Reservierungspflicht im Fernverkehr – sinnvoll? Pro und Contra

Bahn-Slam · Standpunkt

„Sehr geehrte Fahrgäste, der Zug ist stark ausgelastet. Bitte nehmen Sie auch auf den Gängen Rücksicht.“

Reservierungspflicht im Fernverkehr – sinnvoll?

→ In Frankreich kein Sitzplatz, kein Ticket. In Deutschland steigt man ein und hofft. Was ist besser?

Lesezeit: 7 Minuten · Fernverkehr

Worum es geht

In Deutschland kann man den ICE spontan nutzen: Ticket kaufen, einsteigen, freien Platz suchen. Eine Sitzplatzreservierung ist freiwillig. In Ländern wie Frankreich oder Spanien gilt für Hochgeschwindigkeitszüge dagegen eine Reservierungspflicht – ist kein Platz mehr frei, gibt es auch kein Ticket. Soll Deutschland diesem Modell folgen?

Jeder kennt die Szene: ein überfüllter ICE, Menschen sitzen auf dem Boden, stehen im Gang, klemmen zwischen Koffern.

In anderen Ländern gibt es das kaum – dort ist jeder Sitzplatz reserviert, der Zug nie überfüllt.

Dafür ist Spontaneität passé. Sollte Deutschland die Freiheit gegen die Sitzplatzgarantie tauschen?

Sitzreihen im Großraumwagen eines ICE
Foto: KarleHorn, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Das deutsche Modell

Ein deutsches Fernverkehrsticket gilt in der Regel für den Zug, ist aber flexibel: freie Platzwahl, oft auch Umsteigen auf einen anderen Zug möglich (je nach Tarif).

Eine Reservierung kann man dazubuchen – muss man aber nicht. Das macht die Bahn spontan nutzbar, sorgt aber auch für volle Züge.

Das Modell mit Pflicht

In Frankreich, Spanien oder Italien ist der Sitzplatz im Schnellzug fest an das Ticket gebunden.

Ist der Zug ausgebucht, wird schlicht kein weiteres Ticket verkauft. Überfüllte Züge gibt es so gut wie nicht – dafür aber auch keine spontane Fahrt im letzten Moment.

Die Argumente

Dafür

+  Sitzplatzgarantie: Wer ein Ticket hat, hat sicher einen Platz – kein Stehen, kein Bodensitzen.

+  Keine Überfüllung: Der Zug wird nie voller, als er Plätze hat. Das ist sicherer und angenehmer.

+  Bessere Auslastung: Die Bahn weiß im Voraus, wie voll es wird, und kann Züge gezielter planen.

+  Weniger Stress: Kein Gerangel um Plätze, keine Suche durch den ganzen Zug.

Dagegen

  Ende der Spontaneität: Einfach einsteigen und losfahren wäre vorbei – ein großer Vorteil der Bahn.

  Kollision mit dem Deutschlandticket: Dessen Logik ist gerade die freie, spontane Nutzung.

  Probleme bei Ausfall: Fällt der reservierte Zug aus, wird das Umbuchen auf volle Folgezüge schwierig.

  Pendler und Flexible: Wer seinen Zug nicht genau planen kann, verliert Freiheit.

Reservieren – ja oder nein?

In Deutschland lohnt eine freiwillige Reservierung vor allem an Reisetagen wie Freitag und Sonntag, in den Ferien und auf stark nachgefragten Strecken. Unter der Woche und abseits der Stoßzeiten findet man meist auch ohne einen Platz. Wer sicher sitzen will, bucht die Reservierung am besten zusammen mit dem Ticket.

Und nun?

Eine volle Reservierungspflicht wäre für Deutschland der falsche Weg.

Die spontane Nutzbarkeit ist ein echter Trumpf der Bahn – und passt zur Idee des Deutschlandtickets.

Der klügere Mittelweg ist eine starke freiwillige Reservierung: verlässliche Anzeigen über die Auslastung, günstige oder inklusive Reservierungen und eine ehrliche Warnung, wenn ein Zug voll wird. So bekommt man Sitzplatzsicherheit für die, die sie wollen – ohne allen die Freiheit zu nehmen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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