Zahlen, bitte
„Sehr geehrte Fahrgäste, es geht jetzt bergauf – steiler, als Sie denken.“
Wie steil darf eine Bahnstrecke sein?
→ Räder aus Stahl rutschen leicht. Deshalb gelten für Steigungen strenge Grenzen – und Ausnahmen.
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Kurz gesagt
Eine normale Bahnstrecke gilt in Deutschland schon ab 25 Promille Steigung als Steilstrecke, ab 40 Promille greifen besondere Regeln. Reine Reibungsbahnen schaffen bis über 60 Promille – Zahnradbahnen sogar ein Vielfaches davon.
Steigungen misst die Bahn in Promille.
25 Promille bedeuten 25 Meter Höhenunterschied auf 1000 Meter Strecke.
Was nach wenig klingt, ist für Stahlräder auf Stahlschienen schon viel.
Denn die Reibung zwischen Rad und Schiene ist gering.
Wird es zu steil, drehen die Räder beim Anfahren durch oder rutschen beim Bremsen.
Deshalb gibt es klare Grenzen, ab wann eine Strecke als steil gilt.
Steigungen in Promille
25 ‰
Hauptbahn-Grenze
ab hier Steilstrecke
40 ‰
Steilstreckenvorschrift
besondere Regeln
61 ‰
Rübelandbahn
steile Reibungsbahn
250 ‰
Zahnradbahn
z. B. Zugspitze
Beispiele: Höllentalbahn 57 ‰, Rübelandbahn 61 ‰.
Quelle: Wikipedia (Steilstrecke).

Wo es besonders steil wird
Auf Hauptbahnen gelten Strecken über 25 Promille schon als steil und brauchen besondere Vorkehrungen.
Ab rund 40 Promille greift die sogenannte Steilstreckenvorschrift mit eigenen Brems- und Betriebsregeln.
Die Höllentalbahn im Schwarzwald erreicht 57 Promille, die Rübelandbahn im Harz über 61 – beides noch reine Reibungsbahnen, die allein über die Haftung der Räder fahren.
Steiler geht es mit purer Reibung kaum.
Damit solche Strecken sicher bleiben, gelten dort strengere Regeln: Die Züge fahren langsamer, die Bremsen werden häufiger geprüft, und oft sind besondere Fahrzeuge nötig.
Die Steigung diktiert den ganzen Betrieb.
Wenn die Haftung nicht reicht
Reicht die Reibung nicht mehr, hilft eine Zahnstange in der Gleismitte, in die ein Zahnrad der Lok greift.
So schaffen Zahnradbahnen Steigungen von 100, 200 und mehr Promille.
Die Bayerische Zugspitzbahn etwa klettert mit bis zu rund 250 Promille hinauf.
Ohne Zahnstange wäre das unmöglich – die Räder würden einfach durchdrehen.
Die Zahnstange gibt dem Zug den nötigen Halt.
Solche Bahnen sind aber langsam und teuer im Betrieb.
Deshalb setzt man sie nur dort ein, wo es wirklich steil bergauf geht – meist in den Bergen, wo Touristen zu Gipfeln und Aussichtspunkten wollen.
Wie die Bahn Berge umgeht
Meist versucht die Bahn aber gar nicht erst, steil zu fahren.
Stattdessen umgeht sie die Höhe mit Tricks: mit langen Kehren, weiten Schleifen und Tunneln, die den Berg durchstoßen, statt ihn zu überwinden.
Berühmt sind Kehrschleifen, bei denen sich die Strecke in großen Bögen den Hang hinaufwindet.
So bleibt die Steigung flach genug für normale Reibungszüge – auch wenn der Weg dadurch länger wird.
Am Ende ist die Steigung immer ein Kompromiss: So flach wie möglich für einen reibungslosen Betrieb, so steil wie nötig, um die Landschaft zu bewältigen.
Jede Strecke erzählt von dieser Abwägung.

Warum Steigung so viel ausmacht
Eine Steigung kostet Kraft.
Bergauf muss die Lok nicht nur den Zug ziehen, sondern ihn zugleich anheben.
Je steiler die Strecke, desto mehr Leistung braucht sie – und desto weniger Last kann sie mitnehmen.
Deshalb hängt an der Steigung auch die Wirtschaftlichkeit.
Ein Güterzug, der eine steile Rampe nur mit halber Last oder einer zweiten Lok schafft, ist teuer.
Flache Strecken sind darum fast immer die günstigeren.
Auch das Bremsen wird zum Thema.
Bergab schiebt das Gewicht des Zuges.
Wird es zu steil, reichen die normalen Bremsen womöglich nicht mehr sicher – ein weiterer Grund für strenge Grenzwerte.
Steile Rampen in Deutschland
Berühmt ist die Schiefe Ebene bei Neuenmarkt in Oberfranken.
Auf ihr überwindet die Bahn seit dem 19. Jahrhundert eine kräftige Steigung – lange ein echtes Nadelöhr, an dem schwere Züge zusätzliche Schublok bekamen.
Solche Rampen sind bis heute Anziehungspunkte für Eisenbahnfreunde.
Sie zeigen anschaulich, welche Mühe die Steigung dem Zug macht – und mit welchen Tricks die Bahn sie über Generationen gemeistert hat.
Interessant ist auch der Vergleich mit der Straße.
Autos schaffen dank ihrer Gummireifen mühelos Steigungen, an denen ein Zug längst durchdrehen würde.
Steile Passstraßen sind für Lastwagen kein Problem – für die Bahn schon.
Genau deshalb sucht sich die Bahn ihre Wege so sorgfältig.
Wo eine Straße einfach den Berg hochführt, braucht die Schiene lange Umwege, Tunnel oder eine Zahnstange.
Die geringe Reibung des Stahls prägt das ganze Streckennetz.
So ist die Frage nach der Steigung am Ende eine Frage der Physik: Stahl auf Stahl rollt herrlich leicht in der Ebene – und wird zur Herausforderung, sobald es bergauf geht.
Beides sind zwei Seiten derselben Medaille.
Zum Einordnen
Ab 25 Promille gilt eine Hauptbahn als Steilstrecke, ab 40 Promille greift die Steilstreckenvorschrift.
Reine Reibungsbahnen wie die Rübelandbahn schaffen über 60 Promille.
Zahnradbahnen wie die Zugspitzbahn klettern mit bis zu rund 250 Promille.
Häufige Fragen
Was bedeutet Promille bei der Bahn?
Warum nicht einfach überall steil bauen?
Wie umgeht die Bahn Berge?
Was ist die steilste normale Strecke?
Wie steil ist eine Zahnradbahn?
Weiterfahrt
→ Kommen Züge keine Berge hoch? – der passende Mythos
→ Ortstermin: Zugspitzbahn – Steilrekord mit Zahnstange
→ Wie viele passen pro Quadratmeter? – noch eine Zahl
