Stimmt es, dass ein Mensch einen Waggon schieben kann?

Stimmt es, dass …?

„Ein Mensch, ein Waggon, ebene Strecke – und der Koloss rollt tatsächlich an.“

Kann ein Mensch einen Waggon schieben?

→ Tonnen auf Stahl, von Hand bewegt. Klingt unmöglich, ist aber Physik.

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Kurz gesagt

Stimmt – auf ebener Strecke. Der Rollwiderstand von Stahlrad auf Stahlschiene ist so gering, dass ein Mensch einen tonnenschweren Waggon langsam in Bewegung setzen kann. Gefährlich und verboten ist es trotzdem.

Ein Eisenbahnwagen wiegt leicht 20, 30 oder mehr Tonnen.

Dass ein einzelner Mensch ihn anschieben können soll, klingt nach Angeberei oder Zirkustrick.

Und doch geht es – aus einem einfachen, aber verblüffenden physikalischen Grund.

Metronom mit Baureihe 146 im Hannoveraner Hauptbahnhof
Foto: Eisenbahn in Norddeutschland, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Stahl auf Stahl rollt fast von allein

Das Geheimnis ist der Rollwiderstand.

Ein harter Stahlreifen auf einer harten Stahlschiene verformt sich kaum – anders als ein Gummireifen auf Asphalt, der sich bei jeder Umdrehung breitdrückt und dabei Energie schluckt.

Der Rollwiderstand zwischen Rad und Schiene ist deshalb rund zehnmal geringer als der eines Autoreifens auf der Straße.

Genau das macht die Eisenbahn so sparsam – und einen einzelnen Waggon so erstaunlich leicht beweglich.

Ein bisschen Physik

Zum Rollen braucht es nur einen winzigen Bruchteil des Gewichts als Kraft.

Bei einem 20-Tonnen-Wagen sind das grob ein paar hundert Newton – etwa so viel, wie man zum Schieben eines sehr schwer beladenen Einkaufswagens aufbringt.

Das Gewicht drückt dabei fast senkrecht nach unten auf die Schiene, nicht gegen die Bewegungsrichtung.

Deshalb muss man nur den kleinen Rollwiderstand überwinden – und der Koloss setzt sich langsam in Bewegung.

Genau dieses Prinzip erklärt auch, warum wenige Loks ganze Güterzüge mit tausenden Tonnen ziehen können.

Nicht das Gewicht ist das Problem, sondern nur der geringe Widerstand, der überwunden werden muss.

Warum das die Bahn so sparsam macht

Der geringe Rollwiderstand ist der eigentliche Grund für die Effizienz der Schiene: Eine Tonne Fracht braucht auf dem Gleis nur einen Bruchteil der Energie wie auf der Straße.

Deshalb ist die Bahn beim Gütertransport dem Lkw energetisch weit überlegen – dieselbe Physik, die den Waggon von Hand schiebbar macht.

Bitte niemals ausprobieren

So faszinierend das ist: Auf dem Bahngelände ist es lebensgefährlich und streng verboten.

Ein einmal rollender Waggon lässt sich von Hand kaum noch stoppen – er wiegt weiter seine vielen Tonnen, und wer ihm im Weg steht, hat keine Chance.

Im echten Bahnbetrieb bewegen nur geschulte Fachleute einzelne Wagen, immer gesichert gegen unkontrolliertes Wegrollen.

Bremsschuhe, Hemmschuhe und Feststellbremsen sorgen dafür, dass nichts von allein ins Rollen kommt.

Was die Physik also erlaubt, bleibt im Gleis trotzdem tabu.

Der Waggon lässt sich schieben – aber niemals von Neugierigen, sondern nur unter strengen Sicherheitsregeln.

Ein Aha-Effekt mit Geschichte

Rangierer wissen um diesen Effekt seit den Anfängen der Eisenbahn.

Beim Verschieben einzelner Wagen half früher oft schlicht Muskelkraft, unterstützt von der Schwerkraft auf leicht geneigten Rangiergleisen, den sogenannten Ablaufbergen.

Auf einem solchen Ablaufberg rollen die Wagen sogar ganz von allein zu ihren Zielgleisen – angetrieben nur von einem sanften Gefälle.

Auch das ist nur möglich, weil der Rollwiderstand so gering ist.

Der schiebende Mensch ist damit nur die kleine, handfeste Variante eines großen Prinzips.

S Bahn Berlin Baureihe 484 Fahrgastinformation
Foto: Andre_de, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Wieso geht das überhaupt?
Weil Stahl auf Stahl kaum Rollwiderstand hat – rund zehnmal weniger als ein Reifen auf der Straße. Das Gewicht drückt fast senkrecht nach unten, nicht gegen die Bewegung.
Kann man so einen ganzen Zug schieben?
Einen einzelnen Wagen auf ebener Strecke ja, langsam. Mehrere gekuppelte Wagen oder eine Steigung sind eine ganz andere Sache.
Darf man das?
Nein. Im Gleisbereich ist es lebensgefährlich und verboten. Wagen bewegt nur geschultes Personal, gesichert gegen Wegrollen.
Warum ist die Bahn deshalb so sparsam?
Derselbe geringe Rollwiderstand, der den Waggon schiebbar macht, sorgt dafür, dass die Schiene beim Transport viel weniger Energie braucht als die Straße.
Was ist ein Ablaufberg?
Ein leicht geneigtes Rangiergleis, auf dem Wagen allein zu ihren Zielgleisen rollen – möglich nur wegen des geringen Rollwiderstands.

Warum uns das Gewicht täuscht

Unser Bauchgefühl sagt: Was schwer ist, ist auch schwer zu bewegen.

Auf der Straße stimmt das auch – dort muss man bei jeder Bewegung den hohen Rollwiderstand des Gummis überwinden.

Die Schiene aber spielt nach anderen Regeln.

Hier zählt nicht das Gewicht selbst, sondern nur der Widerstand gegen das Rollen.

Und der ist bei Stahl auf Stahl winzig.

Ein 20-Tonnen-Wagen fühlt sich beim Anschieben deshalb eher an wie ein sehr schwer beladener Einkaufswagen als wie ein Koloss.

Das Verblüffende ist der Kontrast: Man sieht die tonnenschwere Masse und erwartet, dass sich nichts rührt – und dann setzt sich der Wagen doch langsam in Bewegung.

Genau dieser Aha-Effekt macht den Mythos so beliebt.

Dieselbe Physik hält die Verkehrswende in Gang

Was im Kleinen den Waggon schiebbar macht, ist im Großen ein starkes Argument für die Schiene.

Weil eine Tonne Fracht auf dem Gleis nur einen Bruchteil der Energie braucht wie auf der Straße, ist der Güterverkehr per Bahn besonders klimafreundlich.

Der schiebende Mensch am Waggon und der lange Güterzug hinter einer einzigen Lok folgen also demselben Prinzip.

Der geringe Rollwiderstand ist der stille Grund, warum die Bahn beim Transport so unschlagbar effizient ist.

Am Ende bleibt ein schönes Paradox: Ausgerechnet das schwerste Verkehrsmittel lässt sich im Kleinen am leichtesten bewegen – weil die Physik der Schiene die Last fast vergessen macht.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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