Stapelburg–Bad Harzburg: Der gekappte Abschnitt der Nordharzstrecke

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Stapelburg–Bad Harzburg: Der gekappte Abschnitt der Nordharzstrecke

Zwischen Stapelburg und Bad Harzburg fuhren bis 1945 durchgehende Züge, dann zog die Teilung Deutschlands eine Grenze über die Ecker. Der westliche Abschnitt über Eckertal und Westerode ist abgebaut, die Brücken stehen noch.

Die Lok 202 377 am 29. Mai 1992 in Stapelburg.
Die Lok 202 377 am 29. Mai 1992 in Stapelburg. Foto: Phil Richards from London, UK, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1894
Verkehr bis Bad Harzburg
1945
Strecke an der Ecker unterbrochen
1973
Offizielle Stilllegung Bad Harzburg–Eckertal
1995
Alte Strecke Ilsenburg–Stapelburg stillgelegt

Strecke: Heudeber-Danstedt–Bad Harzburg, 32 Kilometer, eingleisig. Status: Der Abschnitt zwischen Stapelburg und Bad Harzburg ist stillgelegt, entwidmet und abgerissen. Erhalten: das Bahnviadukt über die Ecker mit Gleisresten.

Die Bahnstrecke Heudeber-Danstedt–Bad Harzburg ist 32 Kilometer lang und liegt am Nordrand des Harzes.

Sie ist zwischen Bad Harzburg und Ilsenburg offiziell stillgelegt, zwischen Bad Harzburg und Stapelburg entwidmet und abgerissen.

Dieser Beitrag behandelt nur den stillgelegten Abschnitt und seine Halte, nämlich Stapelburg, Eckertal und Westerode.

Die Strecke von Heudeber-Danstedt über Wernigerode und Ilsenburg ist dagegen in Betrieb und gehört nicht zum Thema.

Alte freie Fotos aus der Betriebszeit zwischen Stapelburg und Bad Harzburg sind nicht belegt, die meisten Bilder zeigen den Zustand heute.

Entstehung: Von Wernigerode nach Bad Harzburg

Eine Direktverbindung zwischen Halberstadt, Heudeber-Danstedt und Vienenburg bestand seit 1869.

Sie ließ jedoch den dichter besiedelten Harzrand mit Städten wie Wernigerode und Ilsenburg aus.

Wernigerode setzte durch, dass die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft eine etwa neun Kilometer lange Zweiglinie ab Heudeber-Danstedt bauen musste.

Diese stand ab dem 11. Mai 1872 zur Verfügung.

Am 20. Mai 1884 wurden Ilsenburg und Wernigerode miteinander verbunden.

Der Weiterbau nach Bad Harzburg verzögerte sich durch Trassierungsfragen und den Widerstand von Grundbesitzern.

1894 wurde der Verkehr über Stapelburg und Eckertal aufgenommen, von Anfang an mit durchgehenden Personenzügen von Bad Harzburg nach Halberstadt, wobei die Angaben zum Tag zwischen Ende September und Anfang Oktober auseinandergehen.

So sah es vorher aus: Kurswagen nach Berlin

Die Verbindung diente hauptsächlich der Erschließung der Region, es gab aber auch Fernzüge.

In den 1930er Jahren fuhren durchgehende Kurswagen Hamburg–Wernigerode–Berlin.

Der Ost-West-Güterverkehr mied dagegen den steigungsreichen Harzrand und fuhr über Vienenburg.

Der Sommerfahrplan von 1912 sah in Eckertal täglich mindestens elf Zugpaare vor, die zwischen Halberstadt und Wernigerode einerseits und Bad Harzburg und Goslar andererseits verkehrten.

Stapelburg: Das letzte Stück vor der Grenze

Der alte Bahnhof Stapelburg lag bei Kilometer 21,85 und war bis 1995 für den Personenverkehr in Betrieb.

Die Strecke endete nach 1945 bei Kilometer 22,45, die Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen verläuft bei Kilometer 23,22.

Die Reichsbahn zog den öffentlichen Verkehr 1961 von Stapelburg bis Ilsenburg zurück, weil die Strecke im Bereich Stapelburg nah an der Grenze lag.

Die Strecke blieb jedoch als Anschlussbahn für Militärtransporte erhalten.

Der Ort selbst lag seit 1952 im Grenzgebiet mit 5-Kilometer- und 500-Meter-Sperrzonen.

Nordblick auf den Bahnsteig Stapelburg an der heutigen Strecke nach Vienenburg, 2022.
Nordblick auf den Bahnsteig Stapelburg an der heutigen Strecke nach Vienenburg, 2022. Foto: Till-André Diegeler, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Südblick auf den Bahnsteig Stapelburg, 2022.
Südblick auf den Bahnsteig Stapelburg, 2022. Foto: Till-André Diegeler, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Standort des abgerissenen Bahnübergangs am Bahnhof Stapelburg, 2022.
Standort des abgerissenen Bahnübergangs am Bahnhof Stapelburg, 2022. Foto: Till-André Diegeler, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Eckertal: Der Bahnhof mit acht Gleisen

Der Bahnhof Eckertal in Eckertal (Bad Harzburg) bei Kilometer 23,6 wurde zusammen mit dem Abschnitt Ilsenburg–Bad Harzburg 1894 eröffnet.

Der Eröffnungstag wird mit dem 30. September 1894 angegeben.

Dabei wurde das Bahnhofsgelände von der Forstgemarkung Schimmerwald zum Stadtbezirk Harzburg umgegliedert.

Der Bahnhof verfügte anfänglich über acht Gleise, von denen die Gleise 1 und 2 über Bahnsteige verfügten und für Zugkreuzungen genutzt werden konnten.

Die anderen sechs Gleise dienten dem Güterverkehr, der in erster Linie den Holzumschlag betraf.

Dazu kamen eine Holz- und Steinrampe, eine Seitenrampe, mehrere Lagerplätze, ein Bockkran mit fünf Tonnen Tragfähigkeit und eine Gleiswaage.

Der Fahrdienstleiter versah seinen Dienst in einem Anbau des Empfangsgebäudes, an der westlichen Ausfahrt bestand das Wärterstellwerk Ew.

Unmittelbar östlich des Einfahrsignals verlief ab 1945 die Grenze zwischen der Sowjetischen und der Britischen Besatzungszone.

Bis 1946 befuhren in Absprache mit den Besatzungsmächten noch Flüchtlingszüge die Strecke, bevor sie unterbrochen wurde.

Die Deutsche Bundesbahn setzte ab 1949 werktags nur noch ein Personenzugpaar ab Bad Harzburg ein.

Wegen der geringen Nachfrage wurde der Reisezugverkehr zum Fahrplanwechsel am 21. Mai 1955 eingestellt, bis zum 27. September 1958 fuhren noch Busse im Schienenersatzverkehr.

Die Angaben zum Ende des Personenverkehrs gehen auseinander, genannt werden 1955 und der 11. Juni 1957.

Der Güterverkehr für das Sägewerk Ohnesorg blieb zunächst bestehen, die Geschwindigkeit musste wegen des schlechten Oberbaus auf 10 Kilometer pro Stunde reduziert werden.

Am 11. Mai 1957 wurde der Güterverkehr eingestellt, die für das Sägewerk bestimmten Frachten gingen danach per Lkw auf Kosten der Bundesbahn, bis das Sägewerk 1963 nach einem Großbrand schloss.

Die offizielle Stilllegung der Strecke erfolgte zum 31. Dezember 1973, vier Jahre darauf wurden die Gleisanlagen zurückgebaut.

Das Empfangsgebäude nutzte ab 1968 mit Zustimmung der Bundesbahn ein Sportverein aus Wolfenbüttel, 1984 übernahm es der RSV Hannover als Karl-Heinz-Gehrke-Heim.

Schienen auf der Eckerbrücke der ehemaligen Linie Bad Harzburg–Ilsenburg, Blickrichtung Osten, 2013.
Schienen auf der Eckerbrücke der ehemaligen Linie Bad Harzburg–Ilsenburg, Blickrichtung Osten, 2013. Foto: Okernick, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Ecker-Viadukt: Die Brücke an der Grenze

Der alte Bahnverlauf führt südlich von Stapelburg zur ehemaligen innerdeutschen Grenze an der Ecker.

Das Bahnviadukt über die Ecker besteht bis heute und verfügt über Gleisreste.

West der Ecker führte die Strecke südwestlich an Eckertal vorbei und querte den Schimmerwald, dort kreuzte die Trasse die heutige Landesstraße 501.

Eisenbahnbrücke im Unteren Schimmerwald auf der ehemaligen Strecke zwischen Bad Harzburg und Ilsenburg, 2024.
Eisenbahnbrücke im Unteren Schimmerwald auf der ehemaligen Strecke zwischen Bad Harzburg und Ilsenburg, 2024. Foto: Steffen Dietrich, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Eine weitere Ansicht der Eisenbahnbrücke im Unteren Schimmerwald, 2024.
Eine weitere Ansicht der Eisenbahnbrücke im Unteren Schimmerwald, 2024. Foto: Steffen Dietrich, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Westerode

Westerode lag bei Kilometer 29,7 und war ein Haltepunkt mit Personenverkehr bis 1917.

Die Trasse führte durch das Zellholz und das Heinische Bruch an den Südrand von Westerode.

Dort ist sie durch die Quellesiedlung teilweise überbaut.

In einem engen Bogen umrundete die Bahnstrecke das Horn, eine Anhöhe westlich des Butterbergs bei Bündheim, und unterquerte die Bundesstraße 4.

Beim autobahnähnlichen Neubau der Straße Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Bahnstrecke vorgesehen und überbrückt.

Bad Harzburg: Der Kopfbahnhof am Ende

Die Trasse mündete in den Kopfbahnhof Bad Harzburg bei Kilometer 32,23.

Hier bestand Anschluss an die Bahnstrecken Braunschweig–Bad Harzburg und Bad Harzburg–Oker.

Der Bahnhof Bad Harzburg ist in Betrieb und nicht Thema dieses Beitrags.

Die Brücke der Überwerfungsanlage vom Bahnhof Bad Harzburg zur Strecke nach Stapelburg, 2022.
Die Brücke der Überwerfungsanlage vom Bahnhof Bad Harzburg zur Strecke nach Stapelburg, 2022. Foto: GeorgDerReisende, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang: Die Teilung zerschneidet die Strecke

Obwohl die Strecke keine schweren Zerstörungen erlitten hatte, wurde sie 1945 zwischen Stapelburg und Eckertal unterbrochen.

Die Bundesbahn gab den Personenverkehr von Bad Harzburg nach Eckertal auf, den Güterverkehr 1973.

So sieht es jetzt aus: Die Grenze fällt, die Lücke bleibt

Nach dem Mauerfall wurde im Dezember 1989 das Streckenstück Ilsenburg–Stapelburg wiedereröffnet.

Danach wurde über einen oder mehrere Lückenschlüsse zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt am Nordharz diskutiert.

Bund und Bahn wollten nur eine Verbindung zeitnah finanzieren, die Steigungen und der Fahrtrichtungswechsel im Bahnhof Bad Harzburg galten als zu großes Hemmnis.

Gewählt wurde die Bahnstrecke Ilsenburg–Vienenburg, die ab der Landesgrenze auf der ungenutzten Trasse der Bahnstrecke Halle–Vienenburg verläuft.

Am 12. April 1995 wurde die Strecke Ilsenburg–Stapelburg daher erneut stillgelegt, zum 2. Juni 1996 ging die neue Verbindung in Betrieb.

Der Gleisdamm ist zwischen Stapelburg und Bad Harzburg auf Luftaufnahmen bis heute deutlich erkennbar.

Vorher und nachher: Stapelburg

Am 29. Mai 1992 fuhr die Lok 202 377 in Stapelburg.

2022 zeigen Fotos den Haltepunkt Stapelburg an der Strecke nach Vienenburg mit Bahnsteig Nord und Süd.

1869: Eine Direktverbindung zwischen Halberstadt, Heudeber-Danstedt und Vienenburg besteht.

1872: Am 11. Mai steht die Zweiglinie Heudeber-Danstedt–Wernigerode zur Verfügung.

1884: Am 20. Mai werden Ilsenburg und Wernigerode verbunden.

1894: Der Verkehr über Stapelburg und Eckertal nach Bad Harzburg beginnt.

1912: Der Sommerfahrplan sieht in Eckertal täglich mindestens elf Zugpaare vor.

1945: Die Strecke wird zwischen Stapelburg und Eckertal unterbrochen.

1955: Am 21. Mai wird der Reisezugverkehr in Eckertal eingestellt.

1957: Am 11. Mai wird der Güterverkehr in Eckertal eingestellt.

1961: Die Reichsbahn zieht den öffentlichen Verkehr zwischen Stapelburg und Ilsenburg zurück.

1973: Zum 31. Dezember wird die Strecke offiziell stillgelegt.

1977: Die Gleisanlagen werden zurückgebaut.

1989: Im Dezember wird das Stück Ilsenburg–Stapelburg wiedereröffnet.

1995: Am 12. April wird die Strecke Ilsenburg–Stapelburg erneut stillgelegt.

1996: Zum 2. Juni geht die neue Verbindung Ilsenburg–Vienenburg in Betrieb.

Wann wurde die Strecke bis Bad Harzburg eröffnet?
Der Verkehr über Stapelburg und Eckertal begann 1894.
Wann wurde die Strecke zerschnitten?
1945 wurde sie wegen der Teilung Deutschlands in Besatzungszonen zwischen Stapelburg und Eckertal unterbrochen.
Wann endete der Güterverkehr in Eckertal?
Genannt werden 1973 und der 11. Mai 1957, die offizielle Stilllegung erfolgte zum 31. Dezember 1973.
Was ist vom Streckenverlauf erhalten?
Das Bahnviadukt über die Ecker mit Gleisresten, der Gleisdamm zwischen Stapelburg und Bad Harzburg ist auf Luftaufnahmen erkennbar.
Wie ersetzt die heutige Strecke den alten Abschnitt?
Die Bahnstrecke Ilsenburg–Vienenburg wurde am 2. Juni 1996 in Betrieb genommen und verläuft ab der Landesgrenze auf der ungenutzten Trasse der Strecke Halle–Vienenburg.

Von dem stillgelegten Abschnitt zwischen Stapelburg und Bad Harzburg sind Viadukt, Brücken und der Gleisdamm geblieben.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Heudeber-Danstedt–Bad Harzburg · Wikipedia: Bahnhof Eckertal · Wikipedia: Stapelburg

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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