Stimmt es, dass Schienen unter Spannung verlegt werden?

Stimmt es, dass …?

„Kein Klackern mehr: Die alten Lücken im Gleis sind verschwunden. Dafür steckt das Gleis heute unter Spannung.“

Werden Schienen unter Spannung verlegt?

→ Lückenlos verschweißt heißt nicht spannungsfrei. Im Gegenteil.

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Kurz gesagt

Stimmt. Moderne Gleise sind kilometerweit lückenlos verschweißt. Damit sie sich bei Hitze nicht verbiegen und bei Kälte nicht reißen, werden sie bewusst auf eine „Neutraltemperatur“ von rund 20 Grad eingestellt – also vorgespannt.

Früher fuhr die Bahn mit eingebautem Soundtrack: das rhythmische „Tack-tack“ an den Schienenstößen.

Heute sind viele Strecken lückenlos verschweißt und damit still.

Doch die weggefallenen Lücken stellen die Technik vor ein echtes Problem.

Das Problem mit der Wärme

Stahl dehnt sich bei Wärme aus und zieht sich bei Kälte zusammen.

Ein kurzes Schienenstück mit Lücken kann das mühelos: Es „atmet“ an den Stößen, wird bei Hitze etwas länger, bei Kälte etwas kürzer.

Deshalb ließ man früher zwischen den Schienen kleine Spalte.

Ein kilometerlang verschweißtes Gleis aber kann sich nicht mehr ausdehnen.

Es steckt fest zwischen tonnenschwerem Schotter und Befestigungen.

Staut sich in der Hitze die Ausdehnung, drückt der Stahl zur Seite – es droht die gefürchtete Gleisverwerfung.

Bei großer Kälte passiert das Gegenteil: Der Stahl will sich zusammenziehen, kann es aber nicht, und es entstehen Zugspannungen.

Im Extremfall kann eine Schiene dann sogar reißen.

Beide Gefahren muss die Technik in den Griff bekommen.

Alstom Coradia LINT 41 (Abellio Rail Mitteldeutschland) in Magdeburg H
Foto: Laurenz Grünert, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Warum keine Dehnungslücken mehr?
Lückenlose Gleise sind leiser, laufruhiger und wartungsärmer. Dafür müssen sie gegen Hitze und Kälte vorgespannt werden.
Was ist die Neutraltemperatur?
Die Temperatur, bei der das Gleis spannungsfrei ist – in Deutschland meist um 20 Grad. Darüber entsteht Druck, darunter Zug.
Und wenn es extrem heiß wird?
Dann steigt die Verwerfungsgefahr. Die Bahn überwacht kritische Stellen und ordnet bei Bedarf langsameres Fahren an.
Kann eine Schiene wirklich reißen?
Bei großer Kälte entstehen Zugspannungen, die im Extremfall zu einem Schienenbruch führen können. Regelmäßige Kontrollen beugen dem vor.
Wer hält das Gleis in Position?
Die Befestigungen an den Schwellen und das schwere Schotterbett. Sie leiten die Kräfte ab, damit sich das Gleis nicht verzieht.
BR442 S Bahn Neumarkt Nürnberg
Foto: Ivanowitsch, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Wie ein lückenloses Gleis entsteht

Am Anfang stehen einzelne Schienen von meist 120 Metern Länge, die per Bahn zur Baustelle gebracht werden.

Dort werden sie mit einem speziellen Schweißverfahren zu langen Strängen verbunden – Stück für Stück, bis ein durchgehendes Band aus Stahl entsteht.

Beim Verschweißen lässt man zunächst regelmäßig Lücken offen.

Diese werden zuletzt als Verspannungsschweißungen geschlossen, wenn die Schiene die richtige Länge und Spannung hat.

So entsteht das lückenlos verschweißte Gleis, wie wir es heute kennen.

Das Verfahren ist Millimeterarbeit.

Jede Schweißnaht muss perfekt sitzen, denn sie soll Jahrzehnte halten und tonnenschwere Züge bei jedem Wetter tragen.

Anschließend wird die Naht sauber verschliffen, damit die Lauffläche glatt bleibt.

Ein Erbe aus vielen Jahrzehnten

Nicht überall im Netz ist bereits lückenlos verschweißt.

Auf Nebenstrecken und in manchen Weichenbereichen finden sich noch klassische Schienenstöße.

Deshalb hört man das alte „Tack-tack“ heute nur noch selten – ganz verschwunden ist es aber nicht.

Der Umbau auf lückenlose Gleise zog sich über Jahrzehnte und ist ein stiller Dauerauftrag.

Mit jeder Erneuerung verschwindet ein weiteres Stück Stoßlücke – und die Strecke wird ein bisschen leiser und laufruhiger.

So steckt in jedem modernen Gleis ein doppeltes Versprechen: die Ruhe des lückenlosen Bandes und die Sicherheit der genau berechneten Vorspannung.

Beides zusammen macht die Fahrt sanft – und hält den Stahl auch bei 35 Grad im Schatten an seinem Platz.

Weiterfahrt

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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