Stimmt es, dass …?
„Sehr geehrte Fahrgäste, bei großer Hitze fahren wir heute langsamer – der Schiene zuliebe.“
Stimmt es, dass Züge bei Hitze langsamer fahren müssen?
→ Wenn die Schiene sich in der Sonne aufheizt, wird aus Tempo ein Risiko. Was dahintersteckt.
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Kurz gesagt
Teils ja. Bei extremer Hitze kann sich die Schiene so stark ausdehnen, dass sie sich verbiegt – eine Gleisverwerfung. An gefährdeten Abschnitten lässt die Bahn die Züge dann langsamer fahren, damit sie sicher bleiben.
An heißen Sommertagen hört man es manchmal in der Durchsage: Wegen der Hitze fährt der Zug langsamer.
Was zunächst seltsam klingt, hat einen handfesten Grund – und der steckt tief im Stahl der Schienen.

Stahl dehnt sich in der Sonne
Schienen sind aus Stahl, und Stahl dehnt sich bei Wärme aus.
In der prallen Sonne wird eine Schiene viel heißer als die Luft – sie kann sich auf 50 bis 60 Grad und mehr aufheizen.
Moderne Gleise sind lückenlos verschweißt.
Die Wärmespannung kann sich also nicht in kleine Lücken verteilen, wie es früher bei den einzelnen Schienenstücken der Fall war.
Der Stahl steht unter Druck.
Steigt die Temperatur zu stark, drückt dieser Stahl mit großer Kraft – und im schlimmsten Fall verbiegt sich das Gleis seitlich.
Aus einer geraden Schiene wird dann eine gefährliche Kurve, die dort nicht hingehört.
Die Gleisverwerfung
Diese seitliche Verbiegung heißt Gleisverwerfung.
Ein Zug, der mit hohem Tempo darüberfährt, könnte entgleisen.
Genau das will die Bahn unter allen Umständen verhindern.
Deshalb richtet sie an besonders gefährdeten Abschnitten bei großer Hitze Langsamfahrstellen ein.
Langsamer fahren bedeutet weniger Belastung für das Gleis – und einen kürzeren Bremsweg, falls doch etwas nicht stimmt.
Das ist also keine Schikane, sondern Vorsorge.
Lieber ein paar Minuten später ankommen, als eine Entgleisung riskieren.
Die Sicherheit hat auf der Schiene immer Vorrang vor dem Fahrplan.
Was gegen die Hitze hilft
Gleise werden bei einer neutralen Temperatur von etwa 20 Grad spannungsfrei verlegt.
Bei dieser Temperatur steht der Stahl weder unter Zug noch unter Druck – ein Kompromiss zwischen heißen Sommern und kalten Wintern.
Besonders belastete Schienen werden zudem weiß gestrichen.
Helle Farbe heizt sich weniger auf, weil sie das Sonnenlicht reflektiert.
So bleibt die Schiene an gefährdeten Stellen einige Grad kühler.
An bekannten Risikostellen gilt bei Extremhitze schließlich eine vorübergehende Geschwindigkeitsbeschränkung.
Die Bahn kennt ihre gefährdeten Abschnitte genau und greift gezielt dort ein, wo es nötig ist.
Das Urteil
Teils wahr.
Nicht jeder heiße Tag bremst die Züge aus – im Normalfall fahren sie ganz normal.
Aber bei extremer Hitze und an gefährdeten Stellen sind Langsamfahrstellen echt.
Sie schützen vor der Gefahr einer Gleisverwerfung.

Der Sommer als Dauerthema
Mit den heißer werdenden Sommern gewinnt das Thema an Bedeutung.
Was früher die seltene Ausnahme war, kommt heute häufiger vor.
Die Bahn beobachtet gefährdete Strecken deshalb besonders genau.
An besonders heißen Tagen sind Mitarbeiter unterwegs, die Gleise kontrollieren und Temperaturen messen.
Wo es kritisch wird, greifen sie ein – mit Geschwindigkeitsbeschränkungen oder, im Extremfall, mit einer Sperrung des Abschnitts.
Technik gegen die Hitze
Neben dem weißen Anstrich hilft auch die Art der Gleisbefestigung.
Schwere Schwellen und ein gut verdichtetes Schotterbett halten das Gleis in seiner Lage, selbst wenn der Stahl sich ausdehnen will.
Je stabiler das Bett, desto geringer die Gefahr.
Auch die Wahl der neutralen Verlegetemperatur ist ein Kompromiss mit dem Klima.
Wird sie an heiße Regionen angepasst, sinkt das Risiko im Sommer – dafür steigt es im Winter etwas.
Ingenieure müssen beides gegeneinander abwägen.
So ist der Umgang mit der Hitze am Ende eine Mischung aus Vorsorge und Reaktion: gut gebaute Gleise, kluge Anstriche und im Zweifel das langsame Fahren.
Zusammen sorgen sie dafür, dass auch der heißeste Tag sicher bleibt.
Auch der Fahrdraht über der Strecke leidet unter Hitze.
Die Oberleitung dehnt sich aus und hängt dann tiefer durch.
Damit sie gespannt bleibt, ziehen schwere Gewichte an ihren Enden – ein cleveres System, das die Länge ausgleicht.
So ist die Hitze nicht nur ein Problem der Schienen, sondern der ganzen Anlage.
Gleise, Oberleitung und Technik müssen zusammen mit den Temperaturen zurechtkommen.
An besonders heißen Tagen kommt vieles gleichzeitig unter Druck.
Für Fahrgäste bleibt am Ende die einfache Erkenntnis: Wenn es im Hochsommer mal langsamer geht, steckt kein Schlendrian dahinter, sondern Vorsicht.
Die Bahn nimmt lieber eine kleine Verspätung in Kauf, als die Sicherheit zu riskieren.
Nicht zuletzt spielt auch die Tageszeit eine Rolle.
Am späten Nachmittag, wenn sich die Schienen den ganzen Tag aufgeheizt haben, ist die Gefahr am größten.
Morgens dagegen ist der Stahl noch kühl – dann drohen kaum Probleme.
Zum Einordnen
Schienen können sich in der Sonne auf 50 bis 60 Grad und mehr aufheizen.
Zu große Wärmespannung kann das lückenlos verschweißte Gleis seitlich verbiegen (Gleisverwerfung).
Gegenmaßnahmen: spannungsfreie Verlegung bei ~20 Grad, weiß gestrichene Schienen, Langsamfahrstellen.
Häufige Fragen
Warum streicht man Schienen weiß?
Passiert das bei jedem Sommer?
Hat Kälte denselben Effekt?
Was ist eine Gleisverwerfung?
Weiterfahrt
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→ Fällt die Bahn im Winter aus? – das Gegenstück im Frost
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