eine kleine Brücke.

Zu den Güterkunden zählte die Glasfabrik in Biberau.

Bis Anfang der 1970er Jahre bestand im Ortsteil Lichtenau Anschluss an die Schmalspurbahn.

Schönbrunn: Endstation im Schleusegrund

Der Endbahnhof Schönbrunn lag bei Kilometer 17,82 auf 452 Metern Höhe und hieß bis 1950 Unterneubrunn.

Zu den Güterkunden zählte die Glasfabrik in Schönbrunn.

Vom ehemaligen Bahnhofsgelände sind das Bahnhofsgebäude und das Fundament des Wasserhauses am Ufer der Schleuse erhalten.

Ab Biberau bis Schönbrunn wird die Trasse als Wanderweg genutzt, in Schönbrunn führt der Mühlgrabenweg über die einstige Trasse.

Ehemaliger Bahnhof Schönbrunn, Gemeinde Schleusegrund.
Ehemaliger Bahnhof Schönbrunn, Gemeinde Schleusegrund. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Zug und Fahrzeuge

Zu Beginn verkehrten drei Reisezugpaare täglich, ab 1938 vier und nach 1957 meist drei.

Besonders für den Güterverkehr war die Strecke bedeutsam, von Anfang an wurden normalspurige Wagen mit Rollböcken befördert.

1926 wurde auf den Betrieb mit Rollwagen umgestellt, danach durften nur zweiachsige Normalspurwagen transportiert werden.

In den 1950er Jahren fuhren Güterzüge mit Vorspann und bis zu 440 Tonnen Gesamtlast.

1970 verkehrten meist vier Güterzüge täglich.

Zuerst fuhren zwei Lokomotiven, die später als Gattung pr. T 31.1 bezeichnet wurden.

1930/31 wurden eigens für die Strecke drei Einheitslokomotiven der Baureihe 99.22 gebaut, zwei davon wurden 1944 nach Norwegen überstellt und kehrten nicht zurück.

Bei der Betriebseinstellung waren noch die Lokomotiven 99 231, 235, 236 und 237 im Einsatz, sie wurden zur Harzquerbahn abtransportiert.

Alle Fahrzeuge außer den Rollwagen wurden mit der automatischen Janney-Kupplung gekuppelt, die in Deutschland nur auf den Schmalspurbahnen Eisfeld–Schönbrunn und Hildburghausen–Lindenau-Friedrichshall verwendet wurde.

Der Krieg und das Ende der Strecke

1945 wurde die Werrabrücke bei Eisfeld gesprengt, die Schmalspurzüge fuhren danach über die Brücke der Werratalbahn, bis 1950 die alte Brücke wiederhergestellt war.

Ab April 1946 wurde die Strecke auf sowjetischen Befehl von Unterneubrunn ausgehend demontiert.

Bei Streckenkilometer 13,06 kamen die Arbeiten durch die Intervention der Anlieger zum Stehen, der Befehl wurde aufgehoben und die Strecke durfte wieder aufgebaut werden.

Unzureichender Streckenunterhalt führte am 23. September 1967 zur Einstellung des Personenverkehrs.

Am 1. Dezember 1970 wurde die Strecke in ein Streckenrangiergleis mit drei Rangierbezirken umgewandelt.

Der Güterverkehr wurde am 31. März 1973 eingestellt.

Der Streckenrückbau war im April 1974 abgeschlossen.

So sieht es jetzt aus

Der Verlauf der Bahnstrecke ist größtenteils noch gut erkennbar, an einigen Stellen wurde alles entfernt oder überbaut.

Durch den Waldabschnitt von Schwarzbach bis Waldau ist die Trasse in gutem Zustand mit intakten Wasserdurchlässen und einigen Kilometersteinen.

Mehrere Schmalspurwagen, die auf der Strecke eingesetzt waren, besitzt der Eisenbahnverein Interessengemeinschaft Hirzbergbahn mit Vereinssitz in Georgenthal.

16. Juni 1886: Der Bau- und Betriebsvertrag wird geschlossen.

1. Mai 1890: Die Gesamtstrecke Eisfeld–Unterneubrunn geht in Betrieb.

27. Mai 1895: Die Bahn geht in preußisches Staatseigentum über.

1920: Die Bahn gehört zur Deutschen Reichsbahn.

1926: Der Betrieb wird auf Rollwagen umgestellt.

1930/31: Drei Lokomotiven der Baureihe 99.22 werden gebaut.

1945: Die Werrabrücke bei Eisfeld wird gesprengt.

April 1946: Die sowjetisch befohlene Demontage beginnt und wird bei Kilometer 13,06 gestoppt.

1950: Die alte Werrabrücke ist wiederhergestellt.

23. September 1967: Der Personenverkehr wird eingestellt.

1. Dezember 1970: Die Strecke wird Streckenrangiergleis.

31. März 1973: Der Güterverkehr endet.

April 1974: Der Rückbau ist abgeschlossen.

Warum heißt die Bahn Gründerla?
Weil die Endstation im Schleusegrund lag, nannte die Bevölkerung die Bahn so.
Wie lang war die Strecke?
Die Strecke war knapp 18 Kilometer lang, genau 17,8 Kilometer.
Wann endete der Personenverkehr?
Am 23. September 1967.
Wann endete der Güterverkehr?
Am 31. März 1973, der Rückbau war im April 1974 abgeschlossen.
Wo lag der höchste Punkt?
Im Bahnhof Schwarzbach auf 494,71 Metern Höhe.
Was ist heute von der Strecke zu sehen?
Der Verlauf ist größtenteils noch erkennbar, auf Teilen verlaufen Rad- und Wanderwege.
Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Schmalspurbahn Eisfeld–Schönbrunn · Wikipedia: Brünn/Thür. · Wikipedia: Brattendorf · Wikipedia: Biberau · Wikipedia: Schwarzbach (Auengrund) · Wikipedia: Schleusegrund

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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