Stimmt es, dass ein ICE kein Lenkrad hat?

Stimmt es, dass …?

„Sehr geehrte Fahrgäste, Ihr Lokführer lenkt nicht – das übernimmt die Schiene.“

Stimmt es, dass ein ICE kein Lenkrad hat?

→ Gas geben, bremsen – aber nicht lenken. Warum ein Zug ohne Lenkrad fährt.

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Kurz gesagt

Stimmt. Ein ICE hat kein Lenkrad, und auch keine Lenkung. Die Richtung geben allein die Schienen vor – und an Abzweigungen die Weichen. Der Lokführer beschleunigt und bremst, den Weg bestimmt das Gleis.

Es ist eine Frage, die Kinder wie Erwachsene stellt: Wie lenkt der Lokführer eigentlich den Zug? Die verblüffende Antwort lautet: gar nicht.

Ein ICE hat kein Lenkrad – und braucht auch keins.

Flixtrain am Bahnsteig
Foto: Olaf Kosinsky, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons

Die Schiene ist die Lenkung

Ein Auto muss gelenkt werden, weil es auf der freien Straße jede Richtung nehmen kann.

Ein Zug nicht: Seine Räder laufen in zwei festen Schienen, die ihn führen.

Lenken wäre sinnlos – und unmöglich.

Im Führerstand gibt es deshalb kein Lenkrad.

Stattdessen findet der Lokführer einen Fahrhebel für die Beschleunigung und Hebel für die Bremsen.

Seine Aufgabe ist, Tempo zu halten, zu beschleunigen und rechtzeitig zu bremsen.

Das klingt einfacher, als es ist.

Denn der Lokführer muss den Zug vorausschauend führen: Signale beachten, Geschwindigkeiten einhalten, den langen Bremsweg im Kopf haben.

Die Richtung nimmt ihm die Schiene ab, alles andere nicht.

Wer bestimmt dann den Weg?

Die Richtung entscheidet sich an den Weichen.

Sie werden aus dem Stellwerk gestellt und legen fest, welchen Strang der Zug nimmt.

Der Lokführer lenkt also nicht – er folgt dem Fahrweg, den ihm Signale und Weichen vorgeben.

Man kann es sich wie eine Modelleisenbahn vorstellen: Der Zug fährt, wohin die Gleise ihn lassen.

Wo sich Strecken teilen, entscheidet die Weiche.

Gestellt wird sie fern aus dem Stellwerk, nicht vom Fahrer.

Wie die Räder durch Kurven laufen

Bleibt eine Frage: Wie kommt ein starrer Radsatz sauber durch eine Kurve? Die Antwort steckt in der Form der Räder.

Sie sind leicht kegelig geschliffen – innen dicker, außen dünner.

In der Kurve wandert der Radsatz ein Stück zur Seite.

Dadurch rollt das äußere Rad auf einem größeren Durchmesser, das innere auf einem kleineren.

So legt das äußere Rad den längeren Weg zurück – ganz von selbst.

Diese kegelige Form zentriert den Radsatz zugleich immer wieder in der Gleismitte.

Der Zug hält sich also selbst in der Spur, ohne dass jemand lenkt.

Eine einfache, geniale Lösung, über hundert Jahre bewährt.

Das Urteil

Stimmt.

Ein ICE hat kein Lenkrad – und braucht auch keines.

Gelenkt wird der Zug durch Schienen und Weichen.

Der Mensch im Führerstand steuert Tempo und Bremse, nicht die Richtung.

Berlin Bahnhof Berlin Nikolassee auf Bahnsteig zu Gleis 3 Richtung Ahren
Foto: Wikimedia-User Jivee Blau, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ein Blick in den Führerstand

Wer einmal in einen Führerstand schauen darf, sucht das Lenkrad vergeblich.

Stattdessen sieht man einen Fahrhebel, Anzeigen für Geschwindigkeit und Signale sowie die Bremseinrichtungen.

Alles dreht sich um Tempo und Sicherheit, nicht um Richtung.

Der Fahrhebel wird oft „Fahrschalter“ oder „Sollwertgeber“ genannt.

Schiebt der Lokführer ihn nach vorn, beschleunigt der Zug; zieht er ihn zurück, wird gebremst.

Es ist eine ganz andere Welt als das Cockpit eines Autos.

Warum das sicher ist

Dass ein Zug nicht lenkbar ist, klingt zunächst wie ein Nachteil – ist aber ein großer Sicherheitsgewinn.

Der Zug kann nicht versehentlich von der Strecke abkommen, solange keine Weiche ihn woanders hinleitet.

Die gesamte Steuerung der Richtung liegt damit in den Händen der Fahrdienstleiter im Stellwerk.

Sie stellen Weichen und Signale und sorgen dafür, dass sich keine zwei Züge in die Quere kommen.

Der Lokführer kann sich ganz auf das Fahren konzentrieren.

So ergänzen sich Mensch und Technik: Die Schiene führt, das Stellwerk lenkt, der Lokführer steuert Tempo und Bremse.

Gerade dieses Zusammenspiel macht die Eisenbahn zu einem der sichersten Verkehrsmittel überhaupt.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es immer so war.

Schon die ersten Dampfloks vor fast zweihundert Jahren hatten kein Lenkrad.

Von Anfang an übernahm die Schiene die Führung – das ist das Grundprinzip der Eisenbahn.

Gerade das unterscheidet sie vom Auto und macht sie so leistungsfähig.

Weil kein Fahrer lenken muss, können Züge extrem lang und schwer sein.

Ein einzelner Lokführer bewegt tausende Tonnen – nur weil die Schiene den Weg vorgibt.

Auch das automatische Fahren ist deshalb bei der Bahn einfacher als auf der Straße.

Fahrerlose U-Bahnen gibt es längst, denn ohne Lenkaufgabe bleibt vor allem das genaue Steuern von Tempo und Bremse – und das lässt sich gut automatisieren.

Zum Einordnen

Ein ICE hat kein Lenkrad und keine Lenkung – die Schienen führen den Zug.

Die Richtung an Abzweigungen bestimmen Weichen, gestellt aus dem Stellwerk.

Die kegelige Form der Räder lässt den Radsatz sich in Kurven selbst führen.

Häufige Fragen

Wie kommt der Zug dann um die Kurve?
Die Schienen führen ihn. Die kegelige Form der Räder sorgt dafür, dass der Radsatz sich in der Kurve selbst führt und mittig bleibt.
Und beim Abbiegen an einer Kreuzung?
Dafür gibt es Weichen. Sie werden ferngesteuert gestellt und leiten den Zug auf das richtige Gleis.
Könnte ein Zug je von der Schiene „abbiegen“?
Nur über eine Weiche. Ohne sie bleibt der Zug im Gleis – das ist gewollt und macht ihn sicher.
Was macht der Lokführer dann?
Er steuert Tempo und Bremse, beachtet Signale und hält die Geschwindigkeit ein. Die Richtung gibt das Gleis vor.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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