Ilmenau–Großbreitenbach: Die Bahn zur Hohen Tanne
Die knapp 21 Kilometer lange Nebenbahn von Ilmenau nach Großbreitenbach führte bis zur Hohen Tanne auf 695 Meter. 1998 wurde sie stillgelegt, heute verläuft auf der Trasse ein Radweg.


Strecke: Ilmenau–Großbreitenbach, 20,58 Kilometer. Status: stillgelegt, 2008 entwidmet. Heute: Auf der Trasse verläuft der Ilm-Rennsteig-Radweg.
Die Bahnstrecke Ilmenau–Großbreitenbach war eine eingleisige, nicht elektrifizierte Nebenbahn im Ilm-Kreis.
Sie wurde in zwei Abschnitten eröffnet: 1881 von Ilmenau über Langewiesen nach Gehren, am 2. Dezember 1883 die Verlängerung nach Großbreitenbach.
1997 endete der Bahnverkehr, am 30. September 1998 wurde die Strecke offiziell stillgelegt.
Dieser Beitrag geht die Halte nach Ilmenau durch, vom Grenzhammer bis Großbreitenbach.
Freie Fotos aus der Betriebszeit liegen nicht vor, die ältesten Aufnahmen stammen von 2006.
So sah es vorher aus: Gehren ohne Bahnanschluss
In den 1860er Jahren bildete sich in Arnstadt ein Komitee für einen Eisenbahnanschluss im Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen, später folgten Gründungen in Gehren, Ilmenau und Langewiesen.
Mehrere Streckenprojekte scheiterten, 1879 eröffnete die Nordhausen-Erfurter Eisenbahn-Gesellschaft immerhin die Strecke Arnstadt–Ilmenau.
Der Verwaltungsbezirk Gehren blieb ohne Bahnanschluss, alle Waren mussten weiter per Fuhrwerk über die Straße transportiert werden.
Die Regierung in Sondershausen wollte daher eine Bahn auf eigene Kosten bauen.
Der Bau: Bachstein setzt sich durch
Im September 1880 wurden die Vorarbeiten für die Strecke von Ilmenau nach Gehren ausgeschrieben.
Herrmann Bachstein setzte sich dabei gegen mehrere Mitbewerber durch.
Die normalspurige Lokalbahn nach Gehren sollte 450.000 Mark kosten.
Die ersten rund zwei Kilometer lagen im Gebiet des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach, deshalb war ein Staatsvertrag nötig.
Ende April 1881 war er von allen beteiligten Ländern unterzeichnet, 1881 schlossen Schwarzburg-Sondershausen und Bachstein einen Bau- und Betriebsvertrag.
Für die Verlängerung nach Großbreitenbach übernahm erneut Bachstein Bau und Betrieb.
Der Bau wurde erst im Sommer 1883 genehmigt, trotzdem war der 10,77 Kilometer lange Abschnitt Gehren–Großbreitenbach schon am 2. Dezember 1883 fertig.
Am 1. Juni 1884 kaufte Bachstein die gesamte Strecke, weil sie nicht die gewünschten Einnahmen brachte.
Danach entwickelte sich das Betriebsergebnis positiv, schon nach wenigen Jahren gehörte die Strecke zu den rentabelsten Bachsteins.
1895 wurde sie in die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft eingegliedert und als Privatbahn betrieben.
Grenzhammer: Haltepunkt an der Staatsgrenze
Der Haltepunkt Grenzhammer lag bei Kilometer 1,95 auf 463 Metern Höhe, etwa zwei Kilometer östlich des Bahnhofs Ilmenau.
Hier verließ die Strecke das Ilmenauer Stadtgebiet.
Der Ort hat seinen Namen von der Lage auf der Staatsgrenze zwischen Sachsen-Weimar und Schwarzburg-Sondershausen, die Grenze bildete die Schorte.
Seit 1881 gab es dort einen Haltepunkt.
1900 wurde am Grenzhammer eine Glashütte errichtet, die Langshütte, sie hatte 1938 etwa 250 Mitarbeiter und wurde 1968 geschlossen und abgerissen.
Nach der Stilllegung der Bahnlinie 1998 erfolgt der Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr nur noch über eine Bushaltestelle gleichen Namens.
Langewiesen: Zwei Empfangsgebäude
Der Bahnhof Langewiesen lag bei Kilometer 3,74 auf 450 Metern Höhe.
Auffällig waren die beiden Empfangsgebäude, das neuere stammt von 1912/13, 150 Meter dahinter stand links das alte.
Das alte musste 1912/1913 geschlossen werden, weil es nahe an der heutigen Bahnhofsstraße lag und die inzwischen längeren Züge regelmäßig den Bahnübergang blockierten.
Nach dem Bau der Strecke setzte in Langewiesen ein Wirtschaftsaufschwung ein, Porzellan-, Glas- und Holzverarbeitungsfabriken entstanden.
Von 1881 bis 1998 hatte die Stadt einen Bahnanschluss.
Hinter dem Bahnhof verließ die Strecke das Ilmtal und führte leicht ansteigend über freies Feld weiter nach Gehren.


Gehren: Kopfbahnhof und Viadukt
Gehren hatte zwei Bahnhalte, den Haltepunkt Gehren Stadt im Westen bei Kilometer 7,76 und den Bahnhof Gehren im Osten bei Kilometer 8,36.
Der Bahnhof lag etwas außerhalb des Stadtkerns, damit das bestehende Sägewerk einen direkten Eisenbahnanschluss erhielt.
Bis 1927 war die Anlage ein Kopfbahnhof, in dem jeder Zug die Fahrtrichtung wechseln musste.
Dann entstand ein neuer Streckenabschnitt, auf dem der Zug den Bahnhof ohne Wendemanöver verließ, östlich von Gehren einen weiten Bogen zog und südlich der Stadt wieder auf die alte Trasse stieß.
Die Strecke wurde dadurch um 1,45 Kilometer länger.
Von 1881 bis 1997 hatte Gehren einen Eisenbahnanschluss.


Bei Kilometer 9,18 querte die Strecke auf einem Viadukt die Bundesstraße 88 und die Wohlrose.
Zu den Ursachen der Stilllegung zählte die nicht ausreichend tragfähige Brücke über die B 88 in Gehren, deren Neubau zu teuer gewesen wäre.
Die Reichsbahn hatte in den 1980er Jahren einen fast vollständigen Neubau geplant, der aber nicht umgesetzt wurde.
1988 wurden die neuen Überbauten im Bahnhof Neustadt-Gillersdorf zwischengelagert, 1999 wurden sie zusammen mit den Gleisen dort verschrottet.
Der Abbruch des Viaduktes in Gehren im April 2009 besiegelte das endgültige Ende der Strecke.
Möhrenbach: Haltepunkt auf 629 Metern
Ab Gehren verlief die Strecke südwärts in Hanglage oberhalb des Tals der Wohlrose.
Der Haltepunkt Möhrenbach lag bei Kilometer 13,65 auf 629 Metern Höhe.
Der Ort hatte zwischen 1883 und 1997 einen Haltepunkt an der Strecke.
Beim Bau des Radweges endete im Oktober 2012 ein Teilstück am Haltepunkt Möhrenbach.


Neustadt-Gillersdorf: Scheitelpunkt auf 695 Metern
Der Bahnhof Neustadt-Gillersdorf lag bei Kilometer 17,26 an der Hohen Tanne auf 695 Metern Höhe, dem Scheitelpunkt der Strecke.
Die mittlere Steigung von Gehren bis hierher betrug 33 Promille.
Der Bahnhof lag etwa zwei Kilometer südwestlich von Gillersdorf und drei Kilometer östlich von Neustadt am Rennsteig.
Danach führte die Strecke wieder bergab zum Endpunkt Großbreitenbach.
Hier wurden 1988 die neuen Überbauten für die Brücke in Gehren zwischengelagert.



Großbreitenbach: Der Endpunkt
Der Bahnhof Großbreitenbach lag bei Kilometer 20,58 auf 663 Metern Höhe.
Letzter großer Güterkunde war die Firma Wiegand-Glas, die die Glashütte in Großbreitenbach übernommen hatte.
Eine geplante Verbindung mit der Schwarzatalbahn über Oelze nach Katzhütte wurde wegen der schwierigen topografischen Gegebenheiten nicht mehr gebaut.
Der Ilm-Rennsteig-Radweg endet in Großbreitenbach in unmittelbarer Nähe des Freibades.
Betrieb und Niedergang
Im Güterverkehr gehörten neben mehreren Glashütten auch holzverarbeitende Betriebe zu den größten Kunden.
Der Personenverkehr bestand vor allem aus Berufsverkehr nach Ilmenau und aus Urlaubern, die in den Thüringer Wald reisten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke im Frühjahr 1948 entschädigungslos verstaatlicht, am 1. April 1949 übernahm die Deutsche Reichsbahn.
In der Zeit danach erlebte die Bahn ihre Blütezeit, teilweise mussten Urlauber zusätzlich im Packwagen oder in offenen Güterwaggons befördert werden.
Eine für 1971 geplante Stilllegung konnte nicht umgesetzt werden.
Mit der Wende 1989/90 brach vor allem der Güterverkehr fast vollständig zusammen.
Der schlechte Oberbauzustand verlängerte die Fahrzeit im Personenverkehr immer weiter.
Der Güterverkehr wurde am 31. Dezember 1994 eingestellt, am 26. Juli 1996 aber nochmals aufgenommen.
Der Personenverkehr endete am 26. Mai 1997, der Güterverkehr am 31. Dezember 1997.
Ab dem 1. Januar 1998 war die Strecke wegen Oberbauschäden gesperrt, am 30. September 1998 wurde sie offiziell stillgelegt.
Rückbau und Radweg
Im September 2006 begann der Rückbau zwischen Langewiesen und Gehren, Mitte 2007 wurden auch die Gleise zwischen Ilmenau und Langewiesen demontiert.
2008 wurde die Strecke entwidmet.
Anfang Juli 2011 begann der Bau des Ilm-Rennsteig-Radweges, der im Wesentlichen auf der bisherigen Bahntrasse entstand.
Der etwa 20 Kilometer lange Radweg wurde am 25. Oktober 2013 der Öffentlichkeit übergeben.
1879: Die Strecke Arnstadt–Ilmenau wird eröffnet.
September 1880: Die Vorarbeiten für Ilmenau–Gehren werden ausgeschrieben.
Ende April 1881: Der Staatsvertrag ist von allen beteiligten Ländern unterzeichnet.
1881: Der Abschnitt Ilmenau–Gehren geht in Betrieb.
2. Dezember 1883: Der Abschnitt Gehren–Großbreitenbach wird eröffnet.
1. Juni 1884: Bachstein kauft die gesamte Strecke.
1895: Die Strecke kommt zur Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft.
1912/13: In Langewiesen entsteht das neuere Empfangsgebäude.
1927: Der Bahnhof Gehren wird neu angebunden und ist kein Kopfbahnhof mehr.
1. April 1949: Die Deutsche Reichsbahn übernimmt die Strecke.
31. Dezember 1994: Der Güterverkehr wird eingestellt.
26. Juli 1996: Der Güterverkehr wird nochmals aufgenommen.
26. Mai 1997: Der Personenverkehr endet.
31. Dezember 1997: Der Güterverkehr endet.
30. September 1998: Die Strecke wird offiziell stillgelegt.
September 2006: Der Rückbau zwischen Langewiesen und Gehren beginnt.
2008: Die Strecke wird entwidmet.
April 2009: Das Viadukt in Gehren wird abgebrochen.
25. Oktober 2013: Der Ilm-Rennsteig-Radweg wird eröffnet.
Wie lang war die Strecke?
Wann endete der Personenverkehr?
Wann wurde die Strecke stillgelegt?
Warum wurde die Strecke stillgelegt?
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Was ist heute auf der Trasse?
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