Bahn-Slam · Standpunkt
„Sehr geehrte Fahrgäste, das Bordrestaurant im Wagen 7 hat geöffnet. Noch.“
Bordrestaurant in jedem Fernzug behalten?
→ Warme Mahlzeit bei Tempo 250 – ein Luxus, der Verluste bringt. Gehört das Bordrestaurant in jeden Fernzug?
Lesezeit: 7 Minuten · Service & Gastronomie
Worum es geht
Das Bordrestaurant ist ein Verlustgeschäft – und doch ein Aushängeschild. Im ICE und EuroCity gibt es weiter Bordrestaurant und Bistro mit warmen Mahlzeiten. In den Intercity-Zügen hat die Bahn Ende 2023 die letzten Bistros abgebaut; dort gibt es nur noch Snacks. Die Frage ist: Soll die Bahn an der teuren Bordgastronomie festhalten, weil sie zum Reisen gehört – oder ist der Platz besser für Sitze genutzt?
Ein Kaffee, eine Currywurst, ein Bier – bei 250 Stundenkilometern, mit der Landschaft, die am Fenster vorbeifliegt.
Das Bordrestaurant ist für viele das, was Bahnfahren von allem anderen unterscheidet.
Doch es kostet die Bahn Jahr für Jahr Geld.
Immer wieder wird deshalb überlegt, es zu verkleinern oder abzuschaffen.

Was es heute gibt
Im ICE und im EuroCity gibt es weiterhin ein Bordrestaurant oder Bistro mit warmen Gerichten.
In den Intercity-Zügen ist damit seit Dezember 2023 Schluss: Die letzten 20 Bistrowagen wurden abgebaut, es gibt nur noch Snacks.
Im Nahverkehr war ohnehin nie etwas – dort muss man sich selbst versorgen.
Ein Geschäft, das sich nicht rechnet
Die Bordgastronomie schreibt rote Zahlen. Ein Restaurantwagen bietet weniger Sitzplätze und braucht Personal und Technik.
Schon frühere Bahnchefs wollten die Speisewagen deshalb einschränken – und ernteten heftige Kritik, woraufhin die Bahn zurückruderte.
Bis heute hält sie am Angebot fest, obwohl es Verlust bringt: weil es zum Image der Bahn gehört.
Die Argumente
Dafür
+ Reisen als Erlebnis: Ein warmes Essen unterwegs macht die Bahn zu etwas Besonderem – das hat kein Flugzeug auf der Kurzstrecke.
+ Versorgung auf langer Fahrt: Auf fünf Stunden Fahrt ist eine warme Mahlzeit mehr als Luxus, gerade für Familien und Ältere.
+ Alleinstellung: Das Bordrestaurant ist ein Argument für die Bahn und gegen Auto und Flug.
+ Treffpunkt: Der Speisewagen ist der einzige Ort im Zug, an dem man aufstehen, sitzen und reden kann.
Dagegen
− Verlustgeschäft: Die Gastronomie kostet die Bahn dauerhaft Geld, das anderswo fehlt.
− Platzverschwendung: Ein Restaurantwagen bietet wenige Plätze. Als normaler Wagen würde er viel mehr Fahrgäste befördern.
− Es geht auch anders: Snackautomaten oder Lieferung an den Platz sind billiger – der Intercity zeigt, dass es ohne Bistro geht.
− Ungleich genutzt: Viele Reisende gehen nie ins Bordrestaurant. Warum sollen alle den Verlust mittragen?
Was gibt es in welchem Zug?
Im ICE und EuroCity: Bordrestaurant und/oder Bistro mit warmen Speisen und Getränken, teils auch Bestellung an den Platz. Im Intercity: seit Ende 2023 nur noch Snacks und Getränke, keine warmen Mahlzeiten mehr. Im Nahverkehr gibt es keine Bordgastronomie – hier heißt es: selbst mitbringen.
Und nun?
Das Bordrestaurant ist ein Zuschussgeschäft – aber eines, das auf die Marke Bahn einzahlt.
Der Intercity zeigt, dass es auch mit weniger geht; der ICE zeigt, dass sich das volle Angebot als Aushängeschild lohnen kann.
Ein kluger Mittelweg wäre, das Bordrestaurant dort zu behalten, wo lange gefahren wird, und auf kurzen Strecken mit Snacks und Bestellung an den Platz auszukommen. Nicht jeder Zug braucht eine Küche – aber die Bahn sollte nicht ihr schönstes Argument wegsparen.
Weiterfahrt
→ Warmes Essen im Zug? – der verwandte Standpunkt
→ Bordrestaurant – der Begriff im Wörterbuch
→ Wie viele Menschen passen in einen ICE? – der Platz, um den es geht
