Die Bahn nach Aken: Köthen–Aken ohne Personenverkehr
Seit dem 9. Dezember 2007 fährt auf der Strecke von Köthen nach Aken kein planmäßiger Personenzug mehr. Der Beitrag zeigt, wie die Strecke entstand, was in Aken und Trebbichau geschah und wie es 2026 mit ihr weitergeht.


Lage: Anhalt-Bitterfeld, Sachsen-Anhalt, rund 12,5 Kilometer. Status: Der planmäßige Personenverkehr endete am 9. Dezember 2007, Güterverkehr zum Hafen Aken findet bei Bedarf statt. Heute: Das Stilllegungsverfahren wurde im Februar 2025 ausgesetzt, im Februar 2026 begann die Sanierung.
Die Bahnstrecke Köthen–Aken ist eine Nebenbahn in Sachsen-Anhalt.
Sie verbindet den Hafen und die Stadt Aken über Trebbichau mit dem Bahnhof der Kreisstadt Köthen an der Bahnstrecke Magdeburg–Leipzig.
Der planmäßige Personenverkehr endete am 9. Dezember 2007, seitdem fahren Busse.
Die Strecke selbst ist nicht stillgelegt, Güterverkehr zum Hafen Aken findet bei Bedarf statt, gelegentlich fahren Sonderzüge.
Dieser Beitrag beschreibt die Strecke und ihre Halte Köthen, Trebbichau und Aken.
Vorgeschichte
1865 sollte ein Eisenbahnkomitee die Möglichkeiten für einen Bahnbau nach Aken ausloten.
Aken lag in Preußen, deshalb wurde zunächst überlegt, das ebenfalls preußische Maxdorf an der Strecke Magdeburg–Köthen als Ausgangspunkt zu wählen.
Dort gab es allerdings keinen Bahnhof.
Fachleute rieten zur Stadt Köthen im Herzogtum Anhalt, zudem wurde Elsnigk in Erwägung gezogen.
In Köthen stießen diese Pläne auf heftige Kritik, vorerst kam es nicht zum Bau.
Die Kosten für ein eigenständiges Unternehmen waren zu hoch, obwohl Berechnungen prognostizierten, dass sich eine Hafenbahn rentiere.
Ein bereits beauftragter Unternehmer zog seine Finanzierung zurück.
Im Juli 1880 wandte sich der Akener Bürgermeister an die preußische Regierung, den Bau zu übernehmen.
Bau und Eröffnung
Das Gelände war flach und eben, das führte zu günstigen Entschädigungen.
Um Kosten zu sparen, mündete die Strecke südöstlich von Elsdorf in die Bahnstrecke Dessau–Köthen ein.
Deshalb mussten nur etwa 9,8 Kilometer neu gebaut werden, die Dessau-Köthener Strecke wurde zudem auf 2,5 Kilometer mitgenutzt.
Am 24. September 1887 schlossen Preußen und Anhalt einen Staatsvertrag über den Bahnbau.
Eine Firma aus Uelzen schloss die Arbeiten im April 1890 ab.
Am 1. Mai 1890 fuhr gegen 13:00 Uhr der erste Zug in Köthen ab, in Aken wurde der Tag mit großer Begeisterung gefeiert.
Der Köthener Oberbürgermeister nahm an der Feier nicht teil.
Im Personenverkehr fuhren zunächst täglich fünf Zugpaare.
Eines davon war ein Güterzug mit Personenbeförderung, der wegen der Sparmaßnahmen nur eine Metermasse von 25 Kilogramm aufwies, daher mussten bald leichte Lokomotiven durch stärkere ersetzt werden.
Der Fahrpreis für die vierte Klasse betrug 30 Pfennig.
1908 gab es Bestrebungen des Akener Magistrats, die Strecke bis Zerbst oder Loburg zu verlängern.
Preußische Dienststellen lehnten das zunächst ab, weil die Bahnstrecke Wiesenburg–Roßlau schon in Planung war, danach verhinderte der Erste Weltkrieg alle Bauvorhaben.
Köthen und der Berlin-Halberstädter Bahnhof
Die Strecke aus Aken endete im Berlin-Halberstädter Bahnhof Köthen.
Dazu wurden ein neuer Bahnsteig angelegt und der Fußgängertunnel am Bahnhof verlängert.
Am 2. September 1916 fuhr der letzte Zug von diesem Bahnhof nach Aken ab.
Der Berlin-Halberstädter Bahnhof wurde danach endgültig geschlossen.
Der heutige Bahnhof Köthen liegt weiter an der Strecke Magdeburg–Leipzig.
Trebbichau

Trebbichau liegt bei Kilometer 7,668 und war früher ein Bahnhof, heute ist es ein Haltepunkt.
Er befindet sich fast fünf Kilometer südlich von Aken.
Die Bauarbeiten, die Mitte Februar 2026 begannen, umfassten die Erneuerung von Schwellen, Schienen und Weichen in Aken und Trebbichau.



Aken (Elbe)

Der Bahnhof Aken ist der Endpunkt der Strecke und ging 1890 in Betrieb, die feierliche Einweihung fand einen Tag vor der Eröffnung statt.
Bereits 1889 hatte der Hafen seinen Betrieb aufgenommen.
Weil die Gütermengen stark stiegen, war es nicht mehr möglich, alle Güter mit Fuhrwerken über die Straße zu transportieren.
Der Bahnhof wirkte sich daher sehr positiv auf die örtliche Wirtschaft aus.
In der Nähe des Hafens siedelten sich eine Graupenmühle, eine Ölmühle, ein Stahlbauer, ein Getreidehandel, ein Getreidesilo und ein Kohlehändler an.
Vor und im Zweiten Weltkrieg kamen ein Tanklager, ein Magnesitwerk und ein Aluminiumwerk hinzu.
Das Aluminiumwerk wurde nach dem Krieg abgebaut und als Reparationsleistung an die Sowjetunion geliefert.
Über die Ladestraße verluden Bauern Rüben und Kartoffeln.
Zu DDR-Zeiten wuchs das Güterverkehrsaufkommen kräftig, fünf Güterzüge fuhren täglich nach Aken.
Bis zu 37 Beschäftigte arbeiteten für Bahnhof, Stellwerk, Hafenschranke und Fahrkartenausgabe.
1994 wurde die Fahrkartenausgabe geschlossen und durch einen Automaten ersetzt.
Im November und Dezember 2005 wurden alle nicht mehr benötigten Gleise und Signale im Bahnhof entfernt, es blieben zwei Gleise und zwei Weichen.
Seit dem 9. Dezember 2007 wird der Bahnhof nicht mehr planmäßig im Personenverkehr bedient, nachdem das Land Sachsen-Anhalt die Leistungen zwischen Köthen und Aken abbestellt hatte.
Zuletzt fuhren die Züge täglich im Stundentakt, am Wochenende zweistündlich, betrieben von der Elbe Saale Bahn.
Nachdem die Bayerische Regionaleisenbahn 2012 den Betrieb übernommen hatte, wurde in Aken der Fahrdienstleiter abgezogen.
Alle weiteren Nebengleise im Bahnhof sind gesperrt.

Das Empfangsgebäude und das Stellwerk
Das vor 1900 entstandene Empfangsgebäude steht unter Denkmalschutz.
1997 sanierten ein örtlicher Verein und die DB Station&Service AG Dach, Türen und Fenster.
Bis 2005 folgte die Sanierung weiterer Räume, ein Jahr später wurde dort ein Museum zur Eisenbahngeschichte in Aken eingerichtet.
2008 kündigte die DB Station&Service allen Mietern, ab dem 31. Dezember desselben Jahres stand das Gebäude leer.
Mitte 2010 erwarb es eine Privatperson, um es zum Wohnen zu nutzen, der Verein zog 2014 in ein Gebäude im Hafen.
Das mechanische Fahrdienstleiterstellwerk As wurde 1941 in Betrieb genommen, am 26. Juli 2012 endete seine Nutzung.

Der Weg zur Stilllegung und zurück
Nach 1989 sanken die Fahrgastzahlen, auch der Güterverkehr ging zurück.
Anfang der 1990er Jahre kamen erste Diskussionen über die Stilllegung auf.
Im Winter 1993/94 wurde der Oberbau erneuert, weil der Hafen in Aken einen Bahnanschluss erforderte.
Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2006 bezog DB Regio die Strecke in die Marke Elbe-Saale-Bahn ein.
Wegen des defizitären Betriebs wollte DB Netz die Strecke 2011 abgeben, Mitte Juni 2011 folgte eine Ausschreibung, die die Deutsche Regionaleisenbahn gewann.
Im September 2024 schrieb sie die Strecke im Rahmen eines Stilllegungsverfahrens erneut aus, weil sich der Betrieb nicht kostendeckend durchführen ließ.
Im Jahr 2023 standen Einnahmen von 800 Euro aus Streckennutzungsentgelten Ausgaben von etwa 60.000 Euro für die Instandhaltung gegenüber.
Im Februar 2025 wurde das Stilllegungsverfahren ausgesetzt, weil ein Bündnis aus der Stadt Aken, dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld, dem Hafenbetrieb Aken und dem Streckenbetreiber einen Fördermittelantrag für eine Sanierung von 400.000 Euro gestellt hatte.
Das Land sollte die Hälfte der Kosten tragen.
Die Bauarbeiten begannen Mitte Februar 2026 und sollen vor allem den seit zwei Jahren ruhenden Güterverkehr zum Hafen wieder möglich machen.
Die Strecke sollte zum 1. November 2026 wieder freigegeben werden.

Die Geschichte in Daten
1865: Ein Eisenbahnkomitee soll die Möglichkeiten eines Bahnbaus nach Aken ausloten.
1880: Im Juli bittet der Akener Bürgermeister die preußische Regierung, den Bau zu übernehmen.
1887: Am 24. September schließen Preußen und Anhalt den Staatsvertrag.
1889: Der Hafen Aken nimmt den Betrieb auf.
1890: Am 1. Mai eröffnet die Strecke von Köthen nach Aken.
1916: Am 2. September fährt der letzte Zug im Berlin-Halberstädter Bahnhof Köthen nach Aken ab.
1941: Das Fahrdienstleiterstellwerk As geht in Betrieb.
1994: Die Fahrkartenausgabe in Aken wird geschlossen, im Winter zuvor wurde der Oberbau erneuert.
2005: Im November und Dezember werden nicht mehr benötigte Gleise und Signale im Bahnhof Aken entfernt.
2007: Am 9. Dezember wird der Personenverkehr eingestellt.
2011: Im Juni schreibt DB Netz die Strecke zur Übernahme aus.
2012: Am 26. Juli endet die Nutzung des Stellwerks.
2024: Im September schreibt die Deutsche Regionaleisenbahn die Strecke im Stilllegungsverfahren aus.
2025: Im Februar wird das Stilllegungsverfahren ausgesetzt.
2026: Mitte Februar beginnen die Sanierungsarbeiten.
Häufige Fragen
Fahren heute noch Personenzüge nach Aken?
Ist die Strecke stillgelegt?
Wann wurde die Strecke eröffnet?
Was geschah mit dem Berlin-Halberstädter Bahnhof in Köthen?
Wofür wird das Empfangsgebäude in Aken genutzt?
Die Strecke von Köthen nach Aken ist ohne Personenverkehr, für den Hafen Aken aber weiterhin als Schienenzugang vorgesehen.
Wikipedia: Bahnstrecke Köthen–Aken · Wikipedia: Bahnhof Aken (Elbe)
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