Stille Strecken um Bad Langensalza: Kleinbahn und Ballstädt–Straußfurt

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Stille Strecken um Bad Langensalza: Kleinbahn und Ballstädt–Straußfurt

Um Bad Langensalza liegen Strecken, auf denen kein Zug mehr fährt: die Langensalzaer Kleinbahn nach Haussömmern und der größte Teil der Bahn von Ballstädt nach Straußfurt. Dieser Beitrag geht ihre Halte durch.

Bad Tennstedt am 21. Januar 1994.
Bad Tennstedt am 21. Januar 1994. Foto: Phil Richards, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1889
Ballstädt–Herbsleben eröffnet
1913
Kleinbahn Langensalza–Kirchheilingen
1969
Kleinbahn stillgelegt
1999
Döllstädt–Straußfurt stillgelegt

Strecken: Bad Langensalza–Haussömmern (27,4 Kilometer) und Ballstädt–Straußfurt (32,15 Kilometer). Status: größtenteils stillgelegt, Gräfentonna–Döllstädt ist weiter in Betrieb. Heute: Teile der Trassen sind Bahntrassenradweg.

Um Bad Langensalza liegen mehrere Nebenbahnen, die nach 1967 oder nach 1997 ihren Verkehr verloren.

Die Langensalzaer Kleinbahn führte von Bad Langensalza über Kirchheilingen und Bruchstedt nach Haussömmern.

Die Bahnstrecke Ballstädt–Straußfurt ist 32,15 Kilometer lang, ihr Abschnitt zwischen Gräfentonna und Döllstädt ist als Teil der Verbindung Erfurt–Bad Langensalza weiter in Betrieb.

Dieser Beitrag behandelt die Halte, an denen kein Zug mehr hält.

Freie Fotos aus der Betriebszeit der Kleinbahn liegen nicht vor, das älteste Bild des Beitrags stammt von 1994.

So sah es vorher aus: Die Staatsbahnen um Langensalza

Die Ballstädter Strecke ging am 15. Dezember 1889 in Betrieb, Bad Langensalza lag da schon an der Bahnstrecke Gotha–Leinefelde.

Die Kleinbahn kam erst 1913 dazu, 1897 hatte die preußische Eisenbahndirektion Erfurt bereits die Strecken Gräfentonna–Langensalza und Kühnhausen–Döllstädt eröffnet.

Diese Strecken schufen zusammen mit dem Abschnitt Gräfentonna–Döllstädt eine kürzere Verbindung zwischen den Strecken Nordhausen–Erfurt und Gotha–Leinefelde.

Die Langensalzaer Kleinbahn: Gründung 1911

Am 27. Juli 1911 wurde die Kleinbahn-AG Langensalza-Kirchheilingen für den Bau einer Bahn von Langensalza nach Kirchheilingen gegründet.

Aktionäre waren der preußische Staat, die Provinz Sachsen, der Kreis und die Stadt Langensalza sowie die Stadt Thamsbrück.

Auf dem Abschnitt Langensalza–Merxleben fuhr ab dem 21. Mai 1913 schon der Güterverkehr.

Am 4. Juli 1913 wurde die 15 Kilometer lange Strecke Langensalza–Kirchheilingen eröffnet.

Zum Bestand gehörten zwei dreiachsige Dampflokomotiven, drei Personenwagen, ein Gepäckwagen und 13 Güterwagen.

Am 18. Januar 1916 wurde die Firma in Langensalzaer Kleinbahn AG umbenannt, in der Hoffnung, bald weiterbauen zu können.

Der Erste Weltkrieg und seine Folgen verzögerten das Vorhaben, weitere Teile kamen nur abschnittsweise hinzu.

Im Oktober 1920 wurde der Abschnitt Kirchheilingen–Groß Urleben befahren und im November 1922 der Verkehr bis Bruchstedt aufgenommen.

Erst am 13. Juli 1923 war mit Haussömmern der Endpunkt erreicht, die Gesamtstrecke war 27,4 Kilometer lang.

Ein Weiterbau bis Rohnstedt, wo die Greußen-Ebeleben-Keulaer Eisenbahn lag, kam nicht mehr zustande.

Langensalzaer Kleinbahn in Richtung Langensalza Ost.
Langensalzaer Kleinbahn in Richtung Langensalza Ost. Foto: Ilmtaler, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Bahnhof Langensalza Süd lag dem Staatsbahnhof Langensalza gegenüber, er heißt heute Bad Langensalza.

Die Verwaltung lag bis 1945 bei der Kleinbahnabteilung des Provinzialverbandes Sachsen in Merseburg.

Seit dem 14. September 1943 hieß die Gesellschaft Langensalzaer Eisenbahn AG, ab dem 1. Juli 1946 gehörte sie zu den Landesbahnen Sachsen-Anhalt GmbH und der VVB in Halle an der Saale.

Am 1. April 1949 übernahm die Deutsche Reichsbahn den Betrieb für zwanzig Jahre.

Merxleben, Thamsbrück und die Welsbachs

Merxleben lag bei Kilometer 3,3, der Haltepunkt bestand von 1913 bis 1969.

Bei Kilometer 6,6 folgte Thamsbrück, dessen Stadt zu den Aktionären der Kleinbahn zählte.

Groß Welsbach lag bei Kilometer 9,3 und Klein Welsbach bei Kilometer 11,8.

Klein Welsbach erhielt 1913 Anschluss an die Kleinbahn.

Langensalzaer Kleinbahn in Richtung Bahnhof Bad Langensalza.
Langensalzaer Kleinbahn in Richtung Bahnhof Bad Langensalza. Foto: Ilmtaler, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Kirchheilingen: Der Endpunkt der ersten Bauphase

Der Bahnhof Kirchheilingen lag bei Kilometer 14,97 auf 251 Metern Höhe.

Bis hierher reichte die 1913 eröffnete Strecke, erst später kamen die weiteren Abschnitte dazu.

Der Abschnitt Kirchheilingen–Haussömmern, der neuere Teil der Strecke, wurde am 24. September 1967 stillgelegt.

Tottleben und Groß Urleben

Tottleben lag bei Kilometer 18,6, Groß Urleben bei Kilometer 19,7.

Bis Groß Urleben fuhr die Bahn seit Oktober 1920.

In Tottleben erinnert eine alte Diesellokomotive an die Bahnlinie.

Bruchstedt: Kopfbahnhof am Ort

Der Bahnhof Bruchstedt lag bei Kilometer 23,84 auf 219 Metern Höhe.

Er wurde als Kopfbahnhof angelegt, damit die Strecke über eine Spitzkehre möglichst nahe an den Ort herangeführt werden konnte.

Im November 1922 begann hier der Verkehr.

Haussömmern: Das Ende der Strecke

Haussömmern lag bei Kilometer 27,4 auf 279 Metern Höhe und war seit dem 13. Juli 1923 der Endpunkt.

Die Strecke sollte über Mittelsömmern weiter nach Rohnstedt führen, dieser Abschnitt wurde nie gebaut.

Zum Abbau gehen die Angaben auseinander: Die Streckenbeschreibung nennt für Haussömmern–Kirchheilingen 1967 als Jahr der Stilllegung, Ortsdarstellungen nennen den Abbau 1965 und 1967.

Das Ende der Kleinbahn 1969

Die übrige Strecke wurde am 1. Dezember 1969 stillgelegt.

Ab dem Bahnhof Bad Langensalza Ost wurde sie abgebaut, bis dorthin gibt es noch fallweise Güterverkehr zu einem Anschließer.

Das Gleis wird als Bahnhofsgleis betrieben, die gesamte Reststrecke gehört inzwischen Roland Mills.

Auf Teilen des Bahndamms verläuft zwischen Thamsbrück und Bad Langensalza Ost der Unstrutradweg als Bahntrassenradweg.

Ballstädt–Straußfurt: Drei Bauabschnitte

Die Strecke Ballstädt–Straußfurt wurde zwischen 1889 und 1906 in drei Etappen eröffnet.

Der 16,68 Kilometer lange Abschnitt von Ballstädt bis Herbsleben ging am 15. Dezember 1889 in Betrieb.

Die 4,59 Kilometer lange Verlängerung nach Tennstedt folgte am 17. Juli 1895.

Am 1. Juni 1906 kamen 10,88 Kilometer bis Straußfurt hinzu.

1897 kamen die Strecken Gräfentonna–Langensalza und Kühnhausen–Döllstädt dazu, der Abschnitt Gräfentonna–Döllstädt gewann als Teil der direkten Verbindung zwischen Erfurt und Bad Langensalza an Bedeutung.

Das Teilstück zwischen Ballstädt und Gräfentonna wurde nach dem Zweiten Weltkrieg abgebaut, die Angaben nennen dafür 1946 und 1947.

Burgtonna: Erster Halt hinter Ballstädt

Burgtonna lag bei Kilometer 2,72 hinter Ballstädt.

Am 15. Dezember 1889 fand die Einweihung der Eisenbahnlinie Ballstädt–Burgtonna–Gräfentonna–Döllstädt–Herbsleben statt.

Der alte Bahnhof von Burgtonna, Hauptstraße 35.
Der alte Bahnhof von Burgtonna, Hauptstraße 35. Foto: Giorno2, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Herbsleben: Endpunkt von 1889 bis 1895

Der Bahnhof Herbsleben lag bei Kilometer 16,68.

Bis hierher fuhr die Bahn seit 1889, ab 1895 weiter nach Tennstedt.

Der Personenverkehr endete 1997, im Jahr 1999 folgte die Stilllegung.

Bad Tennstedt: Wasserturm und Lokschuppen

Der Bahnhof Bad Tennstedt lag bei Kilometer 21,27 und wurde 1895 erreicht.

Er besaß ein Empfangsgebäude mit Güterschuppen, einen zweiständigen Lokschuppen und einen Wasserturm mit Wasserkran.

Es gab vier Gleise mit drei Bahnsteigen sowie ein Ladegleis und Gleise zum Lokschuppen.

Das Stellwerk war im Empfangsgebäude untergebracht.

Der Personenverkehr zwischen Döllstädt und Bad Tennstedt endete wegen technischer Mängel am 27. April 1997, der zwischen Bad Tennstedt und Straußfurt am 24. Mai 1998.

Kleinballhausen und Schwerstedt

Kleinballhausen lag bei Kilometer 23,40, Schwerstedt (Unstrut) bei Kilometer 26,25.

Beide Stationen lagen an der 1999 stillgelegten Bahnstrecke Ballstädt–Straußfurt.

In Straußfurt, bei Kilometer 32,15, endete die Strecke.

Nägelstedt: Der Halt nur für Reisende

Der Haltepunkt Nägelstedt lag bei Kilometer 3,19 der Strecke Gräfentonna–Bad Langensalza.

Er wurde am 25. November 1897 zusammen mit der Strecke eröffnet und diente nur dem Personenverkehr.

Er war die einzige neue Betriebsstelle der Strecke.

Der ehemalige Haltepunkt Nägelstedt.
Der ehemalige Haltepunkt Nägelstedt. Foto: Ilmtaler, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Witterda: Der Feldbahnhof

Der Bahnhof Witterda wurde 1897 an der Strecke Kühnhausen–Döllstädt eröffnet, bei Kilometer 7,05.

Er war als Feldbahnhof etwas außerhalb des Ortes angelegt und wurde auch von den benachbarten Ortschaften mitgenutzt.

Er ist inzwischen stillgelegt.

Der ehemalige Bahnhof von Witterda.
Der ehemalige Bahnhof von Witterda. Foto: Giorno2, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende 1999 und die Gegenwart

Die Strecke wurde am 31. Juli 1999 zwischen Döllstädt und Bad Tennstedt und am 31. August 1999 zwischen Bad Tennstedt und Straußfurt stillgelegt.

Anfang 2008 bot die DB Services Immobilien den stillgelegten Streckenabschnitt Döllstädt–Straußfurt zum Kauf an.

Ab 2009 wurde abschnittsweise ein Bahntrassenradweg auf Teilen des Bahndamms eröffnet.

Der Abschnitt Gräfentonna–Döllstädt ist zusammen mit den anschließenden Strecken Kühnhausen–Döllstädt und Gräfentonna–Bad Langensalza weiterhin in Betrieb.

15. Dezember 1889: Der Abschnitt Ballstädt–Herbsleben geht in Betrieb.

17. Juli 1895: Die Strecke ist bis Tennstedt verlängert.

25. November 1897: Die Strecken Gräfentonna–Langensalza und Kühnhausen–Döllstädt werden eröffnet.

1. Juni 1906: Die Verlängerung bis Straußfurt ist fertig.

27. Juli 1911: Die Kleinbahn-AG Langensalza-Kirchheilingen wird gegründet.

21. Mai 1913: Güterverkehr zwischen Langensalza und Merxleben.

4. Juli 1913: Die Strecke Langensalza–Kirchheilingen wird eröffnet.

Oktober 1920: Der Abschnitt bis Groß Urleben wird befahren.

November 1922: Der Verkehr erreicht Bruchstedt.

13. Juli 1923: Haussömmern ist erreicht, die Strecke ist 27,4 Kilometer lang.

1. April 1949: Die Reichsbahn übernimmt den Betrieb der Kleinbahn.

24. September 1967: Der Abschnitt Kirchheilingen–Haussömmern wird stillgelegt.

1. Dezember 1969: Die übrige Kleinbahn wird stillgelegt.

27. April 1997: Der Personenverkehr zwischen Döllstädt und Bad Tennstedt endet.

24. Mai 1998: Der Personenverkehr zwischen Bad Tennstedt und Straußfurt endet.

31. Juli 1999: Döllstädt–Bad Tennstedt wird stillgelegt.

31. August 1999: Bad Tennstedt–Straußfurt wird stillgelegt.

2009: Auf Teilen des Bahndamms wird ein Bahntrassenradweg eröffnet.

Wie lang war die Langensalzaer Kleinbahn?
Die Gesamtstrecke von Langensalza bis Haussömmern war 27,4 Kilometer lang.
Wann wurde die Kleinbahn stillgelegt?
Der Abschnitt Kirchheilingen–Haussömmern am 24. September 1967, die übrige Strecke am 1. Dezember 1969.
Warum wurde die Strecke nie bis Rohnstedt gebaut?
Der Erste Weltkrieg und seine Folgen verzögerten den Weiterbau, ein Anschluss an die Greußen-Ebeleben-Keulaer Eisenbahn in Rohnstedt kam nicht mehr zustande.
Wann endete der Personenverkehr nach Straußfurt?
Zwischen Döllstädt und Bad Tennstedt am 27. April 1997, zwischen Bad Tennstedt und Straußfurt am 24. Mai 1998.
Was ist heute mit der Strecke Ballstädt–Straußfurt?
Der Abschnitt zwischen Gräfentonna und Döllstädt ist weiter in Betrieb, auf Teilen des übrigen Bahndamms entstand ab 2009 ein Bahntrassenradweg.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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