Stimmt es, dass …?
„In der engen Kurve wird aus dem sanften Rollen ein schrilles Kreischen. Warum eigentlich?“
Warum quietschen Züge in Kurven?
→ Das schrille Geräusch in engen Bögen ist kein Defekt, sondern Physik.
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Kurz gesagt
Stimmt. In engen Kurven können die fest verbundenen Räder nicht sauber abrollen – die äußere Schiene ist länger als die innere. Das Rad muss quer gleiten, gerät ins Schwingen und erzeugt das schrille Kurvenquietschen.
Besonders Straßenbahnen sind dafür berüchtigt: In engen Kurven geben sie ein schrilles, durchdringendes Kreischen von sich, das durch die halbe Straße hallt.
Das ist kein kaputtes Rad und kein Defekt – es ist ein Grundproblem des Rad-Schiene-Systems.
Außen länger als innen
In einer Kurve ist die äußere Schiene länger als die innere – der äußere Bogen hat schlicht einen größeren Radius.
Ein Auto löst dieses Problem mühelos: Seine Räder drehen sich einzeln, das kurvenäußere schneller als das kurveninnere.
Beim Zug aber sitzen die beiden Räder einer Achse fest auf derselben Welle.
Sie drehen sich zwangsläufig exakt gleich schnell.
In der Kurve passt das nicht mehr zur unterschiedlichen Länge der beiden Schienen – ein Rad muss ein Stück über die Schiene rutschen.

Häufige Fragen
Ist das Quietschen ein Defekt?
Warum quietschen Straßenbahnen mehr als Züge?
Was ist der Stick-Slip-Effekt?
Kann man es abstellen?
Spielt der Spurkranz eine Rolle?

Warum die feste Achse überhaupt sein muss
Man könnte fragen, warum man die Räder nicht einfach einzeln drehen lässt wie beim Auto.
Der Grund liegt in der Selbststeuerung des Radsatzes: Weil beide Räder starr verbunden und leicht kegelig geformt sind, hält sich der Zug auf gerader Strecke von ganz allein in der Spur.
Diese feste Achse ist also kein Fehler, sondern ein geniales Grundprinzip der Eisenbahn.
Es sorgt dafür, dass ein Zug ohne jede Lenkung sicher geradeaus läuft.
Der Preis dafür zeigt sich nur in engen Kurven – als Quietschen.
Ingenieure nehmen dieses Quietschen deshalb bewusst in Kauf, weil der Vorteil auf den langen geraden Strecken bei Weitem überwiegt.
In der Kurve muss die Physik eben einen kleinen, hörbaren Kompromiss eingehen.
Lärm, der die Nachbarn stört
Für Anwohner enger Kurven ist das Quietschen mehr als eine Kuriosität – es kann eine echte Belastung sein.
Gerade nachts empfinden viele das schrille, hochfrequente Geräusch als besonders unangenehm.
Verkehrsbetriebe investieren deshalb viel in Gegenmaßnahmen: fest installierte Schmieranlagen an bekannten Quietschkurven, die die Schiene automatisch benetzen, oder spezielle Radbeschichtungen.
In empfindlichen Wohngebieten kann das den Unterschied ausmachen.
Ganz zum Verstummen bringen lässt sich eine enge Stadtkurve aber selten.
Das Quietschen bleibt der unüberhörbare Beweis dafür, dass selbst ein über 150 Jahre altes, ausgereiftes System noch eine kleine, schrille Eigenheit behält.
Weiterfahrt
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