Frose–Quedlinburg: Die Nebenbahn „Balkan“ und ihre stillen Halte
Die Strecke von Frose nach Quedlinburg fuhr 136 Jahre lang. 2004 wurde der Abschnitt Frose–Gernrode stillgelegt, das Stück Gernrode–Quedlinburg fährt seit 2006 als Teil der Selketalbahn.

Strecke: Frose–Gernrode–Quedlinburg, normalspurig. Status: Der Abschnitt Frose–Gernrode wurde zum 31. Juli 2004 stillgelegt. Selketalbahn: Gernrode–Quedlinburg ist umgebaut auf Meterspur und seit dem 26. Juni 2006 wieder in Betrieb.
Die Bahnstrecke Frose–Quedlinburg war eine normalspurige Nebenbahn am Nordrand des Harzes und hieß im Volksmund „Balkan“.
Sie führte von Frose über Gernrode nach Quedlinburg und wurde 2004 stillgelegt.
Der Abschnitt Gernrode–Quedlinburg wurde anschließend von den Harzer Schmalspurbahnen auf Meterspur umgebaut und ist seit dem 26. Juni 2006 Teil der Selketalbahn.
Dieser Beitrag stellt die Halte des stillgelegten Abschnitts Frose–Gernrode vor, Gernrode, Bad Suderode, Quarmbeck und Quedlinburg gehören zur Selketalbahn und sind in Betrieb.
Alte freie Fotos aus der Betriebszeit sind nicht belegt, die Bilder zeigen den Zustand nach der Stilllegung.
Entstehung: Eine Auflage für die Sommerresidenz
Am 28. Juli 1864 erhielt die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft vom Herzogtum Anhalt die Genehmigung zum Kauf der Anhalt-Cöthen-Bernburger Eisenbahn-Gesellschaft und die Konzession für die Strecke Halberstadt–Aschersleben–Bernburg–Halle.
Zur Konzession gehörte die Auflage, eine Zweigbahn von Frose nach Ballenstedt zur Sommerresidenz der anhaltischen Herzöge zu bauen.
1865 begannen die Arbeiten, der Krieg zwischen Preußen und Österreich 1866 verzögerte sie.
Am 7. Januar 1868 wurde die Strecke Frose–Ballenstedt Schloß, später Ballenstedt West, feierlich eröffnet.
1878 wurde die Strecke zur Nebenbahn abgestuft.
Am 1. Juli 1885 wurde die Verlängerung bis Quedlinburg in Betrieb genommen, ein weiterer Artikel nennt den 1. Juli 1886.
1887 ging die schmalspurige Selketalbahn in Betrieb, die in Gernrode an die Normalspurstrecke aus Frose anschloss.
Wegen des knappen Lichtraumprofils war ein Rollbock- oder Rollwagenverkehr nicht möglich, die Güter mussten in Gernrode umgeladen werden.
So sah es vorher aus: Zwei Strecken, ein Bahnhof
Der Quedlinburger Bahnhof wurde 1863 als Durchgangsbahnhof gebaut.
Im Jahresfahrplan 2003 standen unter der Kursbuchstrecke 332 Quedlinburg–Gernrode–Aschersleben acht täglich verkehrende Zugpaare zwischen Quedlinburg und Aschersleben.
Wegen der Streckenführung mussten diese Züge in Frose die Fahrtrichtung wechseln.
Weitere Züge verdichteten werktags das Angebot zwischen Quedlinburg und Ballenstedt Ost zu einem Stundentakt.
Reinstedt: Der Haltepunkt am Rand
Reinstedt lag bei Kilometer 3,27 hinter der Autobahn A 36.
Der Bahnhof ist inzwischen stillgelegt.
Weitere Einzelheiten zum Halt sind nicht belegt.

Ermsleben: Der Bahnhof an der Selke
Ermsleben liegt bei Kilometer 7,84, kurz hinter der Querung der Selke.
Der Bahnhof liegt an der Strecke, auf der seit 2004 kein Zug mehr fährt.
Am 13. Dezember 2003 wurde der Betrieb zwischen Aschersleben und Ermsleben eingestellt.
Im Juni 2012 wurde der Bahnübergang in Ermsleben asphaltiert, nachdem die Schienen herausgetrennt worden waren.


Meisdorf: Nur ein Haltepunkt
Meisdorf lag bei Kilometer 10,56 zwischen Ermsleben und Ballenstedt.
Weitere Einzelheiten zum Halt sind nicht belegt.
Ballenstedt Ost und die Lokhalle
Ballenstedt Ost bei Kilometer 13,51 hieß bis 1922 Ballenstedt Stadt.
Am 28. Juni 2003 wurde das Stellwerk Ballenstedt Ost durch Brandstiftung stark beschädigt.
Die Deutsche Bahn unternahm keine Reparatur, entsprechende Anfragen der Landkreise wurden zurückgewiesen.
Stattdessen wurde der Schienenersatzverkehr zwischen Ermsleben und Gernrode aufrechterhalten, gleichzeitig begannen die Vorbereitungen zur Stilllegung.



Ballenstedt West: Der Schlossbahnhof
Ballenstedt West bei Kilometer 15,38 hieß bis 1922 Ballenstedt Schloss und war 1868 der Endpunkt der ersten Strecke.
Der Bahnverkehr in Ballenstedt wurde am 13. Dezember 2003 eingestellt.
2016 wurden fast sämtliche Schienen zwischen Gernrode und Ballenstedt entfernt.
Auf der ehemaligen Trasse in Richtung Gernrode wurde für 800.000 Euro ein Radweg ausgebaut.


Rieder: Der Haltepunkt vor Gernrode
Rieder (Harz) lag bei Kilometer 19,43.
Der Haltepunkt gehörte zu der Strecke, die 2004 vom Land Sachsen-Anhalt stillgelegt wurde.
Heute verbinden zwei Buslinien Rieder mit Quedlinburg, Ballenstedt, Thale und Aschersleben.


Niedergang: Vom letzten Güterzug zur Stilllegung
1951 wurden von der Strecke Oberbaustoffe für den Berliner Außenring gewonnen, Nebengleise wurden demontiert und Schienen der Bauform S49 durch schwächere der Bauform S33 ersetzt.
Dadurch sanken die zulässigen Achsfahrmassen und die Streckengeschwindigkeit, die Fahrzeiten wurden länger.
Zwischen Gernrode und Frose fuhr seit dem 1. Januar 1998 kein Güterzug mehr, zwischen Quedlinburg und Gernrode seit dem 10. Juni 2001.
Am 13. Dezember 2003 wurde der Betrieb zwischen Aschersleben und Ermsleben eingestellt, am 31. Januar 2004 fuhr der letzte Zug zwischen Gernrode und Quedlinburg.
Zum 31. Dezember 2004 bestellte das Land den Verkehr zwischen Quedlinburg und Aschersleben formal ab, nachdem das parallele Busangebot ausgebaut worden war.
Am 15. Juni 2004 genehmigte das Eisenbahn-Bundesamt die Stilllegung des Abschnitts Frose–Gernrode, juristisch vollzogen wurde sie am 31. Juli 2004.
So sieht es jetzt aus: Radweg und Schmalspur
An einigen Bahnübergängen wurden die Schienen herausgetrennt und der Übergang asphaltiert.
Der Baubeginn für einen Radweg zwischen Ballenstedt und Rieder war im Frühjahr 2019.
Der Abschnitt Quedlinburg–Gernrode wurde nach dem Kauf durch die Harzer Schmalspurbahnen auf Meterspur umgebaut, das Land Sachsen-Anhalt förderte das Vorhaben mit 6,5 Millionen Euro.
Die Bauarbeiten begannen am 18. April 2005, am 17. Februar 2006 wurde die Strecke freigegeben und am 4. März 2006 eröffnet.
Planmäßiger Reisezugverkehr begann am 26. Juni 2006.

Vorher und nachher: Der Schlossbahnhof
Der Schlossbahnhof Ballenstedt West war 1868 der erste Endpunkt der Strecke.
Auf den Aufnahmen von 2016 steht das Empfangsgebäude, auf der Strecke fährt kein Zug mehr.
1864: Am 28. Juli erhält die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft die Konzession mit der Auflage einer Zweigbahn nach Ballenstedt.
1868: Am 7. Januar wird die Strecke Frose–Ballenstedt Schloß eröffnet.
1878: Die Strecke wird zur Nebenbahn abgestuft.
1885: Am 1. Juli geht die Verlängerung bis Quedlinburg in Betrieb.
1887: Die Selketalbahn schließt in Gernrode an die Normalspurstrecke an.
1951: Die Strecke wird für den Berliner Außenring teilweise abgebaut.
1998: Zum 1. Januar endet der Güterverkehr zwischen Gernrode und Frose.
2001: Am 10. Juni endet der Güterverkehr zwischen Quedlinburg und Gernrode.
2003: Am 28. Juni wird das Stellwerk Ballenstedt Ost durch Brandstiftung beschädigt, am 13. Dezember endet der Betrieb zwischen Aschersleben und Ermsleben.
2004: Am 31. Januar fährt der letzte Zug zwischen Gernrode und Quedlinburg, zum 31. Juli wird die Stilllegung von Frose–Gernrode vollzogen.
2006: Am 26. Juni beginnt der planmäßige Verkehr der Selketalbahn zwischen Gernrode und Quedlinburg.
Warum hieß die Strecke „Balkan“?
Wann wurde die Strecke eröffnet?
Wann fuhr der letzte Zug?
Was ist aus dem Abschnitt Gernrode–Quedlinburg geworden?
Was geschah mit der Trasse zwischen Ballenstedt und Rieder?
Von der Normalspurstrecke zwischen Frose und Gernrode sind Empfangsgebäude, Gleisreste und die Trasse geblieben.
Wikipedia: Bahnstrecke Frose–Quedlinburg · Wikipedia: Ballenstedt · Wikipedia: Reinstedt · Wikipedia: Ermsleben · Wikipedia: Rieder (Ballenstedt)
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