Die stillen Halte der Schleswiger Kreisbahn

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Schleswiger Kreisbahn

Von der Schlei bis zur Eider: Die Schleswiger Kreisbahn betrieb 108 Kilometer Normalspur. Die Strecken nach Satrup und Friedrichstadt sind abgebaut, die Strecke nach Süderbrarup ist zum Radweg geworden, und nur zwischen Süderbrarup und Kappeln fährt eine Museumsbahn.

Ein Triebwagen der Schleswiger Kreisbahn in Schleswig Altstadt, 1978.
Ein Triebwagen der Schleswiger Kreisbahn in Schleswig Altstadt, 1978. Foto: Harald Knauer, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1883
Eröffnung Schleswig Altstadt–Süderbrarup
1934
Reiseverkehr nach Friedrichstadt eingestellt
1965
Letzte Personenzüge nach Satrup
1972
Letzte planmäßige Triebwagen nach Kappeln

Netz: 108 Kilometer Normalspur. Status: Schleswig–Süderbrarup stillgelegt, die Strecken nach Satrup und Friedrichstadt abgebaut. Heute: Museumszüge der Angelner Dampfeisenbahn zwischen Süderbrarup und Kappeln, Radweg auf der Trasse Schleswig–Süderbrarup.

Die Schleswiger Kreisbahn war Teil der Verkehrsbetriebe des Kreises Schleswig, eines kommunalen Eigenbetriebs.

Ihr normalspuriges Netz umfasste insgesamt 108 Kilometer.

Dieser Beitrag folgt den Strecken von Schleswig aus: nach Süderbrarup und Kappeln, nach Satrup und nach Friedrichstadt.

Auf der Strecke Süderbrarup–Kappeln fahren heute Museumszüge der Angelner Dampfeisenbahn, die übrigen Strecken sind stillgelegt.

Freie Fotos aus der Betriebszeit sind selten, es gibt eine Aufnahme eines Triebwagens aus dem Jahr 1978.

Die Schleibahn nach Schleswig Altstadt

Die Verbindung zwischen der Schleswiger Altstadt und dem Bahnhof Schleswig an der Strecke Neumünster–Flensburg stellte die Schleibahn her.

Die gut drei Kilometer lange Strecke ging am 15. November 1880 für den Güterverkehr und am 15. Mai 1881 für den Personenverkehr in Betrieb.

1885 ging sie in das Eigentum der Preußischen Staatsbahn über.

Dabei wurde weitgehend die Trasse der Schleswig-Klosterkruger Eisenbahn-Gesellschaft genutzt, die schon am 1. Juni 1858 eine Anschlussstrecke von der Stadt Schleswig zur Südschleswigschen Eisenbahn eröffnet hatte.

Nach der Eröffnung der Strecke nach Friedrichstadt fuhren von 1905 bis 1987 auch Züge der Kreisbahn über die Schleibahn.

Den Restgüterverkehr zwischen Schleswig und Schleswig Altstadt stellte die Deutsche Bahn am 1. Dezember 1992 ein.

Reste der Kreisbahn in der Königsstraße in Schleswig, 2020.
Reste der Kreisbahn in der Königsstraße in Schleswig, 2020. Foto: Mef.ellingen, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Von Schleswig Altstadt nach Süderbrarup

Den Grundstock des Netzes bildete die Verbindung vom Bahnhof Schleswig-Altstadt durch die Landschaft Angeln nach Süderbrarup.

Die Schleswig-Angeler Eisenbahn-Gesellschaft eröffnete die 22 Kilometer lange Strecke am 15. Mai 1883.

In Süderbrarup erreichte sie die Staatsbahnstrecke Flensburg–Eckernförde–Kiel.

Die Bahn wurde aber nicht wie erhofft benutzt.

Die Gesellschaft löste sich auf, am 16. Juli 1898 übernahm die Stadt Schleswig die Strecke und bezeichnete sie als Kleinbahn.

Der Streckenzustand war so schlecht, dass sie 1901 gesperrt werden musste.

Am 19. Januar 1901 wurde der Kreis Schleswig Eigentümer.

Die Betriebsführung hatte zeitweise die Firma Lenz & Co übernommen, bis 1913/14.

Weiter nach Kappeln

Der Kreis führte die Strecke am 22. Dezember 1904 um 15 Kilometer bis zur Hafenstadt Kappeln weiter.

In Kappeln trafen drei Kreisbahnen aufeinander, neben der Schleswiger Kreisbahn die Flensburger Kreisbahn und die Eckernförder Kreisbahnen, zwei davon schmalspurig.

Die letzten planmäßigen Triebwagen verbanden noch bis zum 27. Mai 1972 Schleswig mit Kappeln.

Der Güterverkehr zwischen Schaalby und Süderbrarup endete am 30. Juni 1980, das Gleis blieb für Überführungsfahrten nach Kappeln liegen.

Nach dem Abbau der Gleise wurde der Abschnitt zwischen Schleswig und Süderbrarup großenteils zu einem Radweg umgebaut.

Dieser wurde 2023 saniert und am 25. Juli 2024 wieder dem Verkehr übergeben.

Die Angelnbahn in Süderbrarup, 2008.
Die Angelnbahn in Süderbrarup, 2008. Foto: — Xocolatl 18:01, 1 April 2008 (UTC), gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Süderbrarup–Kappeln: heute Museumsbahn

1981 wurde der Restgüterverkehr von Süderbrarup nach Kappeln an die Deutsche Bundesbahn übergeben, die ihn bis Ende 2001 durchführte.

Danach fuhr die Angeln-Bahn Güterzüge für die Cremilk-Werke in Kappeln, zum 15. Dezember 2003 wurde der Güterverkehr endgültig eingestellt.

Seitdem verkehren nur noch die Museumszüge der Angelner Dampfeisenbahn.

Seit 2009 ist die neu gegründete Angelner Eisenbahn Gesellschaft Infrastrukturunternehmen der Strecke.

Das Gleis und der Lokschuppen in Kappeln gehören dem Kreis Schleswig-Flensburg, der sie für einen Euro an die Gesellschaft verpachtet hat.

Im Juli 2025 wurde bekannt, dass der Eisenbahn-Zweckverband die Strecke wegen zu hoher Instandhaltungskosten wieder veräußern möchte.

Eine Angelnbahn-Lok in Süderbrarup, 2008.
Eine Angelnbahn-Lok in Süderbrarup, 2008. Foto: — Xocolatl 17:56, 1 April 2008 (UTC), gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Ein Museumswagen in Süderbrarup, 2008.
Ein Museumswagen in Süderbrarup, 2008. Foto: — Xocolatl 17:58, 1 April 2008 (UTC), gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Die ehemals schwedische Lok S1 Nr. 1916 im Dienst der Angelner Dampfeisenbahn, 2002.
Die ehemals schwedische Lok S1 Nr. 1916 im Dienst der Angelner Dampfeisenbahn, 2002. Foto: Tenderlok, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Schleswig Altstadt–Satrup

Eine Strecke von Schleswig nach Flensburg wurde erstmals 1893 beantragt.

Die Stadt Schleswig und Flensburg waren interessiert, der Kreis Schleswig aber nicht, sodass Flensburg 1898 den Bau einer Strecke von Flensburg über Satrup und Sörup beschloss.

1901 wurde die Strecke Flensburg–Satrup eröffnet.

Unter dem neuen Landrat Kurt von Alten wurde der Kreis Schleswig eisenbahnfreundlicher.

Am 24. November 1900 beschloss der Kreistag eine meterspurige Strecke Satrup–Wellspang–Tolk–Nübel–Schleswig.

Der Provinziallandtag beschloss am 20. Februar 1901, nur den Bau einer Schmalspurbahn zu unterstützen.

Lenz & Co begannen im Juli 1901 ab Satrup mit dem Bau, der bald ins Stocken geriet.

Im März 1902 bewilligte der Provinziallandtag dann doch den Bau einer Normalspurbahn, allerdings nur in Höhe der Kosten einer Schmalspurbahn.

Am 26. Februar 1903 beschloss der Kreistag die Führung über Berend, Nübel und Brekling.

Am 15. Juli 1904 wurde die Strecke eröffnet, in Satrup endete sie in einem eigenen normalspurigen Bahnhof gegenüber dem Bahnhof der schmalspurigen Flensburger Kreisbahn.

Die Personenzüge nach Satrup fuhren bis zum 11. April 1965.

Güterzüge fuhren ab 16. Juli 1975 nur noch nach Berend, bis dieser Verkehr am 30. Juni 1980 endete.

Das Industriegebiet Klosterfeld wurde bis zum 30. April 1988 bedient, zuletzt mit Fahrzeugen der Deutschen Bundesbahn.

Schleswig–Friedrichstadt

Erste Planungen für eine Strecke zwischen Schleswig und Friedrichstadt gab es seit 1893.

Eine Bahn in Meterspur wurde nicht genehmigt, weil der zuständige Minister Normalspur wünschte, der Bau wurde am 25. Juni 1903 genehmigt.

Am 1. Dezember 1905 eröffnete die Kreisbahn die 37 Kilometer lange Strecke über Wohlde und Süderstapel bis Friedrichstadt an der Eider.

Auf eine Gleisverbindung zur nahen Marschbahn wurde wegen mehrerer dazwischenliegender Grachten verzichtet.

Der Bau kostete 1,4 Millionen Mark.

Die Strecke war nie ertragreich, besonders nachdem die Staatsbahnstrecke Rendsburg–Husum am 1. September 1910 in Betrieb gegangen war, die in Norderstapel gekreuzt wurde.

Am 1. Februar 1934 wurde der Personenverkehr zwischen Schleswig und Friedrichstadt eingestellt und durch Busverkehr ersetzt.

Ab dem 2. August 1943 wurde das Gleis westlich von Wohlde abgebaut, nachdem dort der Güterverkehr zum Erliegen gekommen war.

Der Ostteil gewann 1936 durch den Bau einer Munitionsanstalt bei Kropp und des Fliegerhorstes Schleswig bei Jagel neue Bedeutung.

Deshalb kaufte die Luftwaffe die zehn Kilometer lange Teilstrecke Schleswig–Kropp.

Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg fuhren auf dem Teilstück Schleswig–Wohlde bis zum 13. Mai 1950 wieder Personenzüge.

Anschließend wurde westlich von Hollingstedt-Dörpstedt abgebaut.

Auf dem Reststück wurden bis zum Jahresende 1971 Güter befördert, bis zum 30. Dezember 1983 noch bis Kropp.

Inzwischen ist diese Teilstrecke abgebaut.

Der alte Bahnhof der Schleswiger Kreisbahn in Friedrichstadt.
Der alte Bahnhof der Schleswiger Kreisbahn in Friedrichstadt. Foto: CeGe, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der alte Bahnhof Friedrichstadt der Schleswiger Kreisbahn, 2013.
Der alte Bahnhof Friedrichstadt der Schleswiger Kreisbahn, 2013. Foto: — Jo.Fruechtnicht, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

In Friedrichstadt ist das ehemalige Bahnhofsgebäude an der Ecke Brückenstraße und Am Ostersielzug noch vorhanden.

Das Gleiche gilt für die Empfangsgebäude in Seeth, Süderstapel und Bergenhusen.

Busse und Fahrzeuge

Der Kreis Schleswig fasste 1934 seine Kleinbahnstrecken und den 1933 eröffneten Omnibusbetrieb unter der Bezeichnung Verkehrsbetriebe des Kreises Schleswig zusammen.

Nach der Kreisgebietsreform 1974 hieß das Unternehmen Verkehrsbetriebe des Kreises Schleswig-Flensburg.

Der Triebwagen VT 4 entstand 1926 und wurde im Volksmund Jammermühle genannt, 1973 wurde er abgestellt.

Der MAN-Schienenbus VT 5 von 1958 lief vorwiegend zwischen Schleswig und Kappeln und wurde 1972 an die Kahlgrundbahn verkauft.

Die Geschichte in Daten

01.06.1858: Die Schleswig-Klosterkruger Eisenbahn eröffnet eine Anschlussstrecke von Schleswig.

15.11.1880: Die Schleibahn wird für den Güterverkehr eröffnet.

15.05.1881: Die Schleibahn nimmt den Personenverkehr auf.

15.05.1883: Eröffnung Schleswig Altstadt–Süderbrarup.

16.07.1898: Die Stadt Schleswig übernimmt die Strecke.

19.01.1901: Der Kreis Schleswig wird Eigentümer.

15.07.1904: Eröffnung Schleswig–Satrup.

22.12.1904: Verlängerung bis Kappeln.

01.12.1905: Eröffnung Schleswig–Friedrichstadt.

01.02.1934: Der Personenverkehr nach Friedrichstadt wird eingestellt.

02.08.1943: Abbau des Gleises westlich von Wohlde.

13.05.1950: Letzte Personenzüge Schleswig–Wohlde.

11.04.1965: Letzte Personenzüge nach Satrup.

27.05.1972: Letzte planmäßige Triebwagen Schleswig–Kappeln.

30.06.1980: Ende des Güterverkehrs Schaalby–Süderbrarup und nach Berend.

30.12.1983: Ende des Güterverkehrs bis Kropp.

30.04.1988: Ende der Bedienung des Industriegebiets Klosterfeld.

01.12.1992: Die DB stellt den Restgüterverkehr Schleswig–Schleswig Altstadt ein.

15.12.2003: Der Güterverkehr Süderbrarup–Kappeln wird eingestellt.

25.07.2024: Der sanierte Radweg Schleswig–Süderbrarup wird dem Verkehr übergeben.

Häufige Fragen

Welche Strecke der Schleswiger Kreisbahn ist noch in Betrieb?
Zwischen Süderbrarup und Kappeln verkehren Museumszüge der Angelner Dampfeisenbahn.
Wann fuhren die letzten Triebwagen zwischen Schleswig und Kappeln?
Bis zum 27. Mai 1972.
Was ist aus der Strecke Schleswig–Süderbrarup geworden?
Nach dem Abbau der Gleise wurde der Abschnitt großenteils zu einem Radweg umgebaut.
Wann endete der Reiseverkehr nach Satrup?
Die Personenzüge fuhren bis zum 11. April 1965.
Was ist vom Bahnhof Friedrichstadt erhalten?
Das ehemalige Bahnhofsgebäude an der Ecke Brückenstraße und Am Ostersielzug ist noch vorhanden.
Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Schleswiger Kreisbahn

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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