Die Zuckerbahn Zeitz–Camburg: Stationen einer stillgelegten Nebenbahn

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Zuckerbahn Zeitz–Camburg: Stationen einer stillgelegten Nebenbahn

Von 1897 bis 1999 verband die Zuckerbahn Zeitz an der Weißen Elster mit Camburg an der Saale. Der Beitrag geht die Halte von Kretzschau bis Crauschwitz durch und zeigt, was von der Strecke blieb.

VORHER · 2004

Bahnhof Waldau, Blick nach Westen, 12. April 2004.

Bahnhof Waldau, Blick nach Westen, 12. April 2004. Foto: TomWed, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2015

Der frühere Bahnhof in Waldau.

Der frühere Bahnhof in Waldau. Foto: Tnemtsoni, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1897
Eröffnung
1965
Verkürzt bis Osterfeld
1999
Letzter Reisezug
2015
Radweg asphaltiert bis Schkölen

Lage: Zeitz in Sachsen-Anhalt bis Camburg in Thüringen, 37,34 Kilometer. Status: Der letzte Reisezug fuhr am 30. Mai 1999, die Stilllegung folgte im Jahr 2000. Heute: Der Zuckerbahn-Radweg ist von Zeitz bis Schkölen durchgehend asphaltiert.

Die Bahnstrecke Zeitz–Camburg war eine Nebenbahn in Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Sie verlief von Zeitz an der Weißen Elster über Osterfeld nach Camburg an der Saale.

Damit bildete sie eine Querverbindung zwischen der Bahnstrecke Leipzig–Probstzella und der Bahnstrecke Großheringen–Saalfeld.

Ihr Beiname ist Zuckerbahn, benannt nach den Zuckerrübentransporten für die Zuckerfabriken in Camburg und Zeitz.

Dieser Beitrag behandelt die Halte zwischen den beiden Endpunkten, die Bahnhöfe Zeitz und Camburg sind weiterhin in Betrieb und werden nur am Rand erwähnt.

Vorgeschichte und Bau

Die Stadt Zeitz wünschte sich seit 1870 eine Bahn in westlicher Richtung nach Naumburg oder Großheringen.

Zunächst war eine Hauptstrecke über Droyßig, Meineweh und Stößen nach Naumburg geplant.

Dafür wurde am 17. September 1870 eine Aktiengesellschaft mit einem Anfangskapital von 1.500.000 Talern gegründet.

Der preußische Handelsminister lehnte das Vorhaben aus wirtschaftlichen Gründen ab.

1872 entstand eine Planung, die Pfefferminzbahn von Straußfurt nach Großheringen über Schkölen, Osterfeld und Droyßig nach Zeitz zu verlängern.

Auch sie scheiterte am Einspruch aus Berlin, und der Börsenkrach von 1873 machte weitere Initiativen für zehn Jahre unmöglich.

Ein neuer Vorstoß von 1884 sah statt einer Hauptbahn eine kostengünstigere Sekundärbahn vor.

Im Oktober 1889 unterzeichneten Preußen und Sachsen-Meiningen einen Staatsvertrag.

Der Endpunkt wurde aus topographischen Gründen von Großheringen nach Camburg verlegt.

Von den 38,5 Kilometern der Planung lagen 12,38 Kilometer auf dem Gebiet von Sachsen-Meiningen.

Am 10. Mai 1890 wurde das Gesetz zum Bau der Strecke verabschiedet, die Bauarbeiten begannen im April 1895.

Der Bau verlief problemlos, nur an den Endstationen in Camburg und Zeitz waren teils erhebliche Umbauten nötig.

Die insgesamt 37,34 Kilometer lange Strecke wurde am 1. April 1897 zwischen Zeitz und Kretzschau (3,65 Kilometer) und am 1. Mai 1897 zwischen Kretzschau und Camburg (33,69 Kilometer) eröffnet.

Betreiber waren die Preußischen Staatseisenbahnen, die Strecke gehörte zur Königlichen Eisenbahndirektion Erfurt.

Sie galt als die kurvenreichste Strecke Europas.

Zeitz

Die Bahnsteiggleise in Zeitz waren so stark ausgelastet, dass die neue Strecke in einen separaten Camburger Bahnhof geführt werden musste.

Im Vorfeld mussten die Geraer Gleise gekreuzt werden, zunächst aus Kostengründen niveaugleich.

Im April 1914 wurden die Bahnanlagen in Zeitz komplett neu gestaltet, dabei entstanden ein gemeinsamer Bahnhof und eine niveaufreie Einführung der Strecke über die Geraer Hauptbahn.

Das Bahnbetriebswerk Zeitz wurde 1967 zu einer Lokeinsatzstelle des Bahnbetriebswerks Leipzig Hbf-West herabgestuft und setzte die Baureihe 58 noch bis zum 1. Juni 1971 ein.

Der Zuckerbahn-Radweg beginnt an der Brikettfabrik Herrmannschacht in Zeitz.

Kretzschau

Der frühere Bahnhof Kretzschau.
Der frühere Bahnhof Kretzschau. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Kretzschau liegt bei Kilometer 3,74 und war ein Bahnhof, der heute ehemalig ist.

Von hier aus eröffnete am 1. Mai 1897 der zweite Abschnitt bis Camburg.

Entlang der Strecke gab es Brikettfabriken, deren Kohletransporte zu den bedeutendsten Verkehren gehörten.

1940 entstand in Kretzschau ein Anschlussgleis für einen Stahlbaubetrieb.

Trotz der Schließung der Brikettfabrik in Kretzschau stiegen in den folgenden Jahren auf der Reststrecke die Güterzahlen, vor allem für die Landwirtschaft.

Der Abschnitt Zeitz–Kretzschau wurde von 1967 bis 1970 grundlegend erneuert.

Der Güterverkehr zwischen Zeitz und Kretzschau wurde am 1. Januar 1998 eingestellt.

Droyßig

Der Bahnhof Droyßig an der ehemaligen Bahnstrecke Zeitz–Camburg.
Der Bahnhof Droyßig an der ehemaligen Bahnstrecke Zeitz–Camburg. Foto: Rasi57 at German Wikipedia, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Zugewachsener Bahnsteig in Droyßig mit in den 1990er Jahren erneuertem Gleis, Blick nach Westen, 17. August 2008.
Zugewachsener Bahnsteig in Droyßig mit in den 1990er Jahren erneuertem Gleis, Blick nach Westen, 17. August 2008. Foto: TomWed, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Droyßig liegt bei Kilometer 8,10 und war ebenfalls ein Bahnhof.

Über Droyßig sollte schon die erste, abgelehnte Hauptstrecke von 1870 führen, ebenso die Verlängerung der Pfefferminzbahn von 1872.

Der Abschnitt zwischen Droyßig und Weickelsdorf wurde von 1967 bis 1970 grundlegend erneuert.

Seit 1967 wurde die Strecke im Zugleitbetrieb gefahren.

Nebengleise im Bahnhof Droyßig wurden in den 1990er Jahren stillgelegt.

Weickelsdorf

Am früheren Bahnhof Weickelsdorf.
Am früheren Bahnhof Weickelsdorf. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Weickelsdorf liegt bei Kilometer 12,68.

Für den Bau der Reichsautobahn Berlin–Nürnberg wurden hier 1935 die Kapazitäten erweitert.

Bei Weickelsdorf wurde am 6. Juli 2012 der erste Teilabschnitt des Radwegs auf der Trasse eröffnet.

Waldau

Waldau liegt bei Kilometer 15,09.

Auf dem Gelände des früheren Bahnhofs befindet sich eine Ziegenweide.

Osterfeld

Der Bahnhof Osterfeld an der ehemaligen Bahnstrecke Zeitz–Camburg.
Der Bahnhof Osterfeld an der ehemaligen Bahnstrecke Zeitz–Camburg. Foto: Rasi57 at German Wikipedia, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Osterfeld bei Zeitz liegt bei Kilometer 17,49.

Am 26. September 1965 wurde die Strecke auf den Abschnitt bis Osterfeld verkürzt.

Der Bahnhof war damit Streckenende.

Der letzte planmäßige Dampflokeinsatz fand am 31. Mai 1985 statt, als die Lokomotive 52 8166 nach Osterfeld fuhr.

Der Güterverkehr zwischen Kretzschau und Osterfeld endete am 31. Dezember 1994.

Am 30. Mai 1999 fuhr als letzter Reisezug eine Triebwagengarnitur der Baureihe 772/972.

Im Jahr 2000 wurde die Strecke endgültig stillgelegt.

Fahrschein für die Fahrt von Zeitz nach Osterfeld am 24. Mai 1999.
Fahrschein für die Fahrt von Zeitz nach Osterfeld am 24. Mai 1999. Foto: TomWed, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Der zugewachsene Bahnhof Osterfeld am 28. September 2008, neun Jahre nach der Stilllegung der Strecke.
Der zugewachsene Bahnhof Osterfeld am 28. September 2008, neun Jahre nach der Stilllegung der Strecke. Foto: TomWed, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Utenbach am Berge

Der Wasserturm im Bahnhof Utenbach, heute für die öffentliche Wasserversorgung genutzt, Aufnahme von 2008.
Der Wasserturm im Bahnhof Utenbach, heute für die öffentliche Wasserversorgung genutzt, Aufnahme von 2008. Foto: TomWed, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Brücke der ehemaligen Bahnstrecke über die Straße Casekirchen–Utenbach.
Brücke der ehemaligen Bahnstrecke über die Straße Casekirchen–Utenbach. Foto: TomWed, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Utenbach am Berge liegt bei Kilometer 21,19, hinter Osterfeld.

Hinter Osterfeld endete der Betrieb schon 1965.

Der Wasserturm im Bahnhof Utenbach wird heute für die öffentliche Wasserversorgung genutzt.

Schkölen

Schkölen liegt bei Kilometer 25,82.

Der stillgelegte Abschnitt Schkölen–Camburg erhielt einen sehr sparsamen Ersatzverkehr mit Omnibussen, der bis heute in ähnlichem Umfang betrieben wird.

Seit dem 19. Mai 2015 ist der Zuckerbahn-Radweg durchgehend von der Brikettfabrik Herrmannschacht in Zeitz bis Schkölen asphaltiert.

Molau

Molau liegt bei Kilometer 29,28.

Bis in die 1960er Jahre gab es Personenverkehr zwischen Zeitz und Molau.

Das Streckenstück Molau–Camburg wurde im Mai 1945 als Reparationsleistung für die Sowjetunion abgebaut.

Crauschwitz

Crauschwitz in Thüringen liegt bei Kilometer 31,82.

Die Gemeinde bewarb sich erst zeitverzögert um eine Haltestelle und musste dafür am 12. Mai 1898 einen eigenen Vertrag mit der Eisenbahndirektion Erfurt schließen.

Der Haltepunkt wurde 1900 eröffnet.

2018 entstand am Ort der früheren, vor Jahrzehnten abgebauten Brücke über die Kreisstraße Crauschwitz–Sieglitz ein moderner Nachbau in Aluminium-Leichtbauweise, der ausschließlich von Radfahrern und Fußgängern genutzt wird.

Camburg

Am Ende der Strecke wurde die Saalebrücke bei Camburg am 11. April 1945 kurz vor dem Einzug der US-Truppen gesprengt und danach wieder aufgebaut.

Das anschließende Streckenstück Molau–Camburg war im Mai 1945 abgebaut worden.

Auch in Camburg waren beim Bau erhebliche Umbauten nötig.

Betrieb und Fahrzeuge

Die Strecke diente lokalen Verkehrsbedürfnissen aller Art.

Am bedeutendsten waren Braunkohlentransporte für die Brikettfabriken entlang der Strecke und Zuckerrübentransporte für die Zuckerfabriken in Camburg und Zeitz.

Im Personenverkehr listen die Fahrpläne bis zum Zweiten Weltkrieg stets vier bis sechs Zugpaare auf.

Von 1902 bis 1905 fuhr ein Zugpaar weiter über die Saalbahn nach Jena.

Die Bahngebäude waren einfach ausgestattet, eine Wasserstation gab es nur in Cauerwitz, der dort geplante Lokschuppen kam nie zur Ausführung.

Ab 1914 ersetzte die Baureihe T 15 die ursprünglich eingesetzten Dampflokomotiven, gegen Ende der 1920er Jahre folgten die schwereren Lokomotiven der Reihe G 12.

Ab dem 29. September 1991 fuhren nur noch Triebwagen der Reihe 172 beziehungsweise 772.

Ab 1995 wurden MAN-Schienenbusse von der Karsdorfer Eisenbahngesellschaft angemietet, der Betrieb blieb aber bei der DB.

Der Zuckerbahn-Radweg

Das Wethau-Viadukt auf der Zuckerbahn-Radroute.
Das Wethau-Viadukt auf der Zuckerbahn-Radroute. Foto: Cmuelle8, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Anfang 2007 einigten sich die Gemeinden an der Trasse darauf, die Bahntrasse in einen Radweg umzuwandeln.

Im Dezember 2008 wurde dafür der Förderverein Rad- und Wanderweg auf der stillgelegten Bahntrasse Zeitz–Camburg e. V. gegründet.

Der Umbau wurde mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung kofinanziert.

Sporadisch wurden Forderungen laut, die Strecke wegen ihres größtenteils guten Zustands zu reaktivieren.

Das scheiterte nicht zuletzt am Bus-Parallelverkehr der PVG Burgenlandkreis, der zur Erfüllung des Bedienstandards im Nahverkehrsplan notwendig ist.

Die Floßgrabenbrücke im Verlauf des Zuckerbahn-Radwegs.
Die Floßgrabenbrücke im Verlauf des Zuckerbahn-Radwegs. Foto: Cmuelle8, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Die Geschichte in Daten

1870: Am 17. September wird eine Aktiengesellschaft für eine Hauptstrecke von Zeitz nach Naumburg gegründet, der Minister lehnt das Vorhaben ab.

1889: Im Oktober schließen Preußen und Sachsen-Meiningen den Staatsvertrag.

1890: Am 10. Mai wird das Gesetz zum Bau der Strecke verabschiedet.

1895: Im April beginnen die Bauarbeiten.

1897: Am 1. April eröffnet der Abschnitt Zeitz–Kretzschau, am 1. Mai der Abschnitt Kretzschau–Camburg.

1898: Am 12. Mai schließt die Gemeinde Crauschwitz den Vertrag über einen Haltepunkt.

1900: Der Haltepunkt Crauschwitz wird eröffnet.

1914: Im April werden die Bahnanlagen in Zeitz neu gestaltet.

1935: In Weickelsdorf werden Kapazitäten für den Autobahnbau erweitert.

1945: Am 11. April wird die Saalebrücke bei Camburg gesprengt, im Mai wird das Stück Molau–Camburg abgebaut.

1965: Am 26. September wird die Strecke auf den Abschnitt bis Osterfeld verkürzt.

1985: Am 31. Mai fährt der letzte planmäßige Dampfzug nach Osterfeld.

1994: Am 31. Dezember endet der Güterverkehr zwischen Kretzschau und Osterfeld.

1998: Am 1. Januar endet der Güterverkehr zwischen Zeitz und Kretzschau.

1999: Am 30. Mai fährt der letzte Reisezug.

2000: Die Stilllegung beendet die Geschichte der Strecke.

2008: Im Dezember wird der Förderverein für den Radweg gegründet.

2012: Am 6. Juli wird der erste Teilabschnitt des Radwegs bei Weickelsdorf eröffnet.

2015: Seit dem 19. Mai ist der Radweg von Zeitz bis Schkölen durchgehend asphaltiert.

2018: Bei Crauschwitz entsteht der Nachbau der Brücke über die Kreisstraße.

Häufige Fragen

Wie lang war die Strecke?
Sie war 37,34 Kilometer lang.
Wann fuhr der letzte Reisezug?
Der letzte Reisezug fuhr am 30. Mai 1999, die Stilllegung folgte im Jahr 2000.
Warum heißt die Strecke Zuckerbahn?
Wichtig waren die Zuckerrübentransporte für die Zuckerfabriken in Camburg und Zeitz.
Wann wurde die Strecke verkürzt?
Am 26. September 1965 wurde sie auf den Abschnitt bis Osterfeld verkürzt.
Gibt es heute einen Radweg?
Der Zuckerbahn-Radweg ist seit dem 19. Mai 2015 von der Brikettfabrik Herrmannschacht in Zeitz bis Schkölen durchgehend asphaltiert.
Gab es Pläne zur Reaktivierung?
Es gab sporadisch Forderungen, die Strecke zu reaktivieren, sie scheiterten nicht zuletzt am Bus-Parallelverkehr.

Die Zuckerbahn ist als Radweg erhalten, mehrere Bahnhofsgebäude stehen noch.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Zeitz–Camburg · KuLaDig: Eisenbahnstrecke Zeitz-Camburg · Wikivoyage: Zuckerbahn-Radweg

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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