Die stillen Halte der Strecke Malente–Lütjenburg

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Strecke Malente–Lütjenburg

Siebzehn Kilometer durch die Holsteinische Schweiz: Seit 1976 fährt hier kein Linienzug mehr, 1996 wurde die Strecke stillgelegt. Heute rollen Draisinen und ein Schienenbus über die erhaltene Trasse.

Der Schienenbus VT 23 der Historischen Eisenbahn Holsteinische Schweiz im Bahnhof Lütjenburg, 2026.
Der Schienenbus VT 23 der Historischen Eisenbahn Holsteinische Schweiz im Bahnhof Lütjenburg, 2026. Foto: Detlefschulzehagenest, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1890
Eröffnung bis Kletkamp
1976
Reiseverkehr eingestellt
1996
Strecke offiziell stillgelegt
2022
Draisinen und Schienenbus-Verein

Strecke: Bad Malente-Gremsmühlen–Lütjenburg, rund 17 Kilometer. Status: seit 1996 offiziell stillgelegt, nicht abgebaut. Heute: Draisinenverleih seit 2022, touristischer Schienenbusverkehr zwischen Lütjenburg und Flehm seit Juli 2026.

Die Bahnstrecke Bad Malente-Gremsmühlen–Lütjenburg ist eine normalspurige Nebenbahn in Schleswig-Holstein von rund 17 Kilometern Länge.

Den Bau betrieb der Kaufmann Janus, der das Hotel Holsteinische Schweiz führte und damit dem gleichnamigen Bahnhof den Namen gab.

Der Personenverkehr endete am 29. Mai 1976, die Strecke wurde 1996 offiziell stillgelegt.

Sie blieb erhalten und wird heute für Draisinen und touristische Fahrten genutzt.

Freie Fotos aus der Betriebszeit fehlen, die verfügbaren Bilder sind neu.

Der Bau der Strecke

Der Vertrag zum Bau wurde am 15. Mai 1888 unterzeichnet, die Strecke wurde in mehreren Abschnitten eröffnet.

Die Bahn zweigte im 1866 errichteten Bahnhof Gremsmühlen von der Ostholsteinischen Eisenbahn ab.

Für den Bau musste der Bahnhof 1893 umgebaut werden, danach lag er als Keilbahnhof zwischen den Bahnsteiggleisen nach Lütjenburg und nach Kiel und Lübeck.

Am 17. November 1905 änderte die Direktion Altona den Stationsnamen in Malente-Gremsmühlen, um die häufigen Verwechslungen mit Grevesmühlen zu vermeiden.

Am 8. Dezember 1890 eröffnete die Strecke bis zur Haltestelle Kletkamp, ab dem 1. Juni 1891 reichte sie bis zum Haltepunkt Schmiedendorf am Stadtrand von Lütjenburg.

Dort war bis zum 14. Oktober 1892 Endstation, dann wurde das Reststück bis Lütjenburg eröffnet und Schmiedendorf aufgelassen.

Bad Malente-Gremsmühlen

Der Bahnhof Bad Malente-Gremsmühlen ist bei Kilometer 0,00 der Ausgangspunkt der Strecke.

Er ist auch deren Namensgeber, daneben lag der Malenter Güterbahnhof, heute die Flohmarkthalle Gremskamp.

Im Sommer 2004 wurde die Anschlussweiche in Richtung Lütjenburg abgebaut.

Der Bahnhof Bad Malente-Gremsmühlen im Jahr 2007.
Der Bahnhof Bad Malente-Gremsmühlen im Jahr 2007. Foto: M. Bienick, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Dreischienengleis in Malente-Gremsmühlen, 2007.
Das Dreischienengleis in Malente-Gremsmühlen, 2007. Foto: Manfred E. Fritsche, CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Malente-Nord und Holsteinische Schweiz

Der Halt Malente-Nord bei Kilometer 2,01 bestand ab dem Sommer 1954.

Der Bahnhof Holsteinische Schweiz am Kellersee wurde am 25. Mai 1890 eröffnet und erhielt seinen Namen nach dem gleichnamigen Hotel.

Gleis 1 besaß eine Bahnsteigüberdachung, die 1896 abgebaut wurde, um sie am Plöner Prinzenbahnhof wieder aufzubauen.

Seit 1910 steht diese Überdachung am Plöner Bahnhof.

Bruhnskoppel und Malkwitz

Bruhnskoppel bei Kilometer 5,49 bestand seit 1890.

Malkwitz bei Kilometer 6,72 wurde ab dem Sommer 1954 bedient.

In Malkwitz lag bei Kilometer 6,90 der einzige Gleisanschluss der Strecke.

Er diente einer Ziegelei, wurde um 1890 in Betrieb genommen und bis Anfang der 1970er Jahre bedient.

Benz

Der Bahnhof Benz bei Kilometer 8,32 bestand seit 1890.

Im Bahnhof Benz fand die Verwaltung der Reichsbahndirektion Stettin nach dem Kriegsende ihre Heimat.

Die Auflösung der Direktion erfolgte im Juli 1945, eine Gedenktafel am Stationsgebäude erinnert daran.

Von 2006 bis 2008 gab es zwischen Bad Malente-Gremsmühlen und Benz Draisinenverkehr.

Flehm, Kletkamp, Blekendorf und Friederikenthal

Flehm bei Kilometer 9,60 wurde ab dem Sommer 1955 bedient und im Juli 2026 wiedereröffnet.

Kletkamp bei Kilometer 11,15 war ab dem 8. Dezember 1890 erster Endpunkt der Strecke.

Blekendorf bei Kilometer 13,00 bestand ab dem Sommer 1954 und wurde im Juli 2026 wiedereröffnet.

Friederikenthal bei Kilometer 15,20 bestand ebenfalls seit dem Sommer 1954 und wurde im Juli 2026 wiedereröffnet.

Schmiedendorf bei Kilometer 16,57 war nur vom 1. Juni 1891 bis zum 1. Oktober 1892 in Betrieb.

Lütjenburg

Der Bahnhof Lütjenburg hatte eine Drehscheibe, einen Lokschuppen mit Behandlungsanlagen und eine Kopf- und Seitenrampe mit Kran.

Von 1910 an mündete dort die Kleinbahn Kirchbarkau–Preetz–Lütjenburg am Hausbahnsteig ein, seitdem gab es einen zweiten Bahnsteig.

Die Kleinbahn besaß in Lütjenburg einen eigenen Lokschuppen mit Behandlungsanlagen.

Nachdem sie 1938 ihren Betrieb einstellte, übernahm das Militär den Abschnitt Lütjenburg–Neuhaus als Anschlussgleis für den Seefliegerhorst Bellin am Selenter See.

Die Bedienung übernahm die Reichsbahn bis 1942, danach wurden die Gleise abgebrochen.

2008 wurde ein Großteil des Lütjenburger Bahnhofsgeländes zugunsten eines neuen Supermarkts abgerissen.

Der neue Bahnsteig für den touristischen Verkehr liegt etwa 100 Meter südlich in der ehemaligen Einfahrharfe, im April 2026 bezog der VT 23 dort eine neue Wartungs- und Abstellhalle.

Der Niedergang des Linienverkehrs

In den 1960er Jahren wurde die Strecke für bis zu 1.400 Tonnen schwere Militärzüge zum Truppenübungsplatz Todendorf erneuert.

1962 und 1963 wurden auf der gesamten Strecke Schienen vom Profil S 54 in ein neues Schotterbett verlegt und durchgehend verschweißt.

Zum Sommerfahrplan ab dem 23. Mai 1954 hielt der Schienenbus Einzug, er prägte das Streckenbild bis zur Einstellung des Personenverkehrs am 29. Mai 1976.

Mitte der 1990er Jahre endete der militärische Güterverkehr, 1996 wurde die Strecke offiziell stillgelegt.

Saisonale Dampfzüge zwischen Hamburg und Lütjenburg fuhren mit Sondergenehmigung noch bis ins Jahr 2000.

Im April 2005 erwarb die Mittenwalder Eisenbahn-Immobiliengesellschaft die Strecke und bewahrte sie so vor dem Abbruch.

Am 15. September 2008 verkaufte sie die Strecke an die DP Deutsche Privatbahn.

Das Feldbahnprojekt von 2006 bis 2010

Von 2006 bis 2010 verpachtete die Eigentümerin die Strecke an die Feld- und Kleinbahn Betriebsgesellschaft, kurz FKBG.

Diese spurte 2006 das Gleis zum ehemaligen Güterbahnhof in Malente auf 600 Millimeter um und plante, ab 2009 die gesamte Strecke umzuspuren.

Im April 2009 wurde dem Unternehmen auf eigenen Antrag die Genehmigung als Eisenbahninfrastrukturunternehmen entzogen.

Der im Juni 2009 aufgenommene Betrieb eines umgespurten Teilstücks wurde am 19. Juni 2009 von der Gemeinde Malente untersagt.

Der am 3. Juli 2010 erneut aufgenommene Betrieb wurde am 6. Juli von der Eisenbahnaufsichtsbehörde verboten.

Das Projekt wird nicht weiterverfolgt, die bis Bruhnskoppel umgespurte Strecke wurde auf Regelspur zurückgebaut.

Draisinen, Verein und Schienenbus

Im März 2011 wurde die gesamte Strecke vom Pflanzenbewuchs befreit.

Anfang Juli 2012 beantragte das zuständige Eisenbahninfrastrukturunternehmen die Stilllegung der Strecke.

Seit September 2019 wurden die Schienen wieder freigelegt und auf den offenen Abschnitten ein provisorischer Draisinenverkehr eingerichtet.

Am 12. September 2020 wurde der Verein Schienenverkehre Malente-Lütjenburg gegründet, der den dauerhaften Erhalt der Infrastruktur und die Reaktivierung anstrebt.

2022 kaufte eine eigens gegründete Verwaltungsgesellschaft die Strecke, im Sommer 2022 nahm ein Draisinenverleih seinen Betrieb auf.

Der Verein Historische Eisenbahn Holsteinische Schweiz wurde 2022 gegründet.

2023 erwarb eine Eigentümergemeinschaft die MAN-Schienenbusse T 23 und T 25 der Rhein-Sieg-Eisenbahn, am 28. Juli 2025 wurde der T 23 nach Lütjenburg transportiert.

Am 8. Juli 2026 erfolgte die Abnahmefahrt zwischen Lütjenburg und Flehm, die Teilstrecke wurde am 10. Juli für den Eisenbahnbetrieb freigegeben.

Seit 2022 dient die Strecke außerdem als Reallabor der Forschungsinitiative REAKT unter Federführung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Die Geschichte in Daten

31.05.1866: Eröffnung des Bahnhofs Gremsmühlen.

15.05.1888: Unterzeichnung des Bauvertrags.

25.05.1890: Eröffnung des Bahnhofs Holsteinische Schweiz.

08.12.1890: Eröffnung bis Kletkamp.

01.06.1891: Verlängerung bis Schmiedendorf.

14.10.1892: Eröffnung bis Lütjenburg.

17.11.1905: Umbenennung in Malente-Gremsmühlen.

1910: Die Kleinbahn Kirchbarkau–Preetz–Lütjenburg mündet in Lütjenburg ein.

Juli 1945: Auflösung der Reichsbahndirektion Stettin in Benz.

23.05.1954: Der Schienenbus nimmt den Betrieb auf.

29.05.1976: Der Personenverkehr wird eingestellt.

1996: Offizielle Stilllegung.

April 2005: Erwerb durch die Mittenwalder Eisenbahn-Immobiliengesellschaft.

15.09.2008: Verkauf an die DP Deutsche Privatbahn.

12.09.2020: Gründung des Vereins Schienenverkehre Malente-Lütjenburg.

Sommer 2022: Beginn des Draisinenverleihs.

10.07.2026: Freigabe der Teilstrecke Lütjenburg–Flehm für den Eisenbahnbetrieb.

Häufige Fragen

Wann endete der Personenverkehr auf der Strecke Malente–Lütjenburg?
Am 29. Mai 1976.
Ist die Strecke abgebaut?
Nein, die Strecke wurde 1996 offiziell stillgelegt, blieb aber erhalten.
Kann man die Strecke befahren?
Seit Sommer 2022 gibt es einen Draisinenverleih, seit Juli 2026 verkehrt ein Schienenbus zwischen Lütjenburg und Flehm.
Woher hat der Bahnhof Holsteinische Schweiz seinen Namen?
Vom gleichnamigen Hotel des Kaufmanns Janus, der den Bau der Strecke betrieb.
Welche Halte wurden 2026 wiedereröffnet?
Flehm, Blekendorf und Friederikenthal.
Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Malente-Gremsmühlen–Lütjenburg

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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